Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Aufsichtsrat

A

In einer Aktiengesellschaft gibt es den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat wird von den Eigentümern (= den Aktionären) bestimmt und hat die Aufgabe, der Geschäftsleitung (= dem Vorstand) auf die Finger zu schauen, ob er eh alles richtig macht.

Einzelunternehmer haben keinen Aufsichtsrat. Sie verfügen nicht über so ein Kontrollorgan – und braucht auch keines. Das unternehmerische Risiko, die Gefahr, dass ihm das Geld ausgeht… das sollte eigentlich schon Kontrolle genug sein, damit sie keine Dummheiten machen.

Hinkend und tanzend

H

Unlängst habe ich eine alte Unternehmer-Weisheit kennengelernt:

Das Geld kommt hinkend rein und geht tanzend raus.

Ich interpretiere das so: Es ist sehr mühsam, Geld zu verdienen (= Umsatz zu machen), aber ausgeben tut sich das sauer verdiente Geld quasi wie von selbst.

Die unternehmerische Kunst wäre jetzt, das umzudrehen.

Verkaufen und Vertrauen

V

Verkaufen braucht Vertrauen.

Nämlich zu allererst mal unser eigenes Vertrauen in unser eigenes Angebot.

Wer kein bedingungsloses Vertrauen in sein Angebot hat, wird auch nicht fähig sein, es überzeugend zu präsentieren und zu verkaufen.

Richtig und falsch

R

Auch Expert*innen und Berater*innen können im Grunde nicht beurteilen, ob etwas richtig oder falsch ist. Niemand kann in die Zukunft schauen.

Wir können bestenfalls voraussagen, ob etwas in Schmerz oder Leid enden wird. Aber selbst dann: Wenn wir jemanden vor dem Schmerz bewahren möchten, tragen wir möglicherweise nur dazu bei, seinen Schmerz langfristig zu vergrößern. 

Da wäre es besser gewesen, wir hätten den kurzfristigen Schmerz zugelassen, um ihn von langfristigem Leid zu erlösen. 

Kunde oder Teilnehmer

K

Es macht einen Unterschied, ob Gründungsberater*innen des UGP die Gründer*innen als Kunden oder als Teilnehmer bezeichnen.

Ich weiß nur noch nicht genau, welchen.

Taube Ohren

T

Ich glaube, fast alle Lehrer*innen da draußen haben Schüler*innen, an denen sie sich die Zähne ausbeißen.

Als Gründungsberater habe ich erst heute wieder mit so jemandem telefoniert. Egal, was ich sage, es scheint einfach nicht anzukommen. Die berühmten tauben Ohren.

Fast Eddie Felson (Paul Newman) bringt im Film Die Farbe des Geldes wunderbar auf den Punkt, woran es liegen kann:

Entweder unterrichte ich dich nicht richtig, oder du hörst mir nicht zu.
Oder du hörst zu, aber du verstehst nicht.

Fast Eddie Felson in “Die Farbe des Geldes

Eines von den dreien also. Wenn ich jetzt nur wüsste, was…

Vertrauen ist nützlich

V

Als Content Creator steht man vor der Herausforderung, mit seinem Content nützlich zu sein. Etwas zu produzieren, das für das Publikum relevant und im besten Fall actionable ist.

Man kann Nützlichkeit aber auch anders denken. Nützlich kann auch etwas sein, was meinem Publikum Vertrauen zu mir gibt.

Wenn ich eine neue Buchnotiz auf meine Website lade, dann ist es gut möglich, dass diese Notiz von niemandem jemals gelesen wird.

Aber das ist vielleicht gar nicht der Punkt, denn: Mein Publikum weiß nun, dass ich das Buch gelesen habe.

Gefährlicher Unfug

G

Es gibt Business Coaches da draußen, die sagen: Wenn du einen Plan B hast, dann bist du nicht all-in mit deinem Business! Dann bist du nicht committed genug!

Was für ein Bullshit.

In Wahrheit ist es so, dass der klassische sorgfältige Kaufmann immer einen Plan B hat. Er würde niemals alles auf eine Karte setzen. Gute Unternehmer versuchen immer, ihr Risiko zu streuen. Genau das macht sie zu guten Unternehmern.

Bitte glaubt nicht alles, was da draußen von selbsternannten Business Coaches an Unfug verzapft wird!

Merci

M

Ich habe von meinen Studierenden an der FH St. Pölten bei der letzten Einheit meiner Lehrveranstaltung “Media Cost Management and Finance” ein Packerl Merci zum Abschied bekommen.

Ich war total überrascht und gerührt.

Und gleichzeitig mag es ein Beweis sein für etwas, das seit 2000 Jahren in der Bibel steht: Gib, dann wird dir gegeben werden.

