Es ist schon erstaunlich, dass Josef Kirschner 1980 zu diesem Thema geschrieben hat und damit die Minimalismus-Bewegung vorweg genommen hat. Er muss damals als ein ziemlicher Spinner gesehen worden sein.
(mehr …)Der große Bogen
Wenn du am Ende deines Lebens Bilanz ziehst und zurückschaust, dann wird es völlig egal sein, ob du dieses Todo heute erledigt hast oder morgen oder gar nicht. Es wird wurscht sein, ob du dieses Projekt angegangen bist oder jenes oder keines davon. Es wird dich nicht interessieren, wie gut oder schlecht dein Umsatz im Februar 2024 war.
Was an diesem Tag für dich zählen wird, ist nicht was du getan hast, sondern wie du es getan hast. Mit welcher Intention du an die Dinge herangegangen bist, die du gemacht hast. Aus welchen Gründen du deine Entscheidungen getroffen hast. Wie du mit den Menschen, die dich auf deinem Lebensweg begleitet haben, umgegangen bist.
Es wird zählen, wie du deine Ideale, deine Werte und deine Fähigkeiten in deinem Leben zum Ausdruck gebracht hast. Nicht im Detail, denn Details sind irrelevant. Sondern im großen Bogen, der sich von deinem ersten Atemzug bis zu deinem letzten spannt.
Auf diesen Bogen wirst du zurückschauen. Und dieser Bogen wird aus Wie-Bausteinen, nicht aus Was-Bausteinen gebaut.
Vergiss das nicht, Günter.
Ihr eigenes Vorbild
Ein Freund hat mir unlängst von einem achtjährigen Mädchen erzählt. Auf die Frage, wer ihr größtes Vorbild sei, hat sie geantwortet:
Ich bin mir selbst genug. Ich bin mein eigenes Vorbild.
Mit diesem Zugang hat sie die besten Voraussetzungen, später mal erfolgreich selbständig zu werden.
Gründen ist riskant
Das ist eine weitverbreitete Meinung.
Ich sage: Gründen ist nicht so riskant, wie man vielleicht denkt.
Aber es ist nicht einfach.
Längst vergessen
Scott Galloway sagt: In hundert Jahren werden alle Menschen, die mir heute lieb und teuer sind, tot sein, und niemand wird sich an meine Erfolge und meine Fehler erinnern.
Das ist traurig, und gleichzeitig ist es befreiend.
Der Selbständige hat ja eh Zeit
Eine große Motivation für viele Selbständige ist es, dass wir uns unsere Zeit frei einteilen können. Dass wir auch mal an einem Montag Vormittag nicht arbeiten müssen, wenn wir nicht wollen.
Aber diese Zeit-Freiheit hat auch eine Schattenseite. Nämlich z.B. dann, wenn man kranke Kinder zu betreuen hat. Als Selbständiger mit freier Zeiteinteilung ist es viel einfacher, sich für die Betreuung “frei” zu nehmen als als Angestellter, der ja fixe Arbeitszeiten hat.
Natürlich ist es gut, wenn man für seine kranken Kinder da sein kann, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen.
Und gleichzeitig nagt der Gedanke: Wenn ich nicht besser auf meine Zeit aufpasse, komme ich nie weiter.
Das ewige Dilemma der meisten Mum- und Dadpreneuren.
Die Hinkenden
Manchmal geht alles glatt. Da läuft es rund, wir kommen weiter, wir feiern Erfolge, es läuft einfach.
Und machmal… nicht so sehr. Da ist jeder kleine Erfolg hart erkämpft. Da ringen wir uns jeden Fortschritt mühsam ab. Da haben wir das Gefühl, wir kommen nicht von der Stelle.
Für diese Momente, die jede*r Selbständige kennt, hat Khalil Gibran ein paar tröstende Worte parat:
Ihr seid gut, wenn ihr fest und mit kühnen Schritten auf euer Ziel zugeht. Doch ihr seid nicht böse, wenn ihr hinkend darauf zugeht. Selbst die Hinkenden gehen nicht rückwärts.
Khalil Gibran: Der Prophet
Mit dem Einordnen warten
Konzepte und Modelle sind nützlich, keine Frage.
