AutorGünter Schmatzberger

Ehrgeizig und zufrieden

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Uns Lifestyle Entrepreneure zeichnet aus, dass wir sehr ehrgeizig sind. Es gibt immer was zu verbessern, es gibt immer was zu tun, und es gibt immer was, das noch nicht passt. Es gibt immer eine Produktidee, die wir noch umsetzen wollen, es gibt immer eine Kundengruppe, die wir noch erreichen wollen, und es gibt immer noch Menschen, die wir mit unserer Botschaft erreichen wollen.

Dieses “immer mehr”-Wollen ist etwas, das Unternehmer*innen auszeichnet.

Und gleichzeitig dürfen wir immer wieder innehalten und stolz darauf sein, was wir auf unserem unternehmerischen Weg schon erreicht haben. Wir dürfen innehalten und das Gute wahrnehmen, das wir schon geleistet haben. Wir dürfen innehalten und zufrieden sein mit dem, was wir geschaffen haben.

Ehrgeizig und zufrieden sein. Mehr wollen und stolz sein auf das Erreichte.

Nicht entweder-oder, sondern sowohl-als auch.

Prototyping

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Es wird von Gründungs- und Start-up-Coaches oft empfohlen wird: Nicht allzu lange im eigenen Kopf bleiben. Möglichst bald auf den Markt gehen und Erfahrungen sammeln. Deine potenziellen Kunden mit deinem Produkt konfrontieren und schauen, was sie dazu sagen.

Das passt grundsätzlich schon. Aber: Es gibt Menschen, die brauchen eine tiefgehende gedankliche Auseinandersetzung mit ihrer Gründungsidee. Für sie ist es wichtig, dass sie sich ausgiebig im Kopf mit ihrer Gründung auseinandersetzen.

Das ist kein bug, sondern bei diesen Menschen ist es ein feature. Denn wenn die Gründungsidee lange genug im Kopf durchgespielt wurde, dann haben diese Menschen auch den Mut, sich kompetent auf den Markt zu stellen und zu sagen: Schaut mal her, ich habe hier was echt Leiwandes entwickelt!

Und vorher nicht.

Lernen in der Gruppe

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Lernen und Arbeiten in einer Gruppe ist allein deswegen schon gut, weil man dran bleibt. Weil es in der Gruppe wahrscheinlicher wird, dass man die Aufgaben, die man tun sollte, tatsächlich tut.

Und wenn man sich mehr engagiert, dann wird man wahrscheinlich auch mehr lernen.

Perfektionismusstreben

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Man sagt oft, dass der Perfektionismus uns Solopreneure daran hindert, wirkliche Fortschritte zu machen. Weil wir nur dann zufrieden sind, wenn alles vermeintlich perfekt ist, verpassen wir viele Gelegenheiten.

Das stimmt im Grunde natürlich. Aber ich denke, es lohnt sich, da noch ein bisschen genauer hinzuschauen. Es ist nämlich nicht das Perfekte an sich, das so schädlich ist, denn das ist eh nie zu erreichen.

Es ist unser Streben nach dem Perfekten. Schädlich ist unsere Weigerung zu akzeptieren, dass nichts jemals perfekt sein wird. Dass wir immer und immer wieder versuchen, es diesmal perfekt hinzubekommen. Und wir jedes mal in diesem Streben scheitern.

Es ist wunderbar, Ehrgeiz zu haben. Aber wir sollten danach streben, unsere Angebote möglichst hilfreich und möglichst zugänglich zu machen, nicht möglichst perfekt.

Echt hart

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Du hast dein Bestes gegeben. Du hast dich um den neuen Kunden wirklich bemüht. Er war interessiert und du warst so knapp dran. Und trotzdem hast du eine Absage bekommen.

Du hast dein Bestes gegeben. Aber es war anscheinend nicht gut genug.

Das tut echt weh.

