Tag#Hochschullehre

Dankbare und undankbare Themen

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Auch Amateur-Trainer*innen können z.B. Marketing-Themen so unterrichten, dass sie anschaulich sind. Das liegt daran, dass das Thema an sich spannend ist. Marketing ist ein dankbares Thema.

Aber es braucht echte Profi-Trainer*innen, um Themen wie Buchhaltung anschaulich und unterhaltsam zu vermitteln. Buchhaltung ist ein undankbares Thema.

Undankbares Thema + Profi-Trainer = dankbares Publikum

Überraschungserfolg

Ü

Vor fünf Monaten habe ich für meine Studierenden ein Erklärvideo zum Thema “Cash Flow Rechnung” aufgenommen. Pandemiebedingt war damals kein Präsenzunterricht möglich, also waren Erklärvideos das zweitbeste Mittel der Wahl für meine Studierenden.

Weil das Video sowieso schon aufgenommen war, dachte ich mir: Ist ja egal, stellst du es halt auf YouTube, vielleicht kann es ja auch sonst noch jemand brauchen.

Gestern wurde das Video zum tausendsten Mal aufgerufen. 1000 Views in fünf Monaten, das hätte ich mir nie gedacht. Ganz ohne Werbung, komplett ohne Promotion. Rein organisch.

Für mich wieder mal ein Beweis dafür, wie schlecht ich darin bin, den Erfolg oder Misserfolg meines Contents vorauszusagen. Meine besten Blog-Artikel verpuffen im Nichts, dafür werden vermeintlich unscheinbare Videos wie dieses zum Renner.

Als ob ich dafür noch einen Beweis gebraucht hätte.

Ihre Lehrveranstaltung

I

Es ist ein hilfreicher Gedanke, den sich FH-Lehrende immer wieder vergegenwärtigen sollten:

Es ist die Lehrveranstaltung der Studierenden, nicht meine.

Und es schadet auch nicht, die Studierenden immer wieder mal daran zu erinnern.

Prüfungen

P

Als Lehrender stehe ich schriftlichen Prüfungen bei meinen Studierenden zwiespältig gegenüber.

Einerseits anerkenne ich sie als bewährte Möglichkeit, eine Form von Leistung abzuprüfen und so zu einer Beurteilung der Studierenden zu kommen (was ja eine meiner Aufgaben als Lehrender ist).

Andererseits hadere ich immer wieder mit der Tatsache, dass diese Form von Leistungsfeststellung vollkommen praxisfern ist. Im alltäglichen Berufsleben verlangt niemand mehr, dass man sich anderthalb Stunden hinsetzt und schriftlich Fragen beantwortet oder die richtigen Kästchen ankreuzt. Da kommt es auf ganz andere Fähigkeiten an.

Wie alles im Leben sind auch schriftliche Prüfungen ein Trade-off zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren. Meine Lösung, mein Zugang ist nicht perfekt, aber ich tue mein Bestes.

Studierende helfen Studierenden

S

Manchmal ist es gar nicht nötig, dass ich als Lehrender rasch auf eine Frage eines Studierenden antworte.

Wenn ich mir mit meiner Antwort ein bisschen Zeit lasse, kann es sein, dass mir eine andere Studierende mit der richtigen Antwort zuvor kommt.

So helfen einander die Studierenden untereinander.

Win – win.

Hervorragende Betriebswirte

H

Unser Land braucht hervorragende Betriebswirte. Nicht gute Betriebswirte, sondern hervorragende.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind groß. Es gibt viel zu tun.

Gute, also durchschnittliche, Betriebswirte werden diese Herausforderungen nicht lösen. Gute Betriebswirte werden keinen großen Erfolg haben. Wir brauchen sehr, sehr gute Betriebswirte, weil wir sehr, sehr große Räder drehen müssen. Wir brauchen sie wie einen Bissen Brot.

Die Zukunft unserer Welt liegt maßgeblich in den Händen jener jungen Betriebswirt*innen, welche dieser Tage mit ihrem BWL-Studium beginnen.

Wir zählen auf euch!

Für BWL begeistern

F

Ich möchte BWL nicht unterrichten wie vor zwanzig oder fünfzig Jahren.

Ich möchte meine Studierenden, meine Seminar-Teilnehmer*innen und meine Unternehmensgründer*innen für die BWL begeistern. Ja, das ist mein Anspruch. Begeisterung!

Ich möchte BWL lebendig machen. BWL ist praktisch und interessant, ein sehr nützliches Handwerk, mit dem man etwas erschaffen kann.

Aber, damit kein Missverständnis entsteht: Mein Anspruch ist hoch. Nicht, weil ich mir etwas auf mich einbilde, sondern weil meine Schüler*innen profundes BWL-Wissen brauchen werden wie einen Bissen Brot.

Ich wiederhole: Wer BWL bei mir lernt, wird es nicht leicht haben. Ich werde meine Schüler*innen fordern. Nicht, weil ich ein Sadist bin, sondern ihnen zuliebe.

Lehr-Annahmen

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Alle Lehrer*innen müssen Annahmen treffen: Was brauchen meine Schüler*innen gerade von mir? Was ist wichtig, dass Sie über dieses Thema wissen, was nicht? Welche Storys erzähle ich, die relevant sind für sie?

Natürlich liegen wir mit diesen Annahmen manchmal daneben. Aber was wäre die Alternative? Keine Annahmen und damit keine Entscheidungen zu treffen?

Lehrer*innen, die keine Entscheidungen treffen… der Schrecken aller Schüler*innen!

