Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Business mit Kindern

B

Ich würde sagen: Nimm deine Kinder nicht als Ausrede, deinen Traum vom eigenen Business nicht zu realisieren.

Aber mach dein Business auch nicht für deine Kinder.

Zu wenig?

Z

Wir glauben oft, dass unsere Probleme daher kommen, dass wir zu wenig von etwas haben.

Dabei ist es wahrscheinlicher, dass unser Hauptproblem von einem zu viel (von allem) ausgelöst wird.

[Danke Veit Lindau für diesen Gedanken.]

Gründerinnen müssen Haie sein

G

Meint die New Yorker Unternehmerin Sophia Sunwoo in brand eins.

Obwohl ich nachvollziehen kann, wo der Gedanke herkommt (zumal es Frauen in allen Bereichen schwerer haben als Männer, immer noch), fürchte ich, dass er in die Irre führt.

Man verändert ein Problem nicht dadurch, dass man mehr von dem macht, was das Problem eigentlich verursacht hat.

Traumerfüllung

T

Das ultimative Versprechen, mit dem man Gründer*innen ködern kann: “Mach dir keine Sorgen: Wir kümmern uns um deine Neukunden! Wir führen dich zum Schotter. Zahl uns einfach 3000 Euro im Monat, und die Sache ist geritzt!”

Die Sehnsucht, keine Akquise machen und nicht verkaufen zu müssen, ist so stark, dass man sogar das glaubt, was eigentlich zu gut ist um wahr zu sein.

Wenn der Wunsch der Vater des Gedanken ist, machen Menschen mitunter sehr dumme Sachen.

Mentoring

M

Markus Gull lehrt uns, was ein Mentor für seinen Mentee tun kann:

  1. Fehler des Mentees rechtfertigen, aber nicht gutheißen.
  2. Seinen Verdacht bestätigen, aber nicht dort picken bleiben.
  3. Ängste nehmen, aber nicht zum Leichtsinn treiben.
  4. Träumen Aufwind geben, aber keine Illusionen nähren.
  5. Helfen, Gegner und Gegenkräfte zu besiegen, aber nicht den Kampf abnehmen.

Und, nicht vergessen: Jeder ist ein Mentor!

Irgendwas ist bei jedem

I

Glaub nicht, dass deine Gründung besonders herausfordernd ist. Bilde dir nicht ein, dass nur du Schwierigkeiten zu überwinden hast, die unüberwindbar erscheinen. Geh nicht davon aus, dass bei den anderen alles glatt läuft, nur bei dir nicht.

Lass dir von einem Gründungsberater sagen: Irgendwas ist bei jeder*m. Jede*r hat sein*ihr Kreuz zu tragen.

Glaub mir, du würdest mit niemandem tauschen wollen. Also schultere das Kreuz, das zu dir passt, und mach dich auf den Weg – so wie alle anderen auch.

Gastnehmer

G

Lois Heckenblaickner ist ein kritischer Chronist der unschönen Seiten des Tourismus in seiner Tiroler Heimat.

Er zeigt die Gäste, die sich schlecht benehmen. Und er zeigt die Gastgeber, die diesen Namen eigentlich gar nicht verdienen. Deswegen nennt er sie Gastnehmer und beschreibt sie so:

Der Gastnehmer ist ein grobstofflicher Hundling, dem der Gast wurscht ist.

Lois Heckenblaikner

Solche Gastnehmer gibt es überall – längst nicht nur in Tirol, und längst nicht nur im Fremdenverkehr.

Aber in der sich tiefgreifend wandelnden Wirtschaft des 21. Jahrhunderts hat den Gastnehmern das letzte Stündchen geschlagen – in allen Branchen.

Mogelpackungen

M

Shrinkflation nennt sich der Trend, dass die Füllmenge von Packungen abnimmt, aber der Preis gleich bleibt.

Ein Beispiel: Das Packerl Haribo Goldbeeren kostet noch gleich viel wie vor einem Jahr, allerdings waren früher 200g Gummibäri drinnen und jetzt sind es nur noch 175g. Die Abnahme der Füllmenge entspricht eigentlich einer Preissteigerung um 12,5%.

Konsument*innen und deren Schützer sind darüber empört, und das kann ich nachvollziehen.

Und doch frage ich mich: Wenn im Packerl Chips früher 300g drinnen waren und jetzt sind es nur noch 200g… Ist das wirklich ein Nachteil? Meine (zugegebenermaßen subjektive) Erfahrung ist, dass ich immer ein ganzes Packerl Chips aufesse – egal, wie viel drinnen ist. Aber nicht zwei Packerl. Wenn ich jetzt nur noch 200g von diesem wohlschmeckenden, aber ungesunden Zeug esse statt früher 300g, dann müsste ich den Chips-Herstellern eigentlich sehr dankbar sein. Weil sie für mich etwas bewerkstelligen, was ich selber nicht hinkriege: Weniger Chips zu essen.

