AutorGünter Schmatzberger

Lernen ist schwer!

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Schau dir dieses Video an und überleg dir dabei: Was lernst du aus diesem Video über das Lehren, Lernen und Beraten?

Spoiler: Ein paar Dinge, die ich aus dieser Übung gelernt habe:

  • Als Lehrender brachst du die Einzelteile nicht unbedingt vorab sortieren. Du kannst auch einfach tun. Aber als Lernender hast du dann ganz schön viel Sortier-Arbeit.
  • Wenn eine wichtige Information fehlt, entsteht schon eine Fehlkonzeption.
  • Je größer und komplizierter das Gedanken-Gebäude ist, desto schwieriger wird das Mit-Bauen (= das Nachvollziehen).
  • Irgendwann wird es anstrengend – selbst beim reinen Zuschauen!
  • Du musst Pausen zum Reflektieren, zum Verarbeiten lassen. Gib den Lernenden “Zeit zum Atmen”.
  • Wenn man etwas nicht richtig einordnen kann, dann beschäftigt einen das ganz schön lang.
  • Obwohl du glaubst, du hast eh alles super erklärt, wird nicht alles richtig ankommen. Und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass du nicht mal merkst, was alles falsch verstanden worden ist.

[Danke Alessandra Kenner für den leiwanden Methodik-Workshop!]

Herausforderungen in der Start-Phase

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In der letzten Zeit habe ich mit vielen Selbständigen über ihre Herausforderungen in der Start-Phase ihres Business gesprochen.

Eine Gründerin hat mich gefragt, was so die größten Gemeinsamkeiten bei allen Gründer:innen sind.

Meine Antwort:

Es sind, auf der Meta-Ebene, im Grunde nur zwei Herausforderungen, die es in der Startphase der Selbständigkeit zu bewältigen gilt:

  1. Herausforderungen des Lernens: Am Anfang der Selbständigkeit muss man ganz viel lernen: Kunden finden, Marketing, Verkaufen, Buchhaltung, Selbstmanagement, Umgang mit Kunden, Expectation Management und vieles, vieles mehr. Lernen ist mühsam, wir sind es oft auch gar nicht mehr gewohnt. Ja, wir sind Experten in unseren Themen, aber Anfänger in der Selbständigkeit und im Unternehmertum. Wir sind oft nicht bereit, Lernerfahrungen zu machen aus Angst vor dem Hinfallen, das zum Lernen dazu gehört.
  2. Herausforderungen des Mensch-Seins: Wir alle haben Ängste. Wir alle haben Stärken und Schwächen. Wir alle haben Talente und Bereiche, mit denen wir uns schwer tun. Wir alle stehen uns manchmal selber im Weg. Wir alle verlieren machmal den Glauben an uns und unsere Geschäftsidee. Wir alle brauchen Ermutigung und Zuspruch und suchen nach Anerkennung.

Diese Herausforderungen haben alle Gründer:innen. In der konkreten Ausformung sind sie vielleicht verschieden, aber niemand hat weniger Herausforderungen zu bewältigen.

Nur andere.

Am Problem vorbei

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Unlängst habe ich ja schon darüber geschrieben, dass ich das Gefühl habe, dass meine Interessenvertretung, die Wirtschaftskammer (WKO), meine Interessen als Solo-Selbständiger gar nicht vertritt.

Dafür ist mir jetzt ein Beleg in die Hände gefallen. Das Wirtschaftsparlament hat im Mai 2024 darüber abgestimmt, welche Themen die WKO Niederösterreich in Zukunft vorantreiben soll.

Insgesamt standen 31 Anträge zur Abstimmung. Von diesen 31 Anträgen wurden 19 angenommen und 12 abgelehnt. Von den angenommenen Anträgen waren ganze 3 für mich als EPU relevant (5.6, 5.8, 5.26). Weitere 3 wären für mich relevant gewesen, wurden aber abgelehnt (5.20, 5.24, 5.27).

Das heißt: Nur 20 % der eingebrachten Einträge waren überhaupt relevant für EPU wie mich, und 91 % der angenommenen Anträge bringen für EPU keine spürbare Verbesserungen.

