AutorGünter Schmatzberger

Ein Blick in die Zukunft

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Tim Ferriss warf unlängst einen Blick in die Zukunft des Solopreneurships:

“We’re gonna see probably single-person, single-owner billion dollar businesses within the next few years that employ AI Agents as they would employ someone they would otherwise hire as a CFO or something like that. I would not be surprised if that’s the case. I really wouldn’t.” 

KI ist ein game changer für Solopreneure, das glaube ich auch. Aber wie sehr, das könnte uns noch gewaltig überraschen.

Dankbarkeit (3)

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Dankbar bist du nicht, wenn du sagst: “Ich bin ein dankbarer Mensch”.

Dankbar bist du auch nicht, wenn du zu jemandem “Danke” sagst.

Dankbar bist du erst dann, wenn du Dinge aus Dankbarkeit tust. Wenn du deine Dankbarkeit ausdrückst, indem du anderen Menschen gegenüber großzügig handelst.

Dankbarkeit ist kein Mindset, sondern ein handlungsleitendes Prinzip.

Fit ohne Schwitzen

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Das WIFI Niederösterreich wirbt gerade mit dem Slogan “FIT ohne Schwitzen” für ihre firmen-internen Trainings (FIT).

Das ist wohl der Traum vom warmen Eislutscher: Fit werden, aber sich dabei nicht (übermäßig) anstrengen zu müssen.

Fachkräfte-Überschuss

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Jahrelang hat man gehört, dass der sogenannte “Fachkräftemangel” ein Riesenproblem für die österreichischen Industrie sei.

Aktuell liest man darüber nichts mehr. Vielerorts wird Personal abgebaut, z.B. hier.

Und dann wird man in ein paar Jahren genau dort darüber jammern, dass die Fachkräfte fehlen.

Man muss kein Guru sein, um das vorauszusehen.

Business-Härte

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Unlängst meinte eine Unternehmerin zu mir: “Ich bin erschrocken darüber, wie hart wir geworden sind.”

Früher hatten ihr Mann und sie versucht, es allen ihren Kunden und Partnern recht zu machen. Sie waren flexibel und entgegenkommend, und sie waren großzügig mit ihrer Zeit und ihrem Geld.

Heute stellen sie fest, dass von dieser Großzügigkeit wenig zurückgekommen ist. Im Gegenteil: Ihre Großzügigkeit hat bei Kunden und Partnern zu einer Erwartungshaltung geführt, die sie nicht mehr erfüllen können und wollen. Sie haben keine Lust mehr, sich ausnützen zu lassen. Sie haben keine Lust mehr, ständig zu diskutieren.

Sie haben gelernt, wie wichtig klare Regeln sind – und wie wichtig es ist, diese konsequent einzuhalten. Sie haben gelernt, dass sie ohne sorgfältige Kontrolle ausgenützt werden. Sie haben gelernt, dass sie ihre Führungsrolle einnehmen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Ich würde sagen, irgendwann (in ihrem Fall: nach fünf Jahren) kommt jedes Business an den Punkt, wo es einen Entwicklungs-Schub braucht. Wo weniger improvisiert und mehr geführt und gemanagt werden muss.

Ich glaube auch nicht, dass das mit “Härte” zu tun hat, sondern mit Professionalität. In diese Professionalität müssen wir hineinwachsen, und auf dem Weg dorthin werden wir Lehrgeld zahlen.

Das ist ganz normal.

Ein großer Garten

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Das Problem: Viele Menschen haben einen Garten, der nicht zu ihren Ressourcen passt.

Wir glauben, der Garten, den wir haben, „ist halt so“. Aber er muss nicht so sein.

Er ist irgendwann entstanden, aber wir können ihn jederzeit umgestalten.

Ständige Preis-Diskussionen

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In manchen Branchen wird mehr über den Preis diskutiert als in anderen.

Und in manchen Branchen wird immer über den Preis diskutiert.

So eine Branche ist eine Sch…-Branche.

Mach, dass du raus kommst.

Amos Lee: Transmission (2024)

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Album der Woche: KW 39 // September 2025

Kontext: Ich kenne Amos Lee seit seinem ersten Album. Das hat mir damals, als Student, sehr getaugt. Seither habe ich ihn ein bisschen aus den Ohren verloren. Mal sehen, wie Amos Lee 20 Jahre später klingt.

