Tag#Lehren&Lernen

Kuratoren-Führung

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Unlängst war ich bei einer Führung im Kunsthistorischen Museum. Die Kuratorin der Sonder-Ausstellung “Archimboldo – Bassano – Bruegel“, Francesca Del Torre Scheuch, hat durch “ihre” Ausstellung geführt.

Die Begeisterung für und der Stolz auf diese Ausstellung war ihr in den Augen abzulesen. Sie hat sich viel Zeit genommen, uns ihre Gedanken hinter der Konzeption so einer Ausstellung zu erklären: Was wo hängt – und warum in Kombination mit den anderen Dingen in den Raum. Welche historischen Trends sich in den Kunstwerken abbilden und wie Künstler, Wissenschaftler und Mäzene zusammengewirkt haben.

Spannend und faszinierend. Aber den meisten Besucher:innen, die sich diese Ausstellung auf eigene Faust anschauen, bleiben diese reichhaltigen Hintergedanken wohl verborgen. Sie kennen diese unsichtbaren inneren Zusammenhänge nicht, und sie “sehen” dadurch nur die Hälfte.

Und trotzdem wird, im besten Fall, auch beim “normalen” Besucher jene Ordnung, jene “Story” zumindest spürbar, welche die Kuratorin in die Ausstellung hineingelegt hat – selbst wenn sie nicht persönlich anwesend ist, um alles zu erklären.

Lifelong Learning nach Art des Hauses

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Meine Interpretation von Lifelong Learning (LLL): Locker, leicht und leiwand!

  • Locker bei der Zielerreichung. Ja, hohe Ansprüche! Sehr hohe sogar. Aber nicht verkrampfen, wenn es um den Zeitraum oder den Weg dorthin geht. Auf den Prozess vertrauen, nicht krampfhaft Kontrolle ausüben wollen.
  • Leichtigkeit beim Lernen. Das Spielerische hochhalten. Durch’s Spielen lernen wir am meisten. Lernen kann anstrengend sein, aber es gibt auch eine Art anstrengend, die einen hinterher nicht müde, sondern glücklich macht.
  • Leiwand bei der Auswahl der Themen. Folge deinem Herzen, folge deiner Neugier.

Kinder machen Business

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Unlängst habe ich einen Vormittag lang in der dritten Volksschulklasse meines Sohnes unterrichtet. 17 Neunjährige, eine Lehrerin und ich haben ein Unternehmen gegründet: einen Apfelsaft-Stand.

Dieses Projekt war, wie man sich vorstellen kann, in mehrerlei Hinsicht spannend. Aber eine Erkenntnis hat sich mir besonders eingeprägt:

Die Probleme, die Neunjährige bei der Zusammenarbeit in mehreren Teams haben, sind haargenau dieselben wie bei den Erwachsenen.

Oder, anders formuliert: Erwachsene haben immer noch die gleichen Probleme wie Neunjährige, wenn sie in verschiedenen Abteilungen zusammenarbeiten sollen – und oft auch noch haargenau die gleichen Lösungsstrategien.

Geteilte Kunst

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Unlängst habe ich in einem Blog-Post die Frage gestellt: Was ist eine Kunstsammlung wert, wenn man sie nicht herzeigen kann?

Das hat zu einem spannenden Gespräch mit Martin geführt – nämlich über die Frage, ob z.B. Kunstwerke nicht auch an und für sich einen Wert haben.

Worauf wir gemeinsam gekommen sind: Ja, ein Kunstwerk hat einen Wert “an sich”, einen intrinsischen Wert. Ein Kunstwerk ist nicht deswegen wertlos, weil es “nur” der Künstler oder die Kunstsammlerin sehen kann.

Aber es bekommt mehr Wert, wenn es auch anderen Menschen zugänglich ist.

Selbst, wenn das Kunstwerk in einem Museum hängt und dort von niemandem betrachtet wird — allein, dass es gesehen werden könnte, macht schon einen Riesenunterschied.

