AutorGünter Schmatzberger

Der Artist und der Entrepreneur

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Tad Hargrave unterscheidet zwei grundverschiedene Haltungen, wie man ein Business startet:

Der Artist ist die innere Stimme, die sagt: Das will ich machen – ohne sich um die finanzielle Tragfähigkeit zu kümmern. Er folgt seiner Vision, seinem Können, seiner Leidenschaft. Die Frage nach dem Markt interessiert ihn nicht.

Der Entrepreneur fragt: Was braucht der Markt? Welches Problem kann ich lösen? Er schaut nach außen, sucht die Gelegenheit, identifiziert den Bedarf.

Das sind zwei völlig unterschiedliche Archetypen. Der Artist ist von der Venus, der Entrepreneur vom Mars.

Die meisten Solopreneure, die ich kenne, starten als Artist. Sie haben etwas zu sagen, etwas anzubieten – und hoffen, dass der Markt das schon irgendwie honorieren wird. Der Entrepreneur-Blick fällt ihnen schwer. Er fühlt sich opportunistisch an, kalkuliert, unecht.

Aber: Ein Business braucht beide. Der Artist allein verhungert. Der Entrepreneur allein baut etwas, das niemand wirklich will – auch wenn es sich verkauft.

Welcher der beiden dominiert bei dir?

Kalkulatorische Löhne für Idealisten

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Meine Beobachtung: Die meisten idealistisch motivierten Solopreneure vergessen, ihre eigene Arbeitszeit zu kalkulieren.

Du gründest ein Business, weil du die Welt ein bisschen besser machen willst. Nachhaltigkeit, Gemeinwohl, faire Produkte. Und du denkst dir: “Ich kann ja erstmal auf mein Gehalt verzichten. Für den Anfang.”

Aber: Deine Arbeitszeit kostet Geld. Immer. Auch am Anfang. Auch wenn du sie gerade nicht bezahlt bekommst. Auch wenn du für eine gute Sache arbeitest.

In der BWL nennt sich das kalkulatorischer Lohn. Du rechnest deine Zeit mit einem realistischen Stundensatz in deine Kosten ein – auch, wenn du das Geld gerade nicht ausbezahlst.

Ich sehe das immer wieder in Beratungsgesprächen. Die Rechnung geht auf – aber nur, weil 40 Stunden unbezahlte Idealismus-Arbeit pro Woche nicht mitgerechnet wurden.

Das funktioniert vielleicht ein Jahr. Oder zwei. Aber dann brennst du aus.

Ein Business, das nur funktioniert, wenn du dich selbst ausbeutest, ist kein nachhaltiges Business. Das ist ein Hobby mit Existenzangst.

Zeichen setzen

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Meine Beobachtung: Die meisten Solo-Selbständigen sind viel zu bescheiden mit dem, was sie nach außen zeigen.

Man kennt’s: Ein Projekt läuft richtig gut. Das Kundenfeedback ist durchwegs positiv. Die Zusammenarbeit hat super funktioniert. Aber auf LinkedIn oder der eigenen Website? Kein Wort darüber.

„Ich will nicht angeben”, denken sich viele.

Was für ein Aberglaube!

Wenn du einen guten Job machst, dann ist das kein Angeben. Das ist eine Klarstellung. Du zeigst, dass du kompetent bist. Du machst sichtbar, was du leistest. Du gibst potenziellen Kunden einen Grund, dir zu vertrauen.

Aber wir Österreicher haben ein seltsames Verhältnis zum Erfolg-Zeigen. Als würde man sich selbst disqualifizieren, wenn man zugibt, dass man gut ist in dem, was man tut. Das beginnt in der Schule und setzt sich in der Selbständigkeit nahtlos fort.

Wenn du als Solopreneur nicht zeigst, was du drauf hast, macht es niemand für dich. Du hast keinen Marketing-Manager. Du hast keine PR-Abteilung. Du bist dein eigener Verkäufer.

Und ein Verkäufer, der seine Erfolge versteckt, ist ein schlechter Verkäufer.

Also: Zeig, was du geschafft hast. Erzähl von deinen Kunden. Sprich über deine Projekte. Nicht, weil du ein Wunderwuzzi bist, sondern weil es dein Job ist!

[Danke Justin Welsh für diesen wichtigen Reminder.]

Slow Growth und Fast Growth

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Es gibt zwei Geschwindigkeiten, in denen dein Solo-Business wachsen kann:

  • Slow Growth: Dein Business wächst langsam und stetig. Mit der Zeit wirst du bekannter und besser, und mit der Zeit kommen mehr Kunden und dadurch mehr Umsatz ins Haus. Dein Wachstum ist konstant, aber du bist halt im Vespa-Tempo unterwegs.
  • Fast Growth: Dein Wachstum erfolgt im Ferrari-Tempo: Du steigerst deine Umsätze sehr rasch, aber um diesen Umsatz auch zu bewältigen, brauchst du die entsprechenden Ressourcen (Personal, Produkte, Systeme etc.). Sprich: Um Fast Growth hinzulegen, musst du vorher investieren.

