Marilyn Ferguson: Die sanfte Revolution (2005) đź“™

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Gesammelte Gedanken

(1) “Das größte Problem unserer Zeit sind nicht böse Bosse, Politiker oder Manager, sondern die vielen guten Menschen, die nichts tun â€” auĂźer vielleicht jammern ĂĽber die Boshaftigkeit der Bösen.” (Franz Alt, Vorwort, S. 9)

  • Das sagt interessanterweise auch Veit Lindau gerade: Das Problem sind die vielen guten Menschen, die nicht gegen die aktuellen Zustände aktiv werden. Die sich nicht einsetzen. Die nicht einschreiten. Weil sie glauben, dass sie nichts ausrichten können, oder weil sie zu bequem sind.

(2) “Die größte AnmaĂźung der Menschheit besteht in ihrem BemĂĽhen, den Fluss anzuhalten, die unvermeidbare Veränderung zu stoppen. Wir reiben uns auf in Sorgen ĂĽber unseren individuellen Zeitplan und unser bequemes Zugabteil, während der Zug ohne unsere bewusste FĂĽhrung dahinrattert.” (S. 29)

(3) “Vieles am Denken des so genannten New Age ist eine Art realistischer Individualismus, die Kunst und Wissenschaft, ein erfĂĽlltes Leben zu fĂĽhren.” (S. 30)

  • vgl. Stimmig zur Person, stimmig zum Markt.
  • “Realistischer Individualismus” gehörerte natĂĽrlich noch genauer definiert…

(4) “Die RĂĽckkehr zu klassischen Werten wie Freundlichkeit, Arbeitsbereitschaft, Verantwortung des Einzelnen und neuere Werte wie Einsatz fĂĽr die Umgebung.” (S. 35)

  • vgl. Der redliche Kaufmann
  • Ich glaube, auch diese “neueren Werte” auch immer schon im Verständnis des redlichen Kaufmanns waren. Stichwort: Verantwortung fĂĽr die Gemeinde/Gemeinschaft, in der die Kaufleute gearbeitet haben.

(5) “Wir halten uns die Augen mit den Händen zu und weinen, weil es dunkel ist.” (Autor unbekannt; S. 49)

(6) “Die Krise grĂĽndet darin, dass die Menschheit insgesamt ihr Potenzial nicht nutzt. Wir sind zu viele und unsere Schicksale sind zu eng miteinander verwoben, als dass uns Raum fĂĽr Dummheiten bliebe. Wir mĂĽssen aufwachen. Wir mĂĽssen erkennen, welche Verhaltensmuster und SchachzĂĽge uns verdummen. Das Gegenteil von Dummheit ist nicht Schlauheit, sondern Wachheit.” (S. 53)

(7) “Eine Vision […] aktiviert unsere Intelligenz und entfacht unser Feuer. Es bringt Genie und Talente zum Vorschein. Visionen gehen ĂĽber vorgegebene Normen und die Gegenwart hinaus, ahnen BedĂĽrfnisse und Möglichkeiten vorweg. Sie schenken uns die Fähigkeit, das größere Bild zu begreifen — die Welt jenseits der uns vertrauten Wege.” (S. 59f)

(8) “Eine Vision drängt sich auf, weil sie möglich ist. Sie braucht unsere Mitarbeit. Eine Vision ist etwas Aktives, aber sie ist nicht manipulativ. Sie ist der Prozess des Zusammenspiels von Gegenwart und potenziellen Realitäten.” (S. 62)

(9) “In jedem Winkel meiner Seele steht ein Altar für einen anderen Gott.” (Fernando Pessoa)

(10) “Weil wir Angst haben, andere könnten die Wichtigkeit unserer Worte nicht verstehen, ĂĽbertreiben wir. Und da wir wissen, dass “alle ĂĽbertreiben”, trauen wir uns gegenseitig nicht mehr ĂĽber den Weg. Da wir die Dinge im Kleinen wie im GroĂźen immer wieder zu unseren Gunsten zurechtbiegen, ist uns gar nicht bewusst, dass wir lĂĽgen. Falsche Informationen sind unser täglich Brot.” (S. 79)

  • Vgl. Online-Marketing: Weil ich lĂĽge, weiĂź ich, dass alle anderen auch lĂĽgen. Das ist die Wurzel der trust recession.
  • Die Sehnsucht des ethical marketing ist, nicht mehr lĂĽgen (ӟbertreiben”) zu mĂĽssen. Weil ständiges LĂĽgen (ӆbertreiben”) keine leiwande Art zu leben ist.

