Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Größer

G

Sich selbständig zu machen ist eine große Herausforderung. 

Aber die Freude daran ist noch größer.

Das Spiel

D

Wer auf Social Media erfolgreich sein will (soll heißen: wer dort Aufmerksamkeit bekommen möchte), muss bereit sein, deren Spiel zu spielen.

Bei diesem Spiel braucht man nicht nur guten Content, den sich ein paar Leute anschauen. Es braucht viel, viel mehr. Man muss sich mit den Eigenheiten der Plattform auseinandersetzen, muss viel über dessen Vorlieben und Abneigungen lernen und seinen Content konsequent darauf abstimmen.

Was bedeutet: Das Spiel zu spielen ist viel, viel Arbeit.

(K)eine Ahnung

(

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich sage “Keine Ahnung!”, wenn ich etwas nicht weiß.

Ich tue das, weil ich mich immer wieder daran erinnern möchte, dass ich nicht der Arroganz vieler Berater*innen verfalle, die glauben, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

Aber ich glaube, ich gehe damit ein bisschen zu weit. Es stimmt schon, dass ich vieles nicht weiß. Aber eine Ahnung habe ich schon. Ein Gefühl, eine Tendenz, eine Meinung.

Und das ist meistens auch das, was meine Kund*innen von mir erwarten, wenn sie mir eine Frage stellen.

Klein halten

K

Andere Menschen haben dich nicht gerne groß. Den meisten Menschen geht es besser, wenn du klein bist: nicht zu auffällig, nicht zu erfolgreich und schon gar nicht zu glücklich. Zumindest nicht glücklicher als sie.

Das geht bis in den Freundeskreis und sogar in die engste Familie hinein. Weil jede Form von Glück und Erfolg immer auch eine Provokation ist: Warum geht es dem so gut und mir nicht?

Im Anderen sehen wir, welches Potenzial wir selbst auch hätten, aber (noch) nicht ausschöpfen. Und anstatt davon motiviert zu werden, reagieren viele Menschen mit Neid und Missgunst und machen andere nieder.

Das muss allen bewusst sein, die sich selbständig machen und ganz besonders allen Lifestyle Entrepreneuren. Glaub ja nicht, dass sich jede*r in deinem Umfeld mit dir freut, wenn du mit deinem Lifestyle Business erfolgreich und glücklich bist.

Haptisch

H

Ich habe es unlängst wieder ganz stark gemerkt:

Ein großer Nachteil eines digitalen Business wie der Gründungsberatung ist, dass es digital ist. Sprich: Dass es kein sichtbares Produkt gibt. Es gibt nichts, das man angreifen könnte und an dem man den Fortschritt klar vor Augen hätte.

Mir tut es sehr gut, mir dieses haptische Erlebnis trotzdem irgendwie herzustellen. Indem ich mit Moderationskarten arbeite oder den Projektfortschritt mit Kanban-Boards visualisiere. Oder indem ich mir Symbole und Figuren im Raum aufstelle, die digitale Artefakte meines Business repräsentieren.

Wir Menschen haben jahrtausendelang unsere Arbeit mit unseren Händen vollbracht. Das können (und sollen) wir auch im 21. Jahrhundert nicht einfach so ablegen.

Aufwendig

A

Videos sind nicht aufwendig.

Es ist dein Perfektionismus, der sie aufwendig macht!

[Danke Isabella Ošaben für diesen Gedanken.]

Die höchste Schule

D

“Die wichtigste Bildungseinrichtung, die bedeutendste und höchste Schule, das sind wir selbst”, sagt Wolf Lotter.

Wir lernen nirgends sonst so schnell wie durch die eigene Erfahrung, besonders durch schmerzhafte Fehler.

Wir irren uns vorwärts. Und dafür gibt es auch keine Abkürzungen.

Blinde Flecken bei der Gründung

B

Jede*r Gründer*in hat einen Blinden Fleck bei ihrem/seinem Gründungsprojekt.

Dinge, die sie nicht wissen, von denen sie aber (noch) nicht wissen, dass sie sie nicht wissen. 

Ich sehe es als meine Aufgabe als Gründungsberater, meine Gründer*innen beim Auffinden dieser Blinden Flecken systematisch zu unterstützen.

Teilzeit-Diskussion

T

Bei uns in Österreich wird gerade eine Diskussion geführt, ob Menschen, die in Teilzeit arbeiten, nicht auch weniger Sozialleistungen bekommen sollte (z.B. hier). Nach dem Motto: Wer weniger leistet, soll auch weniger bekommen.

Mich verstört Diskussion, weil ich mich frage: Was ist die Agenda dahinter?

Warum kommt das Thema ausgerechnet jetzt auf? Wer will da was für wen erreichen? Welche Argumente sind echt, und welche sind nur vorgeschoben?

Wem nützt es, eine Neiddiskussion auszulösen und Vollzeitmitarbeiter gegen Teilzeitmitarbeiter auszuspielen?

Existieren diese unterstellten “faulen Schweine”, die nur Teilzeit arbeiten und dann den Rest des Tages nur Netflix schauen, überhaupt? Und wenn ja, wie viel Prozent der Teilzeitkräfte sind das wirklich? Wer kann diese Zahlen liefern, und warum werden sie nicht geliefert?

Oder ist das womöglich überhaupt eine reine Phantomdiskussion, die hier inszeniert wird?

(Und ganz abgesehen davon: Die reine Arbeitszeit als Maßstab dafür herzunehmen, wer wie viel Sozialleistung “verdient”, ist höchst fragwürdig. Teilzeitkräfte sind oft produktiver als Vollzeitkräfte, das weiß man schon sehr lange. Die Produktivität wäre der viel geeignetere Indikator, wenn schon über Leistung diskutiert wird. Aber damit würden wir eine viel tiefgreifendere und substanziellere Diskussion führen müssen. Und wer würde das wollen?)

