Tag#Lebensfragen

Verurteilt zum Suboptimalen

V

Ein spannender Gedanke aus Götz Werners Autobiografie “Womit ich nie gerechnet habe”:

“Der Mensch ist verurteilt zum Suboptimalen. Aber wir können uns beharrlich bemühen, die Dinge besser zu machen.”

Die Imperfektion des menschlichen Lebens ist also Schicksal und Chance zugleich: Sie zwingt uns zur Demut genauso, wie sie uns Auftrag sein sollte.

Im Herz getroffen

I

Eine Studentin, die mir nach der Lehrveranstaltung schreibt:

Ich glaube ich hatte in meiner gesamten Schullaufbahn keine Lehrkraft die so tollen Unterricht gemacht wie sie und mit so viel Herz Inhalte vermittelt hat. Ich hab so viel gelernt und mitgenommen und wollte mich dafür bedanken!

Eine andere Studentin, die mir vor der Lehrveranstaltung voller Stolz und überglücklich ein Foto ihres neugeborenen Neffen zeigt. Und nach der Lehrveranstaltung gleich noch eines.

Es sind genau diese Momente, diese zutiefst menschlichen Momente, an denen ich merke:

Ja, genau dafür mache ich es. Genau deswegen gibt es für mich nichts Schöneres, als Lehrer zu sein.

Der Schaden der Lüge

D

Die Lüge ist schlimmer als nichts. Nichts ist null, aber die Lüge ist negativ.

Etwas, das du durch Lüge in die Welt bringst, wirst du teuer bezahlen. Es wird dir auch noch dein letztes Hemd nehmen. Zähneklappern und so.

Wenn etwas nur durch Lüge geschehen kann, dann mach es lieber gar nicht. Nichts ist immer noch besser als die Lüge.

Die narrischen fünf Minuten

D

Fünf Minuten, wo du einfach nur Blödsinn reden und machen kannst. Fünf Minuten, in denen der Clown in dir seinen Auftritt hat. Fünf Minuten, wo Humor die Antwort auf alles ist.

Gönn dir deine narrischen fünf Minuten.

Jeden Tag.

Das Denken ist in die Irre gegangen

D

Spannender Gedanke aus dem Buch Der Dialog von David Bohm:

Unser Denken tut etwas und sagt dann, dass es gar nichts getan hat. Es behauptet, dass die Dinge unabhängig von ihm geschehen sind es sich dabei um „Probleme“ handelt.

Wir müssen diese Denkweise ablegen und aufhören, uns unsere Probleme durch unser Denken zu erschaffen. Ein Problem ist unlösbar, solange wir es ständig durch unser Denken reproduzieren.

Unser Denken schafft auf diese Weise ständig Probleme und versucht dann, sie zu lösen.

Diese ganze Teufelskreis rührt von der Vorstellung her, dass es überhaupt irgendwo ein Problem gibt, das es notwendig macht zu denken.

Aber damit macht es alles nur noch schlimmer. Weil unser Denken nicht merkt, dass es selbst die Probleme schafft; und je mehr es denkt, desto mehr Probleme schafft es.

Dicht verwoben

D

Spannender Gedanke von Greg McKeown:

In dem, was wir zu wissen glauben, sind wahre und falsche Anteile dicht ineinander verwoben. 

Es wäre toll, wenn wir die richtigen von den falschen Annahmen unterscheiden und heraustrennen könnten. Aber das ist schwer.

Im besten Fall gibt es Menschen, die uns helfen, die verschiedenen verwobenen Fäden auseinanderzuklauben, damit wir uns dann jeden einzelnen Faden ansehen, mit frischen Augen beurteilen und neu zusammensetzen können.

Es geht sich nicht aus

E

Es fällt dir links und rechts was runter.

Vorne und hinten auch.

Willkommen in der täglichen Tristesse eines endlichen menschlichen Lebens. 

Das Leben der Stars

D

Nach dem Gespräch mit Dejan Lovren weiß ich: 

Auch ein Champions-League-Sieger und Vize-Weltmeister ist ein ganz normaler Mensch. Er macht sich die gleichen Sorgen. Ihn quälen dieselben Dämonen. Ja, er hat große Erfolge, aber dafür sind auch die Rückschläge umso härter.

