Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Umgänglich

U

Es reicht nicht, kompetent zu sein.

Kompetenz ist eine Selbstverständlichkeit, ohne die sich ohnehin nichts abspielt. Was darüber hinaus meist den entscheidenden Unterschied macht: Ist das jemand, mit dem*der ich zusammenarbeiten mag?

Wir Lifestyle Entrepreneure gewinnen und verlieren viel Business aufgrund der Tatsache, wie umgänglich wir (nicht) sind. Einem sympathischen Menschen sieht man meist nach, wenn mal was schief geht. Aber wie lange lässt man sich einen 100 % kompetenten Menschen gefallen, der*die einem zutiefst unsympathisch ist?

Wissen teilen

W

Ich erlebe es immer und immer wieder bei mir: Es fühlt sich gut an, mein Wissen mit anderen Menschen zu teilen. So gut!

Ich freue mich, wenn andere Menschen etwas, das ich sage, schreibe oder tue her nehmen und für sich selbst verwenden. Wenn sie etwas, das ich geben kann, für sich aufgreifen, weiterentwickeln und dann wieder an den*die Nächste*n weitergeben. Was für ein wunderschöner Kreislauf von Lernen und Lehren, der da entsteht!

Großzügig mit Wissen und Erfahrung umzugehen, ist in sich selbst schon die größte Belohnung.

Bühnen

B

Auch wenn du kein Schauspieler oder keine Sängerin bist, hast du als Lifestyle Entrepreneur viele Bühnen, auf denen du auftrittst.

Deine Website ist eine dieser Bühnen. Wie du dich auf auf deiner Website präsentierst, wie du sie inszenierst und welche Rolle du dir dabei auf den Leib schreibst… das alles wird von deinem Publikum wahrgenommen.

Wie geht es dir denn, wenn du an deine Website denkst? Bist du stolz auf diese Bühne und eine Performance darauf? Oder wäre es längst an der Zeit, die Requisiten abzustauben und ein aktuelleres Stück auf deinen Spielplan zu setzen?

Blindflug

B

Manchmal, wenn wir etwas Neues ausprobieren, ist es, als wären wir im Blindflug unterwegs. Wir haben zunächst keine Anhaltspunkte, die uns sagen würden, ob wir in die richtige Richtung unterwegs sind oder nicht.

Diese Orientierungslosigkeit ist sehr unangenehm. Wir halten Ambiguitäten, Unklarheiten und Unsicherheiten nur sehr, sehr schwer aus. Es ist nur zu verständlich, dass wir so schnell wie möglich wieder auf sicheres Terrain zurück möchten.

Das wirklich wertvolle Neue kann aber nur dann entstehen, wenn wir diesen Bildflug aushalten. Wenn wir für eine bestimmte Zeit die Kontrolle abgeben und schauen, was passiert. Das ist schwierig. Das ist unangenehm. Aber wenn es einfach wäre, würden es ja alle tun.

Gefährdet

G

„Gefährdet” sind nicht so sehr die komplett Unwissenden unter den Gründer*innen. Denen ist klar, dass sie Defizite in wirtschaftlichem Denken, in Marketing und Verkauf haben. Die sind meistens sehr gerne bereit, an ihrem Unwissen zu arbeiten und wissen, dass sie noch einen weiten Weg vor sich haben.

Gefährdet sind vielmehr die Halbwissenden. Zum Beispiel die BWL-Student*innen, die glauben, dass sie aus ihrem Studium eh alles Wichtige mitbekommen haben und dass ihnen keiner mehr was erzählen braucht. Die gehen dann schlampig und mit viel Arroganz an die Sache heran.

Oft ist es besser, zu wissen, dass man nichts weiß, als sein Halbwissen für der Weisheit letzten Schluss zu halten. (Gilt übrigens nicht nur für Gründer*innen. Eh klar.)

Meinung

M

Was braucht es, damit du deine Meinung änderst?

Reicht ein gutes Gegenargument? Oder ist es nicht vielmehr so, wenn du ehrlich bist, dass du deine Meinung sowieso nicht ändern würdest, egal welche Argumente, Beispiele und Erklärungen du zu hören bekommst?

Und wenn das so ist: Warum hältst du dich dann überhaupt noch länger mit der Frage auf?

Grantig

G

Wie reagierst du, wenn etwas nicht nach deinem Willen läuft? Was sind die Emotionen, die da in dir hoch kommen?

Im österreichischen Deutsch gibt es das schöne Wort „Grant“, eine Mischung aus Ärger, Wut, Trotz und Rachsucht in veränderlichen Teilen. Das Wort ist wie dafür geschaffen, meine Reaktion darauf zu beschreiben.

Darauf bin ich nicht stolz, und dennoch ist mein Grant ein Teil von mir, mit dem ich meinen Frieden finden muss.