Value Based Pricing im Kinderzimmer

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Unlängst hat mir meine Tochter (5) erklärt, warum ich sie fürs Zusammenräumen des Kinderzimmers bezahlen sollte.

Ihr Argument: Wenn wir im Sommer alle gemeinsam zum Ritter-Rost-Musical gehen, dann gefällt mir das ja. Und wenn sie ihr Kinderzimmer zusammenräumt, dann gefällt mir das mindestens so gut wie das Ritter-Rost-Musical, oder? Und deswegen muss ich ihr fürs Zusammenräumen auch so viel Geld zahlen, wie mein Ticket fürs Ritter-Rost-Musical kostet.

Das ist Value Based Pricing in a nutshell. Erklärt und argumentiert von einer Fünfjährigen.

Das kann ja noch heiter werden.

Leih-Schi

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Die Lehrerin meines Sohnes (7) organisiert einen Schi-Tag für die 2. Klasse.

Sie hat sich auch darum gekümmert, dass jene Schüler*innen, die Leih-Schi und -Schuhe brauchen, welche ausborgen können. Super Sache, eigentlich.

Aber dann war sie etwas ungeschickt. Im Info-Blatt an die Eltern hat sie nämlich folgendes geschrieben:

Die Kosten für den Schitag betragen € 60,– inklusive Verleihmaterial. Eigenes Schimaterial (Schi, Schischuhe, Stöcke, Helm) kann gerne mitgenommen werden, die Kosten werden dadurch NICHT verringert.”

Das hat bei einigen Eltern zu Empörung geführt, weil sie für Leih-Schi zahlen, die sie gar nicht brauchen.

Ich denke, eine etwas andere Formulierung hätte diesen Wirbel vermieden:

Die Kosten für den Schitag betragen € 60,–. Darin enthalten sind Busfahrt, Tagesschipass, Schilehrer und Mittagessen. Wir konnten auch erreichen, dass jene Kinder, die kein eigenes Schimaterial haben, sich GRATIS Schi, Schischuhe, Stöcke und Helm ausleihen können.

Mal ganz abgesehen davon, dass es mich immer wieder erstaunt, worüber sich Eltern schulpflichtiger Kinder alles aufregen können.

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So komme ich nicht weiter

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Wenn ich immer einspringe, wenn Not am Mann ist, weil ich als Selbständiger “eh daheim bin” und ich es mir “ja einteilen kann”…

… dann komme ich nicht weiter.

Ich leide unter der gleichen Herausforderung wie ganz viele Lifestyle Entrepreneure da draußen: Einerseits will ich ein Papa und Ehemann sein, der verfügbar ist und der aktiv am Familienleben teilnimmt. Und gleichzeitig will ich mein Business voranbringen, was viel und intensive Arbeit bedeutet.

Ich versuche die Quadratur des Kreises und merke, dass ich in Wahrheit nur im Kreis laufe.

Solidarität ist zu wenig

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An jeder Fachhochschule haben die Studierenden die Gelegenheit, jeden einzelnen Lehrenden und jede einzelne Lehrveranstaltung zu evaluieren. Sie können rückmelden, was ihnen gefallen hat und was nicht und was der Lehrende in Zukunft anders bzw. besser machen könnte.

An einer Fachhochschule, an der ich unterrichte, beträgt die durchschnittliche Rücklaufquote für diese Evaluierungen ca. 25 %. Das heißt, nur jeder vierte Studierende macht von der Evaluierungsmöglichkeit Gebrauch. Und, noch schlimmer: 50 % aller Lehrveranstaltungen erreichen nicht einmal die Mindest-Teilnehmerzahl von 4 Studierenden, damit die Evaluierung überhaupt gültig sein kann.

