Tag#Lebensfragen

Realistisch mit der Zeit

R

“Be more rational about what you can actually accomplish”, sagt Laura Vanderkam.

Das bedeutet: Nimm dir nicht zu viel vor. Vor allem dann nicht, wenn dir eh schon klar ist, dass es unrealistisch ist.

Es bedeutet aber auch: Manchmal glauben wir, dass etwas irrsinnig viel Zeit braucht. In Wirklichkeit ist es dann aber ganz schnell erledigt — wenn wir nur endlich anfangen würden!

Nimm das Drama raus aus deinem Umgang mit der Zeit.

No hurry, no pause.

Bleiben oder gehen

B

Beziehungsexpertin Elisabeth Rieder sagt: Du kannst dich erst trennen, wenn du wirklich in der Beziehung warst.

Ich glaube, das gilt auch für die Selbständigkeit.

Du kannst erst sagen, dass die Selbständigkeit nichts für dich ist, wenn du dich wirklich darauf eingelassen hast. Nicht so ein bisschen nebenbei, sondern mit vollem Engagement. Nicht mit einem Fuß draußen.

Natürlich darfst du aufhören. Aber nicht beim ersten Gegenwind. Nicht bevor du wirklich ausprobiert hast, was möglich gewesen wäre.

Wie bei allen wichtigen Dingen im Leben kommst du auch in der Selbständigkeit half-assed nicht weiter.

Anpfiff!

A

Das Rampenlicht einer Fußball-WM (alle vier Jahre, für kurze Zeit, meist nur einmal im Leben) ist für uns Lifestyle Entrepreneure ein realistischeres Ziel als die konstante jahrelange ungebrochene Prominenz eines Lionel Messi. 

Die Antwort ist schon da

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Die meisten Solopreneure zögern nicht, weil sie die Antwort nicht wüssten. Sie zögern, weil sie ihrer Antwort nicht trauen.

Wir glauben nämlich: Irgendwo da draußen gibt es einen Experten mit dem perfekten Framework. Jemanden mit dem exakt richtigen Playbook. Den einen Gedanken, der alle Probleme löst. Man muss nur lange genug suchen.

Dabei ist es eher so: Selbst wenn man diesen Experten findet, muss man seine Antwort trotzdem auf die eigene Situation anpassen. Man muss trotzdem entscheiden, ohne zu wissen, ob es die richtige Entscheidung ist. Man muss es trotzdem selbst herausfinden.

Also könnte man gleich seiner eigenen Antwort vertrauen – und dabei eine Menge Zeit sparen.

Die vier Sprachen des Sinns

D

Wenn jemand sagt, er will sinnvolle Arbeit machen, klingt das klarer, als es vielleicht ist.

Denn “Sinn” ist kein einheitlicher Begriff. Dorie Clark meint, “Sinn” umfasst mindestens vier verschiedene Bedürfnisse:

  1. Das Gefühl, zu etwas Wichtigem beizutragen (Zweck).
  2. Die Wahrnehmung, angemessen gesehen zu werden (Status).
  3. Die alltägliche Erfahrung, dass die Arbeit Energie gibt statt nimmt (Freude).
  4. Das Gefühl, für das, was man tut, wirklich gewürdigt zu werden (Anerkennung).

Alle vier “Sinn-Formen” sind für uns Menschen wichtig. Und es ist legitim, dass wir diese “Sinne” auch in unserer Arbeit als Solopreneure suchen.

Aber je nachdem, welchen Sinn wir genau suchen, kommen wir zu sehr unterschiedlichen Antworten. Wer glaubt, er sucht Zweck – und in Wirklichkeit fehlt ihm Anerkennung –, wird zwangsläufig Enttäuschungen erfahren. Wer Status mit Freude verwechselt, gründet das falsche Business.

Die Diagnose bestimmt, welche Therapie die richtige ist.

Schweigen ist Gold

S

Was ich bei meinem Frisör wahrscheinlich am meisten genieße: Dass ich nicht plaudern muss.