Warum wird darüber unter den 75.000 EPU in Niederösterreich nicht gesprochen?

Es kann ja nicht sein, dass das sonst keinem auffällt?!

Mitbewerber sind auch nur Menschen

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Überschätze deine Mitbewerber:innen nicht.

Unterschätze sie nicht, aber mach sie auch nicht größer, als sie sind.

Sie sind genauso Menschen wie du. Sie sind genauso unsicher wie du. Sie tun sich an manchen Tagen genauso schwer wie du. Sie haben mehr zu kämpfen, als du glaubst. Sie haben auch keine Zauberformeln und irren sich genauso oft wie du (vielleicht sogar öfter). Auch sie tun sich schwer, dranzubleiben. Auch sie haben Tage, wo sie sich fragen, warum sie sich das überhaupt antun.

Du brauchst dich vor deinen Mitbewerber:innen nicht verstecken. Wirklich nicht.

Steig mutig und selbstbewusst in die Arena!

Willst du wirklich aufsteigen?

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Ein Problem, wenn du Aufstiegs-Ambitionen hast:

Sobald du dich festgelegt hast und entsprechend zu handeln beginnst, kann man dir dabei zuschauen, ob du es schaffst oder ob du scheiterst.

Sobald du über dein Ziel in der Öffentlichkeit zu sprechen beginnst, bekommst du vereinzelte Unterstützung, aber auch ungebetene Ratschläge und mitunter sogar Häme mit auf den Weg.

Und das ist alles nicht angenehm. Kein Wunder, dass du dir manchmal denkst: Bin ich wirklich sicher, dass ich aufsteigen will? Ist es nicht eh ganz angenehm in der 2. Liga – und wesentlich bequemer?

Ambitionierte Ziele haben immer das Risiko in sich, dass man sie nicht erreicht. Das geht der Admira so, das geht mir so, das geht jedem so.

Aber was ist die Alternative? Zufrieden in der 2. Liga?

Aufstiegs-Ambitionen

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Die Admira sagt, sie will in der nächsten Saison den Aufstieg schaffen. Das sei alternativlos.

Wenn du sagst, du willst aufsteigen, dann musst du auch einen Kader zusammenstellen, mit dem ein Aufstieg möglich ist. 

Dafür wird es nötig sein, dass du Geld in die Hand nimmst.

Nicht unvernünftig viel Geld. Es geht nicht darum, das Geld zum Fenster hinaus zu werfen. Aber es geht darum, an den richtigen Stellen zu investieren, um bisherige Schwächen der Mannschaft zu kompensieren und die Mannschaft insgesamt schlagkräftiger zu machen. 

Genug Geld, um dem Ziel Aufstieg eine realistische Chance zu geben.

Wenn es tatsächlich alternativlos ist, dann musst du es ernst meinen. Und wie ernst du es meinst, wird man auch an deiner Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ablesen können.

Autodrom

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Wenn du ins Autodrom einsteigst mit dem Ziel, nur ja mit keinem anderen Auto zusammenzustoßen…

Warum bist du dann überhaupt ins Autodrom eingestiegen?

Çay

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Ich weiß sehr wohl, wie man den schwarzen Tee in der Türkei richtig trinkt: Ein bisschen vom sehr starken Tee in der einen Kanne ins Glas, mit heißem Wasser aus der anderen Kanne aufgießen. Dann (viel) Zucker dazu, aber keine Milch.

Aber: Wenn ich Çay trinke, dann lasse ich den Zucker weg. Ich mag den intensiven Teegeschmack, das Bittere, und für mich passt Zucker da überhaupt nicht dazu. (Zitrone eher schon.)

Dafür ernte ich unter Türk:innen meistens ein mitleidiges Lächeln oder sogar fassungsloses Kopfschütteln.

Mache ich diese Çay-Sache jetzt falsch? Bin ich deswegen eine Çay-Banause?

Ich sage: Im Gegenteil. Durch diese kleine Adaption habe ich es mir möglich gemacht, Çay genauso gerne zu trinken wie die Türken.