Expertengespräche

E

Expert*innen, die aus ihrer Profession ein Business machen möchten, haben ein besonderes Problem: 

Das, worüber Expert*innen reden wollen und das, worüber ihre Kunden reden wollen, ist nicht immer das gleiche. 

Rat geben und nehmen

R

Es ist die Aufgabe und das Handwerk von Berater*innen, zum richtigen Zeitpunkt den passenden Rat zu geben.

Aber damit ist es nicht getan. Das Gegenüber muss unseren Rat auch nehmen können. Das hat mit den Worten zu tun, die wir wählen, aber noch viel mehr hat es mit unserer Persönlichkeit zu tun.

Findet uns unser Gegenüber sympathisch, wird es unseren Rat zumeist nehmen können.

Tut es das nicht, wird’s schwierig – egal, wie gut der Rat ist.

Mit Hausverstand

M

Unlängst habe ich in der Kronenzeitung gelesen, dass sie fordert, “Klimaschutz mit Hausverstand” zu betreiben.

Das finde ich spannend. Weil nämlich überhaupt nicht klar ist, was damit eigentlich genau gemeint ist. Gleichzeitig aber kann sich jede Leserin und jeder Leser sich seine eigene Interpretation davon schaffen, wie “Klimaschutz mit Hausverstand” aussehen würde. Und am Ende wären sich alle einig und würden sagen: “Jawoll, Klimaschutz mit Hausverstand, so gehört das!” – obwohl wahrscheinlich radikal unterschiedliche Vorstellungen herrschen würden, was konkret zu tun ist.

Einigkeit durch Vagheit. Sehr effektiv in der Meinungsmache, aber wenig hilfreich bei der Problemlösung.

Namen merken

N

Ich mache es mir wichtig, mir die Namen meiner Studierenden zu merken und sie auch mit ihrem Namen anzusprechen.

Das ist gar nicht einfach, weil ich in jedem Studienjahr an die hundert neue Studierende habe. Und es gelingt mir mehr schlecht als recht, aber ich bemühe mich.

Warum? Weil es für mich ein Ausdruck von Respekt ist. Weil es sagt: Ich sehe dich und ich nehme dich wahr. Ich nenne dich bei deinem Namen, und damit ich nehme dich ernst.

Miteinander

M

Eine der schönsten Besonderheiten an der Gründungsberatung ist für mich, dass ich mitunter von meinen Gründer*innen genauso viel lerne wie sie von mir.

Unlängst hat mir eine Gründerin in einem Nebensatz eine ganz besondere Lebensweisheit mitgegeben:

Das wirklich Wertvolle im Leben entsteht immer durch Interaktion.

Und ich glaube: Sie hat damit vollkommen und uneingeschränkt recht.

Nicht naiv

N

Ich will mit meiner Tätigkeit als Gründungsberater BWL und Entrepreneurship für Solopreneure zugänglich machen.

Das bedeutet aber nicht, dass über BWL und Entrepreneurship nicht auch weiterhin kritisch nachdenken werde.

Liebe und Sinn

L

Spannender Gedanke von Gary Chapman:

Es ist schwer, Sinn in seinem Leben zu finden, wenn man nicht liebt und sich geliebt fühlt. Ohne Liebe verbringen (vergeuden?) wir viel Zeit damit, Sinn, Selbstwert und Sicherheit zu suchen.

Wer Sinn in seinem Business (oder in seinem Job) sucht, sucht vielleicht nach Liebe – am falschen Ort.

Waschmaschine

W

Unlängst war unsere Waschmaschine kaputt.

Ich war entschlossen, sie selbst zu reparieren. Ich bin ja ein geschickter Bursche, es gibt genügend Youtube-Videos, und so schwer kann das ja nicht sein.

Drei Reparaturstunden später musste ich mir eingestehen, dass das alles doch nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint und dass ich wohl doch lieber einen Profi ran lassen sollte, der weiß, was er tut.

Der Profi war dann zwei Tage später im Haus. Im Endeffekt hat es ihn mehr Zeit gekostet, meine Reparaturversuche wieder zu korrigieren, als wenn ich ihn gleich gerufen hätte.

What do we learn, Palmer? What do we learn?

Lügen werden bestraft

L

Wir Entrepreneure sind nicht ehrlicher oder unehrlicher als andere Menschen.

Aber wir werden öfter und strenger bestraft als andere, wenn wir uns selbst Lügen erzählen. 

Wir spüren es nämlich sehr direkt und schmerzlich am Umsatz, der nicht reinkommt.

Intelligenz

I

Intelligent zu sein ist super, aber es ist nicht genug.

Denn auch sehr intelligente Menschen können sehr dumme Entscheidungen treffen.

Freunde des Neuen

F

“Das Neue braucht Freunde”, heißt es im Film Ratatouille.

Wenn wir ein neues Angebot, ein neues Produkt, eine neue Geschäftsidee in die Welt bringen wollen, dann brauchen wir genau diese Freunde, sonst wird das nix. Wir brauchen Menschen, die von Anfang an an unser Vorhaben glauben, die uns ermutigen und uns die richtige Richtung weisen.

Diese Freunde des Neuen können unsere tatsächlichen Freunde sein, aber im besten Fall sind es Kund*innen, die sich auf das Neue einlassen, die sich begeistern lassen und anderen begeistert davon erzählen.

Wir sollten unsere Energie also nicht nur darauf verwenden, das Neue in die Welt zu bringen, sondern auch ein Umfeld schaffen, wo Menschen mit dem Neuen Freundschaft schließen können.