Tag#Marketing

Jegliches Vertrauen verloren

J

Wenn du dich lang genug mit einem Problem herumgeschlagen hast, ohne eine Lösung zu erreichen, kommt der Moment, wo du sagt: Ich mag nimmer!

In diesem Moment hast du jegliches Vertrauen verloren: Das Vertrauen in deine Fähigkeiten, das Problem zu lösen. Das Vertrauen, dass der nächste notwendige Schritt die Mühe wert ist. Das Vertrauen, dass du zeitnah zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommst.

Das ist natürlich, und das ist verständlich. Manchmal muss man einfach loslassen, wenn sich der Aufwand nicht mehr lohnt.

Schwierig ist diese Herangehensweise allerdings im Verkauf: Wie oft willst du es versuchen, bis du das Vertrauen verlierst – in dein Produkt, in deine Fähigkeiten, in deine Zielgruppe?

Wie viele Tiefschläge kannst du einstecken, bis du endgültig liegen bleibst?

Schein-plausibel

S

20% aller Unfälle werden von alkoholisierten Lenkern verursacht.

80% der Unfalllenker sind nicht alkoholisiert. Man müsste also nur alle Lenker betrunken machen, dann hätten wir nur 20% der Unfälle. 

So ähnlich wird in ganz vielen Bereichen argumentiert. Was hier absurd klingt, erscheint in anderem Kontext vollkommen plausibel. Ein Blödsinn bleibt es trotzdem.

Caveat emptor!

Mutig Hilfe anbieten

M

Es gibt zwei Varianten, wie du als Berater:in deine Hilfe anbieten kannst:

Variante 1: Wie kann ich Ihnen helfen?

Variante 2: So kann ich Ihnen helfen. Möchten Sie das haben?

Welche Variante erfordert von dir mehr Mut?

Und welche Variante, glaubst du, wird hilfreicher für deine Kund:innen sein?

[Danke Gabe Anderson für diesen Gedanken.]

Der beste ROI

D

Jede Minute, die du mit (potenziellen) Kund:innen verbringst und ihnen wirklich zuhörst und versuchst, sie als Menschen zu verstehen und von ihnen zu lernen, wie du noch besser helfen kannst, bringt dir die besten Zinsen der Welt.

Es gibt keinen besseren Return On Investment.

Und damit meine ich nicht nur den ROI, den man in Geld messen kann.

Fünfzehn verschiedene Antworten

F

Unlängst habe ich 15 e-Mails an 15 verschiedene Menschen geschrieben.

Diese Mails waren zwar nicht wortgleich, aber sie waren einander sehr ähnlich. Vor allem hatte ich an jede:n das gleiche Anliegen und die gleiche Bitte um Unterstützung.

Dabei habe ich (unter anderem) gelernt: Wenn du 15 e-Mails aussendest, wirst du 15 verschiedene Antworten bekommen. Manche Antworten sind lang, manche kurz, manche Antworten sind überhaupt nichtexistent. Manche Antworten sind herzlich, manche Antworten sind höflich-distanziert. Manche Antworten sind weniger, als du gehofft hattest, manche Antworten überraschen dich positiv. Manche sind genau so, wie du sie dir erwartet hast.

Jeder Mensch ist anders, und jeder Mensch reagiert anders auf dich. Das macht die Arbeit als Lifestyle Entrepreneur einerseits anstrengend, andererseits liegt genau darin ein Zauber des Lebens: Wer viel mit Menschen zu tun hat, dem wird nie langweilig werden.

Mitbewerber sind auch nur Menschen

M

Überschätze deine Mitbewerber:innen nicht.

Unterschätze sie nicht, aber mach sie auch nicht größer, als sie sind.

Sie sind genauso Menschen wie du. Sie sind genauso unsicher wie du. Sie tun sich an manchen Tagen genauso schwer wie du. Sie haben mehr zu kämpfen, als du glaubst. Sie haben auch keine Zauberformeln und irren sich genauso oft wie du (vielleicht sogar öfter). Auch sie tun sich schwer, dranzubleiben. Auch sie haben Tage, wo sie sich fragen, warum sie sich das überhaupt antun.

Du brauchst dich vor deinen Mitbewerber:innen nicht verstecken. Wirklich nicht.

Steig mutig und selbstbewusst in die Arena!

Autodrom

A

Wenn du ins Autodrom einsteigst mit dem Ziel, nur ja mit keinem anderen Auto zusammenzustoßen…

Warum bist du dann überhaupt ins Autodrom eingestiegen?

Zielgruppenverständnis

Z

Es zeugt von echtem insight in die Zielgruppe, wenn man als Österreicher im Türkei-Urlaub ein Prospekt für einen Ausflug in die Hand gedrückt bekommt, in dem steht:

Ich ziehe meinen Strandhut vor dem Copywriter!

Frühstücksbuffet

F

Unlängst, im Urlaub mit meiner Familie:

Ein Hotel mit riesigem Frühstücksbuffet. Es gibt alles, was man sich vorstellen kann – und noch mehr.