So paradox es klingen mag: Je herzlicher ich meinen Grant willkommen heiße, desto rascher wird er sich auch wieder verabschieden.

Mühlrad

M

Bis ein Mühlrad in Schwung kommt, dauert es eine Weile. Das geht nicht von heute auf morgen.

Wenn das Mühlrad aber erst einmal läuft, dann wirkt es fast mühelos und spielerisch. Es schaut überhaupt nicht mehr nach Arbeit aus.

Wenn das Wasser aber plötzlich versiegt, dann passiert etwas Interessantes: Der Antrieb ist zwar weg, aber das Mühlrad läuft noch ein bisschen weiter wie zuvor – als ob nichts geschehen wäre.

Das ist eine gefährliche Illusion: Auch im Business merken wir oft erst, dass das Wasser schon lange nicht mehr fließt, wenn unser Mühlrad gänzlich zum Stehen gekommen ist.

Keiner rennt, keiner pennt

K

Im amerikanischen Militär gibt es angeblich den Ausdruck “no hurry, no pause”. Gemeint ist damit, dass der beste Weg zum Ziel ist, stetig weiterzugehen. Nicht zu hetzen, aber auch keine Pausen einzulegen. Mein Bruder hat das übersetzt mit: “Keiner rennt, keiner pennt”. Sehr passend.

Ich denke, dieser Gedanke kann auch für uns Lifestyle Entrepreneure sehr hilfreich sein. Unsere Lifestyle Businesses sind “long games“, die sich am besten dadurch verwirklichen lassen, wenn wir konsequent an ihnen arbeiten, ohne aber Druck aufzubauen.

Don Miguel Ruiz hat diesen Gedanken wunderschön ausgedrückt:

„Die Wahrheit ist, dass es keine Rolle spielt, wie lange es dauert. Wir haben keine Eile, aber wir dürfen auch keine Zeit verlieren.”

Plan A

P

Was, wenn es sowas wie einen „Plan B“ gar nicht gibt, gar nicht geben kann?

Wenn alles schief geht, wenn nichts so funktioniert wie gedacht und man sich völlig neu orientieren muss… Was, wenn auch das immer noch der Plan A für dich ist, den das Leben für dich vorgesehen hat?

Überraschungen

Ü

Das Leben ist voller Überraschungen. Fast täglich passiert etwas, mit dem wir nicht gerechnet haben. Mal ist die Überraschung gut, mal ist sie schlecht, aber immer kommt sie unerwartet.

Das ist doch eigentlich paradox: Wenn wir ständig überrascht werden, warum sind wir dann jedes Mal auf’s Neue überrascht, wenn etwas Überraschendes geschieht?

Tränen

T

Heute hat eine Gründerin in meiner Beratung geweint – leider nicht vor Freude.

Das kommt nicht oft vor, und es fällt mir nicht leicht, damit umzugehen. Manchmal laufen Dinge einfach schief, ohne dass jemand etwas dafür kann.

Da gibt es nichts zu richten, nichts zu beraten. Das einzige, was ich tun kann: Gemeinsam mit meiner Kundin den Schmerz aushalten.

Play to win

P

Die Idee von “play to win” ist (im Business) folgende: Wenn du siehst, dass du mit deiner Unternehmung keinen Erfolg haben wirst, dann musst du konsequent damit aufhören und etwas Neues versuchen.

Wenn du merkst, dass du nicht gewinnen kannst, dann hör auf zu spielen und spiel ein anderes Spiel, in dem die Chancen besser stehen.

Dabei sehe ich ein Problem: Wir Lifestyle Entrepreneure definieren meist nur sehr ungenau, was mit “Erfolg” und “gewinnen” eigentlich gemeint ist:

  • Machst du dein Business nur für dich, völlig unabhängig davon, ob du damit Gewinn machst oder nicht?
  • Machst du dein Business in erster Linie für andere, weil sie brauchen, was du anbietest?
  • Machst du dein Business allein dafür, um damit Geld zu verdienen und Gewinn zu machen?

Klar: Je nachdem, wofür und für wen du dein Business machst, definieren sich auch “Erfolg” und “gewinnen” entsprechend.

Bei uns Lifestyle Entrepreneuren ist es aber meistens so, dass unser Business ein Mix aus allen drei Motiven ist: Wir machen das, was wir lieben, damit andere etwas davon haben und damit wir damit Geld verdienen.

Mit dieser Motiv-Verquickung sind eine Vielzahl von Problemen verbunden. Eines davon: Wie können wir jemals feststellen, ob wir “gewinnen”? Und ein weiteres: Wenn wir drauf kommen, dass wir mit unserem Lifestyle Business kein Geld verdienen… dann fällt es uns schwer, das Business loszulassen und was Neues zu versuchen – weil unser Herz dran hängt.

Vielleicht ist “play to win” auch das völlig falsche Konzept, um über Lifestyle Businesses nachzudenken. Vielleicht lässt sich ein Lifestyle Business gar nicht “gewinnen”.