Warum das so ist, lässt sich leicht erklären: Die Studierenden haben nichts von der Evaluierung. Für sie ist die Lehrveranstaltung vorbei. Und nichts, was sie in der Evaluierung rückmeldeten, würde an der Lehrveranstaltung noch irgendetwas verändern. Noch dazu sind die meisten Studierenden mit “eh okay” zufrieden – nicht super happy, aber auch nicht unzufrieden genug, um sich zu beschweren. Warum also die Mühe machen und evaluieren?

Eigentlich gibt es nur einen einzigen guten Grund: Solidarität. Solidarität mit den Verantwortlichen der Fachhochschule, die auf die Evaluierungsergebnisse angewiesen sind, wenn sie Verbesserungen in der Lehre vornehmen wollen.

Und Solidarität mit den nachfolgenden Jahrgängen des Studiengangs. Für die Studierenden, die evaluieren, mag die Lehrveranstaltung gelaufen sein, aber ihre Nachfolger*innen könnten von konstruktivem Feedback sehr profitieren.

Es ist, denke ich, ein Zeichen unserer Zeit, dass Solidarität kein Argument ist, das stark genug ist, um seine Bequemlichkeit zu überwinden.

Gründen für Schüler*innen?

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Ich will ja wirklich nicht meckern.

Als Gründungsagentur des Landes Niederösterreich leistet das RIZ Up einen wertvollen Dienst für alle Gründer*innen des Landes. Generell sehe ich jede Initiative positiv, die dabei hilft, engagierten Gründer*innen einen besseren Start in ein erfolgreiches Leben als Selbständige zu ermöglichen.

Aber… Unlängst habe ich mir ein Video des RIZ Up angeschaut, Gründen für SchülerInnen. An der Oberfläche betrachtet ist mit dem Vortrag alles okay. Alles, was gesagt wird, ist inhaltlich völlig korrekt, und es ist auch recht sympathisch präsentiert.

Was jedoch aus meiner Sicht vollständig fehlt, ist eine ganz essenzielle Zutat guter Lehre: Didaktik bzw. didaktische Überlegungen. Sowas wie:

  • Was sind die Fragestellungen, die junge Menschen in Sachen Gründung wirklich interessiert?
  • Wo ist der Einstieg ins Thema, der an die Lebenswelt von Schüler*innen anknüpft und der im besten Fall sowas wie Interesse und Neugier erzeugt?
  • Wo sind Beispiele für Gründungen, die Schüler*innen tatsächlich schon mal durchgeführt haben? Wo können Schüler*innen erkennen, dass Gründung ein Thema ist, das auch sie betreffen kann?
  • Wo wird auf die besonderen Lebensumstände von Schüler*innen eingegangen? z.B. Wie gründet man neben der Schule – und was bedeutet das z.B. für die Familienbeihilfe der Eltern? Ist es schon eine Gründung, wenn wir am Maturaball selbstgemachte T-Shirts verkaufen? Darf ich überhaupt ein eigenes Unternehmen gründen, wenn ich erst 16 bin?
  • Warum werden dafür Themen besprochen, die für Schüler*innen (noch) meilenweit weg sind (z.B. die Rechtsformen OG, KG, GmbH)? Was soll das bringen, außer dass es die Zuseher*innen überfordert oder sogar Angst macht?

Diese Liste ist keinesfalls vollständig, und man kann sich jeder dieser Fragen auf unterschiedliche Weise nähern. Man kann auch völlig unterschiedlicher Ansicht sein, was ein didaktisch sinnvoller Zugang zum Thema Gründung für Schüler*innen ist. Man muss auch nicht mit mir einer Meinung sein, um ein didaktisch gutes Video zu erstellen.

Aber was ich in diesem Video für eine vergebene Chance halte, ist, dass es überhaupt keine grundlegende didaktische Linie gibt. Die absoluten didaktischen Basics fehlen komplett.

Dabei wäre das gar nicht soooo schwer. Es würde für den Anfang genügen, mit jenen zwei Fragen zu beginnen, die uns Seth Godin immer wieder stellt:

  • Who is it for?
  • What is it for?