Endlich, nach Jahren der Suche, habe ich einen Salon gefunden, wo es angenehm ruhig ist. Alle schweigen: Die drei Frisöre und auch alle Kunden.

Trotzdem ist der Frisörsalon ein sehr freundlicher Ort. Denn: Ein freundlicher Frisör muss nicht mit jedermann den ganzen Tag plaudern. Freundlich zu sein auch bedeuten, dass man das tut, was für die Kunden am angenehmsten ist.

Feldnotizen 05/26

F

Ein paar Gedanken aus meinen Notizbuch. Ungeordnet, ungefiltert, ohne Anspruch auf Wahrheit.

Wenn man gemocht werden möchte, dann lässt man schlechte Leistungen laufen. Man nimmt hin, was eigentlich unzumutbar ist.

Woran glaubst du? Wofür würdest du deine Hand ins Feuer legen?

Liebe als Lösungsmittel: Eine gelungene Beziehung zu den Kindern zeigt sich (auch) darin, dass sich die Kinder von den Eltern lösen, ohne dass sie irgendetwas vermissen.

Prinzipien sind viel wichtiger als Hacks

Beschämung kommt von außen, aber Scham ist eine eigene Leistung.

“Geld ist eine sehr einfache Sprache. Und das verführt dazu, dass wir viele Probleme als Geldprobleme diskutieren.” (Carsten Lotz)

Albert Kitzler meint, dass es nur wenigen gelingt, Beruf und Berufung zu kombinieren. Das muss aber auch nicht sein. Oft ist es sogar besser, das nicht zu tun.

„What happens when we truly believe that time is abundant?“ (Laura Vanderkam)

Muss wirklich immer alles für was gut sein?

Was genau wird besser, wenn ich angefressen bin?

Dein Lamborghini

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Morgan Housel sagt: Wenn sich jemand einen Lamborghini kauft, dann tut er das nicht unbedingt deswegen, um andere Menschen zu beeindrucken, sondern oft primär, um sich selbst was zu beweisen. Um sagen zu können: Look, I made it!

Ja, der Lamborghini ist ein Signal. Aber viel mehr ein Signal nach innen als nach außen.

Ich glaube, wir unterschätzen oft den Antrieb, uns selbst etwas beweisen zu müssen/wollen — und unseren inneren Dämonen.

Die Vielleicht-Kandidaten

D

Unlängst hat mir eine Gründerin erzählt, die in der Personalvermittlung arbeitet:

Am einfachsten sind die Bewerber:innen, die perfekt auf den Job passen. Dann kommen die Bewerber:innen, die gar nicht passen. Am schwierigsten sind die “Vielleicht-Kandidat:innen”: Sie passen nicht ideal, aber vielleicht irgendwie schon. Diese Bewerber:innen machen im Recruiting am meisten Arbeit.

Und ich denke mir: Ist es nicht in unserem Lifestyle Business genauso? Am schwierigsten sind die Vielleicht-Projekte, die Vielleicht-Kund:innen, die Vielleicht-Aufträge. Sie machen am meisten Arbeit, und das Ergebnis ist meistens un-leiwand.

Hell yes – or no, sagt Derek Sivers. So würden wir uns die Vielleicht-Optionen ersparen.

Cheerleader

C

Wenn wir gründen, wenn wir selbständig sind und unser eigenes Business haben oder wenn wir uns sonst wie aus dem Fenster lehnen… Dann haben wir nicht nur Supporter. Es gibt eine Menge Menschen, die ihre Freude daran hätten, wenn wir auf die Fresse fallen.

Ich verstehe diese Missgunst nicht, und zwar überhaupt nicht. Aber ich kann sie nicht wegzaubern.

Was ich tun kann, ist meine Gründer:innen anzufeuern und ihnen zu sagen: Du schaffst das! Go, go, go!

Hoffnungen und Sorgen

H

Wenn man ein großes neues Projekt startet, dann sind damit Hoffnungen und Sorgen verbunden.

