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Die Tragik der Kakao-Bauern

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Schokolade ist ein Produkt, das eine extrem lange Wertschöpfungskette hat. Es sind viele Hände im Spiel, jeder will etwas verdienen.

Die kleinen Kakaobauern in Côte d’Ivoire und Ghana sind in diesem Spiel die ärmsten Hunde. Sie verdienen meist gerade genug, um zu überleben. Aber sie haben kein Geld für Investitionen, um etwas an ihrer Situation zu ändern (Anbaumethoden, Klimawandel, Schädlinge etc.).

Warum? Weil diese Bauern zu vereinzelt sind. Sie haben als kleiner Familienbetrieb keine Verhandlungsmacht gegen die Big Player. Ein Weg da heraus wäre, Kooperativen und Genossenschaften zu stärken, in denen sich diese Bauern zusammentun. Durch die econmies of scale, die dabei entstünden, könnten sie sich gemeinsam z.B. eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung leisten.

Solange sie allein bleiben und sich gegenseitig als Konkurrenten sehen, wird sich an ihrer prekären Situation nichts ändern.

(Und was für die Kakaobauern in Westafrika gilt, gilt ohne Abstiche auch für EPUs in Österreich.)

PS: Don’t buy cheap chocolate – auch nicht zu Ostern.

Wie unsere Kinder

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Wir beschützen unsere Geschäftsidee, wie wir unsere Kinder beschützen.

Und wir wollen, dass die Kinder immer anders sind, als sie gerade sind. Wir wollen gerne, dass sie größer oder kleiner oder schneller oder langsamer sind.

Aber so funktioniert das nicht – nicht in der Erziehung, und nicht im Business.

Die alte Schule ist die neue Schule

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Spannend, dass “Beziehungen pflegen” plötzlich als Marketing-Innovation gilt.

Jahrelang haben uns die Business-Gurus erzählt: Skaliere! Automatisiere! Baue Funnels! Poste Content bis die Finger bluten und hoffe, dass die Algorithmus-Götter gnädig sind. Persönliche Gespräche? Das war die alte Schule. Unsexy. Nicht skalierbar.

Aber was haben wir bekommen? Eine große “Broadcast-Müdigkeit” (Michelle Mazur). Menschen vertrauen dem, was gepostet wird, nicht mehr.

Deshalb ist die “alte Schule” wieder angesagt. Weil alles andere nicht mehr funktioniert. Du musst deine Zielgruppe wieder kennen. Mit ihnen reden. Ihnen zuhören. Beziehungen aufbauen, bevor du etwas verkaufst.

Es ist schon paradox: Was gerade als “innovativer Marketing-Shift” verkauft wird, ist exakt das, was der “redliche Kaufmann” immer schon gemacht hat: Er kennt seine Kund:innen. Er wird weiterempfohlen. Er muss nicht hoffen, dass der LinkedIn-Algorithmus ihn mag.

Vielleicht war die alte Schule nie alt. Vielleicht war nur der Umweg falsch.

Ausgelernt

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Wer wirklich ein Experte ist auf einem Gebiet, der weiß, dass er mit dem Lernen niemals fertig sein wird.

Es sind die Pseudo-Experten, die sagen: Ich brauche keine Weiterbildung mehr, ich weiß schon alles.

Echte Profis bilden sich ständig weiter.

Der rotierende Wahnsinn

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Unlängst habe ich bei Tad Hargrave einen witzigen Satz gelesen:

“A healthy village doesn’t mean that no one’s crazy. It’s just that not everyone is crazy at the same time.”

Deswegen sind der vertrauensvolle Austausch mit anderen Solopreneur:innen so wichtig. Denn in gesunden Beziehungen rotiert der Wahnsinn: Heute bin ich überfordert, morgen du. Heute kannst du mich auffangen, nächste Woche ich dich. Wer gerade stabil ist, hilft dem anderen ein bisschen, wieder zu seiner Mitte zu finden.

Das gilt auch für den Umgang mit deinen Kund:innen. Ein Problem entsteht erst, wenn alle gleichzeitig durchdrehen. Wenn deine Kundin und du beide gestresst sind und beide patzig werden, dann eskaliert die Situation.

Manchmal bedeutet das: Die E-Mail erst morgen beantworten, wenn du wieder klar denkst. Manchmal: Einen Business Buddy anrufen, der/die gerade nicht im Drama steckt.

