Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Das kaputte Keramik-Ei

D

Unlängst beobachtet in der Kindergarten-Gruppe meiner Tochter:

Die Kinder haben für Ostern Keramik-Eier gebastelt. Schön mit Glitzersand verziert, jede*r eines. Mit Holzstab zum Reinstecken in die Erde. Sehr schön eigentlich.

Das Problem mit Keramik ist halt, dass sie zerbrechlich ist. Und so geschah es, dass einem Kind beim Anziehen das Keramik-Ei runtergefallen ist. Es war natürlich kaputt – beyond repair, wie man so schön sagt.

Der Bub war sichtlich unglücklich darüber, aber er hat kein Wort gesagt. Und wie war die Reaktion des Erwachsenen? Vorwürfe. Ich hab ja gesagt, du sollst darauf aufpassen. Ich kann jetzt auch nicht zaubern. Das kommt davon…

Ich will dem Vorwerfenden jetzt keine Vorwürfe machen. Ich werfe sicher nicht den ersten Stein. Wahrscheinlich war er auch traurig über das Missgeschick und hat seine Trauer eben nur mit Vorwürfen ausdrücken können. Wir sind alle nur Menschen, und wir können eben auch nicht raus aus unserer Haut.

Aber eines war offensichtlich: Geholfen haben die Vorwürfe dem Buben nicht. Und dem zerbrochenen Ei klarerweise auch nicht.

Kann ich nur hoffen, dass sie wenigstens dem Erwachsenen geholfen haben.

Umzug

U

Mein Blog ist umgezogen. Neuer Server, neues Design, neue Struktur – das ganze Programm.

Wie bei jedem Umzug ist nicht alles ganz ohne Schrammen abgelaufen. Aber insgesamt alles in grünen Bereich. A job well done.

Dass ich das heute so stolz sagen kann, hat nur am Rande mit mir zu tun. Ich habe den Erfolg Josha, meinem freundlichen Helfern von WP Space, zu verdanken.

Denn der Umzug wäre beinahe zu einer Vollkatastrophe geraten. In meiner grenzenlosen Selbstüberschätzung habe ich nämlich versucht, den Umzug ganz ohne Hilfe selbst zu machen. Kann ja nicht so schwer sein, oder?

Der Versuch ist natürlich komplett schief gegangen. Nur das Einspielen eines Notfall-Backups hat das komplette Armageddon verhindert. Und gebraucht habe ich dafür… ewig.

Wenn ein Experte wie Josha ran geht, ist in 20 Minuten alles erledigt und funktioniert so, wie es soll.

Wenn’s wichtig ist, lass einen Experten ran.

Als ob ich noch einen weiteren Beleg dafür gebraucht hätte…

Freischwimmen

F

In der ersten Zeit nach der Gründung ist man als Solopreneur schnell mal überfordert. Es gibt viel aufzubauen, viel zu erledigen, viel zu lernen. Vieles muss man zum allerersten Mal machen, und es fehlen Routine und Routinen.

Aber das ist nur eine Phase. Das geht vorbei. Irgendwann wird dieser ganze Wahnsinn normal, und wir denken nicht mal mehr groß darüber nach.

Irgendwann hat jeder Gründer schwimmen gelernt” , sagt Frank Probst.

Dauerschuldverhältnisse

D

Vulgo: Abos

Es werden immer mehr, und sie greifen um sich. Auch in meinem Business, auch in unserem Haushalt.

Und wenn man sie nicht regelmäßig im Auge hat, dann beginnen die Abos zu wuchern. Dann sammeln sich Mitgliedsbeiträge, Lizenzen, Monats- und Jahresgebühren etc. an, die man eigentlich gar nicht mehr braucht.

Und dann heißt es: Zurückstutzen – und zwar radikal. Von unnötigem Ballast trennen. Ressourcen frei machen für sinnvollere Investitionen.

Zweimal im Jahr gehe ich die Liste mit meinen Abos durch und entscheide: Was darf bleiben, was kann weg? Und was weg kann, wird sofort gekündigt. Damit ich nicht irgendeine Frist übersehe und das Abo noch ein Jahr an der Backe habe.

Heute ist wieder so ein Tag. Ich habe meine Abo-Heckenschere schon neben mir liegen.

Wahrheit und Lügen

W

Unerfahrene und Ahnungslose kann man leicht anlügen. Ja, sie wollen mitunter sogar angelogen werden. Sie wollen hören, dass es leicht ist und dass es schnell geht und dass sie sich überhaupt nicht anstrengen müssen.

Die Erfahrenen haben schmerzlich gelernt, dass sie angelogen wurden. Sie fallen auf diese Lügen nicht mehr herein. Im Gegenteil: Sie sehnen sich nach der Wahrheit. Sie sehnen sich nach jemandem, der sagt, dass es nicht leicht ist, es nicht schnell geht und dass sie sich ordentlich anstrengen müssen.

