AutorGünter Schmatzberger

Künstler vs. Unternehmer

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In meiner Gründungsberatung erlebe ich immer wieder Gründer*innen, deren Geschäftsidee irgendwo zwischen Künstler und Unternehmer angesiedelt ist. Fotograf*innen oder Designer*innen oder Theaterpädagog*innen fallen mir als Beispiele ein.

In dem Moment, wo eine künstlerische Tätigkeit auf einen unternehmerischen Kontext stößt, entstehen Reibungsflächen. Weil Kunst und Unternehmertum, das ist zwar verwandt, aber doch auch sehr unterschiedlich.

Gründer*innen, die sich als Künstler*innen begreifen, haben es meist schwer in der Marktwirtschaft. Weil eben die Spielregeln des Business andere sind als in der Kunst.

Ein Beispiel: Ein Künstler schafft zuerst seine Werke und schaut dann, wie/ob er Käufer dafür findet. Ein guter Unternehmer handelt nur, wenn er dafür auch einen Auftrag hat, also wenn er einigermaßen sicher weiß, dass er Käufer haben wird.

Ein anderes Beispiel: Ein Künstler schafft seine Werke aus sich selbst heraus, wenn ihn “die Muse küsst”. Ein guter Unternehmer braucht keine Musenküsse, um seine Aufträge qualitätsvoll abzuwickeln. Er handelt professionell.

Man sieht schon aus diesen wenigen Beispielen, dass da zwei ganz verschiedene Denkschulen aufeinander treffen.

Wer sich in beiden Welten, in der Welt der Künstler und der Welt der Unternehmer, kompetent bewegen kann, dem stehen jedoch ungeahnte Türen offen.

Selbstvermarktung

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Ich glaube, dass es unter vielen Solopreneuren ein Missverständnis gibt, wenn es um ihr Marketing geht.

Es geht nicht darum, dass Solopreneure sich selbst vermarkten.

Es geht darum, dass sie ihr Angebot vermarkten.

Aber das persönlich.

Garrett Gunderson: The Money Tree (2019) 📙

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Ich mag Garrett Gundersons Sichtweise auf Business, Finanzen und value creation. Seeehr amerikanisch, sehr weißer Mann, aber trotzdem: “You become productive and access your potential by utilizing your human life value in the service of others.” Das ist die Grundaussage des Buches, und sie spricht mich an.

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In-game coaching

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Als BWL-Trainer bin ich öfters gefordert, während eines Workshops eine Entscheidung zu treffen über den weiteren Verlauf des Workshops. Soll ich einen Teil weglassen? Soll ich eine zusätzliche Übung dazu nehmen? Soll ich die Reihenfolge umdrehen? Oder soll ich beim vorgesehenen Programm bleiben, auch wenn es nicht 100% rund ist?

Im Fußball würde man das in-game coaching nennen. Ein Fußballtrainer muss, je nach Spielverlauf, Anpassungen an der Taktik vornehmen, wenn der Matchplan nicht wie vorgesehen aufgeht.

Wirklich gute Trainer, egal ob am Spielfeld oder im Seminarraum, beherrschen dieses in-game coaching.

Das Problem dabei ist allerdings, dass solche Entscheidungen, die “in der Hitze des Gefechts” getroffen werden, ein besonderes Risiko haben, falsch zu sein. Aber was wäre die Alternative? Unternimmst du nichts, wird es mit ziemlicher Sicherheit sowieso schief gehen.

Also bleibt nichts anders übrig, als nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen zu treffen. Niemand kann sagen, was die richtige Wahl ist. Und im Nachhinein ist man immer gescheiter.

Also triff deine Entscheidungen for better or for worse. Aber triff sie aus den besten Absichten.

Trainer-Egos

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Meine Hypothese:

Alle schlechten Trainer*innen haben ein Problem mit ihrem Ego.