Diese zwei Fragen ernsthaft beantwortet, und die didaktische Qualität dieses (und jedes anderen Videos) steigt exponentiell.

PS: Sollte irgendjemand vom RIZ Up das jemals lesen… Ich helfe euch gerne, ein richtig cooles und wertvolles Video für Schüler*innen zu erstellen. Sagt mir bescheid!

Lehren in Zeiten von KI

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Mithilfe von KI lassen sich diese ganzen Artefakte in Sekundenschnelle produzieren, die wir (Hochschul-)Lehrende früher hergenommen haben, um Lernerfolg zu messen: Eine Zusammenfassung, ein Essay, eine Fall-Ausarbeitung, die Lösung einer Case Study usw. In Zeiten von KI ist es also (noch) schwieriger geworden festzustellen, ob Lernen tatsächlich stattgefunden hat.

Was bedeutet das für uns Lehrende? Es bedeutet wohl, dass wir uns in Zukunft noch viel mehr darauf konzentrieren, den Lernprozess zu messen und nicht die Lernergebnisse.

Das heißt aber auch: Wir müssen unsere Studierenden dahin bekommen, dass es ihnen nicht wurscht ist. Dass sie eine Lernmöglichkeit tatsächlich als wertvoll wahrnehmen und nicht mit KI den schnellsten und einfachsten Weg zu einem wertlosen Ergebnis wählen. Dass ihnen die Sache wichtig genug ist, dass sie die Anstrengung des Lernens auf sich nehmen.

Und, wir dürfen nicht vergessen: Die Studierenden sind genauso unsicher im Umgang mit den KI-Tools und was sie für Auswirkungen auf ihr Lernen und ihren Beruf haben werden wie die Lehrenden.

Es ist kein Match “Lehrer gegen Schüler”!

Black Friday

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Bevor du den “Jetzt kaufen”-Button drückst, vergiss nicht:

Wir kaufen, was wir sein wollen.

Thanksgiving 2023

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Heute wird in den USA Thanksgiving gefeiert.

Auch für mich jedes Jahr ein Anlass, heute besonders dankbar zu sein.

Ich bin diesem Mal besonders dankbar für alle jene Menschen, die mir zuhören und die ich lehren darf. Meine Studierenden an der FH des BFI Wien, an der FH St. Pölten, meinen Unternehmensgründer*innen und alle Menschen, die meinen Blog lesen oder meinen Podcast hören.  

Und nicht zuletzt für meine Kinder, die mich in meiner Rolle als ihr Lehrer zur Aufrichtigkeit, Konsistenz und Menschlichkeit herausfordern.

Das ständig Vorläufige

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Dieses Vorläufige. Dieses Unvollständige. Dieses Iterative. Dieses Unfertige. Dieses Improvisierte. Dieses Unausgegorene…

Das ist kein Defizit, sondern das ist die Art und Weise, wie Lehre praktiziert wird. Das ist die Art und Weise, wie Lerninhalte, Lernformate, Lehrveranstaltungen etc. entwickelt werden.

Gewöhn dich dran. Nein, vielmehr: Hab Spaß daran!

Za wos brauch i des?

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Das ist die ultimative Frage, die unsere Kunden (für sich und sehr schnell!) beantworten können müssen.

Wenn sie das nicht können, dann:

  • ist unser Angebot nicht nützlich ODER
  • haben wir unser Angebot schlecht erklärt ODER
  • beides.

Kopf, Hand und Herz

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Wenn du wieder mal wach liegst und grübelst, ob du so tun sollst oder anders…

Dann wende dich den Menschen zu, denen du helfen willst. Raus aus deinem eigenen Kopf und rein in die Probleme, die du für diese Menschen lösen willst. Hör in dein Herz hinein, und dann nimm deine zwei gesunden Hände, um die Dinge zum Besseren zu verändern.

Weniger Kopf, mehr Herz und mehr Hand. Das hilft fast immer.