Gründungsberatung ist immer auch eine Frage des Menschenbildes:
Habe ich jemanden vor mir, der meiner Hilfe bedarf, den ich führen muss — oder jemanden, mit dem ich auf Augenhöhe, von Erwachsenem zu Erwachsenem rede?
Gründungsberatung ist immer auch eine Frage des Menschenbildes:
Habe ich jemanden vor mir, der meiner Hilfe bedarf, den ich führen muss — oder jemanden, mit dem ich auf Augenhöhe, von Erwachsenem zu Erwachsenem rede?
Seit ein paar Wochen bin ich “Lese-Papa” in der 3a der Volksschule Südstadt, der Klasse meines Sohnes.
Meine Aufgabe ist es, einmal in der Woche (Donnerstag, weil da ist mein “Papa-Tag”) jedem Kind dabei zu helfen, ein bisschen besser lesen zu lernen.
Dabei ist mir aufgefallen: Es gibt Kinder, mit denen es ur leiwand ist, weil sie voll super lesen können. Mit diesen Kindern sind die Lese-Aufgaben leicht und schnell erledigt, und es bleibt sogar noch ein bisschen Zeit zum Schmähführen.
Und dann gibt es Kinder, die ringen sich jedes einzelne Wort ab. Das ist oft zach und anstrengend – für die Kinder und machmal auch für mich. Da ist nicht viel Leichtigkeit und Lockerheit drinnen.
Umso wichtiger ist, dass ich mir jeden Donnerstag von Neuem vergegenwärtige, welche Kinder mich an diesen Donnerstagen eigentlich brauchen.
Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil er sich zu „schwer“ anfühlt.
Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil du darin was Unbequemes hören könntest.
Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil du darin hören könntest, dass du was falsch machst und was ändern solltest.
Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil du darin was Wichtiges lernen könntest.
Der Podcast, den du dir nicht anhörst, weil er dein Leben verändern würde.
Faustregel: Je mehr Angst dir ein Podcast macht, desto dringender solltest du ihn dir anhören.
Bei Stefanie Stahl habe ich ein wunderschönes Beispiel für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung gehört:
Entgegen dem, was man häufig hört, bewirken Dating-Apps mit ihrer Riesenauswahl an potenziellen Partner:innen nicht, dass die Menschen durch ihre Benutzung bindungsunfähiger werden. Es gibt schließlich genügend Menschen, die über Dating-Apps ihre Partner:innen fürs Leben gefunden haben.
In Wirklichkeit ist es so: Wer Probleme mit seiner Bindungsfähigkeit hat (und die kommen oft schon aus der Kindheit), der tut sich natürlich auch auf Dating-Apps schwer, sich zu committen.
Eine neue Technologie wie Dating-Apps kann nicht in ein paar Jahren eine jahrtausendelange evolutionäre Prägung überschreiben. Der homo sapiens sucht seit Jahrtausenden nach dauerhaften und exklusiven Beziehungen – und das tun wir “moderne” Menschen im 21. Jahrhundert default-mäßig immer noch, auch auf Dating-Apps. Natürlich nicht immer, natürlich nicht jede:r, aber der Punkt bleibt bestehen:
Die Evolution wirkt viel stärker, als wir oft denken und wahrhaben wollen.
Stefanie Stahl bringt das sehr anschaulich auf den Punkt: „Die Evolution hat ja bis heute nicht kapiert, dass wir Kühlschränke haben und nicht mehr jede Kalorie in Fett umgewandelt werden muss.“
Im Buch Frei reden spricht Natalie Rogers davon, dass ein sicheres Auftreten auf der Bühne auch viel mit Selbstakzeptanz zu tun hat. Und mit dieser Selbstakzeptanz wird es nicht klappen, solange wir uns bei unseren öffentlichen Auftritten nicht folgende Rechte zugestehen:
Ich finde, das ist ein ausgesprochen brauchbarer Katalog. Nicht nur, wenn man Vorträge hält, sondern in jeder Situation, in der man lehren, überzeugen und/oder verkaufen möchte.
Die Zukunft ist ein sehr dankbares (Kongress-)Thema.
Weil: Die Zukunft wird uns immer beschäftigen. Sie ist immer aktuell.
Und: Weil man als Speaker über die Zukunft alles ungestraft sagen und behaupten kann.
