ThemaBlog

Nahes und fernes Klauen

N

Es ist nichts dagegen zu sagen, dass wir uns gute Ideen von anderen “ausborgen”. Ich meine damit nicht ein plumpes Stehlen von Ideen, sondern sich inspirieren zu lassen und seine eigene Version daraus zu machen – die dann wiederum andere zum Ausborgen anregen kann.

Dabei gibt es aber Folgendes zu beachten: Wenn wir uns Ideen ausborgen von Menschen, die sehr nah an dem sind, was wir selbst auch machen (kurz: von unseren Mitbewerbern), dann werden Menschen, die auch in unserer Nische unterwegs sind, kommen und sagen: “Ah, da schau her, jetzt macht er/sie es genau so wie XY!”

Viel besser ist es, sich seine Ideen von weit weg zu holen. Zum Beispiel aus Branchen, die mit der eigenen überhaupt nichts zu tun haben. Oder von AutorInnen, die gerade nicht besonders en vogue sind. Oder von den alten Klassikern, die eh keiner mehr kennt.

Wer “zu nah” klaut, steht als Imitator da. Wer von “weit weg” klaut, bringt Innovationen in die Nische und ist ein Held.

Der Berater, dein Feind

D

Das Verhältnis zwischen Berater:in und Klient:in ist nicht einfach. Es sollte ein Verhältnis auf Augenhöhe sein, und doch basiert es auf einem Kompetenzunterschied: Der/Die Berater:in weiß etwas, das seine Kund:innen nicht wissen. Deswegen suchen sie ihn/sie ja auf.

Dieser Kompetenzunterschied führt aber fast zwangsläufig zu einem Hierarchieunterschied: Der/Die Berater:in ist mächtig, der/die Kund:in in gewissem Maße unterlegen und ausgeliefert.

Das Spannungsfeld, das aus diesem Machtgefälle resultiert, kann mitunter eskalieren, sodass sich eine Kundin in die Ecke gedrängt fühlt und im schlimmsten Fall ihre Beraterin als ihre Feindin wahrnimmt. Dass kann die Schuld der Beraterin sein, aber auch „nur“ eine Projektion der Klientin.

Das Resultat bleibt das gleiche: Wenn das passiert, ist die Basis für eine weitere Zusammenarbeit untergraben. Für Beraterin und Kundin bleibt nur noch, sich in Würde zu trennen.

Wenn das gelingt, ist das Optimum dessen gelungen, was in dieser Beziehung gelingen konnte.

Nützliche und unnütze Fragen

N

Unnütze Fragen: Wer hat daran Schuld? Wer hat das verbockt? Wem ist dieser Blödsinn eingefallen?

Nützliche Fragen: Was können wir aus diesem Schlamassel lernen? Was macht diese scheinbar verkorkste Situation für uns möglich? Wie sorgen wir gemeinsam dafür, dass uns das in Zukunft nicht mehr passiert?

In der größten Not warst du nicht da

I

Ein Gründer hat mir folgenden Gedanken mitgegeben:

Viele Kunden. aber auch viele Mitarbeiter wurden in der Corona-Krise enttäuscht, nämlich von ihren Lieferanten bzw. ihren Arbeitgebern. In einer Zeit, wo alle zusammenarbeiten müssten, wo wir besonders aufeinander angewiesen sind, haben sich einige Firmen(-Chefs) absentiert. Sie waren sie nicht erreichbar, weder im wörtlichen Sinn (z.B. am Telefon), noch im übertragenen, emotionalen Sinn.

Diese Enttäuschung wird noch lange nachwirken. Sie wirkt nach bei den Kunden, die in dieser Zeit andere Lieferanten gefunden haben, die da waren. Sie wirkt nach bei Mitarbeitern, die nun ebenfalls mit Wurstigkeit reagieren oder das eine oder andere Revanchefoul begehen.

„A friend in need is a friend indeed“, heißt es. Das gilt dieser Tage in besonderem Maße. Jetzt „da zu sein“ kann den Grundstein für eine lange und erfolgreiche (weil vertrauensvolle) Zusammenarbeit legen.

Die Chance ist da. Wirst du sie nutzen?

Hamsterräder

H

Es gibt Gründer, die suchen den Weg in die Selbständigkeit als Ausweg aus einer Anstellung, die sie zermürbt hat. „12 Jahre Gastronomie haben mich zerstört“, sagt ein ehemaliger Kellner, der nach Burn-Out seinen eigenen Waffelstand in einem Shopping-Center oder einen Kosmetikladen aufmachen möchte.

