Tag#Lehren&Lernen

Nicht blöd

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In der Evaluierung zu meiner Lehrveranstaltung “Buchhaltung” an der FH des BFI Wien habe ich eine eigentlich sehr nette Rückmeldung erhalten.

Auf die Frage “Was hat mir besonders gut gefallen?”, hat ein:e Student:in geantwortet (Schreibweise wie im Original):

“Ihre sehr zuvorkommende Art. Selbst wenn man etwas falsches sagt geben Sie einem nicht das gefühl blöd zu sein.”

Das freut mich natürlich, weil genau das ein explizites Unterrichtsprinzip von mir ist. Ich will sichere Lernräume schaffen, wo es in Ordnung ist, dass wir uns gegenseitig beim Lernen und beim Fehlermachen zuhören.

Was mir allerdings zu denken gibt: Wie muss es um die Lernbiografien meiner Studierenden bestellt sein, wenn meine Lehrveranstaltung in dieser Hinsicht eine positive Ausnahme zu sein scheint?

Humor ist ein guter Berater

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Auf die Frage, warum und wie er Comedian geworden ist, sagte Hape Kerkeling unlängst im Ö3 Frühstück bei mir:

Ich glaube, jeder Komiker versucht irgendeine Art von Mangel oder Defizit zu vertuschen, es auszugleichen — und da ist aber Humor ein ganz dankbarer Kumpan, auf den man sich meistens auch in den schlimmsten Situationen verlassen kann. 
Man ist gut beraten, wenn man sich dem Humor zuwendet.

Im Zweifel, entscheide dich für Humor. Das nehme ich mir als Berater und Lehrer mit.

Ein gut ausgewaschenes Gefühl

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Unlängst, beim Frisör, habe ich die Haare gewaschen bekommen.

Am Ende, nach dem Rauswaschen des Shampoos, fragte mich die freundliche junge Frau: “Haben Sie ein gut ausgewaschenes Gefühl?”

Ich war mit dieser Frage völlig überfordert. Nicht nur, dass ich diese Frage zum allerersten Mal in meinem Leben gestellt bekommen habe. Ich konnte die Frage deswegen nicht beantworten, weil ich keine Ahnung habe, wie ich mit meinen Haaren spüren soll, ob meine Haare gut ausgewaschen sind. Meine Ausgewaschenheits-Rezeptoren in meinen Haaren sind anscheinend unterentwickelt.

Also habe ich in meiner Verlegenheit geantwortet: “Ja”. Aber eigentlich hätte ich sagen sollen: “Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Ich weiß es nicht, ich spüre es nicht, und es ist mir eigentlich auch ziemlich wurscht. Wird schon passen.”

Ein schöner Reminder dafür, dass manchmal auch unsere Kund:innen “ja” sagen nicht aus Begeisterung, sondern aus Verlegenheit – weil sie keine Ahnung haben, wovon wir da eigentlich schwafeln.

Technische Nackerpatzerl

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Unlängst habe ich bei einem Webinar der WKO teilgenommen zum Thema “KI für EPU”.

Am Ende des Webinars wurden einige Fragen aus dem Chat beantwortet, Bei einigen der Fragen, die da gestellt wurden, habe ich mir (ich muss es leider zugeben) gedacht: Marantana, da sind aber schon ein paar technische Nackerpatzl dabei!

Und dennoch: Diese vermeintlichen “Nackerpatzerl” sind einen Riesenschritt weiter als die Masse der EPU, die sich nicht mal genug für KI interessieren, um sich für so ein Webinar anzumelden.

Das Tool für alles

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Eine Entwicklung, die bereits begonnen hat und die sich wohl noch verstärken wird: Generative AI (also Tools wie ChatGPT und Konsorten) werden als “Tool für alles” verwendet.

Jede Aufgabe, die uns ein bisschen anstrengend erscheint, wird einer KI vorgesetzt – egal, ob das sinnvoll ist oder nicht. Oder überhaupt notwendig.

KI ist ein Werkzeug, aber es ist eine andere Art von Werkzeug als z.B. ein Hammer. KI ist ein Werkzeug, das viel Reflexion und viel Klarheit voraussetzt, um es richtig verwenden zu können.

Sonst fällt es uns auf die Füße.

Eine Frage des Menschenbildes

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Gründungsberatung ist immer auch eine Frage des Menschenbildes:

Habe ich jemanden vor mir, der meiner Hilfe bedarf, den ich führen muss — oder jemanden, mit dem ich auf Augenhöhe, von Erwachsenem zu Erwachsenem rede?

Lese-Papa

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Seit ein paar Wochen bin ich “Lese-Papa” in der 3a der Volksschule Südstadt, der Klasse meines Sohnes.

Meine Aufgabe ist es, einmal in der Woche (Donnerstag, weil da ist mein “Papa-Tag”) jedem Kind dabei zu helfen, ein bisschen besser lesen zu lernen.

