Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Lockerheit

L

Die wirklich Erfolgreichen ihrer Zunft können harte Arbeit und Zielstrebigkeit mit einer gewissen Leichtigkeit verbinden.

Der Ex-Schirennläufer Hans Knauss drückt das so aus:

Die letzten fünf Prozent, dass Leute Rennen gewinnen, ist eine Lockerheit. Aber des bringst ganz schwa her.

Hans Knauss in “Ö3 Frühstück bei mir”, 22. Jänner 2023

Der Sog von Geschichten

D

Ich sitze am Frühstückstisch im Hotel. Um diese Zeit bin ich nicht sehr gesprächig, aber rund um mich wird sich angeregt unterhalten.

Auf dem einen Tisch erzählt eine Frau, wie sie mit der Verlassenschaft ihrer Schwiegermutter umgeht. Welche emotionalen und finanziellen Herausforderungen damit für sie und vor allem für ihren Mann verbunden sind. Wie viel Zeug sich über die Jahre angesammelt hat, und dass die Nachbarn auf die Liegenschaft spitzen, weil sie Wohnraum für ihre Kinder schaffen wollen.

Am anderen Tisch erzählt eine Frau von ihrer Arbeitskollegin, genauer gesagt von deren Tochter. Sie hatte in jungen Jahren Krebs und leidet nun unter Panikattacken. Welche Ursachen und Auswirkungen das alles hat, war der Rote Faden dieser Unterhaltung.

Ich sitze also da, und ich kann nicht anders als zuzuhören. Ich kann mich dem Sog dieser Geschichten. nicht entziehen. Im Grunde interessiert es mich nicht, was da gesprochen wird. Und doch bin ich neugierig, was als nächstes kommt. Wie es weiter geht. Ob es ein Happy End geben wird.

Dabei sind das keine ausgefeilten Geschichten, die da erzählt werden, im Sinne des Storytelling. Es sind ganz normale Alltagsgeschichten. Sie sind zumindest so originell, dass sie erzählenswert sind, aber im Grunde geht es um die ganz gewöhnlichen Dramen des Lebens, die kleineren und die größeren.

Und trotzdem sitze ich da und kann nicht anders als zuzuhören. Nicht, weil die Storyline oder die Dramaturgie so großartig sind, sondern weil es echte Geschichten sind.

Echte Geschichten von echten Menschen.

Auf Umwegen

A

Viele Lifestyle Entrepreneure wollen auf keine Fall salesy wirken. Ja nicht zu marktschreierisch. Ja nicht zu aufdringlich.

Deswegen halten sie sich oft vornehm zurück, wenn es darum geht, über sich zu sprechen. Oder, ganz konkret, auf der Website zu einem kostenlosen Erstgespräch aufzufordern.

Diese vornehme Zurückhaltung hat aber zur Folge, dass sie es ihren potenziellen Kund*innen unnötig schwer machen, sich von ihnen die Hilfe zu holen, die sie ja eigentlich suchen.

Statt den Menschen, die bei uns Hilfe suchen, klar zu sagen, was wir für sie tun und wie sie mit uns arbeiten können, schicken wir sie auf unnötige Umwege, damit wir nur ja nicht zu aufdringlich wirken.

Es ist paradox. Weil wir damit das Gegenteil dessen erreichen, was wir eigentlich wollen.

Verpasste Gewinnchancen

V

Es ist eine spannende Tatsache, dass Unternehmen bestimmte Gewinnchancen oft gar nicht erkennen.

  • Ein Unternehmen kann “blind” sein z.B. für einen Bedarf in der Zielgruppe, die sie eigentlich servicieren will.
  • Ein Unternehmen kann zu stur sein, um jene Veränderungen vorzunehmen, welche die Gewinnchancen erhöhen würden.

Mit einem Wort: Unternehmen können sich selbst im Weg stehen auf dem Weg zum Gewinn. Das gilt auch und besonders für Solopreneure.

Andererseits, was natürlich auch stimmt: Nicht jede Gewinnchance muss auch ergriffen werden.

