AutorGünter Schmatzberger

Vertrauen – und wenn es fehlt

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Vertrauen ist der Grundbaustein unseres Gesellschaft- und Wirtschaftssystems. Wir vertrauen darauf (ja, wir müssen darauf vertrauen), dass in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft jeder seine Arbeit macht. Und dass er sie gut macht.

Wir müssen darauf vertrauen, dass der Arzt, den wir aufsuchen, weiß, was er tut. Dass die Steuerberaterin, die wir konsultieren, sich tatsächlich länger als eine Minute Gedanken über unseren Fall gemacht hat. Dass die Marketing-Beraterin nicht nur unser Geld nimmt, sondern wir aus ihrer Beratung mehr herausbekommen, als wir bezahlen.

Ohne Vertrauen geht nichts, und gleichzeitig ist es ziemlich leicht, Vertrauen zu verspielen. Das ist ein Grundproblem in der Online-Business-Consulting-Welt. Schlecht qualifizierte Akteure spielen mit dem Vertrauen ihrer Kund*innen, enttäuschen es und machen damit den Markt kaputt. Denn ein gebranntes Kind wird sich zweimal überlegen, nochmals die. Dienste eines Online-Coaches in Anspruch zu nehmen, und wenn der noch so gut und ehrlich und hilfreich ist.

Wenn wir kein Vertrauen haben, dann werden wir nicht um Hilfe fragen. Warum sollte ich mir von jemandem helfen lassen wollen, dessen Kompetenz und/oder dessen Intention ich anzweifle?

Die Krux für uns Selbständige: Vertrauen beginnt zuerst mal bei uns selbst. Wie viel Vertrauen haben wir in unsere eigene Kompetenz? Wie viel Vertrauen haben wir in unsere Produkte und Angebote? Wie viel Vertrauen haben wir in unsere potenziellen Kund*innen und Partner*innen? Empfangen wir sie mit offenen Armen, oder sind wir selbst gebrannte Kinder?

Wenn das Grundvertrauen fehlt, wird alles schwierig, mühsam und anstrengend. Ein guter erster Schritt: Geh raus aus deinem Kopf. Sprich mit anderen Menschen. Hol dir das Vertrauen zurück, dass die meisten Menschen auf der Welt es grundsätzlich gut meinen.

Und mit dieser Brille schau dann wieder auf dein eigenes Angebot drauf. Gut möglich, dass du dann (wieder) spürst, dass du sehr wohl weißt, was du tust und dass deine Intention gut ist.

Und damit hast du den Samen gesetzt, um Vertrauen wachsen zu lassen.

KAWAs

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Ich möchte an ein sehr nützliches Tool der unvergessenen Vera. F. Birkenbihl erinnern: KAWA = Kreative Assoziation, Wort-Analogie.

Man nimmt sich ein Wort (ein Konzept, eine Idee etc.) her, zerlegt es in seine einzelnen Buchstaben und notiert jeweils einen Gedanken zu jedem Buchstaben, der mit dem Wort zusammenhängt.

Für ich ist das eine strukturierte Form des Brainstormings, wo durch die Anzahl und Reihenfolge der Buchstaben eine Struktur und eine Grenze hineinkommen. Ich tue mir mit KAWAs sehr leicht, mein Unbewusstes anzuzapfen und zu schauen, was da in mir ans Tageslicht kommen will.

Zur Illustration hier ein KAWA, das ich unlängst zum Konzept “Song Of Safety” von Seth Godin erstellt habe:

Ruhe geben

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Ich kann’s nicht.

Selbst, wenn mein Körper die Patschen streckt, will mein Kopf immer noch durch die Wand.

Ruhe geben. Meine Frau meint, ich muss es lernen.

Wahrscheinlich wäre es sogar das wichtigste Lernziel für 2024.

Taschenrechner

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Irgendjemand vergisst bei der Prüfung immer seinen Taschenrechner. Es ist immer eine*r.

Darüber kann ich mich aufregen, oder darauf kann ich mich einstellen.

Ändern wird sich’s jedenfalls nicht.

Theater bei der Prüfung

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Unlängst hat ein Student bei einer Prüfung eine Stunde lang auf die Prüfungsangabe gestarrt. Er hat kaum eine Frage beantwortet, und ich vermute, dass er eigentlich nach einer Viertelstunde “fertig” war mit seiner Prüfung.

Was ich spannend finde: Warum hat er eine Dreiviertelstunde seines Lebens verschwendet um dazusitzen und so zu tun, als würde er noch an seiner Prüfung arbeiten?

Ich kenne seine Geschichte nicht. Ich weiß im Grunde nichts über ihn. Aber meine Vermutung ist: Um sein Gesicht zu wahren. Um nicht nach wenigen Minuten mir gegenüber zugeben zu müssen: Ich bin sehr schlecht vorbereitet auf diese Prüfung, das wird heute nichts.

Natürlich habe ich es trotzdem gemerkt. Und ich denke, er hat gemerkt, dass ich es gemerkt habe. Und dennoch hat er nicht abgegeben, bevor auch ein paar andere ihre Prüfungen abgegeben haben – bevor es “save” war.