Nicht alle Hoffnungen werden sich erfüllen. Das Leben ist schließlich kein Wunschkonzert.

Nicht alle Sorgen werden eintreten. Gott sei Dank.

Manchmal wechseln Sorgen und Hoffnungen sogar die Seiten.

Was tatsächlich passieren wird, können wir nicht wissen. Müssen wir auch nicht.

Es genügt, bei sich zu bleiben.

Ziele, die passen

Z

Marilyn Ferguson schreibt in Die sanfte Revolution: “Wer ernsthaft spielt, nimmt Rücksicht auf seine Menschlichkeit, wenn er sich Ziele setzt.”

Solopreneurship, das funktioniert, setzt Ziele, die zur eigenen Natur passen — nicht gegen sie.

Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit. Ist es aber wahrscheinlich nicht, solange der Markt voller Vorbilder ist, die ihre Ausnahmefähigkeiten als Maßstab verkaufen.

Wer mit seinem Solo-Business erfolgreich sein will, sollte seine Ziele nicht daran messen, wer man im besten aller Fälle vielleicht sein könnte — sondern daran, womit man wirklich und dauerhaft arbeiten kann.

Herausfordernde Visionen

H

Viele Solopreneure suchen sich selbst, bevor sie gründen. Sie wollen erst herausfinden, was ihre Stärken sind, was sie wirklich können, worin sie gut sind. Ein vernünftiger Gedanke — und trotzdem führt er oft nicht zum Ziel.

Unsere Fähigkeiten zeigen sich nämlich nicht im luftleeren Raum. Erst eine konkrete Ausrichtung, eine starke Gründungsvision bringt Talente zum Vorschein, die vorher schlicht nicht sichtbar waren — weil es keinen Grund gab, sie zu aktiveren.

Wer weiß, wohin er will, entwickelt plötzlich Fähigkeiten, die er sich vorher nicht zugetraut hätte.

Nicht, weil er sich verändert hätte — sondern weil die neue Aufgabe sie herausfordert.

Das Wettrennen der Übertreibung

D

Weil wir Angst haben, nicht ernst genommen zu werden, übertreiben wir.

Und weil wir wissen, dass alle anderen auch übertreiben, trauen wir uns gegenseitig nicht mehr über den Weg. Und weil wir uns gegenseitig nicht mehr über den Weg trauen, müssen wir noch lauter übertreiben. Ein Teufelskreis.

Im Online-Marketing ist das besonders gut zu beobachten. Wer selbst lügt — oder zumindest “übertreibt” —, weiß, dass die anderen das auch tun. Die sogenannte trust recession hat hier ihre Wurzel: Nicht in einzelnen schwarzen Schafen, sondern in einem System, das Übertreibung als Normalzustand akzeptiert hat.

Das Tückische daran: Wer die Dinge täglich zu seinen Gunsten zurechtbiegt, merkt irgendwann nicht mehr, dass er das tut. Falsche Informationen werden zum “neuen normal” — nicht aus Bosheit, sondern weil alle es machen.

Die Lösung? Nicht mehr lügen. Ganz einfach.

Das X auf der Linie

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Eine Übung für alle Gründer:innen:

Stell dir eine Linie vor. Links steht Freiheit, rechts steht Sicherheit. Und jetzt: Wo setzt du dein X?

Freiheit und Sicherheit schließen sich aus – aber die meisten Gründer:innen wünschen sich beides: Die Freiheit der Selbständigkeit gepaart mit dem sicheren Einkommen und der Planbarkeit einer Anstellung.

Aber das Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit ist nicht auflösbar. Du kannst dich in diesem Spannungsfeld nur verorten, nach deiner ganz persönlichen Präferenz. Wer sich nicht aktiv verortet, landet trotzdem irgendwo — nur eben unbewusst. Und dann wundert man sich, warum die Selbständigkeit nicht das ist, was man sich vorgestellt hat.

Wer sich aktiv im Spannungsfeld positioniert, hört auf, zu beklagen, was er nicht hat — und fängt an, das zu gestalten, wofür er sich entschieden hat.

