Ausgewählte Podcast-Folgen aus den Jahren 2019 und 2020.
(mehr …)5000 Folder
Unlängst hat mir eine Gründerin folgende Geschichte erzählt:
Ein Kollege hat ihr dringend geraten, nicht zu billig zu starten und von Anfang an einen angemessenen Preis für ihre Leistung zu verlangen.
Er selbst sei nämlich viel zu billig. Seinen Preis könne er aber leider nicht erhöhen, weil er vor Jahren 5000 Folder hat drucken lassen und in denen sein billiger Preis steht. Die muss er erst verbrauchen, bevor er einen neuen Folder mit neuen Preisen drucken lassen kann.
Ein besseres Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt wird man kaum finden.
Zuschauer mit Popcorn
Die Zuschauer deines Lebens sitzen da oben auf der Tribüne, mit ihrem Popcorn, und schauen dir zu, wie du in der Arena stehst, kämpfst und dabei Fehler machst.
Und natürlich machst du mehr Fehler als die Zuschauer da oben. Sie haben ordentlich was zu lachen.
Deshalb brauchst du viel Mitgefühl mit dir selbst.
[Danke Veit Lindau für diesen Gedanken.]
Unerwartet
Es kann immer was dazwischen kommen.
Es ist wahrscheinlich gar keine schlechte Heuristik, davon auszugehen, dass etwas dazwischen kommen wird.
Rolling Stones (2)
Unlängst waren die Rolling Stones im Happel-Stadion in Wien zu Gast. Keith Richards wird heuer 79 Jahre alt, Mick Jagger ebenfalls. Der Jüngste, Ronnie Wood, ist 75 geworden.
Da kommt schon mal die Frage auf, warum sich die Herren nicht schon längst zur Ruhe gesetzt haben und sich das Touren immer noch antun.
Keith Richards gab darauf beim Konzert die Antwort: “That’s what we do.”
Damit ist alles gesagt.
In der Schnellbahn sitzen bleiben
Ein Gedanke, den mein Freund Martin bei Oliver Burkeman aufgeschnappt hat:
Wenn du wirklich herausragenden Erfolg haben willst, musst du “im Bus sitzen bleiben”. Oder, auf das Wiener Schnellbahnnetz übertragen:
Die meisten Menschen sind auf der “Stammstrecke” zwischen Meidling und Floridsdorf unterwegs. Wenn die Schnellbahn in Floridsdorf abfährt, sind die meisten Menschen bereits ausgestiegen.
Die wirklichen Durchbrüche entstehen aber, bildlich gesprochen, nicht zwischen Meidling und Floridsdorf, sondern zwischen, sagen wir, Niederkreuzstetten und Mistelbach – nämlich dort, wo fast niemand mehr in der Schnellbahn sitzt, weil es zu weit, zu langweilig oder zu mühsam wäre, bis dahin durchzuhalten.
Daher: Leg dich fest, wohin dich die Reise führen soll. Und dann bleib gefälligst sitzen, bis du dort bist.
Selbstverständlichkeiten
Wenn man Gründer*innen fragt, was sie denn besonders macht (Stichwort: USP), dann antworten sie häufig mit Selbstverständlichkeiten.
“Ich bin kundenorientiert”, “Ich bin verlässlich und reagiere prompt” oder “Ich biete einen super Service” ist im 21. Jahrhundert nichts Besonderes. Damit lassen sich Kund*innen nicht mehr beeindrucken. Das Service-Level ist in vielen Bereichen so hoch geworden, dass man damit nicht punkten kann, sondern im Gegenteil verliert, wenn man dieses Level nicht halten kann.
Dabei ist es schon eine wirklich gute Leistung, konstant und verlässlich diese Selbstverständlichkeiten zu erfüllen. Das ist wahrlich keine Kleinigkeit.
Und wer es dann noch schafft, mit einzelnen gezielten (!) Akzenten noch zusätzlich einen Wow-Effekt zu erzeugen, der ist der Kaiser.

Wo ist der Call to Action?
Unlängst spiele die junge britische Band The Lathums im Vorprogramm von The Killers in der Wiener Stadthalle.
