Tag#Lebensfragen

Der zuverlässige Reflex der Selbstständigkeit

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Wenn es nicht läuft, dann arbeitet der Solopreneur mehr.

Umsatz zu niedrig? Ordentlich dahinterknien! Projekt ins Stocken geraten? Wochenende opfern!

Dieser Reflex funktioniert bei Solopreneuren so zuverlässig, dass man ihn kaum noch bemerkt. Er fühlt sich sogar richtig an — nach Verantwortung, nach Ernsthaftigkeit, nach Entrepreneurship.

Aber das ist keine Strategie. Das ist eine Gewohnheit. Und: Gewohnheiten skalieren nicht.

Irgendwann sind die Stunden aufgebraucht. Und dann? Noch noch mehr arbeiten?

Fleiß beantwortet die strategischen Fragen nicht. Er verdrängt sie nur.

Gedankenlose Geschenke

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Wenn man Geburtstag hat, kriegt man gerne mal ein Mail mit Geburtstagsgrüßen von irgendwelchen Firmen, bei denen man Kunde ist – oder war. Mitunter ist auch ein kleines Geschenk dabei.

Mein Freund Martin hat sich unlängst über so ein Geburtstags-“Geschenk” geärgert. Es war ein 5-Euro-Gutschein ab einem Einkaufswert von 50 Euro. Er hat das nämlich nicht als Geschenk empfunden, sondern an schlecht verkleidete Werbemaßnahme, die ihn zum Kaufen animieren soll. Der eigentlich Beschenkte wäre dann nicht er, sondern das Unternehmen.

Über solche “Geschenke” freut man sich nicht, weil sie nicht leiwand sind. Leiwand ist, wenn man am Geburtstag gratis auf den Wiener Donauturm gehen kann. Oder wenn die ÖBB sagen; Wenn du die Vorteilscard hast, kannst du an deinem Geburtstag gratis in ganz Österreich herumfahren.

Darüber freut man sich, weil man wirklich etwas geschenkt bekommt.

Und nicht zuletzt deshalb, weil man das Gefühl hat: Hier hat sich jemand wirklich was überlegt, womit er mir eine Freude machen kann.

Dabei unterstelle ich der 5-Euro-Gutschein-Firma nicht mal eine schlechte Absicht. Vielleicht glauben die Marketing-Leute dort ja wirklich, dass sich die Kunden darüber freuen. Aber ich bin mir sicher: Wenn sich die verantwortlichen Mitarbeiter:innen auch nur eine Stunde lang zusammensetzen würden, kämen sie ohne große Mühe auf etliche viel leiwandere Ideen. Man müsste nur wollen.

Denn besonders bei Geschenken gilt: Mach es gscheit, oder lass es bleiben.

Persönliche Grenzen

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Leslie Jäger sagt: Ja, man hat Grenzen, aber man muss sie nicht immer akzeptieren. Das ist eine Entscheidung. 

Tatsächlich ist es wahrscheinlich eher so: Meine Leistungsgrenzen muss ich nicht akzeptieren. Ich kann mein Leben lang dazulernen und besser werden. Aber ich muss akzeptieren, dass meine Ressourcen begrenzt sind, und dass ich notwendigerweise irgendwo an meine Grenzen stoßen werde.

Feldnotizen 04/26

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Ein paar Gedanken aus meinen Notizbuch. Ungeordnet, ungefiltert, ohne Anspruch auf Wahrheit.

Der Markt gibt immer die Antwort.

„Do you want to send this email, or do you want to get a job?“ (Maggie Patterson)

„Enshittification“ führt dazu, dass das Internet zunehmend unleiwand wird.

„Der Naturzustand von Unternehmen ist nicht, dass sie gekommen sind, um zu bleiben“. (Phillip Maderthaner)

Mehrwert schlägt Selbstdarstellung.

KI kann auch eine große Zeitverschwendung sein → KI als Unterhaltung und Ablenkung → „KI-Konsumismus“ (© ich)

Wertlose Ideen

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„Eine Idee ist nichts wert, wenn die Ausführung nix wert ist”, sagt David Schalko.

Oder, für ein Gründungsprojekt formuliert: Eine Geschäftsidee ist nur so gut wie ihre Ausführung.

Oder, nochmal anders: Mach dir keine Sorgen, dass dir irgendjemand deine gute Idee klauen könnte. Mach dir lieber Gedanken, wie du deiner guten Idee mit einer exzellenten Umsetzung gerecht wirst.

Der Feed zeigt nicht die Welt, er zeigt dich

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Unlängst wieder: LinkedIn geöffnet, Feed reingezogen, und nach zehn Minuten die quälende Frage im Hinterkopf: Mache ich eigentlich irgendetwas richtig?

Dabei passiert da etwas Eigenartiges: Der Feed zeigt mir nicht, wie die Welt wirklich funktioniert. Er zeigt mir, wo ich unsicher bin.

Ein Coach mit hundert Reaktionen auf einen einzigen Post trifft mich genau dort, wo ich mir selbst nicht erfolgreich genug vorkomme. Die Zeitmanagement-Queen mit drei extra “freien Stunden” pro Tag trifft mich dort, wo ich das Gefühl habe, selbst zu wenig zu schaffen.