Unsere gemeinsame Hypothese: Das meiste im Leben wird mehr wert, wenn man es teilt.

[Genau diese Idee (oder so was Ähnliches) motiviert mich auch seit Jahren, diesen Daily Blog zu schreiben. Er könnte ja gelesen werden. Und ab und zu spreche ich tatsächlich mit jemandem über ein Blog-Post. Das empfinde ich jedes Mal als ausgesprochen wert-voll.]

Kurze oder lange Silbe?

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Unlängst wurde ich unfreiwillig Zeuge von schlechtem Unterricht.

Ein Kind sollte den Unterschied zwischen Silben mit langen Vokalen und Silben mit kurzen Vokalen erkennen. Also: BIE-ne (langer Vokal, dann kurzer Vokal) vs. Pin-gu-in (lauter kurze Vokale).

Die Lehrerin war sehr bemüht und geduldig, das muss man ihr wirklich zugute halten. Aber das Problem war: In ihren Erklärungen haben alle Vokale gleich lang geklungen. Das Kind konnte den Unterschied zwischen den langen und den kurzen Vokalen nicht deutlich genug hören.

Mit anderen Worten: Der Kontrast zwischen den verschiedenen Möglichkeiten war nicht stark genug. Und das Ergebnis: Das Kind hat nichts gelernt, sondern bis zum Ende der Übung nur geraten. Weil es bis zum Schluss die Unterscheidung nicht hinbekommen hat. Für das Kind klang beides gleich.

So geht es übrigens auch unseren Kunden oft, wenn sie versuchen, verschiedene Angebote zu vergleichen. Es sieht nur so aus, als ob unsere Kunden sich nicht die Mühe machen wollten, sich genau zu informieren.

In Wirklichkeit bleibt auch ihnen nichts anderes übrig als zu raten, weil die Unterschiede einfach nicht deutlich genug erkennbar sind.

Lehr-Lern-Probleme

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Eine persönliche Hypothese:

Die allermeisten zwischenmenschlichen Probleme lassen sich auf eine dieser beiden Ursachen zurückführen:

  1. Jemand ist kein guter Lehrer.
  2. Jemand ist kein guter Lerner.

Stimmt vielleicht nicht überall, aber in erstaunlich vielen Kontexten.

Meisterhaft

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Wenn du wissen willst, wie es klingt, wenn jemand in seiner Zone Of Genius ist, dann hör der Psychotherapeutin Esther Perel bei der Arbeit zu.

Beeindruckend. Inspirierend.

Vorbildlich.

Genug beraten

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Eine Arbeitshypothese:

Solopreneur:innen wollen in der ersten Zeit nach ihrer Gründung nicht (mehr) beraten werden.

Sie wollen nicht (mehr) gesagt bekommen, was sie tun sollen und was nicht. Sie wollen auch nicht, dass jemand hinterfragt, was sie tun. Sie wollen es sich selbst und den anderen beweisen, dass sie es (allein) schaffen können.

Aber: Sie wollen auf dem neuen Abenteuer ihrer Selbständigkeit lernen und persönlich wachsen. Sie wollen inspiriert werden!

Als Berater habe ich in der Startphase eines Solo-Business kein Leiberl (mehr) – als Impuls-Geber allerdings schon.

Vorstellungsrunden

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Das Spannendste an Vorstellungsrunden ist eigentlich das, was nicht gesagt wird.

Was mich als Lehrer antreibt

W

Ich will nicht etwas erzählen, damit ich Recht habe

Ich will etwas erzählen, das etwas bewirkt.

Seth Godin: Graceful (2011) 📙

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“Long after people forget the details, they’ll remember your kindness.” Seth Godins kurzes Büchlein ist ein Beitrag dazu, was es bedeuten könnte, in einer “Kindness Economy” zu arbeiten und zu leben. Super!

(mehr …)

Überall ist Lehre

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Als Lehrer sehe ich überall, wo ich hinkomme, Lehrveranstaltungen.