Dabei ist mir aufgefallen: Es gibt Kinder, mit denen es ur leiwand ist, weil sie voll super lesen können. Mit diesen Kindern sind die Lese-Aufgaben leicht und schnell erledigt, und es bleibt sogar noch ein bisschen Zeit zum Schmähführen.

Und dann gibt es Kinder, die ringen sich jedes einzelne Wort ab. Das ist oft zach und anstrengend – für die Kinder und machmal auch für mich. Da ist nicht viel Leichtigkeit und Lockerheit drinnen.

Umso wichtiger ist, dass ich mir jeden Donnerstag von Neuem vergegenwärtige, welche Kinder mich an diesen Donnerstagen eigentlich brauchen.

Angst vor dem Podcast

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Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil er sich zu „schwer“ anfühlt.

Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil du darin was Unbequemes hören könntest.

Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil du darin hören könntest, dass du was falsch machst und was ändern solltest.

Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil du darin was Wichtiges lernen könntest.

Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil er dein Leben verändern würde.

Faustregel: Je mehr Angst dir ein Podcast macht, desto dringender solltest du ihn dir anhören.

Der Kühlschrank der Evolution

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Bei Stefanie Stahl habe ich ein wunderschönes Beispiel für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung gehört:

Entgegen dem, was man häufig hört, bewirken Dating-Apps mit ihrer Riesenauswahl an potenziellen Partner:innen nicht, dass die Menschen durch ihre Benutzung bindungsunfähiger werden. Es gibt schließlich genügend Menschen, die über Dating-Apps ihre Partner:innen fürs Leben gefunden haben.

In Wirklichkeit ist es so: Wer Probleme mit seiner Bindungsfähigkeit hat (und die kommen oft schon aus der Kindheit), der tut sich natürlich auch auf Dating-Apps schwer, sich zu committen. 

Eine neue Technologie wie Dating-Apps kann nicht in ein paar Jahren eine jahrtausendelange evolutionäre Prägung überschreiben. Der homo sapiens sucht seit Jahrtausenden nach dauerhaften und exklusiven Beziehungen – und das tun wir “moderne” Menschen im 21. Jahrhundert default-mäßig immer noch, auch auf Dating-Apps. Natürlich nicht immer, natürlich nicht jede:r, aber der Punkt bleibt bestehen:

Die Evolution wirkt viel stärker, als wir oft denken und wahrhaben wollen.

Stefanie Stahl bringt das sehr anschaulich auf den Punkt: „Die Evolution hat ja bis heute nicht kapiert, dass wir Kühlschränke haben und nicht mehr jede Kalorie in Fett umgewandelt werden muss.“

Katalog der Rechte des Redners

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Im Buch Frei reden spricht Natalie Rogers davon, dass ein sicheres Auftreten auf der Bühne auch viel mit Selbstakzeptanz zu tun hat. Und mit dieser Selbstakzeptanz wird es nicht klappen, solange wir uns bei unseren öffentlichen Auftritten nicht folgende Rechte zugestehen:

  1. Ich habe das Recht, mich selbst auszudrücken.
  2. Ich habe das Recht auf meinen eigenen Standpunkt.
  3. Ich habe das Recht, von anderen zu erwarten, dass sie mir zuhören.
  4. Ich habe das Recht, andere zu informieren oder über etwas zu unterrichten.
  5. Ich habe das Recht, etwas zu versuchen.
  6. Ich habe das Recht, mich zu entwickeln.
  7. Ich habe das Recht, dazuzulernen.
  8. Ich habe das Recht, Fehler zu machen.
  9. Ich habe das Recht, es zu versuchen und es falsch zu machen.
  10. Ich habe das Recht, es erneut zu versuchen.
  11. Ich habe das Recht, mich anfangs unwohl zu fühlen und Angst zu haben.
  12. Ich habe das Recht, nicht “alles” zu wissen.
  13. Ich habe das Recht, mich vor eine Gruppe von Leuten zu stellen.
  14. Ich habe das Recht, ein Führer zu sein.
  15. Ich habe das Recht auf meine Redezeit.
  16. Andere haben das Recht auf ihren eigenen Standpunkt.
  17. Andere haben das Recht, nicht mit mir einer Meinung zu sein.

Ich finde, das ist ein ausgesprochen brauchbarer Katalog. Nicht nur, wenn man Vorträge hält, sondern in jeder Situation, in der man lehren, überzeugen und/oder verkaufen möchte.

Die Zukunft behaupten

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Die Zukunft ist ein sehr dankbares (Kongress-)Thema.

Weil: Die Zukunft wird uns immer beschäftigen. Sie ist immer aktuell.

Und: Weil man als Speaker über die Zukunft alles ungestraft sagen und behaupten kann.

Aha-Erlebnis-Brücken

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Etwas zu wissen und etwas zu verstehen, das ist nicht das Gleiche. Jeder Berater und jede Lehrerin wird das bestätigen können.