(11) “Laut Lewis Thomas können wir diese innere Versammlung gelegentlich komplett zum Schweigen zu bringen: “Der einzige Weg, sie zu beschwichtigen und zur Ruhe zu bringen, ist Musik. Das bringt’s. Bei Bach werden sie immer still und schalten ab, fast, als hätten sie darauf gewartet.”” (S. 81f)

  • Musik beruhigt. Ich bemerke das auch immer an der USTP, wenn ich meine “Hörsaal Hits” abspiele. Das verändert die Stimmung im Raum.
  • Musik beruhigt nicht zuletzt auch mich selbst. Mit Musik arbeite ich besser.

(12) “Wir neigen dazu, die Dinge zu sehr zu vereinfachen. Da es uns widerstrebt, uns mit den WidersprĂĽchen unserer eigenen Lebensphilosophie auseinanderzusetzen […]. Wir empfinden Komplexität als natĂĽrlichen Widersacher unserer Behaglichkeit. Haben wir uns ĂĽber bestimmte Dinge erst einmal unsere Meinung gebildet (Gott, Sexualität, politische Themen, Menschen), wollen wir uns nicht die MĂĽhe machen, sie neu zu ĂĽberdenken.” (S. 135)

  • vgl. “Das Ladl” ist unglaublich mächtig. Es ist soooo schwer, dagegen anzukämpfen.

(13) “Das Gefühl von Offenheit, das wir Liebe nennen, bringt diese Barrieren zum Einstürzen, selbst wenn die Anziehung nicht sehr stark ist.” (S. 135)

  • Liebe kann gedankliche Grenzen ĂĽberwinden.
  • “Wir können uns verändern, wenn wir uns geborgen wissen”, sagt Michael Lehofer.
  • So gesehen: Lehren = Liebe

(14) “Hoher Blutdruck kann ein Anzeichen fĂĽr die Abwehr von GefĂĽhlen sein. […] Interessant ist, dass der Anstieg des Blutdrucks gesellschaftlichen Hierarchien folgt. Bei Menschen aus den unteren wirtschaftlich-sozialen Schichten steigt der Blutdruck meistens schneller, wenn sie abgehorcht werden. Wenn ein Arzt den Blutdruck von Patienten misst, steigt er eher, als wenn die Krankenschwester das erledigt.” (S. 136)

(15) “Unser Gehirn ist ein Rateinstrument und so beschaffen, dass es ausgetrickst werden kann. Wenn wir nicht herausfinden, was und wer uns wie an der Nase herumführt, landen wir in den Klauen derjenigen, die das “Feld” beherrschen. Wir müssen lernen, Menschen zu durchschauen — wissen, was sie eigentlich meinen, nicht was sie sagen. Das ist für unser Überleben grundlegender als Lesen.” (S. 139)

  • vgl. Cui bono: Wem nĂĽtzt es, was ich denke und wie ich handle?
  • Verfolge ich wirklich meine eigenen Interessen, oder glaube ich das nur?

(16) “Wir mĂĽssen unsere Intuition ständig testen und weiterentwickeln. […] Weil Intuition wirkungsvoll zum Ziel fĂĽhrt, ĂĽben sich die Kreativsten unter uns meistens dieser Fertigkeit.” (S. 153)

  • Zuerst mal muss man anerkennen, dass die Intuition etwas Wertvolles ist. Ein Geschenk. Eine Gnade. Gerade als jemand, der sehr left-brained ist, muss das erst mal kapieren!
  • Und dann gilt es, mit diesem “Talent” verantwortungsvoll umzugehen. Es pfleglich zu behandeln und, ja, es auch weiterzuentwickeln.

(17) “Die Bereitschaft, subtilen Informationen zu vertrauen, ist ein zuverlässiger Indikator fĂĽr persönlichen Erfolg und persönliches Gelingen.” (S. 154)

  • Anders formuliert: Wer auf die Innere Stimme hört, wird gut beraten sein.

(18) “Der große Krieg: Der Kampf um die Wahrheit.” (S. 185)

(19) “Die beste Waffe gegen jedes Problem ist die Wahrheit. Wenn wir nicht auf der Wahrheit bestehen, belügen wir uns weiter. Wenn Schweigen Zustimmung bedeutet, sind nicht ausgesprochene Wahrheiten stillschweigende Lügen.” (S. 185)

(20) “Die Wahrheit erreicht uns oft in unmöglichen Situationen und aus dem Mund von merkwĂĽrdigen Menschen.” (S. 185)

(21) “Was würde passieren, wenn wir die Wahrheit sagten? Wenn wir unsere heimlichen Pläne offen mit anderen besprächen?”