Es ist der Wunsch nach Freiheit, nach weniger Stress, nach Selbstbestimmung, der viele Lifestyle Entrepreneure antreibt. Das Problem dabei: Ist ein Waffelstand, der zehn Stunden am Tag an sechs Tagen die Woche geöffnet hat, wirklich weniger stressig – zumal er nur mit zwei Aushilfskräften kalkuliert? Sind eigene Mitarbeiter nicht nur eine andere Form von Stress?

Ist diese angestrebte Lösung wirklich erlösend? Oder wechselt hier nur jemand von einem Hamsterrad in das nächste?

„Die Menschen verwenden ihre Freiheit, um sich ihre eigene Versklavung zu schaffen“, sagt Paolo Coelho.

Das, was möglich war

D

Wenn wir unser Bestes gegeben haben, wenn wir uns ehrlich bemüht haben, wenn wir nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben… dann ist das Ergebnis immer das Beste, das zu diesem Zeitpunkt möglich war.

Unser Bestes ist nicht immer gleich gut, aber es ist stets das Beste, das eben diesmal möglich war.

Darum dürfen wir aufhören, uns zu quälen mit dem Grübeln darüber, ob das Ergebnis gut genug ist, ob wir es besser hätten machen können. Es ist das Beste, das möglich war. Punkt. Es wäre diesmal nicht besser gegangen, es hätte diesmal nicht besser sein können, unter keinen Umständen.

Wenn wir uns das vor Augen halten, und wenn das Ergebnis in den Augen anderer trotzdem nicht ausreichend sein sollte, dann haben wir uns nichts vorzuwerfen. Wir haben unser Bestes gegeben und können das Spielfeld erhobenen Hauptes verlassen.

Das nächste Spiel kommt bestimmt. Wir werden dann wieder die Chance haben, unser Bestes zu geben. Neues Spiel, neues Glück. Aber dieses Spiel ist abgepfiffen. Undefeated, everybody goes home.

Pionierarbeit

P

Es kommt gar nicht so selten vor, dass wir Lifestyle Entrepreneure auf Unverständnis innerhalb unserer Familie stoßen.

Das äußert sich z.B. in der Frage der Eltern, ob wir denn von allen guten Geistern verlassen sind, dass wir einen sicheren Job aufgeben wollen für die unsichere Existenz als Selbstständige?

Oder es äußert sich dadurch, dass dich beim großen Familientreffen zu Weihnachten niemand nach deinem Business fragt und du das Gefühl hast, dass neun von zehn deiner Verwandten gar nicht genau sagen könnten, was du eigentlich genau machst.

Dieses Unverständnis, dieses Desinteresse oder sogar eine offene Ablehnung zu spüren, ist schmerzhaft. Natürlich empfinden wir das als Hemmnis.

Aber vielleicht liegt es ja gerade an uns, in unserer Familie eine neue Tradition zu begründen und in zweihundert Jahren als der Ahne zu gelten, der damals den Mut hatte, als erste/r den Weg des Lifestyle Entrepreneurship zu gehen und damit zum Vorbild für alle kommenden Generationen zu werden.

Pioniere verdienen ihren Ruhm selten in der Gegenwart, also sollten wir hier auch nicht danach suchen.

Who is it for?

W

Ein Gedanke von Derek Sivers: Wenn du Lifestyle Entrepreneur werden willst, aber du keine Ahnung hast, wie dein Lifestyle Business aussehen soll, dann ist der Grund dafür vielleicht folgender:

Du bist dir nicht im Klaren darüber, für wen du dein Lifestyle Business machen willst.

  1. Möglichkeit: Du machst es nur für dich. Dann kannst du völlig ignorieren, was andere über dein Lifestyle Business denken. Du brauchst dir keine Gedanken über Produkt- oder Marketingstrategien machen. Das einzige Kriterium für den Erfolg eines solchen Lifestyle Business: Gibt es dir Sinn, Freude und Motivation? Allerdings ist fraglich, ob du auf diese Weise (genug) Geld verdienen wirst. So ein Lifestyle Business ist näher beim Hobby als bei einem richtigen Unternehmen.
  2. Möglichkeit: Du macht es für jemand anderen, nämlich für deine Kunden. Dann hast du ein Business, und dann ist für dein Business sehr wichtig zu wissen, was deine Kunden von deinem Angebot halten. Es ist wichtig, dass du dir überlegst, wie potenzielle Kunden von deinen Angeboten erfahren. “Der Kunde ist König”, und die Entscheidungen deiner Kunden sind wichtiger als deine eigenen Vorlieben. Dieses Lifestyle Business ist ein ernstzunehmendes Unternehmen, weil es darauf ausgerichtet ist, langfristig (genug) Geld zu erwirtschaften.