Erfahrenen kann man keine Lügen mehr auftischen. Unerfahrenen jedoch ist es schwer, die Wahrheit zu verkaufen.

Härter werd’n

H

Unlängst ist dieser 25 Jahre alte STS-Song zufällig auf meine Playlist gerutscht. Darin singt Günter Timischl:

Der Rock’n’Roll muass gschwaßt sein und da gibt’s nur ans: Härter werd’n!

Ich denke, was für den Rock’n’Roll gilt, gilt auch für die Selbständigkeit als Lifestyle Entrepreneur: Wenn du in die Arena steigst, wenn du das Spielfeld betrittst, wenn du dich darauf einlässt, dann musst du dich auch ganz darauf einlassen.

Mit Halbherzigkeit wirst du nichts erreichen. Und wenn du noch halbherzig unterwegs bist, dann gibt’s nur eins: Härter werd’n!

Das Angebot auch verkaufen

D

Du hast ein Angebot auf deiner Website stehen. Endlich, denn du hast eh wochenlang daran herumgedoktert. Die Texte optimiert, passende Bilder gesucht und wieder ausgetauscht, dir tausend Gedanken gemacht über den richtigen Preis.

Und dann kommt er tatsächlich, der langersehnte Moment, wo ein potenzieller Kunde dir eine Nachricht schreibt und Interessen an einer Zusammenarbeit mit dir ausdrückt.

Und was tust du? Du verkaufst nicht dein Angebot auf der Website, sondern du bastelst an einer Sonderlösung. Weil dieser Kunde so ein spezieller Kunde ist. Weil du ihn mit dem Standard-Preis nicht verschrecken willst. Weil du ihm einen Rabatt geben willst, um den er gar nicht gefragt hat.

Was ist da los? Warum stehst du nicht zu seinem Angebot, in das so viele Gedanken und so viel Herzblut geflossen sind?

Was braucht es (noch), damit du dein Angebot auch “stehen” kannst?

Invisible Marketing

I

Man lernt ja nicht aus. Unlängst habe ich ein Konzept kennengelernt, wo ich mir gedacht habe, gibt’s ja gar nicht: invisible marketing.

Bisher dachte ich, dass Marketing gerade das Gegenteil von invisible ist: Auf sich aufmerksam machen, interessierte Menschen zu seinen Angeboten führen und zeigen, was man drauf hat.

Die Idee von invisible marketing ist, kurz gesagt, dass man Marketing macht, ohne dass es der potenzielle Kunde merkt. Es ist eine subtile Form des Marketing, wo die Marketing- bzw. Werbe-Botschaften “versteckt” und dadurch vermeintlich sympathischer daher kommen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass invisible marketing als Konzept besonders für jene Menschen interessant ist, die sich mit der Vorstellung von Selbstvermarktung generell schwer tun oder überhaupt meinen, Marketing und Verkauf wären Teufelszeug.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob ein neuer Begriff uns Solopreneuren tatsächlich dabei hilft, die Herausforderung Marketing für uns zu lösen. Vor allem dann nicht, wenn Konzepte wie invisible marketing zu dem (falschen) Eindruck führen, dass wir auch ohne Marketing (also quasi “unsichtbar”) erfolgreich sein können.

Denn Marketing ist es, und Marketing bleibt es – egal, welches Modewort wir davor stellen.

Wieder anfangen

W

Es ist relativ leicht, mit einer guten Gewohnheit aufzuhören.

Es ist viel schwerer, mit dieser guten Gewohnheit wieder anzufangen.

Note to self: Auch wenn die Laufrunde mühsam war wegen der langen Pause: Klopf dir auf die Schulter, denn heute bist du ein Held. Weil du wieder angefangen hast.

Hoffnung

H

Die Hoffnung ist das Schlimmste.

Zumindest manchmal. Nämlich dann, wenn die Hoffnung immer und immer wieder enttäuscht wird. Es ist schwer, darüber nicht zu verzweifeln.

Mitunter wäre es besser, gar keine Hoffnung mehr zu haben. Dann könnte man das Thema abhaken und sich neu orientieren.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und manchmal gehen wir mit ihr und an ihr zugrunde.

Höhen und Tiefen

H

Es ist im Solo-Business genau gleich wie im übrigen Leben: Es gibt Höhen und Tiefen.

Aber eines dürfen wir dabei nicht vergessen: Es gibt Hochs und Tiefs für alle Menschen.

Das Leben ist nicht ungerecht zu uns. Zumindest nicht ungerechter als zu allen anderen Menschen auch.

Der einzige Unterschied: Wenn andere Menschen leiden, sehen wir das halt meistens nicht. Und so bilden wir uns ein, dass nur wir leiden. Oder dass wir besonders oft leiden. Oder dass wir besonders tiefe Tiefs haben. Und die Anderen nicht.

Nichts könnte weiter weg sein von der Wahrheit.