Vorgruppen sind nicht immer das Gelbe vom Ei, aber The Lathums waren wirklich erfrischend und hatten das Publikum rasch auf ihrer Seite. Sie haben es geschafft, die Konzertbesucher eine Dreiviertelstunde lang gut zu unterhalten und wurden mit viel Applaus verabschiedet.
Ein paar tausend Menschen haben ihnen also ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Aber wie haben sie diese Aufmerksamkeit genutzt? Schlecht, sage ich als Unternehmensberater. Am Ende der Show, als das Publikum dafür absolut bereit gewesen wäre, kam kein Call to Action. Kein “Bitte liked uns auf Instagram” oder “Bitte kauft unser neues Album” oder “Bitte erzählt euren Freunden von dem Konzert” oder was auch immer. Es kam einfach… nichts.
Ja, sicher werden einige Besucher auch von selbst aktiv werden. Ich habe einige Songs der Band auf meine aktuelle Playlist geladen. Aber es wäre viel mehr möglich gewesen.
Insgesamt eine riesige vergebene Chance.
Markus Hengstschläger: Die Durchschnittsfalle (2012) 📙
Ein Plädoyer dafür, dass wir etwas machen aus unseren Talenten und uns nicht mit dem Durchschnitt zufrieden geben.
(mehr …)Unsere erste Aufgabe
Unsere erste und wichtigste Aufgabe als Unternehmer*innen ist es, uns um unsere Kund*innen zu kümmern.
Hinzuhören, was sich unsere Kund*innen wünschen. Und natürlich dafür zu sorgen, dass wir immer wieder neue Kund*innen gewinnen. Und das nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern mithilfe eines systematischen, durchdachten und für unser Unternehmen passenden Prozesses.
Bei vielen Solopreneuren gerät diese Aufgabe jedoch unter die Räder. Solange sie mit Aufträgen ausgelastet sind, sehen sie nicht die Notwendigkeit, sich regelmäßig (sprich: täglich!) um Kundengewinnung zu kümmern. Doch dann, wenn die Aufträge nachlassen und sie plötzlich nichts zu tun haben, sollen plötzlich “aus dem Stand” neue Kund*innen daher kommen.
So funktioniert das natürlich nicht. Kundengewinnung ist eine regelmäßige strategische Aufgabe. Das Akquise-Werkl nur dann anzuwerfen, wenn die Kund*innen fehlen, ist nicht nur unglaublich anstrengend, sondern funktioniert auch nur mittelmäßig.
Es wäre viel besser, jeden Tag eine halbe Stunde dem Marketing, der Werbung und anderen Aufgaben der Kundengewinnung zu widmen. Jeden Tag eine halbe Stunde macht 2,5 Stunden in der Woche und 10 Stunden im Monat. Nicht die Welt, aber auch nicht nichts. Und wahrscheinlich 10 Stunden mehr als die meisten Solopreneure dafür investieren.
Und wenn wir schon dabei sind: Diese halbe Stunde am Tag findet natürlich nicht am Ende eines langen kräftezehrenden Arbeitstages statt. Nein, diese halbe Stunde ist die erste (weil wichtigste) Aufgabe des Tages. Deshalb wird sie auch gleich am Morgen erledigt, wenn das Energielevel bei 100 % liegt.
Unsere Kund*innen stehen an erster Stelle – und zwar nicht nur die bestehenden, sondern auch die zukünftigen.
Markus Hengstschläger: Wie manage ich (m)ein Talent? 🙋♂️
Vortrag bei der Bundestagung der JW, 29. September 2017 in Salzburg
(mehr …)Übervorsichtig
Ein Kollege berichtete unlängst von einer seiner Kundinnen, einer eher nervösen Person. “Sie möchte alles richtig machen – und genau deswegen macht sie alles falsch.”
Das ist das Paradox und das Schicksal der Übervorsichtigen auf den Punkt gebracht.
Drei Viertel
Ich habe die Evaluierungsergebnisse meiner Lehrveranstaltung an der FH St. Pölten bekommen. Die Studierenden haben mich und meinen Unterricht sehr positiv bewertet, und das freut mich wirklich sehr.
Bei genauerem Hinschauen muss man jedoch auch sagen, dass nur ein Viertel der Studierenden an der Evaluierung teilgenommen hat. Drei Viertel haben sich – aus welchem Grund auch immer – entschlossen, ihre Meinung nicht kundzutun.