Anthony de Mello sagt: Der Unterschied zwischen Kenntnis und Bewusstheit ist das Aha-Erlebnis.

Oder, anders formuliert: Das Aha-Erlebnis ist die Brücke, die dich vom Wissen zum Verstehen bringt.

Festrede

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Unlängst wurde ich eingeladen, bei der Sponsionsfeier des Studiengangs Medienmanagement der FH St. Pölten die Festrede zu halten.

In dieser Rede war es mir ein Anliegen, meinen ehemaligen BWL-Studierenden folgende vier Dinge auf ihren weiteren Weg mitzugeben:

  1. Schauen Sie sich um, wo Sie helfen können. Schauen Sie sich um, wo Sie gebraucht werden und machen Sie sich nützlich. Probleme und Herausforderungen gibt’s genug!
  2. Scheuen Sie den Aufwand nicht. Alles, was im Leben gut und wichtig ist, erfordert auch Anstrengung und Engagement.
  3. Achten Sie auf Ihre Kussbilanz, weil das ist die einzige Kennzahl, die am Ende Ihrer Tage wirklich zählen wird.
  4. Es geht immer, immer, immer um die Menschen. Wenn Sie ein gutes Herz haben und in guter Absicht — menschlich — handeln, dann haben Sie Ihre Lebens-Strategie richtig ausgerichtet.

Unternehmerisches Denken und Handeln ist nämlich nichts wert, wenn es nicht von einer humanistischen Grundhaltung getragen wird.

Der Spinner

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Wenn du, wie ich, jemand bist, der sich gerne tiefgründige philosophische Gedanken macht und Spaß dran hast, diese Gedanken auszuloten und zu diskutieren, dann kennst du wahrscheinlich folgende Schwierigkeit:

Deine tiefgründigen Gedanken sind grundsätzlich wahrhaftig, daran brauchst du nicht zu zweifeln. Aber es kann mitunter Folgendes passieren:

  1. Du überforderst damit deine Mitmenschen, weil sie deine Gedanken nicht nachvollziehen können. Weil sie nicht denken, wie du denkst.
  2. Du überforderst damit dich selbst, weil es nicht leicht ist, für tiefgründige Gedanken die richtigen Worte, Bilder und Beispiele zu finden. Es ist nicht leicht, diese Gedanken auszudrücken und zu erklären, ohne dass du dich selber in ein Wirrwarr redest und dich in Widersprüche verstrickst.

Tiefgründige Gedanken sind spannend, und sie sind die Voraussetzung dafür, dass man auch tiefgreifende Aha-Erlebnisse hat. Und damit die Bedingung für echte Veränderungen im Business und im Leben.

Aber du läufst halt Gefahr, dass sich mitunter wer denkt: Was für ein Spinner!

Erfolgsgesellschaft

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Es heißt immer wieder mal, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Das beschäftigt mich immer wieder, z.B. da und da und da.

Unlängst habe ich einen neuen spannenden Gedanken zu diesem Thema gehört: Wir bewegen uns von einer Leistungsgesellschaft hin zu einer Erfolgsgesellschaft.

Es geht also nicht (mehr) so sehr um die Leistung, sondern um den Erfolg. Was bedeutet, dass wir zwar (immer noch) den Erfolg wollen, aber die Anstrengung, die Leistung als Weg dort hin hat nicht mehr den Stellenwert wie früher. Jede Abkürzung zum Erfolg ist uns recht, und wenn wir Erfolg haben können ganz ohne Leistung, umso besser.

Wenn diese Hypothese stimmt, dann könnten Gründungsberatung und Hochschullehre sehr spannend werden in den nächsten Jahren.

Verzögerte Wirkung

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Eine schöne Metapher für alle, die versuchen, etwas zu bewegen und zu bewirken – beobachtet unlängst an der Donau in Oberösterreich:

Da fährt ein Motorboot die Donau hinauf. Es ist längst außer Sichtweite, da erreichen die Wellen erst das Ufer.

Laut und deutlich und kräftig. 

Eindeutlich

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Meine Tochter ist mit ihren sechs Jahren in dem wunderbaren Alter, wo sie (bewusst oder unbewusst) neue Wörter erfindet. Die Sprachwissenschaftler würden sagen: Sie ist produktiv.

Eine ihrer Schöpfungen gefällt mir sehr gut: Eindeutlich.

“Eindeutlich” fasst für mich nämlich zwei Ansprüche zusammen, wenn wir andere Menschen von etwas überzeugen möchten, das uns wirklich am Herzen liegt:

  1. Sei dir eindeutig klar darüber, was es ist, das du bewirken möchtest.
  2. Habe den Mut, diese Intention auch deutlich zu benennen – und zwar nicht nur bei Schönwetter.

Lasst uns also heute mal einen ganzen Tag lang eindeutlich bei der Sache sein. Gut möglich, dass es ein leiwander Tag wird.