AutorGünter Schmatzberger

Gemeinsam nachdenken

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Unlängst war ich bei der Entrepeneurship Night der Uni Wien. Dort wurde viel über Startups und Gründergeist gesprochen, über Gründerteams und Pre-Seed-Finanzierung und so weiter.

Leider waren Solopreneure an diesem Abend kein Thema. Wieder einmal kein Thema, müsste man genauer sagen. Ich verstehe nicht warum, aber wenn Hochschulen über “Gründung” sprechen, dann meinen sie immer Startups. Und wenn Studierende zu diesen Veranstaltungen gehen, dann lernen sie, dass Gründung immer “Gründung eines Startups” bedeuten muss.

Der Weg des Solopreneurs, die Alternative zur Risiko-Gründung, kommt nicht vor, und deswegen kann dieses Bild auch nicht in den Köpfen der Studierenden entstehen. Das finde ich ewig schade.

Und dennoch habe ich von diesem Abend einen Satz mitgenommen, der für angehende Solopreneure fast noch mehr gilt als für Startup-Gründer:innen:

Wenn man darüber nachdenkt, ob man gründen soll, dann sollte man das nie alleine tun.

Edeltraud Stiftinger, Geschäftsführerin aws – Austria Wirtschaftsservice

Gemeinsam nachdenken – das bringt’s echt!

Ich erlaube mich

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Ich erlaube mir meine Träume, meine Fehler, meine Unsicherheiten, meine Liebenswürdigkeiten, meine Talente, meine Sehnsüchte, meine Unausstehlichkeiten, meine Verrücktheiten, meine Begeisterung, mein Desinteresse. 

Es gibt wohl kein größeres Geschenk, das ich mir selbst machen könnte, als mir mich selbst zu erlauben.

Nicht einmal geschenkt

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Unlängst, auf LinkedIn:

Jemand postet ein echt gutes Angebot: Die ersten 5 Personen, die diesen Beitrag kommentieren bekommen einen kostenlosen Platz bei meinem Workshop in Linz!

Er bekommt dafür… null Kommentare. Keinen einzigen.

Niemandem ist dieser Gratis-Platz beim Workshop auch nur die Mühe eines Kommentars wert. Ein Ein-Wort-Kommentar hätte wohl gereicht, aber nicht einmal das ist gekommen.

Das muss unglaublich frustrierend sein. Es ist schwer, in solchen Momenten nicht an seinem Angebot und letztendendes an sich selbst zu zweifeln.

Und doch: Es geht uns allen gleich. Das Spiel der attention economy auf den Social-Media-Plattformen ist beinhart. Wir müssen viel Ablehnung einstecken, um den gelegentlichen Erfolg zu feiern.

Kein Wunder, dass immer mehr Solopreneure sagen: Ich mag das Social-Media-Spiel nicht mehr spielen. Nicht einmal geschenkt.

Den Hebel ansetzen

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Unlängst, nach dem Spiel der Admira gegen den GAK (Endstand 1:0 für GAK) meinte der Admira-Trainer Thomas Pratl im Interview sinngemäß: Die Mannschaft hat nicht genügend zwingende Tor-Chancen kreieren können, deswegen haben wir verloren. Wir wissen also ganz genau, wo wir den Hebel in der Zukunft ansetzen müssen.

Das erinnert mich an meinen Job als Gründungsberater. Im besten Fall entsteht bei der gemeinsamen Arbeit mit einem Gründer bzw. einer Gründerin auch ein klares Bild davon, wo wir den Hebel ansetzen müssen, damit die Gründungsidee Erfolg hat.

Aber: Dieses Erkennen garantiert noch keine Verbesserung. Zur Verbesserung gehört nicht nur das Erkennen, sondern auch das Umsetzen dessen, was diese Verbesserung auslösen soll. Es braucht taugliche Mittel, und es braucht Konsequenz.

Und auch das haben ein Fußballtrainer und ein Gründungsberater gemein: Wir können den Hebel ansetzen, wir können die Richtung vorgeben, wir können in Richtung Verbesserung einwirken – aber was, wenn die Verbesserung nicht eintritt? Wenn der Hebel zwar angesetzt ist, aber keine Wirkung entfaltet?

Wer ist dann “Schuld”?