Das Offensichtliche sehen (2)

D

Die Tatsache, dass das Offensichtliche jenen verborgen bleibt, die mit der Nase davor stehen, hat folgende Konsequenz:

Ich sehe das Offensichtliche ebenfalls nicht.

Wenn wir jemand das Offensichtliche sagen oder zeigen möchte: post at schmatzberger punkt com

Danke im Voraus!

Das Offensichtliche sehen

D

Es passiert mir in meinen Beratungen immer wieder, dass ich das – für mich – Offensichtliche ausspreche, aber damit bei meinen Gründer*innen Aha-Erlebnisse auslöse.

Was für mich offensichtlich ist, ist ihnen verborgen geblieben. Es war versteckt, aber nicht im Dunklen, sondern am helllichten Tag. Die geringe Distanz hat verhindert, dass sie das große Ganze sehen können.

Deshalb sollte man das Offensichtliche nie gering schätzen. Als Berater*in sollte man sich nie zu schade sein, das Offensichtliche auszusprechen.

Es kann nämlich gut sein, dass das Offensichtliche nicht für jeden offensichtlich ist.

Schlechte Erfahrungen

S

Das wirklich Schlechte an schlechten Erfahrungen ist allein, wenn man nichts daraus lernt.

Wenn man aus dem ersten Mal nichts lernt, dann stehen die Chancen gut, dass es auch ein zweites Mal passiert.

[Danke Dan Sullivan für die Inspiration.]

Kein Schwein

K

Heute sprach ich mit einer Gründerin über Sinn und Unsinn von Newslettern. Ihr Urteil: “Es interessiert doch kein Schwein, was da irgendjemand herumphilosophiert.” Wenn überhaupt, dann öffnet sie einen Newsletter nur, um schnell abzuchecken, ob irgendwas Nützliches für sie drinnen ist. Wenn nicht: Delete.

Ich glaube, sie hat vollkommen recht. Niemand braucht einen Newsletter, der “more of the same” bringt. Einen Newsletter, der lustlos geschrieben ist. Einen Newsletter, den man nicht einmal selbst lesen würde, bekäme man ihn von jemand anderem zugesendet.

Wenn schon Newsletter, dann sollte der Anspruch sein, dass man ihn vermissen würde, wäre er nicht mehr da.

Der richtige Preis

D

Eines der Themen, das ich am häufigsten mit meinen Gründer*innen bespreche: Der richtige Preis für die Angebote/Produkte/Dienstleistungen.

Es scheint eines der mit Abstand schwierigsten zu lösenden unternehmerischen Probleme zu sein. Das liegt unter anderem daran, dass es keine direkte Beziehung zwischen Preis, Wert und Nutzen gibt und dass unser Gehirn sehr irrational auf Preise reagiert. Der richtige Preis ist also ebenso sehr ein psychologisches wie ein rechnerisches Problem.

Es liegt aber auch daran, dass wir Unternehmer nur die Preise verlangen (können), die wir uns selbst erlauben. Der richtige Preis ist also immer auch die Frage nach dem eigenen Selbstwert und der subjektiv empfundenen Kompetenz, mit der man seinen Kund*innen gegenübertritt.

Die Frage nach dem richtigen Preis ist also zuallererst eine Frage der Glaubenssätze und erst an zweiter Stelle eine Excel-Formel.

Probleme formulieren

P

Ein Weg zum Erfolg: Das Problem deiner Kunden besser formulieren, als es deine Kunden selbst könnten.

Es ist eine Sache, ein Gefühl dafür zu haben, dass etwas schiefläuft. Eine ganz andere Sache ist es allerdings, dieses Unbehagen in Worte fassen zu können und auf den Punkt zu bringen. Genau diese Fähigkeit zeichnet echte Expert*innen aus.

Wenn du es also schaffst, das Problem deiner Kund*innen wirklich zu verstehen und das auch in der Sprache deiner Kund*innen klar und überzeugend zu formulieren, dann fühlen sich deine Kund*innen verstanden. Und von Menschen, von denen man sich verstanden fühlt, lässt man sich auch gerne helfen.

Genau so kann die Sogwirkung entstehen, die du dir für dein Lifestyle Business wünscht.

Arbeit und Freizeit

A

“Du arbeitest auch, wenn du nicht arbeitest.” Das ist ein Vorwurf, den wir Lifestyle Entrepreneure gerne mal zu hören bekommen.

Natürlich könnten wir in unserer Freizeit auch Netflix sehen, sinnlos im Internet surfen oder Social Media spielen – also das machen, was andere Menschen so als ihre Freizeit bezeichnen.

Aber wir können einfach auch das tun, was wir in unserem Lifestyle Business tun wollen – egal, ob wir das jetzt als Arbeit oder als Freizeit bezeichnen.