Viele Selbständige investieren zu wenig in ihr Business und wundern sich dann, warum sie nicht wie gewünscht weiterkommen.

Es ist eine strategische Entscheidung: Willst du Slow Growth, oder willst du Fast Growth? Und wenn du dich entschieden hast, dann manage die daraus folgenden Konsequenzen.

Nibbs: Mr. Parlay (2023)

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Album der Woche: KW 42 // Oktober 2025

Kontext: Ich habe ja von Rap und Hip-Hop überhaupt keine Ahnung. Null. Trotzdem hat mich unlängst der Wunsch beschlichen, mal in das Genre reinzuhören. Warum ich mir ausgerechnet dieses Album ausgesucht habe… bin nicht sicher. Ich glaube, Dave Chapelle hat es empfohlen. Naja, jedenfalls war mein Home Office eine Woche lang

Playlist-Tipps: Cook The Book

Fazit: Naja, es war wesentlich weniger oag als befürchtet. Man kann sich das schon anhören im Home Office. Gibt einen angenehmen Rhythmus, der in Bewegung hält, aber nicht zu stark ablenkt. Allerdings: Ich habe keine Ahnung, worüber da gesungen bzw. gerappt wird. Wahrscheinlich arge Sachen, die mir eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben müssten.

Wertung: ⭐️⭐️

Neue Wege müssen sich rechtfertigen

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Eine meiner wichtigsten Aufgaben als Gründungsberater ist es, gute neue Ideen von unnötigen Ablenkungen zu unterscheiden.

In einem Solo-Business sind wir oft gefordert, über neue Wege nachzudenken, wenn wir unser Ziel auf dem ursprünglichen Weg nicht erreichen können. Dabei ist Kreativität gefragt. Und gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass wir unser eigentliches Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Wenn ich mit meinen Kund:innen über einen “neuen Weg” spreche, dann bin ich streng. Dieser “neue Weg” muss sich vor mir rechtfertigen: Machst du nur zusätzliche Arbeit, oder zahlst du wirklich auf das eigentliche Ziel ein?

Können ist zu wenig

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Inspiriert von Gabe The Bass Player:

Eine Coaching-Ausbildung zu machen… das ist noch das Leichteste. Aber ein Coaching-Business aufzubauen… das ist echt schwierig.

Es geht nicht um das Handwerk. Das Handwerk kann jeder lernen.

Das Handwerk allein genügt nicht, um Menschen zu begeistern.

Es geht um die SHOW!

Das Problem erklärt

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Für ganz viele Probleme gibt es einen Haufen Erklärungen, aber keine Lösung. 

Ein Problem zu erklären, also zu erklären, wo es herkommt und warum es so ist und nicht anders… Das ist noch keine Lösung.

Deine Kund:innen haben nicht viel davon, wenn sie durch dich ihr Problem verstanden haben, sich aber immer noch fragen: Und was mache ich jetzt dagegen?

Wenn deine Kund:innen ein Problem haben, dann suchen sie bei dir ziemlich sicher nach einer Lösung, nicht (nur) nach Erklärungen.

Online vs. digital

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Ein „Online-Business“ (skalierbare digitale Produkte; Kunden werden ausschließlich im Internet gesucht und gewonnen) ist nicht das gleiche wie ein Business, in dem alles digitalisiert ist (z.B. persönliche Dienstleistungen, die digital abgewickelt werden).

Ich wette, das ist längst nicht allen “Online-Unternehmer:innen” klar.

Marketing-Ursulas

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So nennt Larissa Fessl die Frauen auf Instagram, „die dann immer so sagen, du musst das und das machen“, wenn du mit deinem Business Erfolg haben willst.

Die dir sagen: “Du brauchst einen Online-Kurs. Und dann musst du hier einen Funnel aufbauen. Und e-Mail-Marketing machen und irgendwie tausend e-Mail-Sequenzen schreiben.“

Die “Marketing-Ursulas” sagen dir genau, wie’s geht. Und trotzdem spürst du: Da stimmt was nicht. „Ich hab auch irgendwie jetzt festgestellt: Ich kauf das ja selber nicht, wenn ich solche e-Mails bekomme!“, sagt Larissa Fessl.

Nimm dich in Acht vor den “Marketing-Ursulas”. (Es ist gar nicht leicht, ihnen zu entkommen.)

Erdnüsse nach Bangkok

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Eine der entscheidendsten Überlegungen in deinem Solo-Business: Was verkaufst du eigentlich – und was kauft dein Kunde?

Stell dir vor, eine Fluglinie würde so werben: “Economy Class: Sitzgröße DIN A4, Beinfreiheit 12 cm, 3 Erdnüsse.”

Das macht keine Airline. Die werben mit: “Bangkok ab 699 €”

Sie verkaufen nicht die Erdnüsse. Sie verkaufen Bangkok.

Wir Solopreneure reden meistens über unsere Erdnüsse. Über Features, Methoden, Zertifikate. Über das, was wir tun.

Aber der Kunde kauft Bangkok. Er kauft, wo er nachher sein wird. Die Transformation. Das Ergebnis. Die Methode ist ihm wurscht. Das Ziel zählt.

