Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Brunch-Aktion

B

Mein Lieblings-Fußballverein Admira Wacker hat sich unlängst etwas einfallen lassen für seine Fans:

Wer zum Match am Sonntagvormittag kommt und einen Spritzer kauft, bekommt ein Brezel gratis dazu.

Abgesehen davon, dass mit knapp zehn Grad plus nicht gerade ein Spritzer-Wetter war: Schon klar… Da hat man einen neuen Sponsor, einen Winzer-Verbund, und man will dessen Produkte promoten.

Und dennoch sage ich: Nein, das war keine gute Idee. Das Timing passt nicht. Die Botschaft fühlt sich falsch an. Die Zielgruppe ist ziemlich eingeschränkt.

Da wäre mehr gegangen, wenn man wirklich eine leiwande Brunch-Aktion hätte machen wollen.

Professional noticing

P

Profis unterscheiden sich von Anfängern in ihrer höheren Fähigkeit, in ihrem Fachgebiet Dinge wahrzunehmen: Probleme, Widersprüche, Auffälligkeiten, Abweichungen, Wichtiges, Unwichtiges, Ablenkungen, Ungesagtes und so weiter. Professional noticing wird diese Fähigkeit genannt.

Das bedeutet: Allein die Fähigkeiten, die ich durch meine Erfahrungen als Gründungsberater über die Jahre ausgebildet habe, macht eine Gründungsberatung wertvoll. Weil ich nach 2.500 Beratungsstunden viel Übung in professional noticing habe. Ich sehe einfach mehr als ihre Gründer*innen, und das macht meine Gründungsberatung wertvoll.

Aber: Professional noticing kann man nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln, auch ich nicht. Es gibt vier Voraussetzungen für professional noticing:

  1. Fachwissen
  2. Aufmerksamkeit, Wachsamkeit
  3. Übung
  4. Willingness to see

Gerade der vierte Punkt scheint mir entscheidend. Professional noticing funktioniert nur, wenn ich konsequent meine Augen aufmache.

Keine Fragen

K

Die Gründerin sagt: Ich habe keine Fragen.

Was sie wirklich meint: Ich habe keine Fragen an dich. Die Fragen, die ich derzeit beschäftigen, möchte ich mit dir nicht besprechen.

Sie sagt es nur nicht so, weil sie nett zu dir sein will.

Organisierte Dummheit

O

Immer, wenn du dich fragst: Wie kann es sein, dass eigentlich sehr gescheite Leute in Organisationen vollkommen hirnrissige Dinge tun?, ist das die wahrscheinlichste Antwort:

Aus Egoismus und/oder Narzissmus.

Eine zweite Chance

E

Wenn du von einem Kunden eine Absage bekommst: Bleib professionell. Bleib freundlich. Und sag dazu: Wenn Sie es sich doch noch mal überlegen sollten – Sie wissen, wo Sie mich erreichen können.

Machmal kommt der Zweitplatzierte später noch zum Zug. Man weiß nie, was passiert.

Deshalb: Halte die Tür immer offen.

Noch drei Schnaps-Metaphern

N

Es nützt dir nichts, wenn du vier Asse auf der Hand hast und du sie nicht ausspielen kannst.

Manchmal musst du einen Zwanziger zerreißen, auch wenn’s weh tut.

Ob deine Karten gut oder schlecht sind, hängt zu einem guten Teil auch von deinem Gegenüber ab.

Drei Schnaps-Metaphern

D

Wenn man alle Atout auf der Hand hat, ist es schwer, zu verlieren.

Es hilft ungemein, wenn man gleich am Anfang einen Vierziger hat.

Aber: Zur Not kannst du immer auf den letzten Stich spielen.

Je später der Abend

J

… desto besser das Networking.

Bei Events, wo es sich echt für dich “lohnt”, Menschen wirklich kennenzulernen, da bleib bis zum Schluss.

Am Ende, wenn nur mehr wenige Leute da sind und die Stimmung gelöst ist, wird die größte Networking-Ernte eingefahren.