Das muss nicht unbedingt etwas bedeuten. Die Ergebnisse können trotzdem repräsentativ sein. Oft schweigen gerade jene, die eh zufrieden sind, weil ja eh alles in Ordnung ist. Wer unzufrieden ist, meldet sich meist eh.
Und trotzdem will ich anerkennen, dass dieses Ergebnis von einer Minderheit der Studierenden hergestellt wurde.
Freuen tut es mich, wie gesagt, trotzdem riesig.
Bist du Edupreneur? Dann Wähle das richtige Spielfeld 🪴
Worum geht’s?
Es ist nicht so, dass man als Edupreneur:in (Trainer:in, Berater:in, Coach, Online-Coach etc.) kein Geld verdienen kann. Aber es ist essenziell, sich und sein Business in einem der drei Spiele zu verorten, die ihre Kund*innen spielen.
Menschen lernen nämlich aus drei ganz unterschiedlichen Motivationen heraus:
1. Lernen, um in einem endlichen Spiel zu gewinnen
Um besser, schöner, erfolgreicher zu sein als die anderen. Dafür wird auch bezahlt (Beispiel: Spieler kaufen Waffen in WoW). Diese Menschen sind aber in ersteres Linie an der Lösung interessiert, nicht am Lernen an sich. Sie suchen die Abkürzung und haben kein Interesse daran, den Lösungsprozess mitzugestalten. Wer am schnellsten, überzeugendsten, verlockendsten eine konkrete Lösung anbietet (z.B. in Form eines „Signature Systems“), gewinnt.
Denn: Diese Menschen wollen deswegen nicht lernen, weil echtes Lernen anstrengend ist. Diese Menschen wollen eine schnelle Lösung, die möglichst wenig anstrengend ist.
Aber Achtung: Diese Menschen sind schon oft enttäuscht worden von Edupreneur*innen, die ihnen genau das versprochen haben: Eine schnelle Lösung, hochwirksam und überhaupt nicht anstrengend.
Ihr Vertrauen zu gewinnen, ist nicht einfach. Die Erfahrung hat sie (zurecht) gelehrt, dass unter den Edupreneur:innen auch viele Scharlatane und Schlangenölverkäufer:innen dabei sind.
Wenn du jedoch ihr Vertrauen gewinnst und deine Versprechen hältst, bekommst du gute und dankbare Kund:innen.
(Zum Unterschied von endlichen und unendlichen Spielen siehe James Carse und Simon Sinek.)
2. Lernen um des Lernens Willen
Lernen als Persönlichkeitsentwicklung, als zutiefst menschlicher Wunsch zu wachsen. Lernen als unendliches Spiel.
Es gibt solche Menschen, aber sie sind rar. Und sie können aus einem fast unerschöpflichen Angebot wählen, wo sehr viel (auch sehr viel Gutes) kostenlos zu haben ist. Ihnen ein konkretes Angebot zu machen, sie „abzuholen“, ist nicht leicht. Du müsstest zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und/oder bestimmte echte Bildungsanlässe erkennen und bedienen.
Nicht einfach, darauf ein Business aufzubauen. Hier sind wir nämlich im Wirkkreis der Gabenökonomie. Was diese Menschen suchen, ist eher Orientierung als Lerninhalte: Was ist der nächste passende Schritt für mich? Wo finde ich das nächste passende Angebot für mich? Das Internet stellt ein unglaubliches Angebot für diese Menschen bereit, erzeugt damit aber auch oft Überforderung.
3. Lernen als Ablenkung, als Spaß und Stimulation.
Lernen als Hobby. Das sind die „Seminar-Touristen“, die wie ein Schmetterling von einer Weiterbildung zur nächsten flattern, aber kaum wo Spuren hinterlassen.
Das ist eigentlich kein echtes Lernen. Es gibt wahrlich schlimmere Wege, seine Freizeit zu gestalten. Aber: Diese Menschen suchen keine echte Veränderung, sie suchen Unterhaltung. Sie suchen keinen Fortschritt, sie suchen Ablenkung. Sie suchen kein Lernen, sie suchen Edutainment. Sie suchen keine Edupreneur:innen, sie suchen Keynote Speaker.
