Tag#Lebensfragen

Am Meer

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Unlängst, im Museo de Málaga, ist mir folgender Gedanke gekommen:

Menschen, die am Meer leben, malen das Meer. Weil sie das Meer beschäftigt. 

Was sonst sollten sie malen?

Besser ist immer super

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Das klingt banal, ist aber das Gegenteil vom Perfektionismus, der uns Solopreneuren oft im Weg steht.

Wer sich optimal vornimmt, blockiert sich selbst — wer sich besser vornimmt, kommt jeden Tag einen Schritt weiter.

Eine der nützlichsten Fragen beim Aufbau eines Solo-Businesses ist: “Wie mache ich es heute ein bisschen besser als gestern?”

Das Anti-Angeber-Programm

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Mir kommt manchmal vor, wir Solopreneure haben eine Art “Anti-Angeber-Programm” installiert.

“Keiner mag einen Angeber”, steckt in unserem Hinterkopf. Und wenn wir dann die Chance haben, uns und unsere Arbeit zu präsentieren, dann machen wir uns selbst klein – um nur ja nicht wie ein Angeber zu wirken. Wir setzen auf Understatement, weil wir denken, das hätte Klasse.

Eine vernünftige Selbstpräsentation hat überhaupt nichts mit Angeben zu tun. Es ist schlicht das Nennen von Fakten. Du hast etwas geleistet? Haben deine Kund:innen durch dich Erfolg? Hast du einen großen Auftrag bekommen? Dann sag es. Ohne “eigentlich” und “ein bisschen” und “naja, ist ja nichts Besonderes”.

Die anderen können nur mit den Informationen arbeiten, die du ihnen gibst.

[Danke Katharina Lewald für diesen Gedanken.]

Schwierigkeiten als Filter

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Wenn’s schwierig wird, ist das wahrscheinlich eine gute Nachricht. Weil genau diese Schwierigkeiten all jene abschrecken, die nicht so engagiert sind wie du.

Das ist der natürliche Filter, der dafür sorgt, dass nur die wirklich Entschlossenen am Markt übrig bleiben. Während andere bei der ersten Hürde abbiegen, machst du weiter – nicht weil du härter bist, sondern weil dir die Sache wirklich wichtig ist.

Schwierigkeiten sortieren aus. Sie trennen die, die dabei bleiben wollen, von denen, die dabei bleiben müssen.

[Danke Seth Godin für diesen Gedanken

Genug

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Echte unternehmerische Freiheit beginnt, wenn du “genug” für dich definiert hast. Nicht das nächste Umsatzziel – sondern der Punkt, an dem du sagst: Das reicht.

Wer “genug” hat, rebelliert gegen ein System, das auf ewigem Wachstum, permanenter Unzufriedenheit und Konsum aufbaut. Nicht durch laute Parolen, sondern durch eine bewusste persönliche Grenzziehung.

Du spielst einfach nicht mehr mit. Das ist radikaler, als es klingt.

Exzellente Arbeit

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Exzellenz bedeutet auch, dass man weiß, dass niemand in allem perfekt ist und sein kann.

Exzellenz entsteht durch das Zusammenwirken von vielen, die ihre Stärken einbringen.

Beruf oder Familie

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Klaus Schwertner, Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien, hat unlängst über das Spannungsfeld gesprochen, dass seine Familie für ihn immer an erster Stelle steht, dass er aber gleichzeitig auch seine Arbeit “sehr gern macht”.

Die Hingabe für seine Arbeit kann von außen so wirken, als würde seine Familie die zweite Geige spielen — z.B. wenn er in Kriegsgebiete in der Ukraine oder im Südsudan fährt.

Gleichzeitig glaube ich ihm vollkommen, wenn er sagt, seine Familie sei ihm das Wichtigste.

Es ist und bleibt ein Spannungsfeld. Er nennt es seine “Lebensaufgabe”, einen vernünftigen Ausgleich zwischen Beruf(ung) und Familie zu schaffen.

Als Lifestyle Entrepreneur weiß ich genau, wovon er spricht.

Warum nicht?

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Bevor du in deinem Business etwas Neues startest:

Warum machst du nicht zuerst das Meiste aus dem, was du bereits hast?

Und ja, das könnte bedeuten, dass du noch ein bisschen mehr in diese Sache investieren musst: mehr Geld, mehr Sorgfalt oder mehr Liebe.

