Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Prinzip der minimalen Hilfe

P

In einem Hochschuldidaktik-Workshop der FH St. Pölten habe ich das Prinzip der minimalen Hilfe kennengelernt.

Die Idee ist ziemlich einfach: Hilf deinen Studierenden nur so viel, wie sie zum Lernen unbedingt brauchen. Nicht mehr. Weil: Wir engagierte Lehrende (und Berater:innen) übertreiben es gerne mit unserer Hilfe.

Im Prinzip der minimalen Hilfe gibt es fünf Stufen:

  1. Motivationshilfe: Ermutigung, es weiter (nochmal) zu probieren.
  2. Rückmeldehilfe: Feedback auf die bisher geleistete Arbeit.
  3. Allgemeine strategische Hilfe: Hinweise, wo sie Inhalte/Hilfestellungen finden.
  4. Inhaltsorientierte strategische Hilfe: Inhaltliche Rückmeldung, Hinweise zur weiteren Vorgangsweise.
  5. Inhaltliche Hilfe: Intensive Auseinandersetzung mit der Arbeit, Korrekturen vorschlagen.

Die Kunst eines guten Lehrers (und effektiven Beraters) ist zu erkennen, welche Art von Hilfe gerade angebracht ist.

Wenn man das weiß, dann ist das Helfen gleich viel leichter.

Buchverkäufe

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Seth Godin hat unlängst eine spannende Grafik über den Buchmarkt in den USA geteilt:

In den USA erscheinen pro Jahr mehr als 450.000 Bücher. Davon verkaufen nur 163 Bücher mehr als 100.000 Stück. Mit anderen Worten: Nur 0,04 % aller Neuerscheinungen sind echte Bestseller.

Noch spannender ist die untere Hälfte der Grafik: 85 % aller Neuerscheinungen verkaufen weniger als 5.000 Stück. Und: Die allermeisten Neuerscheinungen würden heilfroh sein, wenn sie überhaupt dreistellige Verkaufszahlen erreichen könnten – oder überhaupt mehr als ein Exemplar verkaufen.

Als jemand, der schon mal ein Buch geschrieben hat, kann ich sagen: Das ist eine Mordshack’n. Aber es lohnt sich. Man lernt viel dabei.

Aber wenn du ein Buch schreiben willst in der Hoffnung, damit ein ordentliches Knedl zu machen oder weltberühmt zu werden, dann würde ich sagen: Träum weiter.

Jegliches Vertrauen verloren

J

Wenn du dich lang genug mit einem Problem herumgeschlagen hast, ohne eine Lösung zu erreichen, kommt der Moment, wo du sagt: Ich mag nimmer!

In diesem Moment hast du jegliches Vertrauen verloren: Das Vertrauen in deine Fähigkeiten, das Problem zu lösen. Das Vertrauen, dass der nächste notwendige Schritt die Mühe wert ist. Das Vertrauen, dass du zeitnah zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommst.

Das ist natürlich, und das ist verständlich. Manchmal muss man einfach loslassen, wenn sich der Aufwand nicht mehr lohnt.

Schwierig ist diese Herangehensweise allerdings im Verkauf: Wie oft willst du es versuchen, bis du das Vertrauen verlierst – in dein Produkt, in deine Fähigkeiten, in deine Zielgruppe?

Wie viele Tiefschläge kannst du einstecken, bis du endgültig liegen bleibst?

Erfolg vs. Entwicklung

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Was ist dir in deinem Lifestyle Business gefühlt wichtiger:

Der Erfolg, also dass du mit deiner Selbständigkeit ein bestimmtes Ergebnis erreichst, z.B. Umsatz- oder Gewinnziele, eine bestimmte Anzahl von Kund:innen oder eine gewisse Größe oder Status?

Oder die Entwicklung, also die Erfahrungen, die du in deiner Selbständigkeit machst. Das Lernen, das Wachsen, die Schritte vorwärts und die Schritte zurück?

Eines schließt das andere nicht aus, aber jeder von uns hat eine intuitive Präferenz. Manche sind eher ergebnisorientiert, manche eher entwicklungsorientiert.

Wenn du herausgefunden hast, wozu du eher tendierst, hast du möglicherweise viel gelernt über deine intuitive Herangehensweise an dein Business – und darüber, was dich eigentlich motiviert.

[P.S: Ich habe mal einen recht leiwanden Podcast gemacht über den Unterschied zwischen Ergebnisprojekten und Beziehungsprojekten. Der schlägt in die gleiche Kerbe. Eine Hörempfehlung, wenn dich diese Frage näher interessiert.]

Rod Stewart

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Rod Stewart spielt heute ein Konzert in Wien. Vielleicht sein letztes hierzulande.

Ich habe in meinem Leben wahrscheinlich an die 1.000 Konzerte gesehen, von vielen verschiedenen Künstler:innen. Rod Stewart war nie dabei, und auch das heutige Konzert wird ohne mich über die Bühne gehen.

Ich bin sicher, dass das Publikum einen tollen Abend haben wird. Und wahrscheinlich könnte ich fast alle Lieder an diesem Abend mitsingen. Und trotzdem… Meine Beziehung zu Rod Stewart ist kompliziert.