Oder, anders formuliert: Alles, was eine*n Trainer*in schlecht und/oder unbeliebt macht, lässt sich mehr oder weniger direkt auf deren (gekränktes) Ego zurückführen.

Ego is the enemy – (auch) aller Trainer*innen.

Welten getrennt

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Es ist eine große Herausforderung, eine Zielgruppe erreichen und bedienen zu wollen, die man selber nicht versteht. Weil man Werte-Welten voneinander getrennt ist.

Wie die eingefleischte Bäuerin, die versucht, zivilisationsverwöhnte Städter für “Urlaub auf dem Bauernhof” zu gewinnen.

Diese Menschen leben in zwei verschiedenen Welten – selbst wenn sie die gleiche Sprache sprechen.

Kontrast

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Durch ein Buch von Garrett Gunderson ist mir bewusst geworden, wie enorm wichtig der Kontrast in der Didaktik ist.

Manche Dinge kann man nur erkennen und begreifen, indem man erkennt und begreift, was das Gegenteil davon ist. Manche Dinge sieht man erst, wenn sie nicht mehr da sind. Manche Dinge hält man für vollkommen normal, bis sie es plötzlich nicht mehr sind.

Denk ans Autofahren: Wenn du auf 100 km/h beschleunigst, spürst du richtig die Geschwindigkeitszunahme. Aber wenn du ein paar Minuten mit 100 km/h gefahren bist, hast du das Gefühl, dass du förmlich dahinkriechst. Du hast das Gefühl für die Geschwindigkeit verloren – dis du die Geschwindigkeit wieder reduzierst und den Unterschied merkst.

Bis du einen Kontrast hergestellt hast.

Schlechte Bewertungen

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In einem Zeitalter, wo alles bewertet und evaluiert wird, kämpfen viele Unternehmer*innen mit den Bewertungen, die ihre unzufriedenen Kund*innen hinterlassen – besonders dann, wenn sie diese als ungerechtfertigt und unfair empfinden.

Unlängst erst hat mir eine Unternehmerin ihr Leid geklagt, welchen Schaden solche schlechte Bewertungen für ihren Betrieb bedeuten. Es war ihr anzusehen, dass sie wirklich körperlich unter diesen schlechten Bewertungen gelitten hat und war fast verzweifelt auf der Suche nach Antworten und Lösungen.

Es ist schwer, jemandem in so einer Situation zu raten, ohne alle Details zu kennen. Aber hier die Punkte, von denen ich das Gefühl hatte, dass sie ihr weiterhelfen können:

1. Wir sitzen alle im selben Boot. Jeder von uns bekommt ungerechte schlechte Bewertungen.

2. Daher: Nicht persönlich nehmen, auch wenn’s schwer fällt. Wir können Kund*innen (Studierende, Gäste, Besucher, Zuhörer…), denen was nicht passt an uns oder unserem Angebot nicht verhindern. Auch nicht, wenn wir uns auf den Kopf stellen.

3. Nicht zu viel in die Bewertungen reininterpretieren. Die Menschen denken beim Bewertung-Geben viel weniger nach, als man als Bewertungs-Empfänger glauben würde.

4. Manchmal hat man einfach Pech. Man macht alles richtig, man tut, was man kann – und trotzdem passt es nicht. Wir können nur unser Bestes geben, mehr geht nicht.

5. Gleichzeitig: Wir sollen uns bemühen, nicht ignorant zu sein. Grundsätzlich hat jede schlechte Bewertung das Potenzial, der Samen für eine Verbesserung zu sein. Vielleicht können wir auch eine schlechte Bewertung etwas erkennen, das wir bisher nicht gesehen haben. Dann wäre sie ein Geschenk.

6. Das Leben ist unfair. Aber nicht nur zu uns.

Investitionen finanzieren

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Bei Investitionsentscheidungen ist es hilfreich, zwei verschiedene Fragen auseinanderzuhalten:

  1. Ist die geplante Investition sinnvoll?
  2. Wie lässt sich die geplante Investition finanzieren?

Bei Gründer*innen und Solopreneur*innen beobachte ich mitunter, dass diese beiden Fragen vermischt werden.