Daher: Wenn du dir schon die Arbeit des Networkings machst, dann bleib auch bis zum Schluss. Gib nicht auf halber Strecke w.o. und vergib dir damit nicht den größten Lohn.

Unterhalten vs. instruieren

U

Authentisch. Unperfekt. Mit Schmäh. Es könnte jederzeit was Überraschendes passieren. -> So funktionieren Videos, die unterhalten sollen.

Straight. Ein bisschen steril. Berechenbar. Ohne Ecken und Kanten. -> So funktionieren Videos, die instruieren sollen.

Ja, die wirklich tollen Lernvideos instruieren und unterhalten. Aber für den Anfang reicht es wahrscheinlich, zu entscheiden, was dir wichtiger ist und dich dann an die jeweiligen Spielregeln zu halten.

Erklärvideos

E

Unlängst habe ich ein Raster kennengelernt, anhand dessen man die Qualität von Erklärvideos bewerten kann.

Die Wissenschaftler dahinter haben sich sehr viel Arbeit gemacht und 20 verschiedene Qualitätskriterien identifiziert. Diese Kriterien haben sie in vier Bereiche gegliedert, und sie geben auch Hinweise, die man bei der Erstellung von Erklärvideos beachten kann. Sehr hilfreich, könnte man meinen.

Was bei mir als jemand, der ab und zu quick-and-dirty-Erklärvideos macht, aber tatsächlich angekommen ist: Wow! Zwanzig Sachen, die ich falsch machen kann.

Mehr Produkte!

M

Es ist mir in der Hochschullehre aufgefallen, aber es gilt auch für ganz viele Solopreneure:

Wir versuchen, ein Marketing-Problem mit mehr Produkten, Content oder Angeboten zu lösen.

Wenn das Problem in deinem Marketing liegt, wird ein neues Produkt dieses Problem nicht lösen.

Wetten?

Echt nicht leicht

E

Es ist so unglaublich schwierig (geworden), die Aufmerksamkeit und die Zeit von Menschen zu bekommen.

Wenn du auch mal wieder darunter leidest, dann vergiss nicht: Das gilt selbst für die allerbesten Events und die wertvollsten Angebote. Es gilt in allen Branchen und für alle Unternehmen.

Es ist für niemanden leicht.

Unverbindlichkeit

U

Die Leute melden sich an, aber sie kommen einfach nicht.

Das ist ein Rieseproblem, weil unnötig Ressourcen vorgehalten werden und damit auch viel Energie verschwendet wird.

Kostenbeiträge, Pönalen, Strafen etc. helfen, aber vielen ist sogar das (verlorene) Geld wurscht.

Idealisten

I

In jeder Profession gibt es Menschen, die (viel) mehr tun als notwendig. Weil sie wollen. Weil sie können. Aus Idealismus.

Aber viele sind es nicht.

Fall erledigt

F

Ich habe den Vortrag gehört. Ist der Fall damit erledigt?

Ich habe den Vortrag gehört und sogar Fotos gemacht und die Powerpoint abgespeichert. Ist jetzt der Fall erledigt?

Ich habe den Vortrag gehört und mir sogar Notizen gemacht und die Notizen in Notion abgespeichert. Ist der Fall jetzt endlich erledigt?

Keine Ahnung. Wann dein Lernen beginnt und wann es endet, entscheidest du.

Grundsätzlich: Als Zuhörer ist dein Part um nichts weniger aktiv als der des Vortragenden.

Und als Faustregel gilt: Je weniger du dich angestrengt hast, desto weniger wirst du wahrscheinlich gelernt haben.

Und noch ein Tool

U

Bevor du dir mal wieder ein neues Software-Tool überlegst, das dir ein Podcaster empfohlen hat oder das dir in einem LinkedIn-Beitrag angepriesen wurde…

Überleg dir eindringlich und ersthaft, ob du das, was du mit dem neuen Tool machen willst, nicht auch mit einem deiner vielen Tools erledigen kannst, die du schon hast.

