Die WKO und die Lifestyle-Teilzeit

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Die WKO, meine gesetzliche Interessenvertretung, hat das “Problem” der Lifestyle-Teilzeit für sich entdeckt.

In einem Artikel der WKNÖ-Zeitschrift (Ausgabe August 2025, S. 23) erläutern Präsident Ecker und Direktor Schedlbauer die (aus ihrer Sicht) notwendigen Maßnahmen, um “dem zunehmenden Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken”:

  • Freibetrag für bei Vollzeitarbeit, um die Bemessungsgrundlage der Einkommenssteuer zu senken.
  • Absetzbetrag für die Vollzeitarbeit.
  • Senkung des Steuertarifs in den mittleren Tarifstufen.
  • Anhebung der zweiten und dritten Einkommenssteuerstufe.

“Diese Maßnahmen seien nötig, um Vollzeitarbeit attraktiver zu gestalten und dem Mitarbeitermangel in allen Branchen erfolgreich zu begegnen”, so Ecker und Schedlbauer.

Wenn ich das so lese, dann komme ich zu dem Schluss, dass die WKO anscheinend nicht durchschaut hat, worum es beim Phänomen “Lifestyle-Teilzeit” wirklich geht. Wer freiwillig weniger arbeitet, als er könnte, macht das nicht, weil er zu wenig verdient. Er macht das, weil er genug verdient und kein Interesse hat, mehr zu arbeiten. Er will seine Lebenszeit lieber anderswo einsetzen als an seinem Arbeitsplatz.

Deswegen werden Steuersenkung-Maßnahmen überhaupt gar nichts ändern. Den Leuten ist ihre Zeit mehr wert als Geld.

Wenn die WKO sagt, sie hat das Ziel, “die Lifestyle-Entscheidung Teilzeit statt Vollzeit zu arbeiten, unattraktiver zu machen”, dann gehen diese Maßnahmen also am Ziel vorbei. Aber komplett vorbei.

Und ich muss mich fragen: Kann es wirklich sein, dass die WKO überhaupt nicht verstanden hat, was die wirklichen Motive für “Lifestyle-Teilzeit” sind?

Oder interessieren die WKO die wirklichen Motive in Wahrheit gar nicht, weil sie das Thema “Lifestyle-Teilzeit” nur instrumentalisiert, um eigentlich eine ganz andere Agenda voranzubringen?

Als zahlendes Mitglied würde mich das schon interessieren. (Und: Ob sie nicht eigentlich was Besseres zu tun hätten.)


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