Wenn wir die erste Frage positiv beantworten können, also wenn wir gut und vernünftig nachgedacht haben und wir zum Schluss kommen, dass die Investition sinnvoll ist, dann ist das OB geklärt.

Im Anschluss geht es dann um die Frage WIE. Wenn eine Investition sinnvoll ist, dann werden wir auch Möglichkeiten finden, diese Investition zu finanzieren.

Natürlich läuft es in der Praxis nicht immer so fein-säuberlich wie in diesem Denkmodell. Und dennoch ist es hilfreich, die zwei Fragen gut von einander zu trennen, weil verschiedene Fragen auch verschiedene Antworten verdienen.

Flugvorführugen

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Eine weitere Erkenntnis aus dem Falknerei- und Greifvogelzentrum Waldreichs:

Es gibt dort, wie bei vielen Einrichtungen dieser Art, tägliche Flugvorführungen, wo die Zuschauer den Greifvögel und ihren Falkner*innen beim Fliegen zusehen kann.

Ich fand die Flugvorführung dort überraschend interessant. Zumal ich erfahren habe, dass ein Greifvogel, der für die Falknerei gehalten wird, bei jedem Ausflug aufs Neue die freie Entscheidung hat, ob er wieder zu seinem Falkner zurückkehren will oder nicht. Wenn es ihm bei seinem Falkner nicht gut gehen würde, hätte er keinen Grund, zurückzukommen.

Die Frage ist trotzdem, wozu es diese Flugvorführungen eigentlich braucht. Und auch diese Frage wurde auf eine interessante Weise auf eine der Schautafeln beantwortet:

Wir sind heute leider eine Schau- und Spaßgesellschaft, wo man nur durch gute Vorführungen den modernen Menschen erreichen kann.

Medial gibt es ein nie dagewesenes Überangebot, das kaum jemand wahrnimmt.

Und das wiederum erinnert mich ganz stark an das Schauspiel, das jeden Tag bei der Jagd nach Aufmerksamkeit auf Social Media aufgeführt wird.

Nur dass halt die Greifvögel nichts dafür können.

Baumfalke

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Unlängst gelernt im Falknerei- und Greifvogelzentrum Waldreichs:

In der Falknerei wurden und werden verschiedenste Greifvogelarten für unterschiedliche Zwecke ausgebildet und verwendet. Die meisten davon natürlich für die Jagd, aber einer, der Baumfalke, nicht.

Es ist nämlich sehr schwer, mit einem Baumfalken erfolgreich zu jagen. Aber was für ihn spricht, ist seine Schönheit und sein angenehmes Wesen. Man hat ihn einfach zum Spaß geflogen.

Im Englischen heißt der Baumfalke übrigens hobby.

So wurde der Falke zu einem weltweit verwendeten Begriff für eine passionierte, aber profitlose Tätigkeit.

Langer Atem, viel Geduld

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Wir wohnen bei unserem Waldviertel-Urlaub immer bei sehr netten Gastgebern auf einem Biobauernhof.

Der Hof hat eine sehr interessante Geschichte. Die Familie Mayerhofer hat den Hof 1979 gekauft, musste aber zuerst in einem Nebengebäude wohnen, weil die ehemalige Besitzerin weiterhin am Hof lebte. Nach deren Tod 1984 wollte Familie Mayerhofer, “sobald es finanziell möglich war” auf der Sonnenseite einen neuen Wohntrakt errichten und darin umziehen.

Zunächst musste allerdings der Stall neu gebaut werden. Das war wichtiger.

Der Bau des neuen Haustraktes begann dann 1991, der Bezug erfolgte 1995.

Es dauerte also 11 Jahre von der Idee zur Verwirklichung.