Dieses Frühstücksbuffet ist voller ungesunder Versuchungen. Es ist verdammt schwer, diszipliniert zu bleiben und das Richtige für sich zu tun.

[Ersetze Frühstücksbuffet gerne durch die Social-Media-Plattform deiner Wahl.]

Flughafen-Geschichten

F

Unlängst, im Urlaub mit meiner Familie:

Wir warten am Flughafen Antalya (lange) auf unser Gepäck. Sofort beginnen meine beiden Kinder (8 und 6), irgendwelche Gründe und Erklärungen zu finden, was passiert sein könnte, dass unser Gepäck nicht daher kommt. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und die Geschichten sprudeln ohne große Anstrengung aus ihnen heraus.

Wir Menschen können gar nicht anders, als dass wir uns Unsicherheiten irgendwie zu erklären. Kindern muss man das nicht beibringen, und Erwachsene werden nie zu alt dafür.

Und auch wenn wir wissen, dass diese Erklärungen höchstwahrscheinlich nicht stimmen, ist irgendeine Geschichte immer noch besser, als gar keine Erklärung zu haben.

Für dein Marketing könnte das bedeuten: Die Menschen in deiner Zielgruppe reimen sich sowieso eine Geschichte über dich und dein Solo-Business zusammen. Wenn du ihnen eine leiwande Geschichte von dir aus anbietest, dann werden sie diese wahrscheinlich gern übernehmen, weil’s weniger anstrengend für sie ist, als selbst nach Erklärungen zu suchen.

Und du hast den Vorteil, dass deine Geschichte wahrscheinlich etwas näher an den Tatsachen ist als die imaginierten Geschichten deiner Zielgruppe.

Einfach einen Brief geschrieben

E

Vor vielen Jahren, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Jugendarbeitslosigkeit in Zagreb…

Salvatore aus Rom erzählt mir folgende Geschichte:

Er arbeitet an einem Sozialprojekt, wo sie mit Jugendlichen ein Haus völlig neu bauen. Zur Gestaltung der Fassade hat er sich gedacht, dass er den Grafitti-Künstler Millo einladen möchte, die Fassade zu gestalten.

Das Geld dafür hat er sich bei privaten Sponsoren geholt.

Und dem Künstler hat er einfach einen Brief geschrieben und gefragt, ob er das machen würde. Der hat geantwortet, dass er zuerst noch Projekte in Moskau, in San Francisco und Johannesburg abschließen muss, aber dann kommt er vorbei.

Wer fragt, dem wird gegeben.

Was besser ankommt

W

Vor vielen Jahren, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Jugendarbeitslosigkeit in Zagreb…

Neben mir sitzt eine Vertreterin des Bildungsministerium.

Sie sagt: „The ministry is preparing a strategic document that will help to improve the frameworks for young people looking for a job.”

Ich sage: „If you want to get a job, be nice!”

Das sind zwei völlig konträre Ansätze. Natürlich auch inhaltlich, aber vor allem in dem, wie kommuniziert wird.

Im Publikum war eindeutig, was besser „ankommt”.

Communities

C

Was mir aktuell auffällt: Der neueste Trend im Online-Marketing sind Communities. Nach dem Motto: Ich habe genug von Social Media, ich mache mir jetzt meine eigene Plattform, wo ich meine Audience versammle und wo wir uns über alles Mögliche austauschen können.

Im Prinzip ist die Idee ja nicht neu. Wer in den frühen 2000er-Jahren im World Wide Web aktiv war, kennt auch ein Forum. Online-Foren waren immer schon ein Treffpunkt für Gleichgesinnte, und einige davon funktionieren heute noch genauso gut wie damals – z.B. zwei von meinen Lieblingen: Austrian Soccer Board und Greasy Lake.

Es gibt also nichts Neues unter der Sonne. Aber wie immer bei solchen Hypes gibt es Coaches und Berater, die sich auf das Thema draufstehen und versuchen, damit Geld zu verdienen – z.B. hier oder hier.

Das ist per se überhaupt nichts Schlechtes. Das passt schon so. Denn schließlich können Communities ja für den einen oder die andere Solopreneur:in wirklich eine super Idee sein.

Problematisch wird es aus meiner Sicht bei den Verkaufsargumenten dieser Coaches. Nämlich dann, wenn mit der FOMO (“fear of missing out“) von Menschen “gespielt” wird. Nach dem Motto: Communities sind der neueste Trend im Marketing. Spring schnell auf den Zug auf, bevor es alle machen. Die ersten werden überproportional von diesem Trend profitieren. Oder willst du schon wieder einen Megatrend versäumen wie damals Instagram oder TikTok?

FOMO ist mächtig, und mit FOMO-Argumenten wird man immer verkaufen können. Aber wenn das Marketing nur aus FOMO besteht – oder überhaupt das ganze Geschäftsmodell auf FOMO basiert –, dann werden die Grenzen dessen überschritten, was ich unter menschlichem Unternehmertum verstehe.

FOMO als Geschäftsmodell

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Es gibt Businesses, die verdienen ihr Geld mit der Angst der Menschen, etwas zu verpassen.