Der zuverlässige Reflex der Selbstständigkeit

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Wenn es nicht läuft, dann arbeitet der Solopreneur mehr.

Umsatz zu niedrig? Ordentlich dahinterknien! Projekt ins Stocken geraten? Wochenende opfern!

Dieser Reflex funktioniert bei Solopreneuren so zuverlässig, dass man ihn kaum noch bemerkt. Er fühlt sich sogar richtig an — nach Verantwortung, nach Ernsthaftigkeit, nach Entrepreneurship.

Aber das ist keine Strategie. Das ist eine Gewohnheit. Und: Gewohnheiten skalieren nicht.

Irgendwann sind die Stunden aufgebraucht. Und dann? Noch noch mehr arbeiten?

Fleiß beantwortet die strategischen Fragen nicht. Er verdrängt sie nur.

Gedankenlose Geschenke

G

Wenn man Geburtstag hat, kriegt man gerne mal ein Mail mit Geburtstagsgrüßen von irgendwelchen Firmen, bei denen man Kunde ist – oder war. Mitunter ist auch ein kleines Geschenk dabei.

Mein Freund Martin hat sich unlängst über so ein Geburtstags-“Geschenk” geärgert. Es war ein 5-Euro-Gutschein ab einem Einkaufswert von 50 Euro. Er hat das nämlich nicht als Geschenk empfunden, sondern an schlecht verkleidete Werbemaßnahme, die ihn zum Kaufen animieren soll. Der eigentlich Beschenkte wäre dann nicht er, sondern das Unternehmen.

Über solche “Geschenke” freut man sich nicht, weil sie nicht leiwand sind. Leiwand ist, wenn man am Geburtstag gratis auf den Wiener Donauturm gehen kann. Oder wenn die ÖBB sagen; Wenn du die Vorteilscard hast, kannst du an deinem Geburtstag gratis in ganz Österreich herumfahren.

Darüber freut man sich, weil man wirklich etwas geschenkt bekommt.

Und nicht zuletzt deshalb, weil man das Gefühl hat: Hier hat sich jemand wirklich was überlegt, womit er mir eine Freude machen kann.

Dabei unterstelle ich der 5-Euro-Gutschein-Firma nicht mal eine schlechte Absicht. Vielleicht glauben die Marketing-Leute dort ja wirklich, dass sich die Kunden darüber freuen. Aber ich bin mir sicher: Wenn sich die verantwortlichen Mitarbeiter:innen auch nur eine Stunde lang zusammensetzen würden, kämen sie ohne große Mühe auf etliche viel leiwandere Ideen. Man müsste nur wollen.

Denn besonders bei Geschenken gilt: Mach es gscheit, oder lass es bleiben.

Persönliche Grenzen

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Leslie Jäger sagt: Ja, man hat Grenzen, aber man muss sie nicht immer akzeptieren. Das ist eine Entscheidung. 

Tatsächlich ist es wahrscheinlich eher so: Meine Leistungsgrenzen muss ich nicht akzeptieren. Ich kann mein Leben lang dazulernen und besser werden. Aber ich muss akzeptieren, dass meine Ressourcen begrenzt sind, und dass ich notwendigerweise irgendwo an meine Grenzen stoßen werde.

Feldnotizen 04/26

F

Ein paar Gedanken aus meinen Notizbuch. Ungeordnet, ungefiltert, ohne Anspruch auf Wahrheit.

Der Markt gibt immer die Antwort.

„Do you want to send this email, or do you want to get a job?“ (Maggie Patterson)

„Enshittification“ führt dazu, dass das Internet zunehmend unleiwand wird.

„Der Naturzustand von Unternehmen ist nicht, dass sie gekommen sind, um zu bleiben“. (Phillip Maderthaner)

Mehrwert schlägt Selbstdarstellung.

KI kann auch eine große Zeitverschwendung sein → KI als Unterhaltung und Ablenkung → „KI-Konsumismus“ (© ich)