Und manchmal einfach nur: Erkennen, dass du heute der/die Verrückte bist – und entsprechend vorsichtig agieren.

Ein Feiertag, nur für dich

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Heute, am 26. März, ist Make Up Your Own Holiday Day.

Jeder Feiertag ist irgendwann mal von jemandem erfunden worden. Oder, besser gesagt: Feiertage werden nicht gefunden, sie werden gemacht. Von jemandem, der beschlossen hat: Dieser Tag soll anders sein. Dieser Tag bedeutet etwas.

Für Solopreneure ist das eine merkwürdig übersehene Möglichkeit. Du hast alle Freiheiten — auch die, dir selbst einen Feiertag zu gönnen.

Nicht irgendeinen. Deinen ganz persönlichen Feiertag. Vielleicht den Jahrestag deiner Gründung. Oder den Tag, an dem du die erste Kundin gewonnen hast. Oder den Tag, an dem du aufgehört hast, etwas zu tun, das dir nicht gut getan hat. Irgendeinen Tag, der für dich eine ganz besondere Bedeutung hat — und den du von nun an jedes Jahr markierst, vielleicht sogar feierst.

Markiere dir diesen Tag ganz dick im Kalender. Jetzt.

Wir, nicht ich

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Es heißt Wirtschaft, nicht Ichschaft, sagt Markus Gull. 

Das sollten gerade wir Solopreneur:innen nicht vergessen.

Wie heißt deine Strategie?

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Philipp Maderthaner sagt: Wenn deine Strategie keinen Namen hat, hast du keine Strategie. Mark Zuckerbergs “Year of Efficiency”, Starbucks’ “Triple Shot Strategy” – die Besten geben ihrer Richtung einen Begriff, der hängen bleibt.

Als Solopreneur:in brauchst du das doppelt.

Nicht weil du deine Mitarbeiter:innen auf die Strategie ausrichten müsstest, sondern weil du dich selbst ausrichten musst. Jeden Tag aufs Neue, in hundert kleinen Entscheidungen: Welches Angebot? Welcher Kunde? Welches Ja? Welches Nein?

Seth Godin sagt; If you can’t state your position in eight words, you don’t have a position.

Also: Versuch mal, deinen strategischen Fokus in acht Worten zusammenzufassen. Wenn du 10 Minuten überlegst und nichts kommt – oder viele verschiedene Versionen –, dann hast vielleicht dein dringendstes Business-Problem gefunden.

Preis und Zahlung

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Das eine ist der Preis, das andere sind die Zahlungsbedingungen.

Es kann gut sein, dass dein Lieferant bereit ist, einen geringeren Preis hinzunehmen, wenn er das Geld schneller bekommt.

Oder, anders formuliert: Je länger er auf sein Geld warten muss, desto weniger wird er bereit sein, einen Rabatt zu geben.

Und, nochmal anders formuliert: Wenn du deinen Lieferanten besonders schnell bezahlst, dann freut er sich meistens. Und dann darfst du ihn auch um eine kleine Belohnung dafür fragen. (Das nennen wir im Rechnungswesen übrigens “Skonto”.)

Like a Bohrmaschine

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Im Intro von Poundcake klingt Eddie Van Halens Gitarre wie eine Bohrmaschine.

Jeder weiß, dass es keine echte Bohrmaschine ist. Aber Eddie Van Halen schafft es, seine Gitarre wie eine Bohrmaschine klingen zu lassen. Und dadurch wird die Sache noch leiwander, als wenn wir eine echte Bohrmaschine hören würden.

Gekonnte Verfremdung ist MAGISCH!

Das Bauchweh verschwindet nicht

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Ich beobachte das immer wieder in der Gründungsberatung: Jemand möchte einen Deal mit einem Kooperationspartner abschließen. Die Verhandlungen laufen. Aber da ist dieses ungute Gefühl bei einem wichtigen Vertragspunkt. „Wird sich schon klären”, sagen mir die Gründer:innen dann oft. „Wenn wir erst mal zusammenarbeiten, finden wir sicher eine Lösung.”

Nein, das werdet ihr nicht.

Themen, die dir jetzt Bauchweh machen, lösen sich später nicht von selbst. K.O.-Kriterien gehören auf den Tisch, bevor du unterschreibst – nicht danach.