Playlist-Tipps: Darkest Places // Lucky Ones // Baby Pictures

Fazit: Amos Lee klingt wie eh und je: Ruhig, nachdenklich, gemütlich. Fürs Homeoffice allerdings schon ein bisschen zu ruhig. Ich hab mir das Album sicher fünfmal angehört, aber es ist kaum was hängen geblieben. “Transmissions” kann man auflegen, wenn man Musik hören, aber trotzdem nicht gestört werden möchte.

Wertung: ⭐️⭐️

Versprochen – Gebrochen

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Zalando hat jahrelang mit „Schrei vor Glück oder schick’s zurück!” Kund:innen angelockt. Jetzt drohen sie genau diesen Kund:innen mit Bestellverboten, wenn sie zu oft retournieren.

Das Muster dahinter: Erst bauen sie sich einen Kundenstock mit einem leiwanden Versprechen auf. Dann kommen sie drauf, dass dieses Versprechen zu halten teuer ist. Und dann, wenn sie groß genug sind, streichen sie es wieder – aus Kosten- oder „Nachhaltigkeits”-Gründen.

Es stimmt schon: Wenn du ein großzügiges Versprechen gibst, wird es immer einige geben, die es über Gebühr ausnützen. Aber das musst du dir überlegen, bevor du dein Versprechen gibst. Das war ja abzusehen. Entweder gilt dein Versprechen – oder nicht.

Große Konzerne können sich so ein Theater leisten. Sie schwindeln sich raus, verlieren dabei Vertrauen, aber haben genug Marktmacht, dass es wurscht ist.

Wir Solopreneure können uns das nicht leisten. Wenn wir ein Versprechen geben, müssen wir es halten. Punkt.

Deshalb: Überlege dir vorher, was du versprichst. Kalkuliere die Kosten mit ein. Und dann stehe dazu – auch wenn’s manchmal teuer wird.

Am Sonntag

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Es ist (auch) dein Sonntag!

Mach damit, was du willst!

(Zu) viel Herzblut

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Unlängst hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit einem Gründer, den ich seit fünf Jahren begleite.

Er meinte, dass ihm in Gesprächen mit anderen Solo-Selbständigen auffällt, dass sich diese “viel zu sehr den A… aufreißen”. Also, dass sie sehr, sehr viel Arbeit und Engagement in ihr Business investieren und dafür relativ wenig rausbekommen. Und dass er sich fragt, warum die sich das alle antun.

Darauf ich: “Und bei dir? Ist es da nicht genauso?”

Er: “Ja, eh.”

Wir Solopreneure haben alle unsere Gründe, warum wir uns “das antun”.

Schachnovelle

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Stefan Zweig schreibt in seiner Schachnovelle:

Nun bin ich zeitlebens nie ein ernstlicher Schachkünstler gewesen, und zwar aus dem einfachen Grunde, dass ich mich mit Schach immer bloß leichtfertig und ausschließlich zu meinem Vergnügen befasste; wenn ich mich für eine Stunde vor das Brett setze, geschieht dies keineswegs, um mich anzustrengen, sondern im Gegenteil, um mich von geistiger Anstrengung zu entlasten. Ich ,spiele‘ Schach im wahrsten Sinne des Wortes, während die anderen, die wirklichen Schachspieler, Schach ,ernsten‘ […]. 

Und du? “Spielst” du dein Solo-Business, oder “ernstest” du es?

Antikapitalist e.U.

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Unlängst habe ich einen Solopreneur kennengelernt, der sich selbst als “Antikapitalisten” bezeichnet.

Was wie ein Widerspruch in sich klingt, macht total Sinn, wenn man ihn genauer kennenlernt.

Im Lifestyle Entrepreneurship gibt es wirklich nichts, was nicht möglich wäre – wenn’s passt.

Neu und billig

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Ein intuitiver Zugang von Gründer:innen, v.a. wenn sie neu in einer Branche sind: Ich habe auf dem Markt (noch) keinen Namen, also mache ich es billiger. Viel billiger. Für einen Bruchteil des Geldes. Sodass mein Angebot quasi ein no-brainer ist.

