AutorGünter Schmatzberger

Jeder kann warten

J

Als Vater beobachte ich, dass es eine der schwersten Lebenslektionen für meine Kinder zu lernen ist, dass man manchmal warten muss. Dass nicht alles sofort gehen kann, dass Papa nicht immer sofort Zeit hat zu spielen.

Warten zu können ist etwas, das einen Erwachsenen von einem Kind unterscheidet – oder zumindest unterscheiden sollte. Wir dürfen darauf vertrauen, dass alle Erwachsenen, mit denen wir zu tun haben, als Kinder gelernt haben zu warten. Jeder Erwachsene kann warten.

Deshalb brauchen wir auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir mal jemanden warten lassen. Wenn wir nicht sofort zurückrufen, wenn wir nicht jedes e-Mail sofort beantworten, wenn wir mal nicht sofort entscheiden. Er/Sie wird es aushalten, es geht praktisch nie um Leben oder Tod.

Und wenn nicht, wenn er/sie sich nicht viel anders als ein/e Dreijährige/r benimmt, wird es höchste Zeit für ihn/sie, diese wichtige Lebenslektion nachzuholen. Dann bin ich eben der Lehrer, den er/sie schon lange dringend gebraucht hat.

Erfolge

E

Note to self: Wenn du schon mal Erfolg hast, wenn etwas tatsächlich so klappt, wie du es dir vorgestellt hast, wenn rundum Zufriedenheit mit dem Ergebnis herrscht…

… dann geh nicht gleich wieder zur Tagesordnung über.

Du hast lange darauf hingearbeitet. Es war schwer genug. Gönn dir die paar Momente in der Sonne.

Anerkennung

A

Wir alle stehen auf den Schultern von Riesen. Was wir denken, sagen und tun haben wir von Menschen gelernt, die uns auf besondere Weise beeinflusst haben.

Unseren besten Lehrern, unseren Förderern und Mentoren haben wir viel zu verdanken. Sie haben geholfen, uns dahin zu bringen, wo wir heute stehen.

Von diesen besonderen Lehrern ein Wort der Anerkennung und des Lobes zu bekommen, bedeutet uns wahrscheinlich gerade deswegen so besonders viel, weil wir eigentlich tief in ihrer Schuld stehen.

Die beste Art, wie wir uns bei unseren Lehrern bedanken können, ist, dass wir sie eines Tages übertreffen und noch besser werden als sie – und dass wir unsere Fähigkeiten dann wiederum an junge wissbegierige Schülerinnen und Schüler weitergeben, bis diese uns übertreffen.

Helden

H

Die Helden deines Lifestyle Business sind jene Menschen, die ungefragt helfen.

Menschen, die dir Arbeit abnehmen, weil sie sehen, dass du ohnehin schon nicht mehr weißt, wo hinten und wo vorne ist. Die dir ein nettes Wort schenken, weil sie spüren, dass gerade sie Selbstzweifel an dir nagen. Die dir zur Seite stehen, wenn du Spundes hast vor dem neuen Projekt, das dich vermeintlich überfordert.

Sei dankbar für diese Menschen, und lass sie deine Dankbarkeit wissen und spüren.

Das Ende der Studenten-Version

D

Wenn du dein Lifestyle Business startest, dann hör auf, weiterhin Raubkopien und Studenten-Versionen zu verwenden. Leiste dir die Vollversion.

Du bist kein Amateur mehr, sondern Profi – also handle auch wie einer und kaufe dir die Werkzeuge, die du für deine Arbeit brauchst.

Damit signalisierst du deinen Kunden, aber besonders auch dir selbst, dass du es ernst wirklich meinst.

Hilflosigkeit

H

Unterschied #1: Es ist ein Unterschied zwischen „herausgefordert sein“ und echter Hilflosigkeit: Hilflosigkeit entsteht, wenn wir nicht nur ein bisschen aus unserer Komfortzone herausgeholt werden, sondern wenn wir uns so überfordert fühlen, dass wir in eine Art Schockstarre verfallen, wenn wir resignieren, weil das Projekt so überwältigend anspruchsvoll auf uns wirkt. 

Unterschied #2: Das “Wachsen mit den Aufgaben” ist eine lohnenswerte Sache für Lifestyle Entrepreneure. Aber: Bei echter Überforderung ist es das Gescheiteste, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Auch wir Lifestyle Entrepreneure brauchen nicht alles selbst zu lösen.

[Mein Podcast über Hilflosigkeit]

Namen

N

Wir können Dinge erst begreifen, wenn wir ihnen einen Namen gegeben haben. Solange etwas keinen Namen hat, können wir es nicht erfassen.