Die eigene Interpretation finden. Darum geht’s.

Und das Kopfschütteln aushalten.

Zielgruppenverständnis

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Es zeugt von echtem insight in die Zielgruppe, wenn man als Österreicher im Türkei-Urlaub ein Prospekt für einen Ausflug in die Hand gedrückt bekommt, in dem steht:

Ich ziehe meinen Strandhut vor dem Copywriter!

Frühstücksbuffet

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Unlängst, im Urlaub mit meiner Familie:

Ein Hotel mit riesigem Frühstücksbuffet. Es gibt alles, was man sich vorstellen kann – und noch mehr.

Dieses Frühstücksbuffet ist voller ungesunder Versuchungen. Es ist verdammt schwer, diszipliniert zu bleiben und das Richtige für sich zu tun.

[Ersetze Frühstücksbuffet gerne durch die Social-Media-Plattform deiner Wahl.]

Flughafen-Geschichten

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Unlängst, im Urlaub mit meiner Familie:

Wir warten am Flughafen Antalya (lange) auf unser Gepäck. Sofort beginnen meine beiden Kinder (8 und 6), irgendwelche Gründe und Erklärungen zu finden, was passiert sein könnte, dass unser Gepäck nicht daher kommt. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und die Geschichten sprudeln ohne große Anstrengung aus ihnen heraus.

Wir Menschen können gar nicht anders, als dass wir uns Unsicherheiten irgendwie zu erklären. Kindern muss man das nicht beibringen, und Erwachsene werden nie zu alt dafür.

Und auch wenn wir wissen, dass diese Erklärungen höchstwahrscheinlich nicht stimmen, ist irgendeine Geschichte immer noch besser, als gar keine Erklärung zu haben.

Für dein Marketing könnte das bedeuten: Die Menschen in deiner Zielgruppe reimen sich sowieso eine Geschichte über dich und dein Solo-Business zusammen. Wenn du ihnen eine leiwande Geschichte von dir aus anbietest, dann werden sie diese wahrscheinlich gern übernehmen, weil’s weniger anstrengend für sie ist, als selbst nach Erklärungen zu suchen.

Und du hast den Vorteil, dass deine Geschichte wahrscheinlich etwas näher an den Tatsachen ist als die imaginierten Geschichten deiner Zielgruppe.

Altersweisheit

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Unlängst ist ein guter Freund von mir 50 geworden.

Als einen der Vorteile des Älterwerdens nannte er: “Du musst niemandem mehr was beweisen. Mach einfach, was dir taugt.”

Was, wenn du so frech wärst und dir diese Freiheit jetzt schon erlauben würdest – und nicht erst, wenn dir die Erfahrung deines Lebensalters bewiesen hat, dass diese Art von “Frechheit” immer siegt?

Einfach einen Brief geschrieben

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Vor vielen Jahren, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Jugendarbeitslosigkeit in Zagreb…

Salvatore aus Rom erzählt mir folgende Geschichte:

Er arbeitet an einem Sozialprojekt, wo sie mit Jugendlichen ein Haus völlig neu bauen. Zur Gestaltung der Fassade hat er sich gedacht, dass er den Grafitti-Künstler Millo einladen möchte, die Fassade zu gestalten.

Das Geld dafür hat er sich bei privaten Sponsoren geholt.

Und dem Künstler hat er einfach einen Brief geschrieben und gefragt, ob er das machen würde. Der hat geantwortet, dass er zuerst noch Projekte in Moskau, in San Francisco und Johannesburg abschließen muss, aber dann kommt er vorbei.

Wer fragt, dem wird gegeben.

Was besser ankommt

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Vor vielen Jahren, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Jugendarbeitslosigkeit in Zagreb…

Neben mir sitzt eine Vertreterin des Bildungsministerium.

Sie sagt: „The ministry is preparing a strategic document that will help to improve the frameworks for young people looking for a job.”

Ich sage: „If you want to get a job, be nice!”