Shrinkflation könnte, so gesehen, also auch ein Tool sein, das wir zu unserem Vorteil einsetzen können – gerade weil wir weniger für unser Geld bekommen als zuvor.

Es mag zwar eigenartig klingen, aber nicht immer ist es schlecht für uns, wenn uns etwas gegen unseren Willen weggenommen wird.

Immer noch dort

I

Vor zwanzig Jahren habe ich als Student für ein paar Jahre im Kunsthistorischen Museum gearbeitet. Ich war im Aufsichtsdienst und habe aufgepasst, dass den weltberühmten Bildern in der Gemäldegalerie nichts passiert.

Unlängst war ich wieder in der Gemäldegalerie, und da ist mir aufgefallen, dass ich den einen oder anderen Aufseher wiedererkannt habe, von damals.

Während ich mit meinem Studium auch diesen Studentenjob beendet habe, sind die immer noch dort.

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

Wozu das alles?

W

Von Simon Sinek stammt ja der Rat, immer mit dem Warum zu beginnen.

Die Frage nach dem Warum dürfen sich natürlich auch Gründer*innen stellen, wenn es darum geht, den Sinn bzw. den Purpose ihres Business herauszuarbeiten – sofern ihnen das überhaupt wichtig ist.

Die Frage nach dem Warum führt allerdings dazu, dass wir nach hehren Gründen für unser Tun suchen – und oftmals nicht wirklich fündig werden. Soooo großartig ist unser Business nun auch wieder nicht, und fundamental verbessern werden wir die Welt damit wahrscheinlich auch nicht.

Einfacher und nützlicher ist dagegen die Frage nach dem Wozu. Wozu möchtest du dein eigenes Business gründen bzw. betreiben? Was willst du damit erreichen? Wozu tust du dir das alles an?

Die Antworten darauf können vergleichsweise banal ausfallen: Weil ich genug Geld zum Leben verdienen will. Weil ich mir irgendwann einen Porsche kaufen will. Weil ich sonst keine Chance für mich am Arbeitsmarkt sehe. Weil ich nie mehr im Leben einen Chef haben will.

Diese Gründe sind vielleicht nicht gerade hochtrabend, aber sie haben einen unschlagbaren Vorteil: Sie sind ehrlich dir selbst gegenüber.

Ein guter Finanzplan

E

Von meinem UGP-Kollegen Christian Janisch habe ich eine simple, aber kraftvolle Einsicht:

Ein guter Finanzplan ist die logische Folge eines guten Businessplans.

Nicht wertvoll genug

N

Am interessantesten sind die Menschen, die sich dein Angebot ernsthaft angeschaut haben, die hin- und herüberlegt haben, die mit dir in Kontakt oder sogar in einem Erstgespräch waren – und am Ende doch nicht gekauft haben.

Sie müsstest du in aller Bescheidenheit fragen: Warum war ich nicht wertvoll genug für dich?

[Danke Uri Levine für diesen Gedanken.]

Die letzte Meile

D

Selbst, wenn man genau weiß, was man will, und selbst, wenn man schon 95% des Weges gegangen ist…

Selbst dann ist es noch keine g’mahte Wiesn. Die letzten Meter auf dem Weg können sich für Gründer*innen und Solopreneure besonders anstrengend anfühlen – gerade dann, wenn das Ziel schon in Sichtweite ist.

Wenig überzeugend

W

Wenn mir jemand in einem Beratungsgespräch ein gutes Dutzend mal versichert, dass sie die ganze Situation als großes Learning sieht und dass sie die Erfahrung nicht missen möchte und dass sie volles Vertrauen hat, dass schon alles gut werden wird…

Dann frage ich ich: Wen möchtest du hier überzeugen – mich, oder doch eher dich selbst?

Gebrauchsanweisung für mich selbst

G

Von Clemens Sedmak habe ich eine spannende Idee kennengelernt:

Wie wäre es, wenn ich eine Gebrauchsanweisung für mich selbst verfassen würde? Nach dem Motto: Wie man mit Günter am besten umgeht, damit er lange hält.