So weit, so klar. Aber ich frage mich schon länger, ob es für uns Lifestyle Entrepreneure nicht noch einen “dritten Weg” gibt. Ich glaube, ich bin diesem “dritten Weg” auf der Spur, aber ich kann ihn noch nicht in Worte fassen.

Unternehmergeist

U

Unternehmer sind Freigeister.

Wir tun uns schwer mit Menschen, Umständen und Situationen, die unsere Freiheit einschränken. Wir tun uns schwer, wenn wir nicht so können, wie wir wollen. Wir tun uns schwer, wenn wenn wir das Gefühl haben, der “Diener” für andere zu sein und unsere eigenen Projekte darüber zu vernachlässigen.

Mit ein Grund, warum diese Corona-Zeit so herausfordernd für viele Lifestyle Entrepreneure ist.

Nicht im Reinen

N

Eine Gründerin sagte kürzlich zu mir:

Ein Kunde spürt, wenn das Unternehmen nicht im Reinen ist.

Ich glaube, besser kann man es nicht auf den Punkt bringen – und besser kann man auch nicht begründen, warum es so wichtig ist, dass wir Lifestyle Entrepreneure darauf schauen, dass unser Business zuallererst mal zu uns passt.

Denn nur dann können wir wirklich für unsere Kunden da sein.

Langweilig (3)

L

Notiz an mich: Wenn du Gespräche haben willst, in denen es um etwas geht, dann fang du damit an, solche Gespräche zu führen.

Oder wie der unsterbliche Georg Danzer sagt: „Besser di, dann bessert sich die Welt.“

Langweilig (2)

L

Worum es geht, wenn es in einem Gespräch um nichts geht – und was dann zu tun ist:

„Wenn ich so nachdenke, fallen mir sogar ganz viele Situationen ein, bei denen es dem Gesprächspartner gar nicht darum geht, sich auszutauschen, sondern um ganz andere Dinge. Und zwar meistens um sich selbst. Wenn ich nicht mehr viel Zeit habe, möchte ich lieber nicht mehr Komparsin bei so etwas sein – ich will keine Zeit verschwenden für etwas, das ich im Grunde eh nicht ausstehen kann.”

Alexandra Reinwarth, Das Leben ist zu kurz für später, S. 57

Langweilig

L

Mich langweilen (leider) die meisten Treffen im Familien- oder Freundeskreis. Das liegt nicht nur daran, dass ich kein besonders geselliger Mensch bin. Es liegt an meinem Eindruck, dass es in den meisten Gesprächen um nichts geht.

Ich bin ein Lehrer. Deshalb mag ich es, wenn ich in einem Gespräch etwas lerne. Ich mag es, wenn ich zum Nachdenken angeregt werde. Ich mag es, wenn jemand mit mir ernsthaft diskutieren mag.

In vielen Unterhaltungen geht es jedoch um (für mich) sehr oberflächliche Themen, das sind keine echten, tiefgehenden Konversationen. Und so kommt es, dass ich mich z.B. in Beratungsgesprächen mit UnternehmensgründerInnen wohler fühle als bei so manchem “Gespräch” im Privaten – was ich unendlich schade finde.

Ich habe deswegen auch immer wieder mal ein schlechtes Gewissen, weil ich meine Freunde und Familie wirklich sehr, sehr mag. Aber ich wünschte mir, sie würden mit mir über die Dinge reden, die wirklich wichtig sind im Leben.

Was hat sich verändert?

W

Bob Rock, der legendäre Producer von Bon Jovi, Aerosmith, Metallica u.v.a.m., wurde in einem hörenswerten Interview von Bob Lefsetz gefragt, wie der sensationelle Erfolg des “Black Album” von Metallica (16 Mio verkaufte Alben!) sein Leben verändert habe.

Bob Rock schmunzelte und antwortete schließlich: “Well… I live in Hawaii…”

Ich mag diese Antwort nicht nur wegen des trockenen Humors. Bob Rock hält uns Lifestyle Entrepreneuren auch vor Augen, dass es vollauf genügen kann, einen großen Erfolg zu haben, der für den Rest unseres Lebens reicht.

Wir müssen nicht ständig erfolgreich sein. Ein Mal genügt.