Respekt für diese Konsequenz, die Ausdauer und den langen Atem!

Künstlicher Stress

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Unlängst Familienurlaub im Waldviertel, wie jedes Jahr. Und wie jedes Jahr ein Zwischenstopp bei der Mini-Dampfbahn.

Ich habe voriges Jahr ja schon darüber reflektiert, dass ich die unternehmerische Leistung dort aller Ehren Wert finde.

Heuer waren wir so früh dort, dass wir bei der ersten Fahrt der Mini-Dampfbahn an Board waren. Nur: Weit ist sie nicht gekommen, weil sie noch zu wenig Druck am Kessel hatte. Sie ist zu früh los gefahren. Der Eigentümer hat das mit folgenden Worten kommentiert: “Hier sind eh alle auf Urlaub und haben Zeit, nur wir machen uns einen künstlichen Stress.”

Wie oft glauben wir, dass etwas dringend ist und unbedingt jetzt geschehen muss – obwohl das keiner von uns verlangt hat? Wie oft machen wir uns selbst Druck, ohne Anlass und ohne Not? Wie oft legen wir los, obwohl wir noch gar nicht richtig vorbereitet sind?

Da hilft es innezuhalten und zu fragen: Wer macht hier eigentlich den Stress – meine Kunden oder nur ich mir selbst?

Mahnung

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Profis mahnen. Bis das Geld am Konto ist.

Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen.

Genial

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Selbst, wenn du der genialste Mensch der Welt wärst, würdest du Fehler machen.

Weil du noch nicht weißt, was überhaupt das Problem ist.

Ignaz Semmelweis

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Ignaz Semmelweis hat die Blutvergiftung entdeckt und wie sie übertragen wird.

Er war Arzt in einer Wiener Geburtenstation. Die behandelnden Ärzte sezierten zu Ausbildungszwecken auch Leichen, ohne sich danach die Hände zu desinfizieren. (Ihre Hände haben sie sehr wohl gewaschen, aber das reichte nicht.) Dadurch wurden Keime übertragen, welche über die Schleimhäute bzw. die Gebärmutter ins Blut der Frauen gelangten und tödliches “Kindbettfieber” auslösten.

Seine Entdeckung war bahnbrechend. Sie hat Millionen Menschen das Leben gerettet und die moderne Chirurgie im 20. Jahrhundert erst möglich gemacht.

Er war aber kein lupenreiner Held. Er war lange zu passiv. Er war viel zu lange schweigsam. Er hat viel zu lange nichts zu seinen Erkenntnissen publiziert. In der Zeit sind viel zu viele Frauen gestorben. Er hätte viel mehr tun können, um seine Entdeckung zu verbreiten.

Wie so viele Lifestyle Entrepreneure auch hat er viel zu lange geglaubt, dass seine Arbeit für sich spricht und sich Vernunft und Qualität von selbst durchsetzen werden.

Ein teurer Aberglaube.

Schwer zu glauben

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Es sieht für mich zumindest nicht so aus, als wäre es recht ernst gemeint:

Lösungen

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In einem Interview zum Start der neuen Saison, spricht der Trainer der Admira, Thomas Pratl, öfters von “Lösungen”, die seine Mannschaft im Spielaufbau finden muss.

Ich finde, das ist eine sehr passende Beschreibung dafür, wie Fußball (und auch jedes andere Spiel) funktioniert. Es gibt Herausforderungen, und dafür sind Lösungen zu entwickeln. Es gibt nicht die eine richtige Lösung, es gibt verschiedene, und man darf auch durchaus kreativ sein und noch nie da gewesene Lösungswege finden (wenn man kann). Hauptsache, man löst das Problem. Und das nicht einmalig und zufällig, sondern systematisch, immer und immer wieder.

Insofern ist ein Lifestyle Business auch nichts anderes als ein Spiel, bei dem wir täglich antreten und aufgefordert sind, Lösungen zu finden.