  • Dann wäre das ein Weg raus aus der trust recession (vgl. Eintrag 10)
  • vgl. Intentionen transparent machen (Radical Honesty)

(22) “Die Geschichte zeigt, dass sich kreative Menschen oft von ihrer Gesellschaft abgeschnitten fühlten — wir können von der “Einsamkeit der Weitblickenden” sprechen. Es ist, als hätten diese Menschen den Widerspruch zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte, zu scharf vor Augen. Wer Neues erfindet, ist oft isoliert.” (S. 190)

  • vgl. Spinner!
  • vgl. Flavia de Luce und Dogger. Beide sind Sonderlinge, aber sie haben sich zu einer Gemeinschaft der Sonderlinge zusammengeschlossen, weil sie einander intuitiv verstehen.

(23) “Die Angst vor Isolation ist den meisten von uns nicht fremd. Wir befĂĽrchten, andere könnten sich von uns zurĂĽckziehen, wenn wir unsere Gedanken zum Ausdruck bringen oder in die Tat umsetzen.” (S. 190)

(24) “[Walker] Percy prägte fĂĽr Menschen, die sich gegen Selbstmord entscheiden, den Begriff “Exselbstmörder”. Er beschreibt, wie ein Nichtselbstmörder und ein Exselbstmörder an einem ganz gewöhnlichen Tag um acht das Haus verlassen, um zur Arbeit zu gehen: “Der Nicht-Selbstmörder ist ein kleiner wandelnder Sorgenstrudel, der Sorge aus der Vergangenheit aufsaugt und zukĂĽnftigen Sorgen entgegentreibt. Er atmet in den oberen Brustkorb. Der Exselbstmörder öffnet seine HaustĂĽr, setzt sich auf die Treppe — und lacht. Da ihm die Entscheidung zum Selbstmord offensteht, verliert er nichts, wenn er am Leben bleibt. Es ist gut, lebendig zu sein. Er geht zur Arbeit, weil er nicht hingehen muss.”” (S. 196)

  • Wer weiĂź, dass Selbstmord immer eine Option ist, der wählt das Leben.

(25) “Sorge bezeichnet man manchmal auch als “Heidengebet”. Da wir beobachtet haben, dass die meisten Dinge, die wir befĂĽrchten, niemals eintreten, hängen viele von uns dem kindischen Aberglauben an, der da sagt: Sorge dich und alles wird gut.” (S. 199)

  • Als ob man die groĂźen und kleinen Katastrophen des Lebend dadurch abmildern könnte, dass man sich lange genug vorher “theoretisch” damit auseinandersetzt.
  • Wer sich sorgt, hilft aber in Wirklichkeit niemandem. Am wenigsten den Menschen, um die man sich sorgt.
  • Spannend ist der Gedanke, die Sorgen als “Gebet” zu sehen. Aber es stimmt schon: Wenn wir unsere Sorgen nur oft genug wiederholen (uns “vorbeten”), dann glauben wir irgendwann dran. Irgendwann glauben wir wirklich, dass unsere Sorgen die Realität adäquat abbilden.

(26) “Vielleicht ist die Gier nach Kontrolle unsere primäre Sucht.” (S. 200)

  • Der Buddha wĂĽrde “ja” sagen.

(27) “Wir mĂĽssen den Kanal fĂĽr höhere innere Anweisungen reinigen. Zu lange haben wir unerwĂĽnschte schädliche Eindringlinge die kleine, stille Stimme unserer inneren Eingebung mit ihrem Lärm und Tumult erstickt.” (S. 200)

  • Ich glaube, das ist genau das, was so vielen Menschen Unbehagen mit Social Media bereitet: Es verschmutzt uns. Es verunreinigt unsere Gedanken.

(28) “FĂĽr die meisten Menschen gehört Bedauern zu den GefĂĽhlen, die sie fast täglich mehr oder weniger empfinden. […] “Gott will nicht, dass du bestraft wirst”, hat einmal jemand gesagt, “sondern, dass du klug wirst.”” (S. 208f)

  • Wir quälen uns täglich selbst fĂĽr unsere Fehler, unsere Fehlentscheidungen und Fehleinschätzungen. Aber wozu? Was soll das bringen?
  • vgl. Seth Godin: Where do bad choices come from?

(29) “Aktiv werden heißt Erfahrungen machen, heißt Lektionen lernen.” (S. 224)

  • Lernen ist eine Aktivität. Oder umgekehrt: Jede Aktivität bietet auch die Chance zu lernen.