Denn ich mag Rod Stewart irgendwie nicht. Und das ist eigenartig, denn Rod Stewart hat mir nie was getan. Ich kann nicht genau sagen, was ich an ihm nicht mag. Ich respektiere ihn und seinen Erfolg, aber er steht mir, wie man so sagt, einfach nicht zu Gesicht.

Das ist natürlich kein Problem, und auch Mr. Stewart wird’s wurscht sein.

Mich wundert nur, wie es sein kann, dass ich mir ganz sicher bin, dass mich was stört (ein Mensch, eine Situation, ein Kunstwerk, eine Beziehung, was auch immer) und ich gleichzeitig nicht sagen kann, warum das so ist.

Wir haben alle unsere Rod Stewarts im Leben, die uns vor solche Rätsel stellen.

Schein-plausibel

S

20% aller Unfälle werden von alkoholisierten Lenkern verursacht.

80% der Unfalllenker sind nicht alkoholisiert. Man müsste also nur alle Lenker betrunken machen, dann hätten wir nur 20% der Unfälle. 

So ähnlich wird in ganz vielen Bereichen argumentiert. Was hier absurd klingt, erscheint in anderem Kontext vollkommen plausibel. Ein Blödsinn bleibt es trotzdem.

Caveat emptor!

Mutig Hilfe anbieten

M

Es gibt zwei Varianten, wie du als Berater:in deine Hilfe anbieten kannst:

Variante 1: Wie kann ich Ihnen helfen?

Variante 2: So kann ich Ihnen helfen. Möchten Sie das haben?

Welche Variante erfordert von dir mehr Mut?

Und welche Variante, glaubst du, wird hilfreicher für deine Kund:innen sein?

[Danke Gabe Anderson für diesen Gedanken.]

Das entschleunigte Leben

D

Sexualpädagogin Teresa Reitbauer beschrieb unlängst ihr Ziel als Selbständige:

„Ich möchte gerne das machen, was ich gerne tue — meine Arbeit —, und möcht auch die ganzen Projekte nebenbei machen, genauso aber Zeit haben für ein Kaffee-Tratscherl am Nachmittag mit Freunden und für Familienbesuche und auch einmal ausschlafen. Also das entschleunigte Leben verbinden mit der Selbständigkeit, in der ich ebenfalls ganz, ganz große Ambitionen habe.

Teresa Reitbauer

Das ist eine super lebensnahe Definition davon, worum es für mich im Lifestyle Entrepreneurship geht: Um nichts weniger als ein tolles Leben UND einer großartigen Selbständigkeit.

Viel Erfolg auf der Reise, Teresa!

In die Zukunft gedacht

I

Matthias Horx sagt: Wenn wir über die Zukunft nachdenken, dann denken wir in Wirklichkeit in unserer Vergangenheit. Wir kramen in unseren Erinnerungen und schustern uns daraus eine vorstellbare Zukunft zusammen.

Wir können uns unsere Zukunft also nicht frei von der Vergangenheit vorstellen.

Denk mal, was in deiner Zukunft alles möglich wäre, wenn du deine Vergangenheit vollständig hinter dir lassen könntest!

Wunschdenken

W

Orientiere dich nicht am dem, was wünschenswert wäre.

Orientiere dich an dem, was dir heute möglich ist. 

Der beste ROI

D

Jede Minute, die du mit (potenziellen) Kund:innen verbringst und ihnen wirklich zuhörst und versuchst, sie als Menschen zu verstehen und von ihnen zu lernen, wie du noch besser helfen kannst, bringt dir die besten Zinsen der Welt.

Es gibt keinen besseren Return On Investment.

Und damit meine ich nicht nur den ROI, den man in Geld messen kann.

Geisterbahn

G

Thomas Müller sagt: Die Menschen im 21. Jahrhundert gehen “in einer militanten Art und Weise” allen Situationen aus dem Weg, die ihnen Angst machen könnten. Deswegen haben heute so viele Menschen Angst wie nie zuvor.

Mutig wirst du nicht dadurch, dass du der Angst aus dem Weg gehst. Durch Angst-Vermeidung wird es dir nicht besser gehen, sondern du wirst nur noch ängstlicher werden.

Mutig wirst du dadurch, dass du dich angsteinflößenden Situationen stellst und durch sie hindurch gehst.

Immer und immer wieder. 

Volle Hose

V

Wenn du dir nicht sicher bist, woran es liegt, dass du auf der Stelle trittst und nicht weiterkommst…

Geh davon aus, dass es deine Resistance ist. Du machst dir einfach in die Hosen.

More often than not wirst du damit richtig liegen.

Nachdenken ohne Geld

N

Wenn Geld kein Thema wäre, würdest du dich genauso entscheiden?

Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würdest du dann genauso handeln?

Wenn für deine materielle Sicherheit gesorgt wäre, würdest du dich mit diesem Thema überhaupt beschäftigen?