Das Phantom, an dem du dich misst

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Unlängst hat Tad Hargrave in seinem Newsletter eine Beobachtung geteilt: Wenn er bei seinen Workshops fragt, wer das Gefühl kennt “Ich sollte schon viel weiter sein”, gehen fast alle Hände hoch.

Spannend, dass wir alle das gleiche Problem zu haben scheinen. Aber noch spannender ist die Frage: “Weiter sein” verglichen mit was genau?

Wir messen uns an einer fiktiven Version unserer selbst, die unter perfekten Bedingungen gearbeitet hätte. Die nie krank war, nie gezweifelt hat, nie einen Umweg genommen hat.

Zum Beginn des Jahres wird dieser phantomhafte Vergleich oft besonders laut. “Im Jahr 2026 sollte ich endlich…” – aber wer hat dir eigentlich eingeredet, welche Meilensteine du bis wann erreicht haben musst? Sind das wirklich deine Meilensteine, ist das wirklich deine Zeitplanung – oder jagst du einem Phantom nach?

Vergiss für einen Moment, wo du “sein solltest”. Schau dir stattdessen an, wo du tatsächlich bist. Sei einen kurzen Moment dafür dankbar, und dann entscheide, wohin du als nächstes willst.

Running Sushi

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Das Essen fährt portionsweise auf Tellern an meiner Nase vorbei. Ich brauche nur noch die Hand ausstrecken und zugreifen.

Das kommt meinem Kindheitstraum, einmal im Schlaraffenland zu leben, schon verdammt nahe.

Und das um 85 Euro für die ganze Familie.

Klar, man kann sagen: Das ist viel Geld für ein Mittagessen.

Aber in Wahrheit ist es ein echtes Schnäppchen für dieses unglaubliche Gefühl von Abundance, Reichtum und Luxus.

Wie im Märchen!

Dein letztes Geschäftsjahr

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Wir Solopreneure bauen unsere kleinen Imperien auf, als wären sie für die Ewigkeit. Optimieren die Conversion Rate, feilen am perfekten Funnel, diskutieren über Positionierung und Messaging. Als ob das alles bleiben würde. 

Die unbequeme Wahrheit: In dreißig, spätestens fünfzig Jahren interessiert sich niemand mehr für deinen LinkedIn-Content. Deine sorgfältig kuratierten Testimonials? Vergessen. Dein “zeitloser” Evergreen-Kurs? Ein digitales Fossil.

Was bleibt dann? Vielleicht die eine Idee, die du jemandem mitgegeben hast. Der eine Impuls, der tatsächlich etwas verändert hat. Aber dein Business-Konstrukt, dein Solo-Business mit all seinen Prozessen und Systemen?

Deine Ich-AG wird vergehen — und zwar schneller, als du glaubst.

Der Lotto-Sechser

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„If I won the lottery, I‘d be chronically offline“, sagt Maggie Patterson.

Und du?

Ist offline sein (zu können) der neue ultimative Luxus?

Die zweite Frage

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Wir leben in einer Zeit, in der die Frage Was bringt mir das? die wichtigste zu sein scheint.

Die zweite Frage – Was für ein Mensch möchte ich sein? – wird hingegen oft nicht gestellt. Und wenn, dann wird sie als naiv belächelt..

Aber: Menschen sind sehr wohl fähig, von sich aus das Richtige zu tun. Nicht weil es sich rechnet, sondern weil sie sich dafür entscheiden. Weil Menschen im Grunde gut sind.

Meine Hoffnung in der Weihnachtszeit ist, dass sich mehr Menschen diese zweite Frage stellen. Im Solo-Business und im Leben an sich.

Die stille Zeit

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Die Weihnachtszeit bringt das Bedürfnis nach Rückzug. Abstand gewinnen, nachdenken, sich sammeln.

Aber: Die gemütliche Couch im Wohnzimmer gibt dir keine Antworten über dein Leben. Sie gibt dir nur deine eigenen Gedanken zurück.

Die Welt da draußen – Menschen, Begegnungen, echte Gespräche – geben dir die Antworten, die du suchst.

Die innere Erlaubnis

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Unlängst hatte der wunderbare Bernhard Reingruber seinen ersten Buch-Launch. Großartiger Abend, über 100 Gäste, echte Resonanz.

Trotzdem, sagt er, brauchte er zwei Tage, bis er sich über diesen gelungenen Abend freuen konnte.