Deshalb reagieren viele Menschen, die sich krank fühlen, auch so erleichtert, wenn sie eine Diagnose bekommen. Wenn die Krankheit einen Namen hat, können sie auch damit umgehen (lernen).

Wir sollten also die Bedeutung der Namen, die wir vergeben und verwenden, nicht unterschätzen. Mit den Namen, den wir geben, definieren wir nämlich auch, wie wir handeln und wie wir behandelt werden wollen.

Verstehen

V

“Wir kaufen nicht die besten Produkte, wir kaufen, was wir verstehen”, sagt Markus Gull.

Wir Lifestyle Entrepreneure haben oft Produkte entwickelt, die zumindest ein bisschen erklärungsbedürftig sind. Wenn unsere Kunden nicht verstehen, worum es uns geht und – noch wichtiger – was sie davon haben… sie werden nicht kaufen. Weil wir Menschen eben nicht kaufen, was wir nicht verstehen.

Deshalb ist es hilfreich, dass wir unsere Kunden immer wieder auch als unsere “Schüler” betrachten und uns die Zeit nehmen, ihnen so verständlich, so einfach und so anschaulich wie wir nur können erklären, womit und wie wir ihnen helfen können.

Was hast du vermisst?

W

Jetzt, am Beginn der Rückkehr zur “neuen Normalität”, ist ein guter Zeitpunkt, eine erste Bilanz zu ziehen und zu fragen: Was hast du in den letzten Wochen wirklich vermisst? Was hat dir wirklich gefehlt?

Ich schätze, das sind nur einige wenige Dinge und/oder Personen. Von diesen Dingen hol dir mehr in dein Leben, weil sie dir gut tun und weil sie dich mit Freude und Energie erfüllen.

Alles andere lass einfach zurück. Es war ohnehin nur Ballast für dein Lifestyle Business.

Unternehmerische Selbstverantwortung

U

Jede/r UnternehmerIn kann sich glücklich schätzen, wenn er/sie Menschen um sich hat, die sie unterstützen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, die auch mal einen Teil der Last auf sich nehmen.

Aber etwas können sie niemals abgeben: Ihre Verantwortung als Unternehmer für ihr Handeln, ihre Entscheidungen und deren Folgen.

Daran müssen besonders jene Helfer immer wieder erinnert werden, die sich besonders beherzt einsetzen.

Wehleidig

W

“Wir sind alle unwahrscheinlich wehleidig”, sagt Erziehungsberaterin Martina Leibovici-Mühlberger und meint damit die wohlstandsgewöhnten Menschen des 21. Jahrhunderts, die “ständig auf Kuschelkurs” sind.

Ich glaube, wir Lifestyle Entrepreneure sollten für uns selbst besonders klar unterscheiden können, wann wir vor echten Problemen stehen und wann wir wie ein verwöhntes Kind unserer Wehleidigkeit nachgeben.

Niemand hat gesagt, dass es leicht werden würde, Lifestyle Entrepreneur zu sein. Ein Lifestyle Business ist kein Ponyhof, also benimm dich auch wie ein Erwachsener!

Jobverlust

J

Wenn wir einen Auftrag verlieren, wenn uns ein Kunde nicht (oder nicht mehr) beauftragt, wenn ein Angebot am Ende doch nicht angenommen wird…

Dann trennen wir uns nicht nur von einer Einkommensquelle. Das allein ist oft schon schmerzlich, aber meistens noch viel schwerer wiegt der Verlust von etwas, das uns Status und Sinn gegeben hat. Wir nehmen es persönlich. Unser Lifestyle Business ist viel mehr als nur Tätigkeiten, die unser Leben finanzieren, und wenn jemand “nein” zu unseren Angeboten sagt, ist uns das alles andere als egal.

Los lassen können, sich von etwas trennen können… das sind essentielle unternehmerische Fähigkeiten.

[Mein Podcast über fremd-initiierte Trennungsprojekte]

Erfolgsfaktor

E

Brian Little hat in einer Studie herausgefunden, dass sich anhand eines ganz bestimmten Faktors am verlässlichsten voraussagen lässt, ob ein Unternehmen erfolgreich sein wird:

Wie sehr unterstützt der Lebenspartner/ die Lebenspartnerin dieses Projekt?

Wenn jemals ein Klischee wahr war, dann dieses: Jeder Lifestyle Entrepreneur ist nur so stark wie der Mann oder die Frau an seiner/ihrer Seite.

Danke für alles, Viki!

Wer will das machen?

W

Chancen entstehend da, wo es Verantwortung zu übernehmen gibt.