Die Krone richten

D

Man kann es nicht oft genug hören und sagen:

Es gibt keine Abkürzungen im Business. Wir alle müssen die gleichen Schritte gehen.

Und gerade am Anfang werden die allermeisten Dinge nicht funktionieren – außer, man hat Glück.

Entscheidend ist, dass wir dranbleiben. Dass wir uns von Misserfolgen oder fehlender Resonanz nicht entmutigen lassen, sondern lösungsorientiert bleiben und uns fragen:

  • Was hat nicht funktioniert?
  • Warum hat es nicht funktioniert?
  • Was kann ich beim nächsten Mal anders/besser machen?

[Danke Tanja Lenke für diesen Gedanken.]

Online-Pareto

O

Bei Online-Lehrveranstaltungen gilt ganz massiv das Pareto-Prinzip: 80 % der aktiven Beiträge kommen von 20 % der Teilnehmer:innen.

Das ist eh okay. Das ist eh immer so. Das hat viele unterschiedliche Gründe.

Aber wenn man das nicht weiß (oder darauf vergisst), dann könnte einen das schon frustrieren.

Rückenwind, Gegenwind

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Als Vizekanzler Werner Kogler unlängst gefragt wurde, ob er mit dem Ergebnis der Grünen bei der letzten Wahl nicht unzufrieden sei, gab er folgende pragmatische Antwort:

Manchmal gibt’s Rückenwind und manchmal gibt’s Gegenwind,
und die Aufgabenstellung bleibt aber trotzdem.

Werner Kogler, Ö3 Frühstück bei mir, 16. Juni 2024

Klar, das war auf seine Aufgabe als Politiker gemünzt, konkret den Klimaschutz.

Es hätte aber genauso gut von einem erfahrenen Lifestyle Entrepreneur kommen können.

So viele Hürden!

S

Der Start in die Solo-Selbständigkeit ist ein bisschen wie ein Hürdenlauf: Sobald eine Hürde überwunden ist, taucht die nächste auf.

Jede einzelne Hürde verlangt von uns Anstrengung und Selbst-Motivation. Und jede einzelne Hürde hat das Potenzial, uns abzuwerfen. Nach dem Motto: Ach Gott, nicht das auch noch! Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr! Mir reicht’s, ich steige aus!

Jede neue Hürde könnte also unsere letzte Hürde sein. Nicht deswegen, weil die Hürden irgendwann alle überwunden sind (die Hürden im Business hören nie auf!), sondern weil wir irgendwann vom Hürdenlauf endgültig genug haben und unser Solo-Business an den Nagel hängen.

Erfolgreiche Solopreneure haben eines gemeinsam: Sie haben bisher jede Hürde irgendwie (!) überwunden. Wir glauben vielleicht, die erfolgreichen Unternehmer:innen hätten weniger Hürden gehabt, aber das stimmt nicht. Sie hatten genauso viele wie wir (vielleicht sogar mehr), aber sie sehen jede Hürde als ihren Freund.

Eine Hürde als Freund? Ja. Denn jede neue Hürde wird verlässlich wieder einige ihrer Mitbewerber:innen abwerfen.

Mit jeder Hürde, die du überwindest, hast du auch ein bisschen weniger Konkurrenz.

Fünfzehn verschiedene Antworten

F

Unlängst habe ich 15 e-Mails an 15 verschiedene Menschen geschrieben.

Diese Mails waren zwar nicht wortgleich, aber sie waren einander sehr ähnlich. Vor allem hatte ich an jede:n das gleiche Anliegen und die gleiche Bitte um Unterstützung.

Dabei habe ich (unter anderem) gelernt: Wenn du 15 e-Mails aussendest, wirst du 15 verschiedene Antworten bekommen. Manche Antworten sind lang, manche kurz, manche Antworten sind überhaupt nichtexistent. Manche Antworten sind herzlich, manche Antworten sind höflich-distanziert. Manche Antworten sind weniger, als du gehofft hattest, manche Antworten überraschen dich positiv. Manche sind genau so, wie du sie dir erwartet hast.

Jeder Mensch ist anders, und jeder Mensch reagiert anders auf dich. Das macht die Arbeit als Lifestyle Entrepreneur einerseits anstrengend, andererseits liegt genau darin ein Zauber des Lebens: Wer viel mit Menschen zu tun hat, dem wird nie langweilig werden.

Gründungsberatungs-Hauptprobleme

G

In der Gründungsberatung gibt es im Grunde zwei Haupt-Probleme, auf die so ziemlich alles hinausläuft:

  1. Der Gründer tut, ohne zu denken. Er denkt nicht genug über seine Geschäftsidee, seine Marketing-Strategie, seine Zielgruppe etc. nach und ist quasi im Blindflug unterwegs.
  2. Die Gründerin denkt, ohne zu tun. Sie denkt zu viel nach, möchte alle Eventualitäten geklärt haben und traut sich (noch) nicht, ihre Angebote am Markt feilzubieten.

Im Prinzip reicht es, als Gründungsberater:in dabei zu helfen, dass Denken und Tun in eine produktive Balance kommen.

Ganz einfach. Oder?