Etwas zu wissen und etwas zu verstehen, das ist nicht das Gleiche. Jeder Berater und jede Lehrerin wird das bestätigen können.
Anthony de Mello sagt: Der Unterschied zwischen Kenntnis und Bewusstheit ist das Aha-Erlebnis.
Oder, anders formuliert: Das Aha-Erlebnis ist die Brücke, die dich vom Wissen zum Verstehen bringt.
Das Buch ist zwar schon 15 Jahre alt, aber einige der besprochene Irrtümer über das Lernen sind immer noch nicht ausgerottet. Ist deshalb ein immer noch lesenswertes Buch für alle, die sich (im weitesten Sinne) als Lehrer*innen verstehen.
(mehr …)Unlängst wurde ich eingeladen, bei der Sponsionsfeier des Studiengangs Medienmanagement der FH St. Pölten die Festrede zu halten.
In dieser Rede war es mir ein Anliegen, meinen ehemaligen BWL-Studierenden folgende vier Dinge auf ihren weiteren Weg mitzugeben:
Unternehmerisches Denken und Handeln ist nämlich nichts wert, wenn es nicht von einer humanistischen Grundhaltung getragen wird.
Wenn du, wie ich, jemand bist, der sich gerne tiefgründige philosophische Gedanken macht und Spaß dran hast, diese Gedanken auszuloten und zu diskutieren, dann kennst du wahrscheinlich folgende Schwierigkeit:
Deine tiefgründigen Gedanken sind grundsätzlich wahrhaftig, daran brauchst du nicht zu zweifeln. Aber es kann mitunter Folgendes passieren:
Tiefgründige Gedanken sind spannend, und sie sind die Voraussetzung dafür, dass man auch tiefgreifende Aha-Erlebnisse hat. Und damit die Bedingung für echte Veränderungen im Business und im Leben.
Aber du läufst halt Gefahr, dass sich mitunter wer denkt: Was für ein Spinner!
Es heißt immer wieder mal, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Das beschäftigt mich immer wieder, z.B. da und da und da.
Unlängst habe ich einen neuen spannenden Gedanken zu diesem Thema gehört: Wir bewegen uns von einer Leistungsgesellschaft hin zu einer Erfolgsgesellschaft.
Es geht also nicht (mehr) so sehr um die Leistung, sondern um den Erfolg. Was bedeutet, dass wir zwar (immer noch) den Erfolg wollen, aber die Anstrengung, die Leistung als Weg dort hin hat nicht mehr den Stellenwert wie früher. Jede Abkürzung zum Erfolg ist uns recht, und wenn wir Erfolg haben können ganz ohne Leistung, umso besser.
Wenn diese Hypothese stimmt, dann könnten Gründungsberatung und Hochschullehre sehr spannend werden in den nächsten Jahren.
Vortrag am Neuland Inspiration Day, 15. September 2017
(mehr …)Eine schöne Metapher für alle, die versuchen, etwas zu bewegen und zu bewirken – beobachtet unlängst an der Donau in Oberösterreich:
Da fährt ein Motorboot die Donau hinauf. Es ist längst außer Sichtweite, da erreichen die Wellen erst das Ufer.
Laut und deutlich und kräftig.
Meine Tochter ist mit ihren sechs Jahren in dem wunderbaren Alter, wo sie (bewusst oder unbewusst) neue Wörter erfindet. Die Sprachwissenschaftler würden sagen: Sie ist produktiv.
Eine ihrer Schöpfungen gefällt mir sehr gut: Eindeutlich.
“Eindeutlich” fasst für mich nämlich zwei Ansprüche zusammen, wenn wir andere Menschen von etwas überzeugen möchten, das uns wirklich am Herzen liegt:
Lasst uns also heute mal einen ganzen Tag lang eindeutlich bei der Sache sein. Gut möglich, dass es ein leiwander Tag wird.
Unlängst habe ich das Buch Geisterstunde des Philosophen Konrad Paul Liessmann gelesen.
Er nennt es eine “Streitschrift” gegen moderne Entwicklungen an Schulen und Hochschulen, die er nicht für die Fortschritte hält, als die sie sich ausgeben, sondern die zu einer “Praxis der Unbildung” führen.