Aber wenn wir zu schnell sind beim “Einordnen” (vor allem bei Dingen, die wir noch gar nicht richtig verstanden haben), dann landen wir im falschen Ladl, und das Konzept erklärt in Wirklichkeit gar nichts. Und hilft auch niemandem weiter.
Ein bisschen länger neugierig sein, würde uns Michael Bungay Stanier raten.
Khalil Gibran: Der Prophet (1923 / 1997) 📙
Ein kurzes Büchlein, sehr poetisch, sehr dicht gefüllt mit Gedanken, die zum Weiterdenken einladen.
(mehr …)Ein großzügiges Angebot
Wenn wir Glück haben, begegnen uns auf unserem Abenteuer Selbständigkeit immer wieder Menschen, die uns helfen wollen. Und manchmal sind da auch Menschen dabei, die uns echt großzügige Angebote unterbreiten – einfach, weil sie gute Menschen sind und uns mögen.
Und dennoch ist bei jedem Geschenk, ob groß oder klein, Vorsicht geboten. Geschenke verpflichten, auch wenn das vom Schenkenden gar nicht intendiert ist. (Lewis Hyde hat mir zu diesem Thema viel beigebracht.)
Großzügige Angebote sind ein Geschenk des Himmels. Und trotzdem müssen wir uns auch bei solchen Angeboten fragen: Passt das für mich? Welche Kosten handle ich mir ein, wenn ich das Angebot annehme? Tue ich mir damit wirklich einen Gefallen?
Es kommt nicht darauf an, ob ein Geschenk groß oder klein ist. Entscheidend ist, ob es passt oder nicht. Und wenn es nicht passt, dann dürfen (ja müssen!) wir auch ein großzügiges Angebot ablehnen.
26.517 Entlehnungen
Im Jahr 2023 wurden in der Gemeindebibliothek Maria Enzersdorf 26.517 Medien entlehnt (Bücher, Zeitschriften, Hörbücher etc.), und zwar von 713 Nutzer*innen.
Jetzt könnte man hergehen und sagen: Das bedeutet also, dass jede*r Nutzer*in durchschnittlich 37 Medien pro Jahr ausborgt.
Aber das halte ich für unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass auch hier das Pareto-Prinzip zuschlägt und dass 20% der Nutzer*innen für 80 % der Entlehnungen verantwortlich sind.
Diese 143 Super-User*innen (20 %) hätt dann 21.214 Medien (80 %) entlehnt. Was bedeuten würde, dass der*die durchschnittliche Super-User*in 148 Medien pro Jahr entlehnt, also ca. drei pro Woche.
Die restlichen 570 Nutzer*innen teilen sich die restlichen 5.303 Entlehnungen auf. Ein*e Normal-User*in käme dann auf neun Entlehnungen – pro Jahr.
Ich habe keinen Beleg dafür, dass meine Berechnungen stimmen. Ich kann auch komplett daneben liegen – aber das glaube ich nicht.
Das Pareto-Prinzip ist omnipräsent.
Überbucht
Da ist die Freundin meiner Frau, selbständige Psychotherapeutin. Wahnsinnig lieb, sehr gewissenhaft, hat sich letztes Jahr selbständig gemacht.
Vor Weihnachten haben innerhalb einer Woche drei ihrer Klient*innen die Termine abgesagt. Bedeutet einen Umsatz-Verlust von 300 Euro.
Sofort setzt die finanzielle Verlustangst ein. Nicht, dass dieser Umsatz-Entgang objektiv gesehen bedrohlich wäre. Sie kann es sich leisten, sowohl von der Liquidität als auch von der Rentabilität her. Jeder Buchhalter würde ihr sagen: Überhaupt kein Problem! Machen Sie sich keine Sorgen, genießen sie die gewonnene Zeit und tun Sie sich was Gutes!
Aber so denken wir Solo-Selbständige nicht. Wir machen uns sofort Sorgen: Was, wenn das jetzt so weitergeht? Was, wenn das erst der Anfang ist? Was, wenn mein Umsatz von jetzt an jede Woche um 300 Euro weniger ist? Das wären 15.000 Euro weniger Umsatz pro Jahr! Oh mein Gott!!!
