AutorGünter Schmatzberger

Kundengespräche

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Wir Gründungsberater sprechen oft mehr mit unseren Kund*innen über private Dinge (den letzten Urlaub, die Kinder usw.) als mit unseren Kolleg*innen.

Unsere Kund*innen wissen mehr Privates von uns als unsere Kolleg*innen.

Selbständige Berater

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Teilzeit-Gründungsberater, die nebenbei selbständig sind, sind allerdings auch nicht unproblematisch:

Es ist zwar super, dass sie die Erfahrung und das Praxiswissen mitbringen, aber sie sind eben auch selbst Unternehmer. Sie arbeiten in einem Umfeld, wo rund um sie Menschen sind, die bereits selbständig sind oder sich gerade selbständig machen.

Das stimuliert natürlich auch sie selbst. Sobald ihr Business (wieder) gut läuft oder sie eine neue Geschäftsidee verfolgen, die traction bekommt, kündigen sie die Anstellung und sind weg.

Bei Vollzeit-Angestellten passiert das längst nicht so schnell. Die wechseln vielleicht die Aufgabe innerhalb des Unternehmens und versuchen “aufzusteigen”, aber sie kündigen längst nicht so leicht.

Unselbständige Berater

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Ein Problem im Online-Business ist, dass die so genannten “Success Coaches” nicht immer für ihre Aufgabe geeignet sind:

„You‘ve got someone who’s never run a business, who’s just got a job, who’s now maybe trained in the method or the systems or the process or whatever, but they don’t actually have your lived experience of being a business owner.“

Duped Podcast vom 15. November 2021

Dieses Problem kann es durchaus auch in der Gründungsberatung mit unselbständigen Vollzeit-Berater*innen geben.

Horoskop

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Folgendes Gedankenexperiment:

Wie wäre es, wenn du zu einem Astrologen gehst und für dein Business ein Horoskop erstellen lässt? Oder wenn du dir von einer Wahrsagerin die Zukunft deiner Geschäftsidee voraussagen lässt?

Ist das Ergebnis, das du dort bekommst, wirklich so viel schlechter als das, was du nach langem Hin- und Herübergeben in deinen Businessplan schreibst?

Eines gebe ich dir jedenfalls schriftlich: Die Entscheidungen, die du aufgrund eines Horoskops triffst, sind tausendmal besser als die Entscheidungen, die du nach wochenlangem Grübeln nicht triffst.

Überzeugung überzeugt

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Es gibt nichts Überzeugenderes in einem Verkaufsgespräch, als wenn man selbst von seinem Angebot überzeugt ist.

Marketing mit-denken

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Ein wiederkehrendes Problem vieler Gründungen ist, dass Marketing ein “afterthought” ist, also Überlegungen zum Marketing erst dann angestellt werden, wenn sonst alles fix-fertig ist.

Das führt zu folgenden Problemen:

  • Ein Gründer überlegt sich ein Geschäftskonzept, das ihm voll taugt – aber passt das Konzept auch auf den Markt? Spricht dieses Konzept auch Kunden an? Ist er mit dem Konzept am Markt überhaupt willkommen?
  • Aber selbst wenn das Geschäftskonzept grundsätzlich angenommen wird: Es reicht nicht, wenn die Leistung gut ist. Sie muss auch schön verpackt sein. Das Angebot muss auch gut aussehen, nicht nur gut funktionieren.
  • Und selbst, wenn der Gründer sich viel Arbeit machen würde mit Corporate Design und nächtelang an seiner Website basteln würde… Wie viel mehr Erfolg könnte er haben, wenn das Corporate Design wirklich professionell gemacht wäre (also von Profis, die ihr Handwerk meisterhaft beherrschen) und richtig, richtig schön aussehen würde?

Heut helfe ich

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Durch meine Kinder habe ich Ritter Rost kennen- und schätzengelernt.

In einer seiner Geschichte kommt Ritter Rost in die Verlegenheit, sich zum ersten Mal in seinem Leben selbst um den Haushalt kümmern zu müssen. Er geht voller Motivation an die Sache heran und nimmt sich vor: Heut helfe ich.

Und natürlich macht er alles falsch.

Für mich ist das Lied immer wieder ein Reminder, dass auch wir Berater*innen voll motiviert beraten und trotzdem (oder gerade deswegen) das Chaos bei unseren Kund*innen nicht verkleinern, sondern eher vergrößern.