Wir alle spielen Theater.

Spendensammlung

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Wenn jemand an meine Wohnungstür klopft, den ich nicht kenne und der mich um Geld bittet…

… dann gebe ich dieser Person kein Geld. Niemals. Egal, was der “gute Zweck” wäre. Aus Prinzip nicht.

Ich denke, da bin ich wie viele. Und trotzdem scheint diese Taktik zu funktionieren, sonst würde sie nicht gemacht werden.

Und daraus darf ich wieder lernen: Nur, weil ich so denke, denkt nicht jeder Mensch da draußen so. Es reicht, wenn genügend Menschen da draußen die Wohnungstür aufmachen und einen Geldschein einwerfen – und sei es nur, dass sie ihre Ruhe oder ihr schlechtes Gewissen beruhigt haben.

Egal: Wenn’s funktioniert, dann funktioniert es. Es muss keinen Schönheitspreis gewinnen.

Dan Miller

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Irgendwann um das Jahr 2008 herum war der Podcast “48 Days To The Work You Love” ein Fenster in eine bis dahin unbekannte Welt. Der Host, Dan Miller, sprach darin über die Idee, dass der Beruf nicht nur ein J.O.B. sein braucht, sondern etwas Erfüllendes sein kann – und dass man selbst in der Hand hat, wie man freudvoll oder freudlos man sein Berufsleben verbringt.

Für mich, wie gesagt, eine Offenbarung. Ich war von Anfang an fasziniert von Dan Millers Blick auf die Welt und mit welcher Offenheit und Großzügigkeit er die Fragen seiner Hörer*innen beantwortete. Insgeheim dachte ich mir: So einen Podcast möchte ich auch mal haben, irgendwann in meinem Leben.

Heute bin ich an dem Punkt, wo mein Beruf meine Berufung ist, und das auch dank Dan Miller. Und mein neuer Podcasts ist von seinem Vorbild inspiriert.

Unlängst hat Dan Miller seine letzte Podcast-Folge ausgestrahlt. Er ist, in seinen Achtzigern, an Krebs erkrankt und hat in der Zeit, die ihm verbleibt, verständlicherweise andere Prioritäten.

Heute ist Dan Miller gestorben.

Sein Podcast wird jedenfalls nachwirken, bei einem kleinen Solopreneur in der Südstadt.

Danke, Dan Miller. Für alles.

So unfair

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Niemand hat endlos Kraft. Niemand kann pausenlos arbeiten. Niemand ist unbesiegbar.

Außer natürlich ich.

Das ist die Hybris, der wir Solopreneure immer wieder zum Opfer fallen: Wir glauben, wir sind unsterblich.

Und wenn ich dann plötzlich mit meiner Menschlichkeit konfrontiert werde und drauf komme: Hey, ich habe doch nicht endlos Kraft! Ich glaube, ich brauche eine Pause…

Dann bin ich völlig von den Socken und jammere: Das ist sooo unfair! Ich habe gerade sooo viel vor! Das passt mir grad überhaupt nicht rein!

Dem Leben sind meine Pläne natürlich vollkommen wurscht. Und je mehr ich mich wehre, desto schlimmer wird es für mich.

Es ist nicht unfair, sondern die ultimative Fairness: Wir sind alle nur Menschen.

Die Website

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Die Website ist für viele Gründer*innen deswegen so ein Monster-Projekt, weil sie gnadenlos alle Schwachstellen der Gründungsidee aufdeckt.

Der Versuch, Website-Texte zu schreiben, bringt alle Fragen ans Tageslicht, die bisher nicht beantwortet sind. Der Versuch, seine Angebote auf der Website zu präsentieren, bringt alle noch nicht getroffenen Entscheidungen ans Tageslicht. Und die fehlende Klarheit, welche die Besucher einer Website spüren, entspricht der fehlenden Klarheit desjenigen, der die Website online gestellt hat.

Deswegen rate ich allen Gründer*innen, ihre Website erst dann anzugehen, wenn sie mit ihrem Gründungsprojekt schon sehr weit sind.

Weil selbst dann ist die Website-Erstellung noch herausfordernd genug.

Podcast ‘Leiwand gründen’

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Camillo Patzl und ich haben einen gemeinsamen Podcast gelauncht!

Er heißt Leiwand gründen, und er ist.. äh… leiwand! Jede Woche sprechen wir über eine Frage aus der Gründungs-Praxis und geben Tipps für eine erfolgreiche und erfüllende Solo-Selbständigkeit.

Hör gleich rein in die ersten Folgen und abonniere den Podcast auf deinem Lieblings-Podcast-Player!

Marketing-Mittwoch

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Cooler Tipp von Corinna Hintenberger:

Sie macht mit einer Kollegin jeden Mittwoch einen “Marketing-Mittwoch”. Sie trifft sich mit ihr online, und sie arbeiten, jede für sich, zwei Stunden lang an ihren Marketing-Themen: Social-Media-Posts, Blogartikel usw.