Es ist ein häufiges Phänomen: Menschen wollen Karriere machen, wollen Erfolg haben im Business, aber die Verantwortung, die damit verbunden wäre, die wollen sie nicht übernehmen. Viel Verantwortung liegt einfach herrenlos herum.

Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen, die aufzeigen und sagen “Hier, ich!”, wenn gefragt wird “Wer will sich darum kümmern?” – diese Menschen sind rar.

Wenn du bereit bist, Verantwortung zu übernehmen, wo sich alle anderen wegducken, dann wirst du unverzichtbar: Für deine Chefs genauso wie für deine Kunden. Es geht gar nicht anders, als dass deine Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen, immer mehr und immer besser werden – und dass damit auch deine Gelegenheiten und Chancen für Erfolg mitwachsen.

Sich frei geben

S

Manchmal ist es die beste Maßnahme, die du als Lifestyle Entrepreneur setzen kannst, dir selbst frei zu geben – einen Abend, einen Tag oder eine Woche.

Ja, du lebst für dein Business. Aber manchmal brauchst du einfach eine Pause davon.

Soziale Preise

S

Wir Lifestyle Entrepreneure neigen dazu, unsere Preise “sozial verträglich” gestalten zu wollen. Wir wollen anderen Menschen helfen, und denen, die sich unsere Hilfe nicht leisten können, möchten wir gerne preislich entgegen kommen.

So löblich dieser Gedanke auch erscheinen mag, so fraglich ist, ob wir uns und unseren Kunden damit tatsächlich einen Gefallen tun.

In jeder Schule gibt es einen Hilfsfonds für jene Kinder, deren Eltern sich die Teilnahme am Schikurs nicht leisten können. Das interessante Phänomen dabei: Diese Hilfe wird selten in Anspruch genommen – nämlich auch von den Kindern/Eltern nicht, die Anspruch hätten und für die der Fonds ja eigentlich gedacht war.

Warum ist das so? Sich als “hilfsbedürftig” oder als “arm” zu deklarieren, ist mit Scham verbunden. Zu sagen: “Ja, ich bin arm, ich brauche deine finanzielle Unterstützung”, das fällt vielen nicht leicht. Und so passiert es, dass Eltern ihre Kinder lieber unter fadenscheinigen Vorwänden nicht am Schikurs teilnehmen lassen, als jene Hilfe in Anspruch zu nehmen, die für sie vorgesehen wäre.

Genauso kann es uns Lifestyle Entrepreneuren auch gehen, wenn wir “sozial” sein wollen: Genau die Menschen, denen wir eigentlich helfen wollen, kommen lieber überhaupt nicht zu uns, als dass sie uns nach den “sozialen Preisen” fragen müssen.

Wäre es da nicht viel sozialer, auf “soziale Preise” ganz zu verzichten und unseren Kunden ihre Würde zu lassen?

Lass dich nicht narrisch machen!

L

Kann es sein, dass da gerade jemand etwas auf deine Agenda setzt, natürlich hochwichtig und höchstdringend? Und kann es sein, dass du davon in Aufregung versetzt wirst und dich dadurch ablenken lässt?

Es passiert immer wieder, dass andere Menschen versuchen, ihre Prioritäten zu deinen Prioritäten zu machen. Das ist ihr gutes Recht, aber genauso ist es dein gutes Recht – ja viel mehr deine Pflicht als Lifestyle Entrepreneur –, deine eigenen Prioritäten im Blick zu haben und zu schützen wie deinen wertvollsten Besitz.

In solchen Momenten ist es essentiell, innezuhalten und zu fragen: Moment mal, was ist da eigentlich gerade los? Ist das, womit ich mich da gerade beschäftigen soll, eigentlich in meinem Interesse? Verkauft mir da gerade jemand etwas als wichtig, das eigentlich gar nicht mein Problem ist? Bin ich gerade dabei, meine eigenen Prioritäten für die Prioritäten von jemand anderem hintan zu stellen?

Ein Leben als Lifestyle Entrepreneur bringt viele Freiheiten mit sich, aber – als andere Seite der Münze – auch die Verpflichtung, sein eigenes Lifestyle Business immer im Fokus zu behalten, es immer wieder gegen Zeit- und Energieräuber von außen zu schützen und sich von deren Alarmismus und Aktionismus nicht anstecken zu lassen.

Wähle dich selbst und bleib bei dir.

Bittere Pillen

B

Es gibt immer mehrere Optionen auf dem weiteren Weg zum erfolgreichen Lifestyle Business.

Die zentrale Frage ist dabei immer nur: Welche bittere Pille willst du schlucken?

Es ist deine Wahl.