Nachhaltigkeit

N

So, wie du dein Lifestyle Business heute geführt hast… Mit dem Gefühl, mit dem du heute Morgen aufgestanden bist… Mit dem Gefühl, das du heute Abend nach deinem Arbeitstag gehabt hast… Kannst du dir vorstellen, 30 Jahre lang jeden Tag so zu erleben?

Das wichtigste Kriterium für den Erfolg eines Lifestyle Business ist, dass es “sustainable”, also nachhaltig ist. Und nachhaltig bedeutet ganz konkret, dass du dein Lifestyle Business so führst, dass dir niemals die Puste ausgehen wird – weder finanziell noch körperlich noch emotional.

Für die Nachhaltigkeit als oberstes Unternehmensziel bist einzig und allein du verantwortlich, und zwar an jedem einzelnen Tag. Daher: Wenn du heute Abend wieder einmal froh warst, dass der Tag vorbei war und du hoffst, dass morgen ganz sicher alles viel, viel besser sein wird – dann hast du Handlungsbedarf, und zwar nicht erst morgen, sondern schon heute.

Weil du den Pfad der Nachhaltigkeit verlassen hast, und weil damit nicht weniger als dein gesamtes Lifestyle Business auf dem Spiel steht.

Wie lange willst du noch die Luft anhalten, bis du umkippst?

Wer ist hier der Boss?

W

Wer ist eigentlich der Boss in deinem Lifestyle Business? Bist das du, oder lässt du dich von deinen Kunden, deinen Partnern und/oder den Menschen in deinem Umfeld regelmäßig “overrulen”?

Wer setzt eigentlich die Prioritäten in deinem Business? Wer bestimmt, was dringend ist und was warten kann? Wer entscheidet, wofür du deine Kreativität einsetzt und wofür nicht?

Es ist leicht, die Kontrolle über sein eigenes Business zu verlieren und dem Druck von außen nachzugeben. Du allein, niemand sonst, bist dafür zuständig, dir die Definitionsmacht über dein Lifestyle Business immer wieder zurückzuholen und immer wieder die unternehmerischen Spielregeln mit dir selbst neu auszuhandeln.

Wenn du das nicht tust, wird es niemand für dich tun.

Karriere-Ende

K

Wer sich für den Weg des Lifestyle Entrepreneurs entscheidet, hört auf, Karriere machen zu wollen.

Ich finde, das ist eine gute Nachricht. Und du?

Statistiken

S

„Die Statistiken sagen eindeutig…“ – Wenn ich Menschen höre, die sich auf irgendwelche nicht näher genannte Statistiken, Studien oder Forschungen berufen, werde ich hellhörig.

Mir ist klar, warum das gemacht wird: Man will seinem Argument Gewicht verleihen, es glaubwürdiger machen, ihm den Anschein der Objektivität geben. Zahlen lügen nicht, stimmt‘s?

Bei mir löst dieser Versuch aber genau das Gegenteil aus: Ich werde sofort misstrauisch. Warum versteckt er seine Meinung hinter einem Anstrich von Pseudo-Wissenschaftlichkeit? Warum gibt sie ihre subjektive Einschätzung als eine objektive Tatsache aus? Wer will mich hier manipulieren?

Es ist legitim, eine Meinungsverschiedenheit mit den besseren Argumenten gewinnen zu wollen. Aber irgendeine Statistik ins Treffen zu führen, die man nie genau gelesen und ziemlich sicher nicht verstanden hat, ja die es vielleicht außerhalb der eigenen kleinen Welt gar nicht gibt… das ist kein Argument, das ist… gar nichts.

Furchterregend und gefährlich

F

Furchterregend und gefährlich ist nicht dasselbe.

Wir haben Angst vor Dingen, die eigentlich überhaupt nicht gefährlich sind. Wenn wir uns beispielsweise entscheiden, mit einem Blog, einem Podcast oder einem Video-Kanal “sichtbar” zu werden, so ist das in keiner Weise gefährlich. Weder Leib noch Leben sind bedroht. Dennoch reagieren wir so, als wäre genau das der Fall. Unser Körper reagiert, als wäre die Bedrohung real.

Gleichzeitig entscheiden wir uns die Dinge, die wirklich gefährlich sind, weitgehend zu ignorieren. Die Sprachlosigkeit in der Beziehung, der Stillstand im Business, die Erwärmung der Erde… da wäre es angebracht, alarmiert zu sein.

Aber wir fürchten uns lieber, statt uns um die wirklich gefährlichen Dinge zu kümmern.