Das Privileg der Orientierungslosigkeit

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Wenn du in Österreich als Gründer:in nicht weißt, welches Business du genau gründen sollst – Glückwunsch. Du hast ein Luxusproblem.

Keine existenzielle Not zwingt dich zur Selbständigkeit. Keine natürliche Bedrohung treibt dich dazu. Du musst nicht ums Überleben kämpfen. Du darfst grübeln, zweifeln, suchen. Du darfst drei Geschäftsmodelle ausprobieren und dann doch was ganz anderes machen. Das ist ein Privileg, das längst nicht alle Menschen auf diesem Planeten haben.

Aber: Das macht die Sache nicht leichter. Im Gegenteil.

Druck von außen ist eindeutig. Druck von innen ist diffus. Wenn die Miete nicht bezahlt werden kann, weißt du wahrscheinlich ziemlich klar, was zu tun ist. Wenn du dir “nur” unsicher bist, ob du den Weg der Selbständigkeit gehen willst – was dann? Es geht ja nicht um Leben und Tod.

Viele Gründer:innen verwechseln dieses Privileg mit Versagen. Sie schämen sich für ihre Orientierungslosigkeit. Dabei ist genau das – die Zeit und der Raum zum Suchen – der größte Luxus, den unser System bietet.

Wolf Lotter hat recht. Wir müssen lernen, uns ohne Zwang anzustrengen. Aber vielleicht müssen wir vorher lernen, dankbar für diesen Zwang-losen Raum zu sein.


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