Ein Vertrag schafft Fakten. Er ist keine Einladung zur weiteren Diskussion. Was vorher nicht geklärt ist, bleibt ungeklärt – nur jetzt mit unterschriebenen Verpflichtungen drumherum.

Also: Wenn’s jetzt schon drückt, wird’s später nicht leichter. K.O.-Kriterien vor der Unterschrift klären. Alles andere wäre unverantwortlich – dir, aber auch dem Partner gegenüber.

Aus der Anstellung in die Selbständigkeit

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Der Weg in die Selbstständigkeit aus der Anstellung heraus hat ganz viele Tücken.

Hier ein paar:

  • Wir übernehmen Belohnungs- und Bestrafungsmuster für unsere Arbeit.
  • Wir übernehmen mentale Gehaltsgefüge und die Einschätzung des „Wertes“ für unsere Leistung.
  • Wir übernehmen, wie wir unserer Tage, Wochen und Jahre strukturieren.
  • Wir übernehmen, wann und wie wir Urlaub machen.
  • Wir übernehmen, wie wir unsere Leistung (nicht) messen.

Eigentlich müssten wir das, was wir in unseren Anstellungen gelernt haben, ablegen wie einen abgetragenen Anzug, bevor wir in die Selbständigkeit starten.

Aber so leicht ist das nicht.

Ohne Stimme

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EPU können sich keine Lobbyisten leisten.

Das ist ein Problem.

Das Erfolgsrezept für ein fremdes Business

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Unlängst bin ich über einen Newsletter gestolpert, der ein Muster beschreibt, das ich aus meiner Beratungspraxis sehr gut kenne.

Jemand kauft sich ein Marketing-Programm. Investiert Zeit und Geld. Folgt den Schritten. Baut den Funnel, schreibt die E-Mails, postet den empfohlenen Content.

Und dann: Nichts. Nada. Niente.

Das Problem liegt nämlich woanders. Die meisten Marketing-Programme verkaufen dir nicht eine Strategie für dein Business. Sie verkaufen dir die Replikation dessen, was für deren Business funktioniert hat.

Das Geschäftsmodell der Person, die dir das Programm verkauft, schaut aber wahrscheinlich komplett anders aus als deines. Sie braucht vielleicht hunderte Kund:innen pro Jahr, du brauchst fünf. Oder umgekehrt. Sie verkauft über automatisierte Systeme, du über persönliche Gespräche. Sie hat ein Team, du bist allein.

Du bist nicht gescheitert. Du hast bloß versucht, den Bauplan für ein fremdes Gebäude auf dein Grundstück zu legen.

Was du als Erstes verlierst

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Wenn jemand sein Business “skalieren” will, fragt er sich vielleicht: Was brauche ich dafür? Mehr Kund:innen, mehr Umsatz, vielleicht ein Team?

Die bessere Frage wäre: Was verliere ich dabei?

Die Antwort ist fast immer: Zeit. Zeit für die Dinge, die nichts mit dem Business zu tun haben: Hobbys, am Vormittag spazieren gehen, ein Buch lesen, ohne dass daraus ein LinkedIn-Post werden muss.

Das sind alles keine Kleinigkeiten. Das ist oft genau der Grund, warum du selbständig geworden bist.

Da draußen hörst du an jeder Ecke, dass du “wachsen” sollst. Aber niemand sagt dir, welchen Preis du dafür zahlen wirst.

[Danke Justin Welsh für diesen Gedanken]

Faszination Warren Buffet

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Unlängst habe ich mit jemandem über Warren Buffet gesprochen.

Mein Gesprächspartner war beeindruckt von der Arbeitsweise des 94-Jährigen, von seiner Bescheidenheit und – natürlich – von seinem finanziellen Erfolg.

Aber was macht Warren Buffet denn so Besonderes?

  • Er tut das, was er am besten kann. Seit vielen, vielen, vielen Jahren.
  • Er macht nichts, wovon er nichts versteht.
  • Er hat kompetente Leute um sich, mit denen er gut zusammenarbeitet und die like-minded sind.
  • Er hat klare Prinzipien und bleibt diesen Prinzipien treu. Auch, wenn er dadurch (kurzfristige) Gewinnmöglichkeiten auslässt.

Warren Buffet macht aus meiner Sicht also nichts Besonderes. Zumindest nichts, was wir alle nicht ebenso gut machen könnten.