Corinna Hintenberger hat nämlich festgestellt, was alle Solopreneure irgendwann merken: Marketing- und Sichtbarkeits-Zeit gehört eingeplant. Das geht nicht nebenbei!

Was einen Termin hat, wird erledigt.

Alles andere… eher nicht.

Content Marketing ist nicht alles

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Wenn man sich die Online-Business-Bubble so anschaut, dann entsteht leicht der Eindruck, dass Content Marketing der einzig richtige Weg ist, um zu Kunden zu kommen. Social Media, Blog, Website, Podcast, YouTube etc. scheinen alternativlos.

Dabei gibt es noch viele andere Formen von Marketing, die genauso gut und genauso möglich sind. Schau dir mal die großen Unternehmen an: Die machen auch nicht nur Content Marketing, sondern setzen auch auf andere Pferde. Viele Unternehmen machen gar kein Content Marketing, und es funktioniert für sie bestens!

Eine Form von Marketing, die für uns Solopreneure besonders effektiv ist, die wir aber meistens nur erbärmlich beherrschen: Empfehlungsmarketing. Unvergleichbar effektiv, selten gut gemacht.

Wenn du also wieder mal vor der Frage stehst: Was soll ich bloß wieder posten?, dann wäre es unter Umständen besser, dich hinzusetzen und dir in 20 Minuten zu überlegen: Wie kann ich meine bestehenden Kunden und Kontakte aktiv um Empfehlungen fragen? Wie könnte eine planvolle Strategie aussehen? Was wäre möglich, wenn ich das richtig, richtig gut mache?

Die wahre Kunst

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Für alle, die sich gerade Ziele für 2024 zurechtlegen:

Dinge haben zu wollen, ist keine Kunst. 

Die wahre Kunst ist es, die Arbeit und die Konsequenz reinzulegen, die es braucht, um diese Dinge zu erreichen.

Das Spiel entscheidet sich daher nicht im Jänner beim Ziele-Setzen, sondern irgendwann im Juni oder so, wo man merkt: Jössas, das ist ja viel mühsamer als gedacht.

Also überleg dir jetzt, im Jänner, schon mal: Was wirst du in der Situation tun? Welche Geschichte wirst du dir dann erzählen? Und: Ist dein Ziel stark genug, um die Mühen der Ebene zu überstehen?

Exzellentes Management

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Eine gute Geschäftsidee verdient ein gutes Management.

Exzellentes Management kann die Welt verändern.

Projekt-Budgets

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Jedes meiner Personal Projects hat Wünsche an mich, was meine Aufmerksamkeit und meine Zeit betrifft.

Meine Aufgabe hier und heute (und immer wieder) ist es, diese Wünsche zu koordinieren, abzuwägen und zu einem “Budget” zusammenzufassen: Wer bekommt was? Was kommt zuerst, was später? Was ist jetzt wichtig, was ist nicht (mehr) wichtig? Welche Verluste kann ich mir leisten, welche nicht?

Dabei sind, wie in jedem Budgetierungsprozess, harte Entscheidungen zu fällen. Es ist notwendigerweise ungerecht.

Aber was ist die Alternative?

Die Reihenfolge ist nicht egal

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Unlängst gesehen im örtlichen BILLA-Plus-Restaurant:

Dass das Einser-Menü das vegetarische ist und das Zweier-Menü das mit Fleisch, ist nicht egal. Es ist auch kein Zufall.

Es ist eine bewusste und gleichzeitig subtile Botschaft, die sagt: Die Zeiten haben sich geändert, mein Freund!

Wir alle spielen Theater

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Unlängst war ich mit dem Zug unterwegs. Ich habe mir ein Erste-Klasse-Ticket gekauft, weil das hat den Vorteil, dass ich vor der Fahrt noch in die ÖBB Lounge am Bahnhof durfte.

Um in die Lounge zu kommen, muss man sein Erste-Klasse-Ticket beim Eingang herzeigen. Ich zeige also pflichtschuldig und keine Sekunde länger als notwendig mein Handy-Ticket her, die Frau am ÖBB-Schalter schaut pflichtschuldig (und halbherzig) drauf.

Wir beide haben gerade Theater gespielt. Ich habe so getan, als wäre ich motiviert, mein Ticket herzuzeigen, und die Angestellte hat so getan als wäre ihr wichtig, mein Ticket zu kontrollieren. Eine reine Farce, und doch ist dieses Theater genau das, was die gesellschaftliche Norm von uns beiden erwartet hat.

Und das Paradoxe daran: Ich denke, wir beide wussten in dem Moment, dass wir hier gerade Theater spielen. Aber das war nicht entscheidend. Entscheidend war nur, dass keiner von uns aus der Rolle fällt. Wir haben beide getan, was von uns erwartet wurde, und dann hatten wir wieder unsere Ruhe.

Und jetzt überleg dir mal, wie viele Interaktionen jeden Tag genau so ein Theater sind, wo wir nur so tun, als ob sie uns wichtig wären. Ich glaube, es sind viele.

Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, bei der einen oder anderen dieser Theaterstücke mal den Vorhang zu lüften und zu fragen: Was tun wir hier eigentlich?