Wenn du Menschen von A nach B bringst, dann fokussiere auf B. Alles andere sind nur Erdnüsse.

[Danke Matthias Barth für diesen Gedanken.]

Allein im Sturm

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Manche sagen: Die Marktwirtschaft ist eine dog-eat-dog world. Der Wind ist jedenfalls rau.

Die Marktwirtschaft kann tatsächlich ein hartes Pflaster sein. Da kommt es nicht nur darauf an, gute Arbeit zu leisten. Da zählen Dinge wie Geschäftsmodell, Strategie, Preispolitik, Positionierung, Vertriebskanäle und, und, und.

Im Grunde unterscheiden sich deine Aufgaben als Solopreneur´:in nicht von den Aufgaben eines Weltkonzerns – nur mit dem Unterschied, dass alle diese Aufgaben dir allein zufallen.

Du bist für alles zuständig – und das ist eine Riesenherausforderung.

Volbeat: God Of Angels Trust (2025)

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Album der Woche: KW 41 // Oktober 2025

Kontext: Meine Frau hat mich mehr oder weniger überredet, vor zwei Wochen zum Volbeat-Konzert in Wien zu gehen. Und was soll ich sagen… Mir hat es ur getaugt! Im Grunde meines Herzens bin ich halt ein alter Rocker. Und jetzt habe ich mir das aktuelle Album der Dänen genauer angehört.

Playlist-Tipps: Acid Rain // Demonic Depression // Time Will Heal

Fazit: Oh yeah, das bringt mein Home Office in Bewegung! Harte Gitarrenriffs und poppige Melodien sind zwar wirklich nicht hip, aber machen mir total gute Laune. Super!

Wertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️

Mikro-Freiheiten

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Justin Welsh beschreibt eine Situation aus seinem Solopreneur-Leben:

Er steht an einem Donnerstag um 10:47 in einem Café in Stone Ridge, New York. Um ihn herum: Pensionisten mit Zeitungen. Studenten am Laptop. Leute, die offensichtlich nirgendwohin hetzen müssen.

Und er denkt sich: Das ist Freiheit.

Nicht der große Wurf. Nicht der siebenstellige Kontostand. Nicht die Villa am Strand.

Diese Mikro-Freiheiten, sagt er, sind die echten Marker für unternehmerischen Erfolg. Um 14 Uhr den Laptop zuklappen. Eine E-Mail morgen beantworten. Zoom-Calls vom Garten aus machen.

Und: Kaffee trinken, wann du willst. Ohne jemanden fragen zu müssen.

Argumente verkaufen

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„Argumente soll man nie verkaufen“, sagt Matthias Horx.

Soll heißen (glaube ich): Wenn du ein gutes Argument hast, dann kann das für sich stehen.

Du musst nichts unternehmen, um es anderen Menschen “schmackhaft” zu machen. Meistens nimmst du dem Argument dadurch nämlich Schärfe, Stärke und Genauigkeit. 

Im Stadion

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Christian Kern hat unlängst erzählt, warum er regelmäßig und gern ins Austria-Stadion geht:

“Andere Leute tun vielleicht meditieren, aber für mich sind diese eineinhalb Stunden, die Pause dazwischen, das Ins-Stadion-Fahren, wieder nach Haus gehen… das ist für mich wie Meditation. Da bist du wirklich in einer anderen Welt, da ist Eindreiviertelstunden gar nichts Anderes, du schaust auf das Spiel, verfolgst jede Sekunde, bist voll fokussiert und dein Kopf ist nur dem Geschehen gewidmet und die Emotionen sowieso.”

Besser hätte ich es auch nicht beschreiben können.

Würdigenswert

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Schöner Gedanke von Friedemann Schulz von Thun:

Bevor wir Ansprüche an andere stellen, sollten wir lernen, diese Menschen zu würdigen. Würdigen für das, was sie auf sich nehmen, was sie geschafft haben, was sie auf die Beine stellen.

Das gilt für den Politiker, den wir nicht mögen, die Lehrerin, von der wir uns unfair behandelt fühlen oder für den Fußballtrainer, dessen Taktik wir für Schwachsinn halten.  

Wir nehmen viel zu viele Dinge als selbstverständlich, die eigentlich “würdigenswert” sind.

Und das gilt ganz besonders für die Menschen, die uns nicht so recht zu Gesicht stehen.

Kein Gefallen

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Seth Godin schreibt in seinem gescheiten Buch Tribes:

“Tribes grow when people recruit other people. […] The tribe doesn’t do it for you, of course. They do it for each other.” (S. 110)

Wenn du von anderen weiterempfohlen wirst, tun sie das nicht (in erster Linie) deswegen, um dir einen Gefallen zu tun. Sie tun es, weil der Empfänger der Empfehlung etwas davon hat — und der Empfehlungsgeber hat auch etwas davon, wenn er eine wirklich leiwande Empfehlung geben kann. Aber nur dann.

Eine Empfehlung braucht einen echt guten Grund – nicht für dich, sondern für deine Kund:innen.