Muss-Wissen

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Eine der spannendsten Fragen, die man einer Lehrerin oder einem Lehrer stellen kann: Was muss ich wissen, um Erfolg zu haben?

Natürlich können wir Lehrer diese Frage nicht letztgültig beantworten. Auch wir können nicht in die Zukunft sehen und alle Erfolgsfaktoren verlässlich voraussagen.

Aber wir können (und müssen!) eines tun: Wir müssen als Experten für ein Thema definieren, was das essenzielle Wissen in diesem Thema ist. Wir müssen im Dienst unserer Schüler*innen das Muss-Wissen vom Kann-Wissen und vom Kür-Wissen unterscheiden.

Diese Unterscheidung ist eine der größten und wichtigsten Leistungen von guten Lehrern.

Fachkolleg*innen

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Der Austausch mit Fachkolleg*innen ist unglaublich bereichernd und wertvoll.

Sie teilen ähnliche Interessen, Erfahrungen und Probleme. Sie verstehen, was man meint, ohne lange Erklärungen. Sie können Tipps geben, Perspektiven aufzeigen, Relationen herstellen.

Sich Zeit für einen Austausch unter Kolleg*innen zu nehmen, auch wenn das auf den ersten Blick nicht “produktiv” scheint, ist ein Investment, das 10x-Return bringt.

Digitale Lehre

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Ich glaube, die größte Herausforderung in der digitalen Lehre für Lehrer*innen und Trainer*innen, die ihren Beruf lieben, ist der stark eingeschränkte Rückkanal.

Ein Lehrvideo aufzunehmen ohne zu sehen, ob das, was man sagt, auch verstanden wird. Ein Webinar zu halten und vor zwanzig abgeschalteten Webcams zu sitzen. Einen Podcast aufzunehmen und zwanzig Minuten ohne Rapport in ein Mikrofon zu sprechen… Das ist alles nicht einfach, gerade für Lehrer*innen, denen ihre Arbeit am Herzen liegt.

Das ist auch der Grund, warum sich so viele meiner Kolleg*innen danach sehnen, so bald wie möglich wieder in den Seminarraum und in das Klassenzimmer zurückzukehren zu. Um endlich wieder das direkte Feedback der Schüler*innen zu spüren, um endlich wieder in Interaktion mit den Teilnehmer*innen zu kommen.

Wer wird digitale Lehre auch dann noch professionell und aus vollem Herzen machen, wenn wir nicht mehr durch den Virus dazu gezwungen sind?

Lehrer-Schüler-Beziehung

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Es ist kompliziert.

Früher dachte ich: Der Lehrer sagt, wo’s lang geht, die Schüler folgen – zumindest die schlauen. Den renitenten ist eh nicht zu helfen.

Mit jedem Jahr als Lehrer wird mir klarer: So einfach ist das nicht. Die Schüler beeinflussen den Lehrer mindestens so sehr wie umgekehrt. Oft ist in einer Lehr-Lern-Situation gar nicht eindeutig zu bestimmen, wer hier eigentlich Lehrer und wer Schüler ist.

Überall, wo Menschen zusammenarbeiten, gibt es Frustpotenzial. Lehrer und Schüler sind keine Ausnahme – im Gegenteil.

Wir wollen etwas bewirken

W

Es gibt wohl kaum etwas Motivierenderes als das Gefühl, dass für das, was man denkt, sagt oder tut, bei anderen Menschen Interesse besteht.

Es ist nur bedingt erfüllend, Dinge für sich selbst zu tun. Selbst-Projekte sind schon okay, aber wirklich in die Kraft kommen wir oft erst, wenn durch unsere Projekte eine Beziehung zu anderen Menschen entsteht. Wenn wir im Anderen etwas bewirken.

Das gilt natürlich für Lehrer*innen und Berater*innen ganz besonders. Ihnen ist dieser Moment, wo sie dieses Interesse ihrer Schüler*innen bzw. Kund*innen spüren, oft mehr wert als das Geld, das sie mit ihrer Tätigkeit verdienen. (Was übrigens auch ein Grund ist, warum viele Lehrer*innen und Berater*innen schlecht bezahlt sind.)

Erfolg der Schüler

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Für wahre Lehrer:innen gibt es nichts Schöneres, als wenn ihre Schüler:innen Erfolg haben.

In diesem Moment entpuppt sich auch der vermeintliche Lehrer, der mit Neid und Missgunst auf die Erfolge seiner Lernenden reagiert.

Wahre Lehrer:innen **streben danach, dass ihre Schüler:innen besser werden als sie selbst. Wer jedoch seine Schüler:innen klein zu halten versucht, ist dieses Berufes nicht würdig.

Instruktor und Facilitator

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Ein Instruktor ist jemand, der Wissen hat und es an andere weitergibt. Eine Instrukturin bemüht sich, das, was sie weiß, bestmöglich zu erklären, um Aha-Momente bei seinen Schülerinnen und Schülern auszulösen.

Ein Facilitator ist jemand, der davon überzeugt ist, dass alles notwendige Wissen schon bei seinen Schülerinnen und Schülern vorhanden ist. Ihr geht es vor allem darum, die Stolpersteine und Blockaden aus dem Weg räumen zu helfen, die verhindern, dass ihre Schülerinnen und Schüler ihre besten Leistungen abrufen können.

Als Lehrer:in bist du immer beides, Instruktor und Facilitator. Aber du bist nicht immer beides zu gleichen Teilen: Mal bist du vor allem Instruktor, mal bist du vor allem Facilitator.

Wähle weise, in welchem Format du welche Rolle einnehmen willst – und dann bleib dabei!