Der Grund aufzustehen

D

Es ist so wichtig, sich immer wieder vor Augen (und Ohren) zu halten, warum wir unser Lifestyle Business eigentlich machen.

Wir sind so leicht abzulenken. Aber der ganze Lärm, der oft so spannend und verlockend scheint, hat wahrscheinlich null damit zu tun, warum wir heute Früh aufgestanden sind. 

Orientierung

O

Struktur, Ordnung, Reihenfolge, Prioritäten… das ist mitunter die wichtigsten Dinge, die Gründungsberater ihren Gründer*innen mitgeben können. Eine Landkarte, einen Fahrplan. Eine Orientierung.

Aus der Orientierung kommt Klarheit, aus der Klarheit kommt das Gefühl der Bewältigbarkeit, und daraus kommt Hoffnung. 

Solomon-Paradoxon

S

Als Berater gebe ich wahrscheinlich bessere Ratschläge, als ich selbst als Unternehmer befolge.

Tinder

T

Tinder löst ein Problem.

Deshalb wird es auch genutzt, wenn es alle Sch***e finden.

Künstliche Intelligenz

K

Das Spannende an AI ist, dass sie anders denkt als wir. 

Sie hilft uns dabei, Dinge zu sehen, auf die wir von selbst gar nicht gekommen wären.

[Danke Kevin Kelly für diesen Gedanken.]

Die Wiederentdeckung des Offensichtlichen

D

Das Offensichtliche auszusprechen… das kann eine unendlich wertvolle Hilfe sein!

Das Offensichtliche ist dem Gründer und der Gründerin oft völlig verborgen. Hiding in plain sight, sozusagen.

Wenn das Offensichtliche offensichtlich wird, das sind unglaubliche Momente der Wiedergeburt.

Funktioniert nicht

F

Ob etwas funktioniert oder nicht, ist nicht in erster Linie eine Frage der Methode oder des Tools. Es ist eine Frage der Person, die sie verwendet!

Jeder von uns gebraucht ein und dasselbe Werkzeug ein bisschen anders. Die einen schaffen damit ein Kunstwerk, die anderen tun sich damit weh. 

Nur weil etwas bei jemand anderem funktioniert oder nicht funktioniert, heißt das für mich überhaupt gar nichts. Diese Information ist eigentlich vollkommen wertlos. Ob etwas für mich funktioniert oder nicht, hängt einzig davon ab, wie gut es zu mir passt und wie wohl ich mich damit fühle. 

Wenn mir ein Anzug perfekt passt, werde ich ihn auch gerne tragen. 

Produkte anders denken

P

Ein Produkt ist nicht einfach ein Produkt. Verschiedene Produkte erfüllen verschiedene Funktionen.

Josef Zotter erklärt das wunderbar anhand seiner Schokolade-Kreationen:

Bei uns gibt es ein Sortimentssplitting. Viele Menschen lieben bestimmte Geschmacksrichtungen: Marzipan, Nougat, Milchschokolade. Ein Drittel unseres Sortiments entspricht diesen Geschmäckern. Das sind die Cashcows. Ein Drittel sind Variationen, die vor dem Durchbruch stehen. Wenn ein Kunde zehn Schokoladen kauft, dann nimmt er meist neun etablierte und eine experimentelle Sorte. Wenn er diese gut findet, wächst sie in das Sortiment. Ein Drittel sind schräge Kreationen. Die kauft keiner, aber genau über diese wird geredet. Gute Produkte brauchen gute Geschichten.

Josef Zotter Interview in auto touring, Dezember 2022

Aus dem Weg!

A

Wenn jemand keine Hilfe braucht, dann will ich ihm zumindest nicht im Weg stehen.

Unvergleichlich

U

Wenn wir mit unserem Lifestyle Business etwas Einzigartiges schaffen wollen, etwas, das nur wir schaffen können…

Warum vergleichen wir uns dann unablässig mit anderen?

Hotelzimmer

H

Von meinem Hotelzimmer aus höre ich, wie ein Mann am Gang ständig an eine Zimmertür klopft. Unablässig.