Wenn man das Buch so liest, kann einen das Gefühl beschleichen, man hört hier jemanden klagen, dass die “gute alte Zeit” vorbei ist. Konservativ, polemisch und rechthaberisch wären Adjektive, die mir zum Ton des Buches einfallen.
Was nicht heißt, dass nicht auch Gedanken dabei sind, die ich spannend finde und mit denen er recht haben könnte – auch wenn sie nicht sehr modern sind.
Eines seiner Lieblingsthemen, an dem er sich in diesem Buch abarbeitet, ist die (aus seiner Sicht unsinnige) Tendenz, an Schulen und Hochschulen lieber Kompetenzen als Wissen zu vermitteln. Ich bin zu wenig Experte, um hier wirklich fundiert Stellung nehmen zu können, aber folgenden Gedanken dazu halte ich für teilenswert:
Niemand, kein Schüler und keine Studentin, ist neugierig darauf, eine Kompetenz zu erwerben. Neugierig ist man darauf, etwas Spannendes zu erfahren – also Wissen. Alles Lernen beginnt mit der Neugier. Ohne Neugier gibt es kein Lernen, auch nicht an Schulen und Hochschulen. Und deshalb sollten wir uns, so Liessmann, beim Lehren auf die Vermittlung von Wissen konzentrieren, nicht auf Kompetenzen.
Diese Ansicht wirkt rückschrittlich, und man kann sie teilen oder nicht. Aber ich für mich habe beobachtet: Wenn ich etwas lernen möchte (z.B. indem ich mir einen Podcast anhöre), dann geht es mir immer um das, was in diesem Podcast gesagt wird. Also um das Wissen, das darin vermittelt wird.
Und nicht darum, irgendeine “Podcast-Hör-Kompetenz” zu verbessern.
Es gibt Menschen, die denken vollkommen anders als ich. Mitunter scheint es mir, als wären sie das komplette Gegenteil von mir. Auch wenn wir uns gar nicht persönlich kennen.
Sarah Tschernigow ist so ein Mensch. Sie ist Unternehmerin und Podcasterin (wie ich), aber sie hat sehr, sehr andere Ansichten davon, was Unternehmertum und Erfolg bedeuten – und damit provoziert sie mich immer wieder.
Und dennoch, nein – und deswegen höre ich mir ihren Podcast regelmäßig an. Weil sie mich dazu bringt, über das nachzudenken, was ich für selbstverständlich halte. Weil sie mir Gedanken präsentiert, auf die ich selber nie gekommen wäre. Weil sie mich zu einem Blick hinaus aus meiner bubble zwingt.
Ich muss ihr nicht zustimmen bei dem, was sie sagt. Aber ich respektiere ihre Meinung und ihren Zugang, und ich bin dankbar für die Möglichkeit, mich daran regelmäßig abzuarbeiten.
Lernwörter angesagt zu bekommen, macht meinem Sohn (8) überhaupt keinen Spaß.
Kreuzworträtsel zu lösen, findet er extrem leiwand.
Same thing, different Inszenierung.
Eine “Streitschrift” gegen die “Praxis der Unbildung” – und damit so ziemlich gegen alles, was sich als “moderne Pädagogik” bezeichnet. Konservativ, polemisch und rechthaberisch wären Adjektive, die mir zum Ton des Buches einfallen. Aber spannend sind Liessmanns Gedanken allemal.
(mehr …)Was kannst du aus dem Finale einer Fußball-EM für dein Lifestyle Business lernen?
Wenig. Wahrscheinlich gar nichts.
Versuch nicht, krampfhaft Dinge zusammenzubringen, die nicht zusammengehören. Sonst kann es sein, dass du den Schlusspfiff des Schiedsrichters überhörst.
In einem Hochschuldidaktik-Workshop der FH St. Pölten habe ich das Prinzip der minimalen Hilfe kennengelernt.
Die Idee ist ziemlich einfach: Hilf deinen Studierenden nur so viel, wie sie zum Lernen unbedingt brauchen. Nicht mehr. Weil: Wir engagierte Lehrende (und Berater:innen) übertreiben es gerne mit unserer Hilfe.
Im Prinzip der minimalen Hilfe gibt es fünf Stufen:
Die Kunst eines guten Lehrers (und effektiven Beraters) ist zu erkennen, welche Art von Hilfe gerade angebracht ist.
Wenn man das weiß, dann ist das Helfen gleich viel leichter.