Was aber das Besondere ist: Warren Buffet weicht von seinen Prinzipien nicht ab. Er bleibt sich selbst treu. Er leidet nicht unter FOMO, und er weiß, wie wichtig es ist, strategisch zu denken und eine Strategie langfristig zu verfolgen.

Das macht er seit fast 70 Jahren so. Und wir Solopreneure tun uns schon schwer, eine Strategie 70 Tage lang durchzuhalten (sofern wir überhaupt eine haben).

Das ist der große Unterschied zwischen uns und Warren Buffet.

Neue Zeitrechnung

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Als Angestellte:r denkt man “monatlich” – weil man ja auch monatlich sein Gehalt bekommt.

Als Gründer:in ist es besser, “jährlich” zu denken – weil man feststellen wird, dass das Einkommen über’s Jahr verteilt sehr unterschiedlich reinkommt.

Als Unternehmer:in ist es noch besser, in “Saisonen” zu denken – weil man draufkommt, dass es auch im eigenen Business verschiedene “Jahres-Zeiten” gibt. Zeiten, wo die Dinge zu wachsen beginnen. Zeiten, wo die Sonne scheint. Zeiten, wo die Früchte zu ernten sind. Und dann halt leider auch Zeiten, wo alles wie zugefroren scheint.

Eine der größten Herausforderungen beim Selbständigmachen ist also, seine Zeit-Rechnung umzustellen.

Der versteckte Preis der Innovation

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Innovation klingt super sexy. Aber Innovation hat auch einen Haken, über den kaum jemand spricht: Wenn du ein echt innovatives, noch nie da gewesenes Angebot hast, musst du dir die Vertriebsstruktur von Grund auf selbst aufbauen.

Das Etablierte hat seine Vertriebswege längst gefunden. Vertriebskanäle funktionieren, Händler:innen kennen die Produkte, Kund:innen wissen, wo sie hingehen müssen. Wenn du mit etwas wirklich Neuem kommst, stehst du da mit deiner brillanten Idee und keiner weiß, wie er sie bekommen soll – oder dass es sie überhaupt gibt.

Innovationen bedeutet also immer doppelte Arbeit. Du entwickelst nicht nur dein vollkommen neues Produkt, du musst auch die komplette Infrastruktur drumherum erfinden. Während die Konkurrenz einfach ihre gut eingefahrenen Wege nutzt.

Die Frage im Gründungsprozess ist also nicht nur: Ist die Idee gut? Sondern: Hast du die Ressourcen, die Vertriebswege mitzubauen – und durchzuhalten, bis sie funktionieren?

Individuell und gemeinsam

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Von Matthias Horx habe ich gelernt: Zu jedem Trend gibt es einen Gegentrend.

Spannend ist die Kombination aus Trend und Gegentrend beim Megatrend “Individualisierung”: Die Menschen brauchen ihre Individualität weiterhin, aber sie wollen diese Individualität in Gemeinschaft erleben.

Das ist ganz spannend für mich als jemanden, der sinnvolle Angebote für Gründer:innen und Solopreneure entwickelt. Ich merken nämlich auch: Solopreneure sind der Inbegriff von Individualisten, aber sie “wollen ihre Individualität in einem neuen Setting erleben und ausüben”, sagt Oona Horx Strathern.

Ich könnte mir vorstellen, dass mich diese spannende Kombination im Jahr 2026 noch viel beschäftigen wird.

Zeit ist nicht Geld

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Chantel Chapman schreibt in ihrem Buch The Trauma Of Money etwas, das man sich als Selbständiger hinter die Ohren schreiben sollte: Zeit ist NICHT Geld.

Zeit und Geld sind völlig unterschiedliche Kategorien. Sie lassen sich nicht ineinander um- und zurückverwandeln. Die im Solo-Business-Space gängige Idee, dass man “Zeit gegen Geld tauschen” könnte, führt also komplett in die Irre.

Aber: Unsere Beziehung zu Zeit und unsere Beziehung zu Geld haben sehr viel miteinander zu tun. Wer ein Geld-Thema hat, hat meist auch ein Zeit-Thema – und umgekehrt. So, wie wir unsere Zeit behandeln, behandeln wir auch unser Geld.

Aus diesem Umstand heraus entsteht vielleicht auch die “Verwechsungsgefahr” von Zeit und Geld. Aber den Unterschied klar vor Augen zu haben, ist spielentscheidend für Solopreneure.