Denn: Wenn du ein neues Tool kaufst, dann kaufst du nur das Potenzial, dieses Tool zu nutzen. Ein neues Tool heißt noch lange nicht, dass du es kompetent nutzen kannst und dass du damit wirklich den Mehrwert erzielen kannst, den es dir in diesem Moment verspricht.

Abgesehen davon: Deine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung wird es dir danken.

Die zweite Strophe

D

Wer kennt die zweite Strophe der Bundeshymne? Wer kennt die zweite Strophe von Stille Nacht, heilige Nacht? Wer kennt die zweite Strophe von Ein Männlein steht im Walde?

Die erste Strophe kennen die meisten, das ist keine große Kunst. Der wirkliche Kenner, der Profi kennt auch die zweite Strophe.

So ist es auch in der Gründungsberatung: Die erste Strophe kennt bald wer. Die Guten erkennst du daran, dass sie auch die zweite Strophe in- und auswendig können.

Und die wirklich, wirklich Guten können auch die dritte.

Zum Haareraufen

Z

Es gibt Menschen, die wollen nicht effizienter arbeiten. Es gibt Menschen, die wollen ihre miese Situation nicht verbessern. Es gibt Menschen, die fühlen sich in ihrem Unglück scheinbar wohl.

Diese Menschen sagen zwar (immer und immer wieder), dass sie etwas ändern möchten. Und sie nehmen auch immer wieder Anlauf und posaunen Absichtserklärungen raus. Aber wenn es dann ernst wird, dann ziehen sie ihren Schwanz ein.

Das ist natürlich ihr gutes Recht. Aber für jeden Berater sind solche Kunden zum Haareraufen. Weil man als Berater etwas weiterbringen und verändern möchte, aber der Kunde steht auf der Bremse.

Wenn der Berater motivierter ist als der Kunde – das kann nicht gut gehen.

Social Media auslagern?

S

Das Killer-Argument laut Philipp Maderthaner, warum du dein Social-Media-Marketing nicht an eine Agentur auslagern solltest:

Die Qualität und die Quantität an Content, die du für ein Social-Media-Marketing mit Wumms benötigst, wirst du dir bei einer Agentur schlicht nicht leisten können!

Selbst mit einem Budget von 5.000 Euro im Monat (was für ein EPU eh schon ein Wahnsinn wäre!) kommt man bei einer Agentur nicht weit. Das bringt dir bei einer kleinen Agentur 5-10 Stunden der Woche. Das reicht nicht, um tatsächlich einen Impact zu erzielen.

Daher gilt die Faustregel: Wenn du dich auf das Social-Media-Spiel einlässt, dann nimm dir viel Zeit und mach es selber.

Das Plateau lieben

D

Unlängst habe ich im Buch Stroh im Kopf? von Vera F. Birkenbihl gestöbert. Hier ein Gedanke daraus:

In jedem Lernprozess machen wir am Anfang große Fortschritte. Wir können uns erstaunlich viel in kurzer Zeit aneignen. Mit der richtigen Motivation schaffen wir in relativ kurzer Zeit eine ansehnliche Grundkompetenz in jedem Thema und bei jeder Fähigkeit.

Aber dann kommt unweigerlich ein Plateau. Wir üben und lernen zwar weiter, aber wir kommen scheinbar nicht von der Stelle. Die Zeit der schnellen Fortschritte ist vorbei, jetzt ist jeder kleine Kompetenzgewinn mühsam erkämpft.

Bis das Plateau wieder vorüber ist und wir zum nächsten Quantensprung in unserer Kompetenzentwicklung ansetzen.

Birkenbihls Idee ist deshalb, dass wir uns von diesen Lernplateaus nicht frustrieren lassen, sondern im Gegenteil, dass wir die Plateaus lieben lernen.

Denn dass ein Lernplateau auftritt, ist ein sicheres Zeichen, dass Lernen stattfindet. Und wenn wir es schaffen dranzubleiben, werden wir jedes Plateau irgendwann überwinden und zu neuen Höhenflügen ansetzen.