Im Fußball ist der Trainer dann meistens seinen Job los…

Durch die Wolken fliegen

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Durch die Wolken zu fliegen ist unangenehm.

Für jeden. Auch meine Sitznachbarin krallt sich an ihren Armlehnen fest. Das lässt sich nicht vermeiden. Man kann nur tief durchatmen, ruhig bleiben und darauf vertrauen, dass alles gut wird.

The only way out is through. 

Bücherflohmarkt

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Unlängst war ein Bücherflohmarkt in der Volksschule meines Sohnes.

Jedes Kind hatte dabei die Möglichkeit, Bücher, die es nicht mehr brauchte oder wollte, zu verkaufen. Eine Stunde lang dauerte der Spaß, und jedes Kind betreute seinen eigenen kleinen Verkaufsstand. Auch die Eltern waren eingeladen zu kaufen.

Ich finde diese Aktion super. Nicht nur, weil man da echte Schnäppchen bekommt, sondern weil die Kinder spielerisch lernen, mit Verkaufssituationen umzugehen. Mit der Freude, wenn man was verkauft und mit dem Frust, wenn man nichts verkauft. Sie lernen, was bei Kindern und Erwachsenen gut ankommt und was nicht. Sie beginnen, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie ein “Markt” funktioniert – im wahrsten Sinn des Wortes.

Man kann sich vorstellen: Es gab dort eine Menge Bücher zu kaufen. Überwältigend viele. Es ist gar nicht so leicht, in dieser Fülle etwas zu finden, paradoxerweise.

Ich habe tatsächlich bei einem Kind was gekauft. Warum bei diesem Kind und nicht bei all den anderen?

  • Ich habe das Kind vorher schon gekannt.
  • Sie hat mich sehr nett gefragt, ob ich was kaufen möchte.

Verkaufen funktioniert immer und überall gleich, und es ist im Grunde ziemlich simpel.

Kann jedes Kind.

Prämissen hinterfragen

P

Unlängst hat eine Podcast-Kollegin ihren Podcast mit folgender Aussage gestartet:

Das Kaufverhalten der Kunden, ob on- oder offline, hat sich im aktuellen Wirtschaftsklima gegenüber der letzen Jahre grundlegend verändert. Das ist ganz einfach ein fact.

Diese Taktik kann man immer wieder beobachten: Jemand behauptet etwas und tut so, als wäre diese Behauptung eine unwiderlegbare Tatsache.

Bei mir als gelernten Sprachwissenschaftler schrillen hier aber die Alarmglocken. Weil ich kenne das Konzept der Prämissen.

Prämissen sind die Vorbedingungen, damit eine Aussage gültig sein kann. Und hinter praktisch jeder Aussage, die uns als Tatsache verkauft wird, stecken jede Menge Prämissen – also Vor-Annahmen, die auch alle gültig sein müssen, damit diese Aussage gültig sein kann.

Hinter der Aussage meiner Podcast-Kollegin stecken unter anderem folgende Prämissen:

  • Das Wirtschaftsklima ist 2024 schlechter als noch vor ein paar Jahren.
  • In einem schlechteren Wirtschaftsklima kaufen Menschen nicht so gerne.
  • Das betrifft alle Käufer*innen.
  • Das betrifft alle Branchen.
  • Es gibt einen Unterschied im Kaufverhalten online und offline.
  • Die Veränderungen wirken sich auf beide Bereiche (online und offline) gleich aus.
  • Die Veränderung, die die Kollegin feststellt, ist für sie grundlegend.
  • Die Veränderung ist daher auch von allen anderen Menschen als grundlegend zu empfinden.
  • Grundlegend bedeutet grundlegend negativ.
  • Wer 2024 verkaufen will, muss diese negative Veränderung wahrnehmen und sein Verhalten ändern.
  • usw. (wahrscheinlich fehlt noch ein Dutzend Prämissen, die ich nicht aufgezählt habe.)

Jede einzelne dieser Prämissen kann richtig sein, oder sie kann falsch sein. Aber darum geht es mir hier gar nicht. Es geht mir nicht darum, dieser Aussage zuzustimmen oder sie zu widerlegen.