Das sind zwei völlig konträre Ansätze. Natürlich auch inhaltlich, aber vor allem in dem, wie kommuniziert wird.

Im Publikum war eindeutig, was besser „ankommt”.

Zweiter Taschenrechner

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Ich habe ja schon mal darüber geschrieben, dass bei jeder Prüfung jemand dabei ist, der seinen Taschenrechner vergessen hat. Es ist immer einer. (Es sind ausschließlich Männer.)

Diese Hypothese hat sich in den letzten Wochen zweimal bestätigt. Deshalb habe ich immer meinen eigenen Taschenrechner mit, um ihn bei Bedarf herborgen zu können. (Ja, ich bin ein netter Professor.)

Aber bei der letzten Prüfung ist etwas Spannendes und für mich völlig Überraschendes passiert: Als sich derjenige meldete, der seinen Taschenrechner diesmal vergessen hatte, sagte plötzlich ein Kollege von ihm: Hier, ICH habe einen zweiten Taschenrechner mit!

Für mich der allerbeste Grund, meinen Ersatz-Taschenrechner im Rucksack lassen zu können.

Wenn ich alles richtig machen will

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Ein Projekt, ein Risiko, eine Unwegbarkeit erzeugt ein ungutes Gefühl. Ich bin mir unsicher, ob ich das richtige tue und welche Auswirkungen das hat. Ich will alles richtig machen – aber was ist das Richtige? 

    Das Erfolgsrezept wäre:

    1. Vertrau deiner Intuition. Bleib authentisch. Handle beherzt. 
    2. Verzichte auf den Narrativ. Bleib bei den Fakten. Das reicht. 
    3. Lerne aus deinen Erfahrungen. Sei dankbar. 

    Ich weiß, dass dieses Rezept stimmt. Das weiß ich aus vielen Jahren Erfahrung.

    Jetzt muss ich mich nur noch daran halten.

    Lehren ist leben

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    Unlängst bin in einer späten Abendstunde drauf gekommen, warum mir das Lehren so taugt und warum mir das Lehren so viel Sinn schenkt:

    Weil ich beim Lehren ganz im Hier und Jetzt bin. Weil ich es sein muss, um ein guter Lehrer zu sein.

    Wenn ich lehre, dann bin ich präsent – und zwar voll und ganz. Und wenn ich präsent bin, dann bin ich mitten im Leben.

    Wenn ich lehre, dann bin ich nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Wenn ich lehre, dann erschaffe ich den Moment.

    Car Wash

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    Es gibt diesen Song von Bruce Springsteen, Car Wash. Der Song ist aus dem Jahr 1983 und ein Outtake, d.h. er hat es damals nicht auf ein reguläres Springsteen-Album geschafft.

    Es geht darin um diese Frau namens Catherine LeFevre, die in einer Autowaschanlage (einem car wash) arbeitet, aber eigentlich… eigentlich… Eigentlich fühlt sie sich für etwas ganz Anderes bestimmt.

    Weil: Eines Tages will sie in einem night club singen, und dann wird sie entdeckt werden. Dann bekommt sie einen Plattenvertrag und einen million dollar break – und dann ist endlich alles so, wie es eigentlich sein sollte.

    Das Problem dieser Cathrine ist allerdings: Sie singt noch in keinem night club, geschweige denn, dass sie entdeckt werden könnte. Sie tut nur das, was sie über die Runden bringt (also in einem car wash zu arbeiten), aber nicht das, was sie ihrem Traum tatsächlich näher bringen könnte (z.B. sich mal in einem night club als Sängerin zu bewerben). 

    There’s a lot of longing but no striving.

    Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass der Song in Los Angeles spielt. Dort gibt es so viele Menschen, die davon ausgehen, dass Sie Großes verdient haben es nur some mistake ist, dass sie noch nicht den großen Durchbruch geschafft haben.

    Nun fragt sich: Haben die wirklich nur Pech? Hindern sie tatsächlich ihre Lebensumstände (Cathrines kids)? Oder strengen sie sich nicht genug an?

    Welche Antwort findest du? Welcher Ideologie hängst du an?