Der Feed ist ein Spiegel der eigenen Zweifel. Und er ist sehr gut darin, diese Zweifel zu finden – und zu nähren.

[Danke Matthias Barth für diesen Gedanken.]

Die stille Seite des Sonntags

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Manche Fragen stellen sich nur in ruhigen Momenten.

Unter der Woche ist man zu beschäftigt dafür. Man checkt ständig die Inbox, schaut ob der letzte LinkedIn-Post performt hat, zählt die Follower auf Insta. Man weiß rational, dass es keine Rolle spielt — und checkt trotzdem drei-, viermal am Tag. Das Wissen hilft nicht gegen den Reflex.

Aber: “Genug” ist kein Zustand, den man irgendwann erreicht. Es ist eher eine Entscheidung — und zwar eine, die sich nur in stillen Momenten treffen lässt.

Entscheidungen ohne Strategie

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Viele Solopreneure verwenden eine Menge Energie darauf, einzelne Entscheidungen zu optimieren. Welches Angebot? Welcher Preis? Welcher Kanal?

Das kann auf Dauer sehr anstrengend werden.

Dieses Klein-Klein entsteht dann, wenn man keine Strategie hat. (Und die allermeisten Solo-Businesses haben keine Strategie.)

Der eigentliche Aufwand liegt also nicht in den tausend Einzelentscheidungen. Er liegt in der Stufe davor, wenn es darum geht, seine Solo-Business-Strategie zu entwickeln: Wer bin ich, was will ich eigentlich erreichen – und warum?

Der Philosoph stört

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Social-Media-Plattformen sind keine Diskursräume. Differenzierte Meinungen und tiefgehende Gespräche haben es dort ganz, ganz schwer.

Alles, was die Leichtigkeit und die Gefälligkeit des kontinuierlichen Inhalte-Flusses stört (also differenzierte Argumentationen oder ein echter Meinungsaustausch), wird vom Algorithmus nicht gern gesehen.

Der Clown wird gegenüber dem Philosophen eindeutig bevorzugt, weil der Clown platt ist und sofort Reaktionen auslöst — und kein langes Nachdenken verlangt.

Die Plattformen sind wie Einkaufszentren: Alles ist darauf ausgerichtet, dass man möglichst lang weitergeht und weiterschaut – und seine gute Laune nicht verliert.

Vertrauen und Hinterfragen

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Je komplexer die Welt wird, desto öfter müssen wir Menschen und Systemen vertrauen, die wir nicht durchschauen. Und damit meine nicht nur KI.

Es bleibt dir als Solopreneur ja auch gar nichts anderes über. Du kannst nicht alles kontrollieren, nicht alles wissen, überall up to date sein. Niemand kann das.

Niklas Luhmann hat das „Komplexitätsreduktion” genannt. Vertrauen ermöglicht uns, trotz Nichtwissen zu handeln. Aber das bedeutet auch: Gerade weil wir uns auf Systeme verlassen müssen, die wir nicht durchschauen, brauchen wir wirksame Kontrollmöglichkeiten. Sonst wird aus dem notwendigem Vertrauen gefährliche Naivität.

Das Paradoxon des modernen Lebens ist also: Wir müssen vertrauen, um überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig dürfen wir nie aufhören, dieses Vertrauen zu hinterfragen.

Freude als Widerstand

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Es gibt Momente, in denen Fröhlichkeit keine Stimmungslage ist, sondern eine Haltung.

Martin Shaw nennt das the Merrie — jene alte, fast vergessene Qualität des gemeinsamen Feierns, die nicht trotz der Schwere des Lebens entsteht, sondern wegen ihr.

Unser Alltag liebt den Ernst. Er klappt am besten, wenn wir funktionieren. Fröhlichkeit irritiert da meistens.

Aber: Wer heute mit anderen am Tisch sitzt, isst, lacht — der tut etwas Subversives. Nicht weil er die Welt ignoriert, sondern weil er sie feiert. Die Gemeinschaft. Den Moment. Das Genug.

Das ist keine Kleinigkeit.

[Danke Martin Shaw für diesen Gedanken]

Gut gemacht, trotzdem schlecht

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Auch Folgendes ist denkbar: Du hast alles richtig gemacht, und das Ergebnis ist trotzdem suboptimal.

Es liegt nicht immer alles nur an dir!

Du hast nicht die volle Kontrolle über das Ergebnis eines Prozesses. So leid es mir tut, und so sehr du dir das auch wünschen würdest.

Der Anfang vom Ende

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“Veränderung kann ein Umweg sein, um Abschied zu vermeiden”, sagt Gordon Schönwälder.

Er meint damit Podcasts.

Aber der Gedanke geht viel weiter — und tiefer.

Feldnotizen 03/26

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Ein paar Gedanken aus meinen Notizbuch. Ungeordnet, ungefiltert, ohne Anspruch auf Wahrheit.