[Danke Julia Mack-Amantidis für diesen Gedanken.]

Doch noch drei Schnaps-Metaphern

D

Ein Zwanziger nützt dir nichts, wenn du ihn nicht ansagen kannst.

Ein Vierziger nützt dir nichts, wenn ihn dir der Gegner zerreißt.

Manchmal gewinnst du, und du weißt: Das war jetzt das reinste Glück.

Presseaussendung

P

Eine spannende Fragen habe ich letztens mit meinem Freund und Profi-Texter Martin Schmidt besprochen:

Für wen schreibt man eigentlich eine Presseaussendung?

Ist es wirklich (nur) für die Journalisten im Presse-Verteiler, die Futter für ihre Artikel bekommen sollen?

Oder ist es nicht auch zu einem guten Teil für die internen Stakeholder? Für die Chefs, die Abteilungsleiter und die Projektmanager, denen es weniger um akkurate Information als um Status und Selbstdarstellung geht?

Meistens ist es beides. Das macht die Arbeit nicht gerade leichter.

Überfordert von der Fülle

Ü

Einige (viele?) Menschen können mit der Fülle der Möglichkeiten nicht umgehen, die das 21. Jahrhundert bereithält. Sie können mit dem Überangebot an Angeboten und an materiellen Ressourcen nicht umgehen.

Sie haben nie gelernt, nein zu sagen. Sie wissen nicht, wann es genug ist. Sie machen sich keine Gedanken darüber, was es für negative Konsequenzen hat, wenn sie Ressourcen verschwenden.

Und daher treffen sie für sich schlechtere Entscheidungen, als wenn sie weniger Möglichkeiten gehabt hätten.

Experimente

E

Jedes Experiment bietet die Chance auf eine Verbesserung.

Keine Garantie, aber die Möglichkeit.

Ohne Experimente gibt es sicher keine Verbesserung.

4. Geburtstag

4

Heute feiert mein Blog seinen vierten Geburtstag.

Seit 13. März 2020 habe ich jeden Tag einen Blog-Artikel veröffentlicht und keinen einzigen Tag versäumt.

Dieser Blog, das kann ich nach vier Jahren voller Überzeugung sagen, war und ist eine der besten Ideen, die ich jemals hatte.

Nicht, weil ich damit ein Riesenpublikum erreiche. Sondern weil ich diesen Blog in Wirklichkeit für eine einzige Person schreibe: meinen größten Kritiker, meinen größten Widersacher, mein einziger regelmäßiger Leser:

Günter Schmatzberger

Quantensprünge

Q

Ein Quantensprung ist eine substanzielle Veränderung.

Einen Quantensprung erkennt man daran, dass danach nichts mehr so ist wie davor. Die Qualität der Sache hat sich verändert, und zwar entscheidend.

In der Gründungsberatung kann ich manchmal bei solchen Quantensprüngen behilflich sein, und es ist jedesmal ein beglückendes Erlebnis. Es entsteht plötzlich eine Klarheit, die vorher nicht da war. Mit einem Mal sind Lösungen möglich, die vorher nicht realisierbar gewesen wären. Auf einmal ist alles viel, viel einfacher.

Schade nur, dass die allermeiste Gründungsberatung da draußen nicht ausgerichtet ist darauf, Quantensprünge für Gründer*innen zu ermöglichen. Es gibt weder die Zeit noch den Rahmen dafür.

Ich trete an, um das zu ändern. In meiner Gründungsberatung sollen Quantensprünge nicht die Ausnahme, sondern der Anspruch sein.

Substanziell anders

S

Menschen registrieren, wenn jemand etwas substanziell anders macht als sie es gewohnt sind.

Nicht ein bisschen anders. Nicht die kosmetischen Unterschiede. Wir Menschen tun uns schwer, kleine Veränderungen zu erkennen.

Aber die substanziellen Veränderungen, die fallen uns auf. Wir können sie nicht nicht sehen. So ignorant können wir gar nicht sein.

Frag-würdige Produkte

F

Gar nicht so selten haben wir Lifestyle Entrepreneure Produkte und Angebote auf unseren Websites, wo die Kund*innen fragen: Hä? Was ist denn das?

Und dann tun wir gut daran, dass wir uns Zeit nehmen und erklären. Dass wir den Nutzen herausstreichen. Damit wir erklären, was unsere Kund*innen davon haben.

Aber: Diese Aufklärungsarbeit generiert noch keinen Mehrwert.

Besser wäre, wenn diese Aufklärungsarbeit gar nicht notwendig wäre.

Besser informiert

B

Wer besser informiert ist, kann nicht nur besser mitreden.

Wer besser informiert ist, hat auch mehr Selbstsicherheit, Fragen (und Nachfragen) zu stellen.

Und: Wer besser informiert ist, traut sich auch eher, nach besseren Alternativen, Preisen und Konditionen zu fragen.

[Danke Bettina Fuhrmann für diesen Gedanken.]