(30) Flow: “In alten Zeiten sprach man “vom Zustand der Gnade”. Zeit- und SelbstgefĂĽhl sind aufgehoben, Hindernisse verschwinden, wie von Zauberhand beseitigt, alte Grenzen werden durchlässig, die Dinge erledigen sich wie von selbst.” (S. 229)

  • “Flow” zu empfinden in seiner Arbeit… Das ist ein Segen! Wer so arbeiten kann, ist be-gnadet.

(31) “Wir können das Steuer herumreißen, wenn wir uns daran erinnern, dass wir uns unsere Zukunft gemeinsam erarbeiten müssen.” (S. 244)

(32) “Das Wissen, dass alles Spiel ist, befreit uns von Reue.” (S. 248)

(33) “Ernsthaft spielen heiĂźt, die Welt ganz praktisch kennen lernen, zu wissen, welche Gesetze wir beachten mĂĽssen und wie wir unsere GefĂĽhle beherrschen, denn wir können uns eine Vision nicht mit zitternden Händen vor Augen halten.” (S. 248)

  • Ernsthaft spielen heiĂźt, die Regeln des Spiels gut zu kennen.
  • vgl. Solopreneurship mit BWL

(34) “Je verlockender das Spiel fĂĽr uns ist, desto stärker fĂĽhlen wir uns unserer Aufgabe verbunden. Uns einlassen heiĂźt, dem organischen Sog nachgeben, der es uns leicht macht, unseren Kurs zu halten. Vertieft in unser ernsthaftes Spiel sind wir so damit beschäftigt, am sprichwörtlichen Ball zu bleiben, dass wir keine Zeit dafĂĽr haben, uns zu ärgern und Sorgen zu machen.” (S. 248f)

(35) “Wer ernsthaft spielt, nimmt Rücksicht auf seine Menschlichkeit, wenn er sich Ziele setzt.” (S. 249)

(36) “Wir können das System nicht besiegen, indem wir die Regeln auswendig lernen. Es gibt keine Regeln — nur unzählige Prinzipien, die sich ständig neu konfigurieren, während sie kollidieren und sich vereinen und noch während wir schlafen neue Prinzipien gebären.” (S. 251)

  • Das ist eine wunderschöne Metapher fĂĽr die “Spielregeln” des Entrepreneurship!
  • vgl. Unternehmertum ist mehr Kunst als Wissenschaft.
  • Wahrscheinlich ist eher eine Sammlung solcher “Prinzipien”, die gleichwertig nebeneinander existieren, die sich gegenseitig verstärken und widersprechen, die mal Aufwind und mal Gegenwind haben, die alle gleichwertig und noch nicht gleichartig sind.

(37) “Ernsthaft spielen ist eine Sucht, die keiner anderen gleicht. Wir sind dafĂĽr geschaffen: in freudiger Zusammenarbeit Gott weiĂź was zu dienen. Gott erfahren ist genug.” (S. 252)

  • Das eigene Solo-Business als “ernsthaftes Spiel” betreiben — was fĂĽr eine wunderschöne Vision.
  • Und: Die eigene Vision ernsthaft, aber unverkrampft verfolgen — so “erfahren wir Gott”.

(38) “Wir können uns an jedem beliebigen Tag eingestehen, dass es keine Gewissheit gibt, nur Gelassenheit in Anbetracht all der Ungewissheit und des Wissens darum, dass unsere Alltagsweisheit uns die nächsten einfachen Schritte vorschlagen wird.” (S. 252f)

  • Unsere “Alltagsweisheit” reicht fĂĽr die nächsten Schritte. Dicke! Und den Rest mĂĽssen wir nicht verstehen, denn: Gottes Wege sind unergrĂĽndlich.

(39) “Wir selbst sind “die da”, die uns daran hindern, das Richtige zu tun. Die Eigenschaften von “denen da” sind unsere eigenen schlimmsten Eigenschaften.” (S. 253)

  • Der größte Gegenspieler ist in uns selbst. Im Vergleich dazu, wie sehr wir uns selbst im Weg stehen, sind die Anderen ein Lärcherl.
  • Noch dazu: Der ärgste Gegenspieler sind die Sorgen, die wir uns im Namen der Anderen machen, indem wir imaginieren, wie uns andere Menschen fĂĽr unsere Entscheidungen, Gedanken, Vorlieben und Projekte verurteilen werden.

(40) “[…] die Ausbeutung der Schätze dieser Erde ist eine Widerspiegelung der Ausbeutung unserer Seele.” (S. 253)


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