Und von dieser Existenzangst angetrieben, treffen wir kurzsichtige Entscheidungen. Ihre Lösung: Sie überbucht sich. Sie nimmt jede Woche drei Termine mehr an, als ihr eigentlich gut tun, um sich abzusichern, wenn drei Klient*innen kurzfristig absagen.
Und was ist passiert? Letzte Woche sind alle Klient*innen planmäßig gekommen. Und damit hatte sie drei Termine zu viel – und war am Ende der Woche völlig ausgepowert. Der Umsatz war gerettet, aber er war teuer erkauft.
Ich habe volles Verständnis für ihre Entscheidung, weil ich diese Existenzängste selbst gut nachvollziehen kann und bei so, so, so vielen Gründer*innen und Selbständigen beobachtet habe. Aber schlau war die Idee natürlich trotzdem nicht.
Schlau wäre, ruhig zu bleiben und zu vertrauen, dass alles gut wird. Wer ruhig bleibt, gewinnt.
Aber das ist soooo verdammt schwer.
Pädagogik erfordert Entscheidungen
Mir ist wichtiger, dass meine Studierenden BWL mögen, als dass sie BWL können.
Das ist eine kontroverse Meinung, und das kann man auch ganz anders sehen.
Aber mein Zugang ist: Wenn jemand BWL mag, dann hat er immer die Motivation, das zu lernen, was er/sie noch nicht weiß.
Hingegen: Wenn jemand BWL kann, aber nicht mag, wird er/sie keinen Beruf wählen, in dem er/sie seine/ihre BWL-Kenntnisse anwenden können würde. Wer will sich in seinem Job schon ständig selber quälen?
[Danke Dave Cormier für diesen Gedanken.]
Verhalten > Labels
Ingeborg Kuca schreibt in ihrem schlauen Buch Stille Stärken – Introvertiert & beruflich erfolgreich:
Es geht nicht um ,ich bin’, sondern es geht darum, wie ich mich verhalte. Wir verhalten uns in verschiedenen Situationen ganz unterschiedlich
Ingeborg Kuca: Stille Stärken – Introvertiert & beruflich erfolgreich, S. 27
Wir versehen uns gerne mit Labels, und anhand dieser Labels erklären wir, warum wir so sind, wie wir sind und warum wir tun, was wir tun.
Wenn wir aber erkennen, dass wir mehr sind als die Labels, die wir uns selbst geben und erkennen, dass wir über ein breites Verhaltensrepertoire verfügen, dann eröffnen sich uns Handlungsspielräume. Und diese Handlungsspielräume geben uns die Macht, größer zu sein als die selbst auferlegten Labels.
Wir kaufen Potenziale
Sagt der Soziologe Hartmut Rosa.
Wir kaufen immer mehr Dinge, ohne sie zu konsumieren.
Beispiel: Ich kaufe ein Buch, lese es aber nicht. Ich kaufe das Potenzial des Buches ein, ohne das Potenzial tatsächlich zu nutzen. Der Konsum, also das Lesen des Buches, ist nämlich sehr zeitintensiv. Daher macht es mir viel mehr Spaß, ein neues Buch zu kaufen als ein bereits gekauftes zu konsumieren.
Und das betrifft ganz viele Dinge. Ich kaufe ganz viel Potenzial ein, “auf Vorrat”. Aber dieses Potenzial bleibt zum großen Teil ungenutzt.
Dieses Potenzial “auf Vorrat” empfinde ich aber nicht als ermächtigend, sondern im Gegenteil: Es blockiert mich. Das viele Potenzial, das ich mir nie erschließe, erdrückt mich, lähmt mich, macht meinen gedanklichen Rucksack schwerer.
Ungenutztes Potenzial ist nicht nur kein Gewinn, sondern ein Netto-Verlust.
Mitarbeiter gesucht
Die ÖBB suchen angeblich 2.000 – 3.000 neue Mitarbeiter*innen. Und finden sie nicht.
Ein Frisör in Mödling hätte genug Kundschaft, um eine weitere Frisörin zu beschäftigen. Er findet aber keine.
Das ist ein Problem. Ein großes Problem. Aber immerhin eines, worüber sich Ein-Personen-Unternehmen keine Gedanken machen müssen.
Katharina Lewald: 7 klare Anzeichen, dass dein Business eigentlich nur ein Hobby ist 🎙
Online Business Evolution Podcast #295, 6. Dezember 2023
(mehr …)Der Normalfall
Unlängst meinte ein Freund zu mir: “Das sollte im Normalfall nicht passieren…”.