Auch so jemand hat es nicht „geschafft“ und ist auf ewig glücklich. Auch so jemand ist ständig auf der Suche nach sich selbst.

Bist du schon erwachsen?

B

Erwachsen zu sein bedeutet:

  1. Verantwortung zu übernehmen für das, was du sagst und tust – bzw. nicht sagst und nicht tust.
  2. Die Geschichten, die du dir über dich selbst erzählst, zu überprüfen.
  3. Bewusste Entscheidungen treffen.
  4. Auf deinen Körper aufzupassen: Gut zu essen, genügend zu schlafen, zum Arzt zu gehen, wenn es notwendig ist – oder einfach so, zur Kontrolle.
  5. Zu akzeptieren, dass du nicht jedem gefallen kannst. Und das auszuhalten.
  6. Zu akzeptieren, dass nicht alles nach deinem Willen geht.
  7. Zu verstehen, dass es nicht so ist, dass das Leben ungerecht zu dir wäre, nur weil nicht alles so klappt, wie du es dir vorgestellt hast.
  8. Dankbar zu sein für die Fülle, die dir das Leben jeden Tag anbietet.
  9. Nachsichtig und liebevoll mit dir selber umzugehen.

Mit Leidenschaft am Werk

M

Die Welt ist voll von Apathie.

Jemand, der aus Leidenschaft handelt, weil er seinen Purpose kennt, der ragt heraus. Dem hört man gerne zu, dem folgt man gerne nach.

Dinge, die du aus Leidenschaft tust, unterscheiden dich von anderen. Die machen dich einzigartig und unterscheidbar, weil jeder Mensch für andere Dinge Leidenschaft empfindet.

Wenn man Menschen mit der gleichen Leidenschaft trifft, entsteht dadurch eine starke Verbindung. Diese Menschen teilen das gleiche Why, auch wenn das How und What vielleicht unterschiedlich sind.

Hektisches Zähneputzen

H

Wenn du eine elektrische Zahnbürste hast, dann hat es keinen Sinn, wenn du mit der Zahnbürste wie wild in deinem Mund herumfuchtelst. Es reicht, wenn du ganz ruhig, aber konsequent, die Zahnbürste an jeden einzelnen Zahn hinhältst. Ein paar Sekunden lang, und dann ist der nächste Zahn dran. Bis alle Zähne durch sind.

Dein Lifestyle Business ist auch nicht viel anders als Zähneputzen.

Nichts wird besser, wenn du wie wild herumruderst.

Fehlalarm

F

Unlängst habe ich ein Ticket mit Sitzplatzreservierung bei den ÖBB gebucht. In der Nacht vor der Abfahrt bekomme ich ein e-Mail, dass es bei meinem Zug “wegen eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit” zu einem “verminderten Sitzplatzangebot” kommt. “Reisende mit einer Sitzplatzreservierung wenden sich bitte an das Zugteam.”

Als ich das Mail lese, denke ich mir: Na super, das kann ja was werden. Ich war, wie man so schön sagt, ein bisschen haaß..

Am ganzen Weg zum Bahnhof, die ganze Zeit am Bahnsteig habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was das jetzt wohl bedeuten würde: Würde ich trotzdem irgendwo einen Platz bekommen? Würde ich stehen müssen? Gibt’s dann wenigstens eine Entschädigung?

Und was war? Nichts. Überhaupt nichts war. Alles war wie immer. Mein Sitzplatz war reserviert, er war frei, keine Rückfrage beim Zugteam nötig. Viel Aufregung um absolut gar nichts.

An diesem Fehlalarm haben die ÖBB schuld. Aber um die vielen Fehlalarme, die ich Tag für Tag selber auslöse, weil ich mich vor Dingen fürchte, die gar nie passieren… um die muss ich mich selber kümmern.

Uneingeschränkt.

Der strengste Chef

D

Ich merke immer wieder: Mein Denken ist sehr Defizit-orientiert. Zumindest gegenüber mir selbst, bei anderen Menschen bin ich viel großzügiger.