Der Mann lallt ein bisschen, er scheint betrunken zu sein. Hinter besagter Zimmertür dürfte sich seine Frau befinden, die aber kein Erbarmen mit ihm zu haben scheint. Er findet einfach keinen Einlass. Vielleicht hämmert er auch an die falsche Tür.

Ich habe natürlich keine Ahnung, was hier wirklich los ist. Was da gerade läuft.

In meinem Kopf ließe sich diese Geschichte in hundert Versionen erzählen, mit wechselnden Helden und Bösewichten, als Komödie genauso wie als Tragödie.

Welche dieser Versionen käme wohl am nächsten an „die Wahrheit“?

Und welche davon ginge mich überhaupt was an?

Großes schaffen

G

Du kannst mit deinem Business Großes schaffen.

Du kannst dir ein großes Business schaffen mit viel Umsatz, vielen Kunden, viel Impact usw.

Aber du kannst auch Großes schaffen im Kleinen. Großes kann in einer einzigen Sekunde eines einzelnen Beratungsgesprächs mit einem einzigen Kunden entstehen.

1 von 10

1

Venture Capitalists haben ihre ganz eigene Logik. Sie investieren in eine Vielzahl von Start-ups und sind zufrieden, wenn eines von zehn Start-up-Investments erfolgreich ist.

Aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt dabei: Venture Capitalists ist es wurscht, welches der zehn Start-ups erfolgreich ist. Es geht ihnen nicht um die Menschen hinter den Start-ups, sondern rein wirtschaftlichen Erfolg.

Aber was ist mit jeder Einzelnen und jedem Einzelnen der Menschen, die zu den 90% der nicht erfolgreichen Startup-Gründer zählen? Für die sieht die Sache ganz, ganz anders aus. Für sie ist eine gescheiterte Gründung mitunter ein persönliches Drama.

Venture Capitalists ist das aber wurscht. Das muss jedem bewusst sein, der glaubt, in einem VC-Investment sein Heil zu finden.

[Danke Günter Faltin für diesen Gedanken.]

Deformiert

D

Wie würde eine BWL aussehen, die vollkommen deformiert wäre? Bis zur Unkenntlichkeit entstellt?

Wäre so eine BWL leichter zugänglich?

Social Entrepreneurs

S

Eine Hypothese, über die es sich nachzudenken lohnen würde:

Social Entrepreneurs haben (oft, nicht alle) in erster Linie ein Geld-Thema bei sich selbst. Das projizieren sie dann auf ihre Kund*innen und die Gesellschaft generell.

Nicht die Gesellschaft hat ein Problem mit dem Kapitalismus, sondern der Social Entrepreneur.

Erich Ribolits

E

Ich habe erst jetzt erfahren, dass im April 2021 Erich Ribolits gestorben ist. Er war in meiner Zeit als Student an der Uni Wien einer meiner großen Helden.

Von ihm habe ich den Unterschied zwischen Tauschwert und Gebrauchswert gelernt. Durch ihn habe ich kennengelernt, wie die Pädagogisierung unserer Gesellschaft vonstatten geht und welche Rolle das unternehmerische Selbst darin spielt (Spoiler: keine gute).

Erich Ribolits war aber vor allem ein begeisternder Lehrer. Ich habe mich auf jede einzelne LV mit ihm gefreut, auch an einem Samstag. Er hatte provokante Ansichten und konnte sich sehr klar ausdrücken – und war sich auch nie zu schade, das in der Umgangssprache zu tun. Ich bin nach jeder seiner Einheit rausgegangen mit dem Wunsch, noch mehr über das zu erfahren, was er gesagt hat.

Von ihm habe ich gelernt, alles zu hinterfragen und nichts für selbstverständlich zu nehmen. Dass die Gesellschaft, in der ich lebe, mir nicht immer nur wohl gesonnen ist. Kritisches Denken im besten Sinne.

Ich werde Erich Ribolits’ Andenken in Ehren halten und hoffe, dass ich vieles von dem weitergeben kann, was er mich gelehrt hat.

Mögen Sie in Frieden ruhen, Prof. Ribolits!