Anziehung hat viele Formen – und Vielfalt ist kein Widerspruch, sondern Realität.

Wer Zugehörigkeit erzwingen will, verliert Leichtigkeit; wer sich erlaubt, findet Frieden.

Du musst nicht jede Tür aufmachen, nur weil du den Schlüssel dafür hast.

Deine erste Reaktion ist selten die Wahrheit – oft ist sie nur ein Reflex.

Schönheit wirkt wie ein Gegengift: Sie entwaffnet Angst.

Wenn du immer nur hilfst, ohne Hilfe anzunehmen, bleibst du dauernd auf Abstand.

Die Wahrhaftigkeit der Absicht bestimmt deinen Erfolg. Im Business und auch sonst im Leben.

Angst vor Veränderung ist oft nur Angst, auf Veränderungen nicht gut genug reagieren zu können.

Nicht mehr Sicherheit macht frei – sondern mehr Vertrauen, dass du mit dem Ungewissen umgehen kannst.

Problem vs. Sorge

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Ist es ein echtes Problem, oder ist es nur eine Sorge?

Brauchst du eine Lösung, oder brauchst du nur mehr Schlaf?

Der rotierende Wahnsinn

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Unlängst habe ich bei Tad Hargrave einen witzigen Satz gelesen:

“A healthy village doesn’t mean that no one’s crazy. It’s just that not everyone is crazy at the same time.”

Deswegen sind der vertrauensvolle Austausch mit anderen Solopreneur:innen so wichtig. Denn in gesunden Beziehungen rotiert der Wahnsinn: Heute bin ich überfordert, morgen du. Heute kannst du mich auffangen, nächste Woche ich dich. Wer gerade stabil ist, hilft dem anderen ein bisschen, wieder zu seiner Mitte zu finden.

Das gilt auch für den Umgang mit deinen Kund:innen. Ein Problem entsteht erst, wenn alle gleichzeitig durchdrehen. Wenn deine Kundin und du beide gestresst sind und beide patzig werden, dann eskaliert die Situation.

Manchmal bedeutet das: Die E-Mail erst morgen beantworten, wenn du wieder klar denkst. Manchmal: Einen Business Buddy anrufen, der/die gerade nicht im Drama steckt.

Und manchmal einfach nur: Erkennen, dass du heute der/die Verrückte bist – und entsprechend vorsichtig agieren.

Ein Feiertag, nur für dich

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Heute, am 26. März, ist Make Up Your Own Holiday Day.

Jeder Feiertag ist irgendwann mal von jemandem erfunden worden. Oder, besser gesagt: Feiertage werden nicht gefunden, sie werden gemacht. Von jemandem, der beschlossen hat: Dieser Tag soll anders sein. Dieser Tag bedeutet etwas.

Für Solopreneure ist das eine merkwürdig übersehene Möglichkeit. Du hast alle Freiheiten — auch die, dir selbst einen Feiertag zu gönnen.

Nicht irgendeinen. Deinen ganz persönlichen Feiertag. Vielleicht den Jahrestag deiner Gründung. Oder den Tag, an dem du die erste Kundin gewonnen hast. Oder den Tag, an dem du aufgehört hast, etwas zu tun, das dir nicht gut getan hat. Irgendeinen Tag, der für dich eine ganz besondere Bedeutung hat — und den du von nun an jedes Jahr markierst, vielleicht sogar feierst.

Markiere dir diesen Tag ganz dick im Kalender. Jetzt.

Du sollst nicht lügen

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Es gibt keine Alternative zur Wahrheit. 

Auch die Lüge ist keine Alternative.

Im Gegenteil: Die Lüge ist eine Anerkennung der Wahrheit.

Faszination Warren Buffet

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Unlängst habe ich mit jemandem über Warren Buffet gesprochen.

Mein Gesprächspartner war beeindruckt von der Arbeitsweise des 94-Jährigen, von seiner Bescheidenheit und – natürlich – von seinem finanziellen Erfolg.

Aber was macht Warren Buffet denn so Besonderes?

  • Er tut das, was er am besten kann. Seit vielen, vielen, vielen Jahren.
  • Er macht nichts, wovon er nichts versteht.
  • Er hat kompetente Leute um sich, mit denen er gut zusammenarbeitet und die like-minded sind.
  • Er hat klare Prinzipien und bleibt diesen Prinzipien treu. Auch, wenn er dadurch (kurzfristige) Gewinnmöglichkeiten auslässt.

Warren Buffet macht aus meiner Sicht also nichts Besonderes. Zumindest nichts, was wir alle nicht ebenso gut machen könnten.

Was aber das Besondere ist: Warren Buffet weicht von seinen Prinzipien nicht ab. Er bleibt sich selbst treu. Er leidet nicht unter FOMO, und er weiß, wie wichtig es ist, strategisch zu denken und eine Strategie langfristig zu verfolgen.

Das macht er seit fast 70 Jahren so. Und wir Solopreneure tun uns schon schwer, eine Strategie 70 Tage lang durchzuhalten (sofern wir überhaupt eine haben).

Das ist der große Unterschied zwischen uns und Warren Buffet.