Das hat ein paar Vorteile (z.B. treibt es mich an, besser zu werden), aber auch viele Nachteile. Einer davon: Ich kann mich über kaum was freuen, weil ich immer im Auge habe, was noch fehlt.

Die Frage ist: Will der Mitarbeiter in mir so einen Chef haben? Will ich für so jemanden arbeiten? Wer würde für so jemanden arbeiten wollen?

Kann sein, dass der Chef in mir mal zur Personalentwicklung müsste.

Lass los!

L

Wenn du, Hand auf’s Herz, deine eigenen Angebote nicht kaufen würdest oder gekauft hättest, dann hör heute damit auf, sie anzubieten. Heute!

Hör auf damit. Hör einfach auf damit!

Klicktipp

K

Ich mache bei einer Online-Tipprunde mit. Wir tippen jede Woche die Ergebnisse der 2. österreichischen Fußball-Bundesliga (wo mein Lieblingsverein Admira Wacker spielt).

Ich liege dort aktuell auf dem zwölften Platz von 47 Teilnehmer:innen. Das finde ich respektabel.

Mein Erfolgsgeheimnis ist einfach: Ich tippe zwar nicht besonders gut, aber ich tippe regelmäßig. Ich habe, seit ich mitspiele, noch keine einzige Runde versäumt.

Ich bin mir sicher, dass hinter mir viele Mitspieler:innen liegen, die viel bessere Tipps abgeben als ich. Aber ich sammle jede Runde meine Pünktchen, während sie in manchen Runden vergessen zu tippen und gar keine Punkte bekommen.

Mit Beharrlichkeit kann man einiges an fehlender Kompetenz wettmachen.

A Complete Unknown

A

Aus dem Film “A Complete Unknown” über den jungen Bob Dylan habe ich mir folgenden Satz mitgenommen:

Du kannst schön sein oder hässlich,
aber du darfst nicht durchschnittlich sein.

Wenn man den Film mit einem Satz zusammenfassen wollte, wenn man das “Theme” dieses Films auf den Punkt bringen wollte, dann wäre es wohl das.

Fragen ohne Antworten

F

Schöner Gedanke von Michael und Manfred Winterheller:

Nur, weil mich jemand fragt, heißt das nicht, dass ich eine Antwort haben muss.

Das klingt paradox, und das ist gerade für Berater:innen und Lehrer:innen wie ich schwer auszuhalten. Aber: Es geht in “echten”, d.h. wirklich menschlichen Gesprächen nicht um inhaltliche Dominanz, sondern darum, dass Menschen über ihre Sorgen mit jemandem reden wollen. Menschen wollen gehört und gesehen werden.

So verstanden, ist eine Frage sehr oft keine Aufforderung für eine Antwort, sondern die Frage ist eine Einladung zu einem Gespräch. Weil ein Gespräch an sich unglaublich heilsam sein kann – egal, wer am Ende dann eine Antwort auf die Frage ausspricht.

Wissen’s eh…

W

Unlängst wurde mir folgende Geschichte zugetragen:

Schauplatz: Eine Außenstelle der Wiener Arbeiterkammer. Ein gepeinigter Arbeitnehmer hat dort ein Beratungsgespräch und bekommt zum Abschied einen Folder in die Hand gedrückt. Der Kunde wird gebeten, beim Info-Point einen Folgetermin auszumachen.

Also zum Info-Point. Dort wird ihm der Folder aus der Hand genommen. Der Info-Point-Mitarbeiter nimmt routiniert einen Tipp-Ex Roller zur Hand und korrigiert handschriftlich die Telefonnummer auf der Folder-Rückseite.

“Sie sind wohl gerade erst umgezogen?”, fragt der Kunde. “Nein, wir sind eh schon drei Jahre da. Aber wir können die Telefonnummer in der Druckvorlage selber nicht korrigieren, und der Grafiker, naja, der hat bis jetzt auch noch nicht…” – “Drei Jahre?”, fragt der Kunde. – “Ja”, seufzt der AK-Mitarbeiter. “Wissen’s eh, wie das ist…”

Ja, wir wissen‘s alle. Denn jeder von uns hat so skurrile Folder-Telefonnummer-Probleme – auch wenn sie bei jedem von uns ein bisschen anders aussehen.