Beispiel: Anlageberater, Finfluencer, Konzertveranstalter, Social Media Plattformen.

FOMO ist mächtig. Und mit FOMO lässt sich gut Geld verdienen, weil viele Menschen aus FOMO sehr unvernünftige (finanzielle) Entscheidungen treffen.

Trotzdem sage ich: Ein Business, dessen Geschäftsmodell auf Angst basiert, wird wenig gesellschaftlich Wünschenswertes beitragen.

Netzwerk bringt’s

N

Spannende Hypothese von Corinna Hintenberger:

Je besser ein:e Gründer:in vor der Selbständigkeit schon vernetzt ist (innerhalb der Branche, im aktuellen Job, in Vereinen, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde etc.), desto schneller wird er/sie erfolgreich in der Selbständigkeit.

Ich glaube: Sie hat vollkommen recht.

Zu brav

Z

Ein Gedankenexperiment: Geh davon aus, dass dein Marketing viel zu brav ist.

Nimm zum Beispiel meine Branche her, die Gründungsberatung. Der Markt der Gründungsberatung sieht in groben Zügen so aus:

  • Drei Viertel der arbeitenden Bevölkerung will sich überhaupt nie selbständig machen.
  • Beim restlichen Viertel ist meine größte Konkurrenz die Ignoranz gegenüber den Benefits einer Gründungsberatung ganz generell. Gefühlt die Hälfte aller Gründer:innen holen sich gar keinen Gründungsberater an ihre Seite.
  • Für diejenigen, die Gründungsberatung in Anspruch nehmen, gibt es eine stark vertretene, präsente, kapitalkräftige “öffentliche” Gründungsberatung (Wirtschaftskammer, AMS, Gründungsagenturen), die ihre Leistungen großteils gratis hergeben..
  • Und der Markt der “privaten” Gründungsberatung, die für ihre Beratung Honorare verlangen, ist voll mit „kleinen“ Playern, die um relativ wenige Menschen rittern. Zu dieser Kategorie zähle auch ich.

Es ist ganz klar: Mit “bravem” Marketing werde ich NIE Erfolg haben, weil ich überhaupt nicht auffallen würde! Es würde überhaupt niemand überreissen, dass ich als Gründungsberater am Markt bin, und ich würde auch niemandem fehlen, wenn ich nicht da wäre.

Wenn ich überhaupt eine Chance haben will, dann ich außer-gewöhnliches Marketing machen.

Das Gegenteil von brav — nämlich mutig!

Nicht einmal geschenkt

N

Unlängst, auf LinkedIn:

Jemand postet ein echt gutes Angebot: Die ersten 5 Personen, die diesen Beitrag kommentieren bekommen einen kostenlosen Platz bei meinem Workshop in Linz!

Er bekommt dafür… null Kommentare. Keinen einzigen.

Niemandem ist dieser Gratis-Platz beim Workshop auch nur die Mühe eines Kommentars wert. Ein Ein-Wort-Kommentar hätte wohl gereicht, aber nicht einmal das ist gekommen.

Das muss unglaublich frustrierend sein. Es ist schwer, in solchen Momenten nicht an seinem Angebot und letztendendes an sich selbst zu zweifeln.

Und doch: Es geht uns allen gleich. Das Spiel der attention economy auf den Social-Media-Plattformen ist beinhart. Wir müssen viel Ablehnung einstecken, um den gelegentlichen Erfolg zu feiern.

Kein Wunder, dass immer mehr Solopreneure sagen: Ich mag das Social-Media-Spiel nicht mehr spielen. Nicht einmal geschenkt.

Bücherflohmarkt

B

Unlängst war ein Bücherflohmarkt in der Volksschule meines Sohnes.

Jedes Kind hatte dabei die Möglichkeit, Bücher, die es nicht mehr brauchte oder wollte, zu verkaufen. Eine Stunde lang dauerte der Spaß, und jedes Kind betreute seinen eigenen kleinen Verkaufsstand. Auch die Eltern waren eingeladen zu kaufen.

Ich finde diese Aktion super. Nicht nur, weil man da echte Schnäppchen bekommt, sondern weil die Kinder spielerisch lernen, mit Verkaufssituationen umzugehen. Mit der Freude, wenn man was verkauft und mit dem Frust, wenn man nichts verkauft. Sie lernen, was bei Kindern und Erwachsenen gut ankommt und was nicht. Sie beginnen, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie ein “Markt” funktioniert – im wahrsten Sinn des Wortes.

Man kann sich vorstellen: Es gab dort eine Menge Bücher zu kaufen. Überwältigend viele. Es ist gar nicht so leicht, in dieser Fülle etwas zu finden, paradoxerweise.

Ich habe tatsächlich bei einem Kind was gekauft. Warum bei diesem Kind und nicht bei all den anderen?

  • Ich habe das Kind vorher schon gekannt.
  • Sie hat mich sehr nett gefragt, ob ich was kaufen möchte.

Verkaufen funktioniert immer und überall gleich, und es ist im Grunde ziemlich simpel.

Kann jedes Kind.