Was würde in so einer Gebrauchsanweisung drinnen stehen? Wahrscheinlich, dass man mich lieber in Ruhe lassen soll, wenn ich zu wenig geschlafen habe. Oder dass ich nach ca. zweieinhalb Stunden genug habe von Besuchern, auch von jenen, die ich wirklich mag und mit denen ich sehr gerne Zeit verbringe. Oder dass ich es hasse, wenn ich beim Kochen Multitasking machen muss.

Aber wozu soll so eine Gebrauchsanweisung gut sein? Clemens Sedmak sagt:

Es lohnt sich, an einer “Gebrauchsanweisung für mich selbst” zu arbeiten; es lohnt sich dann auch, einer solchen “Gebrauchsanweisung” im Umgang mit sich selbst zu folgen; wenn ich weiß, dass ich morgens am besten arbeiten kann, werde ich mein Leben danach ausrichten; wenn ich weiß, dass ich an einem Tag zwischendurch immer wieder Momente für mich alleine brauche, werde ich dies zu berücksichtigen versuchen. Die Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein, ist Teil der Kunst, sich selbst zu kennen und das zu fördern, was mein Blühen fördern kann.”

Clemens Sedmak: Das Gute leben, S. 118f

Mit einer Gebrauchsanweisung für mich selbst mein Blühen fördern… Ein sehr schöner Gedanke!

Normaler Orangensaft

N

Unlängst im Billa-Plus-Restaurant in meiner Nähe: Eine Frau vor mir an der Kassa bestellt Orangensaft. „Aber nicht den frisch gepressten, sondern den normalen“, sagt sie.

Das hat mich irritiert. Wäre nicht eigentlich der normale Orangensaft der frisch gepresste aus echten Orangen — und der nicht-normale ein in einem schwer recyclebaren Karton abgefülltes Gemisch aus Orangensaftkonzentrat und Wasser?

Schon interessant, was wir in unserer Konsumgesellschaft alles für normal halten.

Meinung fasten

M

Schöne Idee von Manuel Scheidegger zum Beginn der Fastenzeit: Nicht Essen fasten, sondern Meinung fasten. 

Das bedeutet: Sich mit der eigenen Meinung mal bewusst zurückhalten und stattdessen zuhören, was andere Menschen dazu denken. Oder tatsächlich genau hinzusehen, was die Fakten eigentlich sagen. Sich fragen: Wie ist eigentlich das Ding, wie es ist, und wo beginnt meine eigene Interpretation? Seinen eigenen Standpunkt in Frage stellen und für Kritik offen sein.

Dafür braucht man andere Menschen, weil alleine schaffen wir das nicht. Und wahrscheinlich braucht es Menschen, die einem unbequeme Ansichten haben oder die man überhaupt noch nie gehört hat.

Aber ein schöner Nebeneffekt des Meinungsfastens: Man lernt, die Welt klarer und wahrer zu sehen, weil man ein bisschen wegkommt vom eigenen Confirmation Bias

Schummelzettel

S

ChatGPT versetzt momentan viele Bereiche unserer Wissensgesellschaft in Aufruhr und macht natürlich auch nicht vor den Schulen halt.

Wie gut, dass uns in Österreich das nicht allzu sehr beunruhigen muss. Zumindest, wenn es nach den obersten Lehrer*innenvertretern geht, die im Jahr 2023 die Situation fachkundig analysiert haben und zum Schluss kommen:

„In meiner eigenen Schulzeit hat es Schummelzettel gegeben,
jetzt gibt es halt andere Dinge.“

Paul Kimberger auf orf.at, 5. Februar 2023

Drüber reden

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Unlängst habe ich mit einem Gründer gesprochen, bei dem es nicht richtig läuft. Man sieht in seinem Gesicht und hört in seiner Stimme, wie anstrengend es für ihn gerade ist. Wie viel er investiert und wie wenig dabei für ihn raus schaut.

Solche Gespräche sind naturgemäß schwierig. Einerseits, weil es nie angenehm für mich ist, jemanden leiden zu sehen. Andererseits, weil ich nicht einfach die schnelle Lösung parat habe, die schlagartig alles besser machen würde.

Und dennoch war nach dem Gespräch spürbar was besser als vorher. Wahrscheinlich allein deshalb, weil er drüber reden konnte.

Bücher kaufen, Bücher lesen

B

Hartmut Rosa beschreibt ein interessantes Phänomen unserer Zeit:

Wir kaufen uns ein Buch. Das geht schnell. Das Buch zu lesen hingegen dauert lang. Statt dass wir uns die Zeit zum Lesen des Buches nehmen, kaufen wir uns lieber ein neues Buch, das wir dann auch wieder nicht lesen.

Es scheint uns mehr Lust zu bereiten, etwas Neues zu kaufen, als es tatsächlich auch zu konsumieren.