Eine radikal andere Didaktik

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Stephan A. Jansen spricht in brand eins von einer “Bildung-Wende” und fragt: Erfordert der leichtere Zugang zu Wissen eine radikal andere Didaktik?

Auch für Solopreneure ist eigentlich alles Wissen vorhanden, auf Knopfdruck.

Was bräuchten sie, um dieses Wissen für sich in den Dienst stellen zu können?

Hat diese Frage überhaupt etwas mit Didaktik zu tun? Oder scheitert es zuvor an ganz anderen Dingen?

Milchpreis

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Das Phänomen, dass kleine Unternehmen oft kaum Ahnung vom Markt haben, auf dem sie agieren, ist ziemlich weit verbreitet.

Die Bio-Milchbäuerin, bei der wir geurlaubt haben, hatte keine Ahnung, was der Liter Bio-Milch im Supermarkt kostet.

31 Jahre gibt’s das schon

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Noch eine Beobachtung aus dem Urlaub:

Die Kinder lieben die Minidampfbahn im Waldviertel. Und jedes Mal, wenn wir dort sind, denke ich mir: Gewaltig, was hier praktisch im Nirgendwo dasteht. Respekt vor diesem Unternehmergeist!

Heuer ist mir durch einen Nebensatz des Betreibers bewusst geworden, dass es dieses Unternehmen bereits seit mehr als dreißig Jahren gibt. Was hier zu sehen ist, ist nicht von heute auf morgen entstanden, sondern hat sich Stück für Stück über drei Jahrzehnte aufgebaut. 

Wir sehen meist nur das Ergebnis und vergessen darüber, wie jedes noch so große Unternehmen entsteht: drip by drip, wie Seth Godin sagt. 

Am Anfang haben sie sich noch bemüht

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Wir haben Urlaub gemacht bei einem Bio-Bauernhof im Waldviertel. Freundliche Leute, saubere Zimmer, tadelloses Frühstück.

Und dennoch fällt mit freiem Auge auf, dass mit den Jahren ist ein bisschen der Schlendrian eingerissen sein dürfte. Nichts Schlimmes, aber dort und da ist zu sehen, dass den Gastgebern der Anfangselan ausgegangen ist und auf Kleinigkeiten nicht mehr so viel Wert gelegt wird. Es wird getan, was zu tun ist, aber auch nicht viel mehr. 

Wie gesagt: Es gibt nicht wirklich was zu beanstanden, der Betrieb klappt reibungslos. 

Und trotzdem: Mit der Alltagsroutine ist der Zauber verloren gegangen, der aus einem Urlaubsort etwas Besonderes macht. 

Hinauf, hinunter

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Mein Onkel Florian hat eine interessante Beobachtung gemacht:

Durch das E-Bike fällt es auch ungeübten Radfahrern recht leicht, selbst sehr hohe Berge zu erklimmen. Das Problem ist aber, dass sie sich dafür beim Runterfahren komplett verausgaben – weil auch das Runterfahren sehr anstrengend ist und ihnen das E-Bike dabei nicht mehr hilft. 

So geht es mitunter auch uns Lifestyle Entrepreneuren: Wir wünschen uns, dass wir eine Abkürzung zum Erfolg hätten. Aber wenn wir den Erfolg dann haben, ist längst nicht gesagt, dass wir ihn auch derschnaufen. 

Motivierende Fragen

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Ich finde es ausgesprochen motivierend, etwas gefragt zu werden.

Das liegt vermutlich an meinem Naturell als Lehrer. Als Lehrer muss ich es ja mögen, etwas gefragt zu werden, sonst habe ich meinen Beruf verfehlt. Und nicht zuletzt fühle ich mich auch ein bisschen wichtig, wenn ich was erklären kann.

Hin und wieder bekomme ich aber auch eine Frage der anderen Art. Nämlich eine Frage, die eigentlich ein Hinweis darauf ist, dass eine Erklärung von mir nicht hilfreich war. Gar nicht so selten deswegen, weil die Erklärung ganz einfach falsch war. Weil ich einen Fehler gemacht habe.

So sehr mich die Fragen motivieren, wo ich “glänzen” kann, so sehr sind jene Fragen wertvoll, die mich daran erinnern, dass ich auch manchmal einen Blödsinn rede.