AutorGünter Schmatzberger

Der Wert liegt im Aufhören

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Manchmal entsteht für deine Kunden der größte Wert dann, wenn du aufhörst, etwas zu tun.

Wie im Fall einer Bekannten. Sie hat gekündigt und sich in der gleichen Branche selbständig gemacht. Ihre (ehemaligen) Kunden waren heilfroh zu hören, dass sie nun direkt mit ihr zusammenarbeiten können und nicht mehr mit ihrem ehemaligen Chef, der recht ein Ungustl war.

Es lohnt sich also immer zu schauen, welchen Ballast wir abwerfen können und von welchen Hemmschuhen wir uns trennen können, damit wir noch nützlicher sind für unsere Kund*innen.

Antike Unternehmensberatung

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Das Buch Kohélet ist ca. 2500 Jahre alt. Und doch gibt es eine Stelle darin, die viel besser als viele moderne Ratgeber zusammenfasst, worum’s in einem Lifestyle Business (oder im Leben überhaupt) geht:

Am Morgen beginne zu säen, auch gegen Abend lass deine Hand noch nicht ruhen; denn du kannst nicht im Voraus erkennen, was Erfolg haben wird, das eine oder das andere, oder ob sogar beide zugleich zu guten Ergebnissen führen.

Koh 11,6

Panikmodus

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Unlängst bin ich im ICE gefahren, von St. Pölten nach Wien. Er war voll, kein Sitzplatz zu bekommen, also habe ich mich mir einen Stehplatz gesucht einem Bereich, wo es Ablageflächen für Gepäck und auch Stellplätze für Fahrräder gab.

Ungefähr eine Viertelstunde vor Wien kam dieses ältere Ehepaar und fing an, an ihren Fahrrädern herumzufummeln und diese zum Aussteigen bereit zu machen. Mit dem Effekt, dass die Fahrräder nun im Weg standen und den wenigen Platz noch reduzierten.

Es hat keinen Sinn, mit den Vorbereitungen vor der Zeit zu beginnen. Man tut sich selbst keinen Gefallen. Auch dann nicht, wenn man glaubt, dass die Sache sehr wichtig und dringend ist und man auf keinen Fall dein Ausstieg verpassen will.

Ja, fang rechtzeitig an, dich vorzubereiten. Aber mach dir auch klar, wann die Zeit ist, um noch ein bisschen zu chillen.

Intimität und Vertrauen

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Meine Kund*innen brauchen viel Vertrauen zu mir als Gründungsberater.

Gründungsberatung, das ist eine sehr intime Tätigkeit. Im besten Fall vertrauen mir meine Kund*innen viel von sich und ihrem Leben an.

Unerfüllbarer Traum

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Der Wunschtraum der allermeisten Gründer*innen:

Maximale Freiheit bei maximaler Sicherheit.

Das geht natürlich nicht. Für niemanden.

Aber den Traum lässt sich niemand gerne nehmen.

Müde (2)

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Du bist müde. Die Hälfte deiner Emotionen kannst du ignorieren, weil es nicht deine Emotionen sind. Es ist dein Geist, der dir Emotionen vorgaukelt – weil er eben müde ist.

Hör einfach nicht hin. Was morgen, wenn du ausgeschlafen ist, davon noch da ist, das kannst du dir genauer ansehen.

Traue deinen Gefühlen nicht, wenn du müde bist. 

Mein Sohn sieht klar

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Mein Sohn fragte mich unlängst, ob ich beim nächsten Mal beim Eis-Greissler in Krumbach mit ihm mit dem Milchshaker fahre.

Ich sage: Das muss ich mir vor Ort anschauen. Und dann überlege ich es mir, ob ich damit fahre.

Er sagt: Nein, Papa! Zuerst fahren, dann überlegen!

Guter Einstieg

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Eine nützliche Grundannahme vor schwierigen Gesprächen:

Wahrscheinlich haben wir in Wirklichkeit eh alle das gleiche Ziel.

Golf oder Ferrari

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Unlängst hat mir ein Kunde anhand eines sehr anschaulichen Beispiels erklärt, wie große Unternehmen in der Praxis oft Investitionsentscheidungen treffen:

Es wird vorbildlich eine Investitionsrechnung durchgeführt. Es werden die verschiedenen Varianten durchgespielt. Es werden Kennzahlen berechnet und ausgewertet. Und in der Auswertung kommt man dann drauf, dass man sich keine der Varianten leisten kann.

Und schließlich wird entschieden nach dem Motto: “Ich kann mir den Golf nicht leisten und den Ferrari auch nicht – also nehme ich gleich den Ferrari!”

Teure Fehler

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Es kommt öfter vor, dass wir eine Situation falsch einschätzen.

Eine Variante davon (und die ist gar nicht so selten): Wir überschätzen unsere Fähigkeiten. Wir glauben, dass wir kompetenter sind, als wir glauben. Wir glauben, dass das ja nicht so schwer sein kann und wir das sicher auch selbst hinbekommen. Wir glauben, dass wir den Experten nicht brauchen. Ist ja nur unnötig teuer.