Der Normalfall… Ein spannendes Konzept. Es ist nämlich interessant, was wir für “normal” halten. Und dass wir immer wieder glauben, dass die Vergangenheit eine verlässliche Basis ist, um die Zukunft vorauszusagen.
Radikal gesehen, könnte man sagen: Den Normalfall gibt es nicht. Es gibt vielleicht Ereignisse, die wahrscheinlicher sind, und andere sind es weniger. Aber “normal” suggeriert, dass es eine gewisse Verlässlichkeit gibt. Und die gibt es nicht.
Von einem Normalfall auszugehen, führt uns in unserer Selbständigkeit (und im Leben generell) wahrscheinlich in die Irre.
Vertrauen – und wenn es fehlt
Vertrauen ist der Grundbaustein unseres Gesellschaft- und Wirtschaftssystems. Wir vertrauen darauf (ja, wir müssen darauf vertrauen), dass in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft jeder seine Arbeit macht. Und dass er sie gut macht.
Wir müssen darauf vertrauen, dass der Arzt, den wir aufsuchen, weiß, was er tut. Dass die Steuerberaterin, die wir konsultieren, sich tatsächlich länger als eine Minute Gedanken über unseren Fall gemacht hat. Dass die Marketing-Beraterin nicht nur unser Geld nimmt, sondern wir aus ihrer Beratung mehr herausbekommen, als wir bezahlen.
Ohne Vertrauen geht nichts, und gleichzeitig ist es ziemlich leicht, Vertrauen zu verspielen. Das ist ein Grundproblem in der Online-Business-Consulting-Welt. Schlecht qualifizierte Akteure spielen mit dem Vertrauen ihrer Kund*innen, enttäuschen es und machen damit den Markt kaputt. Denn ein gebranntes Kind wird sich zweimal überlegen, nochmals die. Dienste eines Online-Coaches in Anspruch zu nehmen, und wenn der noch so gut und ehrlich und hilfreich ist.
Wenn wir kein Vertrauen haben, dann werden wir nicht um Hilfe fragen. Warum sollte ich mir von jemandem helfen lassen wollen, dessen Kompetenz und/oder dessen Intention ich anzweifle?
Die Krux für uns Selbständige: Vertrauen beginnt zuerst mal bei uns selbst. Wie viel Vertrauen haben wir in unsere eigene Kompetenz? Wie viel Vertrauen haben wir in unsere Produkte und Angebote? Wie viel Vertrauen haben wir in unsere potenziellen Kund*innen und Partner*innen? Empfangen wir sie mit offenen Armen, oder sind wir selbst gebrannte Kinder?
Wenn das Grundvertrauen fehlt, wird alles schwierig, mühsam und anstrengend. Ein guter erster Schritt: Geh raus aus deinem Kopf. Sprich mit anderen Menschen. Hol dir das Vertrauen zurück, dass die meisten Menschen auf der Welt es grundsätzlich gut meinen.
Und mit dieser Brille schau dann wieder auf dein eigenes Angebot drauf. Gut möglich, dass du dann (wieder) spürst, dass du sehr wohl weißt, was du tust und dass deine Intention gut ist.
Und damit hast du den Samen gesetzt, um Vertrauen wachsen zu lassen.
KAWAs
Ich möchte an ein sehr nützliches Tool der unvergessenen Vera. F. Birkenbihl erinnern: KAWA = Kreative Assoziation, Wort-Analogie.
Man nimmt sich ein Wort (ein Konzept, eine Idee etc.) her, zerlegt es in seine einzelnen Buchstaben und notiert jeweils einen Gedanken zu jedem Buchstaben, der mit dem Wort zusammenhängt.
Für ich ist das eine strukturierte Form des Brainstormings, wo durch die Anzahl und Reihenfolge der Buchstaben eine Struktur und eine Grenze hineinkommen. Ich tue mir mit KAWAs sehr leicht, mein Unbewusstes anzuzapfen und zu schauen, was da in mir ans Tageslicht kommen will.
Zur Illustration hier ein KAWA, das ich unlängst zum Konzept “Song Of Safety” von Seth Godin erstellt habe:
