Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Obduktionsbericht

O

Ein Gedankenexperiment:

Versetz dich ein paar Jahre in die Zukunft und stell dir vor, deine Geschäftsidee ist grandios gescheitert. Alles, was schief gehen konnte, ist schief gegangen. Es ist nichts übrig außer unzufriedene Kunden. Wenn sie deinen Namen hören, stellen sich ihnen alle Haare auf.

Überleg dir (allein oder mit Personen deines Vertrauens):

  • Was ist passiert, dass alles so schief gehen konnte?
  • Warum haben die Kunden deine Produkte gehasst?
  • Welche kapitalen Management-Fehler hast du begangen?

Muss-Wissen

M

Eine der spannendsten Fragen, die man einer Lehrerin oder einem Lehrer stellen kann: Was muss ich wissen, um Erfolg zu haben?

Natürlich können wir Lehrer diese Frage nicht letztgültig beantworten. Auch wir können nicht in die Zukunft sehen und alle Erfolgsfaktoren verlässlich voraussagen.

Aber wir können (und müssen!) eines tun: Wir müssen als Experten für ein Thema definieren, was das essenzielle Wissen in diesem Thema ist. Wir müssen im Dienst unserer Schüler*innen das Muss-Wissen vom Kann-Wissen und vom Kür-Wissen unterscheiden.

Diese Unterscheidung ist eine der größten und wichtigsten Leistungen von guten Lehrern.

Optionen sind ein Geschenk

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Ja, es ist ein Segen, viele Möglichkeiten im Leben zu haben. Ein Segen und ein Fluch.

Weil: Wenn man ein Geschenk annimmt, geht man auch eine Verpflichtung gegenüber dem Geschenk und dem Schenkenden ein. Diese Verpflichtung ist ernst zu nehmen. Jedes Geschenk hat seinen Preis.

Bereits die alten Trojaner haben diese bittere Lektion lernen müssen: Manchmal ist es besser, ein Geschenk nicht anzunehmen. Nicht jede Option muss man auch wahrnehmen.

Manchmal ist es besser zu sagen: Danke, aber nein danke.

Zu viert

Z

Ich bin Lifestyle Entrepreneur, ich bin Solopreneur, und ich bin es gerne.

Und doch bin ich nicht alleine. Ich habe meine Familie.

Wir sind zu viert.

Lehrgeld

L

Wenn wir Lifestyle Entrepreneure etwas ausprobieren, wenn wir Dinge zu verbessern versuchen, wenn wir Prozesse in unserem Lifestyle Business optimieren wollen, dann wird es immer eine gewissen Menge an Fehlinvestitionen geben.

Das gehört zum Lernen dazu. Das ist eine Form von Lehrgeld.

Wahrscheinlich ist es deshalb keine schlechte Idee, von vornherein ein „Experimentier-Budget“ einzuplanen.

Gefährliches Halbwissen

G

Betriebswirtschaft ist nicht Rocket Science. Das ist gut, aber das ist auch ein Problem: Es führt dazu, dass man u.U. sehr bald sagt: Passt, habe ich verstanden, kann ich mir erklären, macht für mich Sinn.

Und so entsteht das „gefährliche Halbwissen“: Ich habe etwas verstanden, aber das, was ich verstanden habe, stimmt nicht.

Das kommt daher, dass ich das Konzept, das Problem nicht durchdrungen habe. Ich habe es nicht zu Ende gedacht. Ich bin bei der erstbesten Gelegenheit ausgestiegen und habe damit aufgehört, mich damit auseinanderzusetzen. Weil es anstrengend ist. Weil wir uns nicht mehr anstrengen wollen als unbedingt nötig. Weil das Weiterdenken unter Umständen auch zu kognitiven Dissonanzen führen würde. Weil wir es lieber einfacher haben.

Das ist, wie wenn man Gebrauchsanweisungen oder Rezepte nur oberflächlich und nicht zu Ende liest. Man glaubt, man weiß schon, was man tut, aber in Wirklichkeit reimt man sich etwas zusammen, das nur sehr oberflächlich etwas mit der ursprünglichen Idee zu tun hat.

Und so passiert es, dass wir Lifestyle Entrepreneure betriebswirtschaftliche Konzepte nicht richtig verstehen und dann jahrelang glauben, wir machen das richtige.

Als Berater beraten werden

A

Es ist immer wieder gewöhnungsbedürftig, wenn ich als Berater mich von einem anderen Berater beraten lasse. Allein schon deswegen, weil ich es nicht gewohnt bin, der Lernende und nicht der Lehrende zu sein.

Es lohnt allemal, sich öfter in diese ungewohnte Situation zu begeben und als Berater immer wieder zum Lernenden zu werden.

Diese Erfahrung ist im besten Sinn des Wortes demütigend.

Spiel-Art

S

Wer Kinder im Kindergartenalter beobachtet, wird feststellen, dass jedes Kind eine ganz individuelle Art hat zu spielen. Nicht nur, welche Spiele den Kindern Spaß machen ist unterschiedlich, sondern auch die Aspekte des Spiels, die sie besonders interessant finden oder besonders gut können oder die sie immer und immer wieder spielen wollen.

Für uns Lifestyle Entrepreneure ist es nützlich sich zu vergegenwärtigen, dass wir auch nichts anderes sind als Kinder, die größer geworden sind. Wir haben immer noch unsere eigene Spiel-Art – nur unsere Spiele haben sich geändert.

Aber es ist immer noch so, dass wir bestimmte Aspekte unseres Spieles (das wir jetzt “Business” nennen) besonders interessant finden – und andere nicht. Deswegen macht es Sinn, dass wir uns als “Spielgefährten” jene Kooperationspartner, Kunden, Lieferanten suchen, deren Spiel-Art mit unserer Art zu spielen besonders gut harmoniert.

Nicht anders, als wir es im Kindergarten getan haben.

Menschen

M

Eines dürfen wir im Business nie vergessen:

Wir sind Menschen, die etwas für Menschen machen mit Hilfe anderer Menschen.

Im Business geht es immer um Menschen.

Vorbilder

V

Egal, wen du dir als Vorbild gewählt hast: Er/Sie hatte damals keine besseren Voraussetzungen als du heute. Er/Sie hatte es nicht leichter, du hast es nicht schwerer.

Er/Sie hat einfach getan, was zu tun war und ein paar der Möglichkeiten genützt, die sich am Weg aufgetan haben. Auch er/sie hatte Schwierigkeiten, auch er/sie hatte Zweifel, auch ihm/ihr war der Erfolg nicht garantiert.

Wir sehen bei unseren Vorbildern meist nur das Blumenbeet, nicht den Spaten.

Profi oder Amateur? (7)

P

Ein Profi holt sich die Werkzeuge, die er benötigt, um das optimale Ergebnis zu erreichen und sich die Arbeit nicht schwerer zu machen als notwendig.

Ein Amateur nimmt sich keine Zeit, um seine Säge zu schärfen.

Bist du ein Profi, oder bist du ein Amateur?

Profi oder Amateur? (6)

P

Ein Profi hat den Mut und ist sich nicht zu schade, Hilfe von Experten zu erfragen.

Ein Amateur glaubt, dass er alles selber am besten weiß und kann.

Bist du ein Profi, oder bist du ein Amateur?

Profi oder Amateur? (5)

P

Ein Profi erledigt auch die unangenehmen oder mühsamen Aufgaben zum ehestmöglichen Zeitpunkt.

Ein Amateur verschiebt und verschiebt und verschiebt.

Bist du ein Profi, oder bist du ein Amateur?

Profi oder Amateur? (4)

P

Ein Profi nutzt sein Smartphone als Werkzeug und legt es weg, wenn es ihm nicht dient.

Ein Amateur ist Sklave seines Handys.

Bist du ein Profi, oder bist du ein Amateur?

Profi oder Amateur? (3)

P

Ein Profi ist da, wo er ist, voll und ganz – egal, ob Beruf oder Familie.

Ein Amateur ist in der Arbeit im Gedanken bei der Familie, und wenn er bei der Familie ist, ist er im Gedanken bei der Arbeit.

Bist du ein Profi, oder bist du ein Amateur?

Profi oder Amateur? (1)

P

Bist du ein Profi, oder bist du ein Amateur?

Ein Profi entscheidet – auch auf die Gefahr hin, dass er sich irrt. Weil er weiß, dass jede Entscheidung besser ist als keine Entscheidung.

Ein Amateur zögert und zaudert und wartet auf irgendeine Eingebung oder auf bessere Zeiten oder dass jemand anderer für ihn entscheidet.

Entscheiden

E

Viele deiner Probleme lassen sich dadurch lösen, dass du endlich eine Entscheidung triffst.

Welche Entscheidung, ist völlig zweitrangig. Jede Entscheidung ist besser als das Zögern und das Grübeln fortzusetzen.

Gönn dir das Gefühl der Befreiung, das dir eine Entscheidung schenkt. Nur Mut! Du kannst deine Entscheidung bei Bedarf jederzeit korrigieren, aber entscheide dich endlich!

Warum nicht gleich, jetzt, sofort?

Die Verantwortung eines Hits

D

Joe Elliott, der Sänger von Def Leppard, sagt: Wenn du die Verantwortung nicht aushältst, die ein Hit mit sich bringt, dann schreib keinen!

Soll heißen: Wenn du nicht damit klar kommst, dass die Menschen deinen Hit immer und immer wieder hören wollen werden (auch 30 oder 40 Jahre später), wenn du nicht damit klar kommst, dass du deinen Hit immer und immer wieder spielen wirst müssen (auch zum tausendsten Mal), wenn du nicht damit klar kommst, dass du immer wieder an deinem Hit gemessen werden wirst (auch wenn dir deine neuen Songs viel besser gefallen)…

… dann überleg dir gut, ob du überhaupt einen Hit schreiben willst. Denn: Ein Hit ist nicht nur ein Privileg, er ist auch eine Verpflichtung den Menschen gegenüber, die deinen Song zum Hit gemacht haben.

Feig

F

Das Angebot, das du auf deiner Website präsentierst…

Die Art und Weise, wie du beschreibst, was du tust…

Die Kompromisse im Design, die du eingehst…

Warum ist das alles so, wie es ist? Ist es deswegen, weil du auf diese Art und Weise deinen Kund*innen am besten helfen kannst? Weil sie auf diese Art am besten verstehen, worum es dir geht und was deine Angebote für sie leisten können?

Oder ist es doch eher so, dass du versuchst, möglichst vielen zu gefallen, möglichst niemanden zu verstören – und du im Grunde zu feige bis auf den Punkt zu bringen, wofür du stehen würdest, wenn du keine Angst hättest?