Ich bin skeptisch, ob das bei Wissensprodukten wie z.B. einem Online-Kurs funktioniert. Weil: Wissensprodukte sind Vertrauensgüter. Und bei Vertrauensgütern geht es zuerst um Vertrauen und erst dann um den Preis.

Oder umgekehrt ausgedrückt: Ein sehr niedriger (zu niedriger?) Preis kostet Vertrauen. Und dann wird es passieren, dass die Verkäufe nicht stattfinden, weil der Preis so niedrig ist (so paradox das auch klingen mag).

Bestärkung

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Es ist total super, wenn du jemanden an deiner Seite hast, der deine neueste Geschäftsidee kritisch hinterfragt. Der die Lücken in deinen Überlegungen aufdecken kann und der sich nicht scheut, auch mal eine unangenehme Frage zu stellen.

Aber manchmal wünscht man sich einfach nur jemanden, der sagt: “Mach! Ich glaube an dich! Du schaffst das!”

Unrentabel

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Der Betriebswirt in mir sagt:

80 % der Tasks auf deiner To-Do-Liste könntest du getrost streichen, weil sie keinerlei Auswirkungen auf deinen Betriebserfolg (= Gewinn) haben.

Mindestens.

Weiches Ei?

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Ein konkretes Angebot ist extrem wichtig, damit man sieht, was bei dir überhaupt möglich ist.

Es macht einen Riesenunterschied, ob man ein weiches Ei angeboten bekommt oder ob man danach fragen muss.

Erfolgreiche Podcasts

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Was Podcaster:innen immer wieder beschäftigt: Was kann ich von anderen Podcasts bzw. anderen Podcaster:innen lernen? 

Aber ich frage mich: Gibt es tatsächlich Best Practices, von denen ich mir für meinen Podcast etwas abschauen kann, oder sind die Ausgangslagen, die Ziele und das Publikum der verschiedenen Podcasts viel zu unterschiedlich? Sollten wir nicht lieber aufhören, uns zu vergleichen und lieber konsequent unser Ding durchzuziehen?

Und: Welche Rolle spielen Glück oder glückliche Umstände beim Erfolg eines Podcasts? Kann man das Glück “herstellen” oder zumindest begünstigen? Wenn ja, wie?

Und sind die Erfolgsfaktoren, welche die erfolgreichen Podcaster im Nachhinein nennen, tatsächlich ausschlaggebend gewesen oder reimen sie sich, im Sinne des Dunning-Kruger-Effekts, post-hoc irgendwas zusammen?

David Gilmour: Luck And Strange (2024)

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Album der Woche: KW 38 // September 2025

Kontext: Der Sänger und Gitarrist von Pink Floyd ist immer noch aktiv. Alle heiligen Zeiten gibt es ein neues Album. Rattle That Lock aus 2015 hat mir recht gut gefallen, und 2006 war ich sogar mal bei einem Konzert von ihm am Münchner Königsplatz.

Playlist-Tipps: Luck and Strange // Sings // Yes, I Have Ghosts

Fazit: Lässt sich wunderbar im Home Office hören, weil es sehr ruhig und unaufdringlich ist. Wobei das dem Album überhaupt nicht gerecht wird. Ein Song wie Yes, I Have Ghosts ist eine echte Perle mit wunderbaren berührenden Lyrics. Das habe ich erst beim dritten Mal hören bemerkt, und wer weiß, was ich sonst noch alles überhört habe. Auf jeden Fall ein Album, auf das ich zurückkommen werde.

Wertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️

Sich anbieten vs. etwas anbieten

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Sich anbieten: Sag mir, was ich für dich tun kann. Ich helfe dir gerne und so gut ich kann. Du kannst von mir alles haben. Sag mir einfach, was du brauchst.

Etwas anbieten: Schau her, das mache ich. Das biete ich dir sehr gerne an. Willst du es haben?

Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, und beide Ansätze haben ihren Wert.

Im Business gilt allerdings: Wer sich anbietet, überlässt dem Kunden die Definitionsmacht. Mitunter ist der Kunde mit der Aufgabe zu definieren, was er eigentlich braucht, überfordert.

Und: Wer sich anbietet, der wird entmutigt, wenn die Kunden nur verhalten reagieren und (gerade) nichts brauchen.