Der Grund: Seine innere Story, gelernt von seinem Vater: Den Kopf nicht rausstrecken, sich nicht exponieren, schon gar nicht mit eigenen Ideen.

Manche Kapazitätsgrenzen liegen nicht in unseren Fähigkeiten, sondern in dem, was wir uns erlauben.

[PS: Das Buch Von Bullshit zu Berührung kann ich als Weihnachtsgeschenk wärmstens empfehlen! Danke für’s Teilen deiner Storys, Bernhard!]

Die Ausstellung und das Business

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Unlängst war ich in der Michaelina Wautier-Ausstellung im KHM. Und dabei ist mir folgender Gedanke gekommen:

Man kann eine Ausstellung konsumieren, oder man kann sie genießen. Man kann durch die Räume zischen, oder man kann sich wirklich auf ein Bild einlassen.

Aber: Sich einlassen braucht Zeit. Genau wie ein stimmiges Solo-Business.

Du kannst Kund:innen abarbeiten, oder du kannst mit ihnen arbeiten. Du kannst Projekte durchziehen, oder du kannst sie verwirklichen. Du kannst Entscheidungen fällen, oder du kannst sie reifen lassen.

Das Problem: Wir haben uns an ein hohes Tempo gewöhnt. Newsletter überfliegen statt lesen. Social Media durchscrollen statt interagieren. Content mit KI raushauen statt überlegen: Was ist wirklich nützlich?

Die wirklichen wichtigen Dinge brauchen Zeit und Hingabe, um gut zu werden – im Business wie in der Kunst..

Deine USP

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Ich finde, die USP (unique selling proposition) ist bei einem Ein-Personen-Unternehmen ein völlig überschätztes Konzept.

Es wäre ein unglaublich hoher Anspruch, als einer von tausenden Unternehmensberater:innen, Fotograf:innen oder Psychotherapeut:innen eine echte USP zu haben – also wirklich unique zu sein..

Es gibt nichts Neues unter der Sonne, heißt es schon in der Bibel. Viele Gründer:innen quälen sich damit, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, und kommen drauf: Alles wurde schon irgendwann mal gedacht, gemacht, angeboten.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Deine USP als Solopreneur sind deine Kontakte. Punkt. Insbesondere die Resonanz-Beziehungen, die du im Laufe deines Lebens (in deiner Ausbildung, als Angestellte:r, im privaten Umfeld) hergestellt hast und noch herstellen wirst.

Diese Resonanzbeziehungen sind dein wahres Asset. Die kann dir niemand wegnehmen.

Es sind die anderen Menschen, die dich einzigartig machen – nicht du selbst.

Lebenswert

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Ein Gedanke von vorgestern beim Aufwachen:

Im besten Fall wäre mein Leben eine Sammlung lebens-werter Dinge.

Was der Job kostet

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Die meisten Angestellten wissen, was sie verdienen. Aber nicht, was ihr Job kostet.

Der Kaffee am Weg, das Mittagessen in der Kantine, die Fahrtzeit, die Anzüge, die Wohnung in Büronähe. Manche Jobs verlangen noch mehr: die richtige Tasche, die stylische Frisur, ein Auto, das passt.

Würde man das zusammenrechnen, dann würde auch sichtbar, wie wenig eigentlich vom Gehalt übrig bleibt.

Die besten Lehrer arbeiten gratis

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Wer seine Fehler vor Publikum macht, bekommt kostenlose Lehrer.

Das ist keine Metapher. Wenn du etwas falsch machst und andere können zusehen, steigt die Wahrscheinlichkeit exponentiell, dass dir jemand sagt, wie es richtig geht. Du erstellst einen LinkedIn-Post mit einem Denkfehler? Drei Leute werden dich korrigieren. Du baust dein Produkt öffentlich und übersieht etwas Grundlegendes? Die Community zeigt dir den besseren Weg. Du schreibst einen Newsletter mit einer schiefen Analogie? Jemand wird dir präzisere Sprache anbieten.

Das funktioniert nur, wenn du bereit bist, dich zu exponieren. Viele Solopreneure warten jedoch, bis alles sitzt. Bis die Website perfekt ist, das Konzept wasserdicht, die Strategie ausgereift. Nur: In der Zwischenzeit lernen sie nichts.

Öffentliches Scheitern ist also kein Risiko, sondern ein Vorteil gegenüber denen, die erst dann starten, wenn nichts mehr schiefgehen kann.

Was natürlich niemals der Fall sein wird.