Auch diesen Menschen kann man etwas anbieten. Der Markt für Keynotes ist groß, und für gute Unterhaltung wird auch gut und gerne bezahlt. Aber die Edupreneur:innen, der hier den Anspruch und die Erwartungen von Nachhaltigkeit stellen, werden zwangsläufig enttäuscht.
Was bedeutet das?
Die Aufgabe für professionelle Edupreneur:innen ist es daher, das Spielfeld auszuwählen, auf dem sie spielen möchten und ein dazu passendes Geschäftsmodell zu wählen.
So viele Edupreneur:innen mit besten Absichten tun das nicht oder nur unzureichend. Folglich erzielen sie nicht nut keine Wirkung bei ihren Kund:innen, sondern erleiden auch mit ihrem Business Schiffbruch.
Letztes Update: 16. Juli 2024
Entrepreneurship Education in der Schule
In Österreich soll das Thema “Entrepreneurship Education” in Zukunft als fächerübergreifende Kompetenz im Lehrplan verankert sein, und zwar bereits in Volksschule, Mittelschule und AHS-Unterstufe (Bericht).
Diese Initiative ist natürlich löblich.
Aber ich frage mich: Wie sollen Lehrer*innen Entrepreneurship Education glaubwürdig und begeisternd unterrichten?
Mein Eindruck ist nämlich, dass die meisten Lehrer*innen ihren Beruf deswegen gewählt haben, weil sie eher nicht der unternehmerische Typ sind. Sie mögen es gerne geordnet, vorhersehbar, berechenbar und regelgeleitet.
Daran ist nichts Schlechtes, aber es ist das Gegenteil von Entrepreneurship. Daher ist wohl zu erwarten, dass viele Lehrer*innen mit der Aufgabe, Entrepreneurship Education zu unterrichten, überfordert sein werden – zumal fächerübergreifend.
Da wird nicht viel Unternehmergeist bei den Schüler*innen ankommen.
In echt
Als ich ein Kind war und wenn nicht wusste, ob etwas ernst gemeint ist oder nicht, habe ich gefragt: „In echt?“
Dabei ist es heute noch schwieriger als damals, das Ehrliche, Echte von der Täuschung zu unterscheiden.
Deshalb sollten wir uns als Unternehmer bemühen, alles, was wir tun, „in echt“ zu tun: Echte Produkte, die unseren Kunden wirklich helfen. Eine echte Sprache, die erklärt und nicht vernebelt. Echte Beziehungen auf Augenhöhe und mit Respekt.
In so einer Welt möchte ich leben. In echt.
Luxus sichtbar machen
Gelesen im Freilichtmuseum Sumerauerhof, einem prächtigen Vierkanthof in Oberösterreich:
„Wohlstand wurde mit Luxus sichtbar gemacht,
schließlich wollte und will man zeigen, was man hat.“
Das wird wohl bis heute stimmen. Was sch aber ändert, ist das, was wir als „Luxus“ empfinden und womit wir unsere Nachbarn beeindrucken wollen.
Schlecht behandelt
Unlängst habe ich zweimal nicht gekauft, weil ich schlecht behandelt wurde.
Beim einen Mal, in einer Bäckerei, hat die Verkäuferin mit meinen Kindern gemeckert. Beim anderen Mal, in einer Pizzeria, war das Team so damit beschäftigt, miteinander zu streiten, dass sie mich vollkommen ignoriert haben.
Mit zunehmenden Alter wird mir immer wichtiger, dass nicht nur die Produkte gut sind, sondern wie Unternehmen mit ihren Kunden umgehen.
Ich mag Unternehmen, die ehrlich sind und ihre Versprechen halten. Und ich mag Unternehmen, die mich als Mensch sehen und nicht nur als Umsatzbringer.
Timothy Ferris: Die 4-Stunden-Woche (2007) 📙
Ich habe zu diesem Buch eine gespaltene Meinung. Einerseits ist es ein Buch, das ganz wesentlich war für die Entstehung der “Lifestyle Business”-Idee. Andererseits hat es viel Aberglauben in die Welt gesetzt (Stichwort: Passives Einkommen). Tim Ferriss ist aber ein guter Typ.
(mehr …)Anne Scoular: Business Coaching (2011) 📙
Das Buch ist etwas in die Jahre gekommen, das Coaching-Business hat sich verändert. Aber die Grundlagen sind immer noch nützlich.
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