Es geht mir darum, darauf hinzuweisen, wie leicht und wie oft es uns passiert, dass wir die Prämissen einer Aussage als gegeben hinnehmen und gar nicht mehr hinterfragen. Wir nicken sie einfach ab. Und damit tun wir uns keinen Gefallen.

Denn man sieht: Hinter jeder Aussage stehen eine Menge Annahmen. Und es ist höchst unwahrscheinlich, dass alle zutreffen.

[PS: In der Startphase deines Lifestyle Business gibt es kaum etwas Wertvolleres, als wenn du jemanden hast, der deine Prämissen hinterfragen kann. Also jemanden, der einen Blick auf die Annahmen lenkt, von deinen du bei deiner Geschäftsidee (unbewusst) ausgehst. Ein leiwander Gründungsberater macht das – behutsam, aber konsequent.]

Kleiderkasten

K

Es gibt Sachen, die passen dir gut. Wie eine zweite Haut.

Es gibt Sachen, die stehen dir gut. Sehr schick.

Es gibt Sachen, die trägst du gerne. Dein Lieblings-T-Shirt, das dir eigentlich schon zu klein ist, das schon verwaschen ist und bei dem deine Freundin den Kopf schüttelt, weil du es immer noch nicht ausgemustert hast.

Vielleicht gibt es in deinem Kasten auch Sachen, die dir gut stehen und dir gut passen. Vielleicht auch Sachen, die du gerne trägst, aber die dir nicht (mehr) passen. Siehe Lieblings-T-Shirt.

Aber gibt es in deinem Kleiderkasten auch Sachen, die dir gut passen, dir gut stehen UND die du gerne trägst?

Warum hast du nicht nur solche Sachen?

Leistung muss sich lohnen!

L

Das ist die neue Aktion meiner gesetzlichen Interessensvertretung.

(Dass ich Pflichtmitglied bin bei einer Lobby-Organisation, die sich mit meinem Geld für etwas einsetzt, das meinen Interessen als Lifestyle Entrepreneur gar nicht entspricht – und nicht nur in diesem Fall –, darüber werde ich ein anderes Mal wettern.)

Ich hab schon mal gesagt, dass sich meine Einstellung zum Thema Leistung und Leistungsgesellschaft in den letzten Jahren gewandelt hat. Dank schlauer Bücher von Wolf Lotter und Evi Hartmann habe ich eingesehen: Wenn es keine Menschen gibt, die sich einsetzen und die mehr tun, als unbedingt notwendig wäre, werden wir die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht lösen können.

Deshalb kann ich dem Gedanken durchaus was abgewinnen, diese Menschen dafür zu belohnen, dass sie etwas beitragen wollen, dass sie etwas leisten wollen. Wir brauchen ja schließlich mehr von diesen Menschen!

Mein Problem mit dieser Initiative: Leistung wird (wieder einmal) gleichgesetzt mit Einkommen. Oder, präziser formuliert: Die Leistung einer Person wird anhand seines Einkommens beurteilt. Und daher sind die Forderungen der WKO auch:

  • Steuersätze reduzieren
  • Steuerfreibetrag für Vollzeitarbeit einführen
  • Lohnnebenkosten radikal senken

Das alles hat bestenfalls mit einem Teilaspekt von Leistung zu tun, und auch nur dann, wenn die Prämisse stimmen würde: Wer viel leistet, bekommt auch viel bezahlt.

Aber das stimmt entweder nicht (Stichwort: Care-Arbeit) oder ignoriert die Tatsache, dass es genügend Menschen gibt, die viel Einkommen haben aber wenig gesellschaftlich Wünschenswertes leisten (Stichwort: Vorstand eines Glückspielkonzerns).

Ja, Leistung muss sich lohnen. Aber die Definition von Leistung müsste anders aussehen, und entsprechend anders müsste auch die Belohnung dafür aussehen.

Deshalb unterstütze ich diese Initiative “meiner” Interessensvertretung aus vollem Herzen – NICHT.

Abgetragen

A

Not all clothes have come to you to be worn threadbare. Sagt Marie Kondo.

Das gilt auch für Geschäftsideen.

Verhunzt

V

Kleine Misserfolge stellen nicht die Richtigkeit deines Unternehmertraums in Frage.

Was macht es dem Ozean, wenn irgendwo ein Hund hineinpinkelt?