Hier eine spannende von Simon Sinek auf Instagram:

Was ich darin sehe?

  1. Sowas ist interessant für’s Auge. Man will es “auflösen”. Damit kann man Aufmerksamkeit gewinnen.
  2. Man kann durch diese Darstellung einen bedeutsamen Satz in seine Einzelteile zerlegen. Man kann jeden Satzteil einzeln betrachten, herausheben, Gewicht geben und in seiner Bedeutung interpretieren. Man schafft ein Raster, um eine Konversation zu beginnen.

Ich bin auf jeden Fall inspiriert!

Ohne Besucher

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Was ist eine Kunstsammlung wert, wenn man sie nicht herzeigen kann?

Mein Impact

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Nicht immer werde ich die Folgen meines Impacts als Berater und Lehrer sehen können.

Von den meisten Momenten, in denen ich Menschen berührt habe, werde ich nie erfahren.

Aber das ist voll okay.  

Seth Godins Vermächtnis

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Aus einem Gespräch von Seth Godin mit Brian Koppelman:

BK: Do you still find it scary ever, yourself, to do the work?

SG: Yeah, only on days when I am working hard. On days when I’m being lazy it’s not scary at all.

BK: But when it’s lazy you’re annoyed with yourself…

SG: Yeah, because I’m not really doing the work!

BK: And how do you kick yourself into gear?

SG: Because I remind myself that I’m living on borrowed time – and I don’t want to waste it.

BK: And you think about legacy?

SG: No. I think about what the people I teach will teach other people. But I don’t want to be known for what they teach other people. I want THEM to be known for what they teach other people.

Im Herz getroffen

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Eine Studentin, die mir nach der Lehrveranstaltung schreibt:

Ich glaube ich hatte in meiner gesamten Schullaufbahn keine Lehrkraft die so tollen Unterricht gemacht wie sie und mit so viel Herz Inhalte vermittelt hat. Ich hab so viel gelernt und mitgenommen und wollte mich dafür bedanken!

Eine andere Studentin, die mir vor der Lehrveranstaltung voller Stolz und überglücklich ein Foto ihres neugeborenen Neffen zeigt. Und nach der Lehrveranstaltung gleich noch eines.

Es sind genau diese Momente, diese zutiefst menschlichen Momente, an denen ich merke:

Ja, genau dafür mache ich es. Genau deswegen gibt es für mich nichts Schöneres, als Lehrer zu sein.

Dicht verwoben

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Spannender Gedanke von Greg McKeown:

In dem, was wir zu wissen glauben, sind wahre und falsche Anteile dicht ineinander verwoben. 

Es wäre toll, wenn wir die richtigen von den falschen Annahmen unterscheiden und heraustrennen könnten. Aber das ist schwer.

Im besten Fall gibt es Menschen, die uns helfen, die verschiedenen verwobenen Fäden auseinanderzuklauben, damit wir uns dann jeden einzelnen Faden ansehen, mit frischen Augen beurteilen und neu zusammensetzen können.

Idealisten im Schuldienst

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Elke Höfler über die aktuelle Situation von Lehrer:innen in Schuldienst:

„Alle, die Idealisten sind, sind am Limit. Und die, die nicht Idealisten sind, haben im Schuldienst fast nix zu suchen.“

Gärtner des Lebens

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Matthias Strolz zuzuhören, ist immer ein Abenteuer. Zum Beispiel in dieser Folge des Good Vibes-Podcasts meiner Freundin Sandra Simeonidis-Huber.

Was ich an ihm bewundere: Er spricht immer seine Wahrheit. Egal, wie abgefahren diese Wahrheit klingt. Egal, wie leicht sich schlichte Gemüter darüber lustig machen können.

Es scheint mir, als würde er ungefiltert aussprechen, was ihm gerade durch den Kopf geht. Ohne Ziel, ohne bestimmte Richtung, aber immer in dem Vertrauen, dass genau das Richtige raus kommt.

Hier ist ein Meister am Werk.