Unerkannte Privilegien

U

Wie wir als Kind aufwachsen, halten wir für ganz normal. Wir glauben, alle Kinder wachsen so auf wie wir. 

Wir sind uns unserer Privilegien überhaupt nicht bewusst – nicht als Kind, und nicht als Erwachsene.

Das ist ein Problem, wenn wir erwachsen sind, weil darin die Wurzel von Diskriminierung und Rassismus liegt. 

[Danke Betiel Berhe für diesen Gedanken.]

Ignorant

I

Nach dem letzten Podcast von Anitra Eggler beschleicht mich das Gefühl:

Ich glaube, ich unterschätze die aktuelle KI-Revolution völlig.

Bittere Wahrheit

B

Nicht alles, was unsere Kunden brauchen würden, wollen sie auch (kaufen).

Zum Schmied, nicht zum Schmiedl

Z

Wenn wir etwas wirklich lernen wollen, dann sollten wir nicht von Menschen lernen, die selbst nur ihre eigenen Erfahrung anzubieten haben.

Wir sollten lernen von Menschen, welche die Konzepte dahinter durchschaut haben.

Von Menschen also, die uns verständlich erklären können: Warum funktioniert etwas, und warum funktioniert etwas anderes (bei mir) nicht?

Nicht im Geringsten

N

Was bei anderen funktioniert, kann ich als Inspiration nehmen, aber ich darf überhaupt nicht versuchen, nicht im Geringsten versuchen, diese Konzepte auf mein Business überzustülpen.

[Danke Anne Bucher für diese Formulierung.]

Urlaubsplanung

U

Was den Urlaub von Solo-Selbständigen betrifft, stelle ich folgendes Muster fest:

Der Urlaub, der fix gebucht und bezahlt ist, findet statt.

Der Urlaub, der “spontan” passieren soll (weil man ist ja schließlich selbständig!), findet nicht statt.

Die Grenzen des Systems

D

Egal, in welchem System wir uns bewegen, es wird darin Menschen geben, die die Grenzen dieses Systems ausloten. Die schauen, was sie sich erlauben können, ohne sanktioniert zu werden. Die Schwachstellen und Schlupflöcher aufstöbern und ausnutzen.

Das kann man diesen Menschen nur bedingt vorwerfen. Der moralische Kompass, dass alles erlaubt ist, was nicht verboten ist, ist weit verbreitet – und wird ja sogar von vielen “Vorbildern” in Politik, Wirtschaft und Kultur so vorgelebt.

Wenn man nicht will, dass etwas passiert, dann braucht es dafür klare Regeln. Was nicht erwünscht ist, darf einfach nicht erlaubt sein. Dann wird es auch (fast) nicht mehr passieren.

Angst vor den Zahlen (2)

A

Eine Konsequenz, die aus der Angst der Gründer*innen vor den Zahlen (bzw. vor dem Ergebnis) entsteht:

Viele Gründer*innen haben zwar ein Gefühl, aber relativ wenig Wissen über den Finanzierungsbedarf ihrer Gründung. Sprich: Wie viel Geld sie denn überhaupt brauchen, um Ihr Business auf die Beine zu stellen und in der Startphase abgesichert zu sein.

Aber es wäre doch sehr nützlich, das zu wissen, oder?

Angst vor den Zahlen (1)

A

Viele Gründer*innen scheuen sich davor, einen Finanzplan zu erstellen. Wenn man von außen drauf schaut, könnte man meinen, dass viele Gründer*innen Angst vor Zahlen haben.

Aber das stimmt nicht. Sie haben keine Angst vor den Zahlen, sie haben Angst vor dem Ergebnis

Dass sich herausstellt, dass sich ihre Gründungsidee nicht rechnet. Dass sie das, was sie bisher als ungutes Bauchgefühl hatten, nun schwarz auf weiß vor Ihnen sehen.

[Danke Michaela Schächner für diesen Gedanken.]

Wie Kunden unsere Preise sehen

W

Wir Lifestyle Entrepreneure machen uns sehr, sehr, sehr viele Gedanken über unser Pricing.

Unsere Kunden nicht. Sie interessiert es am Ende nicht, ob wir mit unserer Preiskalkulation kostendeckend sind oder ob der Preis über/unter unserem errechneten Mindeststundensatz liegt.

Unsere Kunden fragen sich nur: “Ist mir das Ergebnis, das ich da bekomme, den Preis wert?“

Die Quelle ist nicht wichtig

D

Für alle Berater*innen und Lehrer*innen:

In unserer Kultur geht es immer mehr weg von “Von wem ist das?” hin zu “Wofür ist das gut?“.