Wandergruppe

W

Auch wenn du ein Solo-Business hast: Dein Weg ist kein Solo-Projekt. Andere Menschen gehen ihn mit dir.

Lass sie nicht zurück!

Bedeutungslos

B

Um weiterzukommen, muss man Entscheidungen treffen.

Entscheiden bedeutet immer auch, auf etwas zu verzichten.

Lass die Dinge los, gegen die du dich entschieden hast.

Sie bedeuten nichts mehr. 

Selbstironie vs. Güte

S

Selbstironie ist schon okay. Selbstironie ist ein deutlicher Schritt weg vom Ego.

Aber Güte wäre besser. Denn Güte ist ein großer Schritt hin zum Anderen.

Immer wieder einladen

I

Was machst du, wenn du deinen Arbeitskollegen schon dreimal eingeladen hast, dich mal daheim zu besuchen oder zu einem Abendessen vorbeizukommen – und dein Arbeitskollege ist dieser Einladung bei keinem Mal gefolgt. Immer ist irgendwas dazwischen gekommen, nie hat es gepasst.

Wirst du ihn noch ein viertes Mal einladen? Oder sagst du dir: Jetzt habe ich ihn eh schon dreimal eingeladen, jetzt ist er dran. Er soll sich selber melden, wenn’s ihm irgendwann mal passt. Oder sonst soll er es halt bleiben lassen.

Früher oder später geben wir das Einladen auf. Wir wollen ihm ja nicht auf die Nerven gehen. Und wir sind uns zu schade dafür, immer wieder eine Abfuhr zu bekommen.

Genau hier liegt einer der schwierigsten Herausforderungen, wenn wir uns selbständig machen.

In der Selbständigkeit sind wir nämlich aufgefordert, unsere potenziellen Kund*innen immer und immer und immer wieder einzuladen, mit uns zusammenzuarbeiten. Nicht dreimal, nicht dreißigmal, sondern dreihundertmal.

Wir müssen lernen, die Ablehnungen und dem Nicht-Folgen unserer Einladungen nicht persönlich zu nehmen, sondern darauf zu vertrauen, dass es irgendwann schon passen wird.

Und bis es soweit ist, sprechen wir unsere Einladungen aus. Immer und immer und immer wieder.

Günter kocht (2)

G

Das Personal Project “Günter kocht” hat eine hidden agenda.

Ja, es geht natürlich darum, dass ich kochen lerne. Dass ich mir und meiner Familie ein gutes Essen kochen kann, ohne dass das zu einem Riesentamtam für mich wird.

Darüber hinaus geht es aber noch um zwei weitere wichtige Punkte:

  1. Ich will meine Inkompetenz normalisieren.
  2. Ich will üben, mutig zu sein, indem ich Dinge ausprobiere, die ich noch nie gemacht habe.

All das in der Sicherheit meiner eigenen Küche. Niemand schaut mir zu.

Und trotzdem bewegt sich was in mir… in die richtige Richtung.

Günter kocht (1)

G

Seit Jahresanfang habe ich ein neues Personal Project. Es heißt: Günter kocht. Jedes Monat probiere ich, ein Gericht zu kochen, nach Rezept.

Für viele ist das keine große Sache, für mich schon. Weil: Ich bin ein Anfänger in der Küche.

Und deshalb mache ich bei diesem Projekt auch ständig Anfängerfehler:

  • Ich lese mir das Rezept vor dem Kochen nicht vollständig durch.
  • Ich richte mir fast alle, aber eben nicht komplett alle Zutaten und Werkzeuge vorher her.
  • Ich unterschätze die Arbeitszeit, die ich für ein Gericht brauche.
  • Ich wähle viel zu schwierige Rezepte für mein Kompetenzlevel aus.
  • Ich ärgere mich, wenn etwas nicht nach Wunsch gelingt.

Es ist nicht angenehm, so inkompetent zu sein. Aber das muss ich aushalten (auch wenn mir das nicht leicht fällt). Denn so funktioniert Lernen: Du bist ein Anfänger und machst Anfängerfehler, bis du es nicht mehr bist und die Fehler von Fortgeschrittenen machst.

Vorausgesetzt, du bleibst dran. Und Dranbleiben ist exakt das, was ich vorhabe.

Ich werde meine Anfängerfehler einfach aussitzen.