Voll Energie stürzen wir uns dann ins Projekt. Und dann passiert es, dass wir irgendwann (eher spät, oft einen Tick zu spät) drauf kommen: Moment mal, so leicht ist das ja doch nicht. Das ist viel anstrengender, als es aussieht.

Und dann holen wir uns doch noch den Profi. Weil wir das Projekt in den Graben gefahren haben. Und der Profi hat jetzt mehr Arbeit mit unserer “Vorarbeit”, als wenn er es gleich selbst gemacht hätte. Und für uns wird die geplante Kostenersparnis zu einem teuren Fehler.

“Learnings sind super, aber die Kostenseite nervt”, meinte unlängst ein Kollege von mir dazu.

Eine super Zusammenfassung. Wenn wir halt auch wirklich was lernen würden aus unseren teuren Fehlern…

Reife

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Unlängst habe ich mit einer Gründerin über die Reife gesprochen, die man nach ein paar Jahren in der Selbständigkeit bekommt.

Es ist eine unternehmerische Reife, weil man lernt, wie man mit den Herausforderungen umgeht. Mit unterschiedlichen Auslastungsgraden. Mit unregelmäßigem Cash-Flow. Mit anstrengenden Kunden. Mit ersten Mitarbeiterinnen, die nicht das bringen, was man erhofft hatte.

Mit dieser unternehmerischen Reife geht im besten Fall auch eine persönliche emotionale Reifung einher.

Wer als Unternehmer*in wächst, wächst auch als Mensch.

Sauhaufen

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“Es ist halt ein Sauhaufen”, meine unlängst ein Gründer zu mir auf die Frage, wie’s ihm denn so geht mit der Vorbereitung seines Launches.

Ich denke, auf viel mehr können wir in einem Lifestyle Business auch nicht hoffen. Die totale Ordnung, die vollkommene Klarheit, alles wohlig aufgeräumt und an seinem Platz… das wird nie eintreten.

Wir haben jeden Tag viel zu viele Ideen. Wir haben viel zu viele Gedanken, die wir nicht zu Ende denken und im besten Fall irgendwann wieder aufnehmen. Oder auch nicht. Ein Schritt vor und zwei zurück.

Und doch kommen wir voran. Nicht so schnell und nicht so geradlinig, wie wir gerne hätten. Aber auf unsere ganz eigene Art machen wir Fortschritt.

Darauf können wir uns verlassen, und darin dürfen wir Mut und Zuversicht finden.

Noch ein Kind

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Scott Galloway sagt, ein eigenes Business ist wie (noch) ein Kind zu haben:

It disappoints you, it delights you.

Gegen die Wurstigkeit!

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Es macht schon einen Riesenunterschied, wenn dir als Unternehmer*in deine Kund*innen nicht wurst sind.

Wenn du dich ein bisschen für sie interessierst, wenn du ihnen mit echtem Interesse begegnest, wenn du ein bisschen freundlich zu ihnen bist… dann bist du eh schon der Kaiser!

Das scheinbar Selbstverständliche ist alles andere als selbstverständlich.

Schade, aber auch eine Riesenchance für Unternehmer*innen mit einem guten Herz.

Nicht schnell genug

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Den allermeisten Gründer*innen geht es viel zu langsam – mit dem geschäftlichen Erfolg, mit dem Umsatzwachstum, mit den Followern und so weiter.

Aber: Geschäftserfolg ist keine Bestellung bei Lieferando. Das dürfen wir nicht vergessen.

Verschiedene Müllsammlungen

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Wenn ich den Müll aus unserer Wohnung raus bringe, dann sammle ich die Säcke und Kübel im Vorraum. In unserer Wohnung.

Wenn unsere Nachbarn den Müll aus ihrer Wohnung rausbringen, dann sammeln sie die Säcke im Stiegenhaus. Außerhalb ihrer Wohnung.

Ich stelle den Müll herinnen zusammen, weil ich mir denke, dass mein Müll meine Nachbarn nichts angeht.

Meine Nachbarn stellen ihren Müll draußen zusammen, weil sie sich denken (glaube ich): Hauptsache, der Müll ist mal draußen aus unserer Wohnung.

Im Prinzip ist es ja egal, ob man es so macht oder so. Gibt ja kein Richtig oder Falsch.

Aber man sieht: Selbst solche scheinbar banalen Dinge des täglichen Lebens sind Werte-getrieben.

Unsere Werte schlagen überall durch.

Wie die Hunde

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Es kann sein, dass uns Menschen Abschiede leichter fallen würden, wenn wir uns verabschiedeten wie Hunde.

Weil: Hunde verabschieden sich nicht. Sie freuen sich, wenn jemand kommt, aber sie sagen nicht tschüss. Sie gehen einfach weiter.

[Danke Oliver Kimmel für diesen Hinweis.]