Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Das Angebot auch verkaufen

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Du hast ein Angebot auf deiner Website stehen. Endlich, denn du hast eh wochenlang daran herumgedoktert. Die Texte optimiert, passende Bilder gesucht und wieder ausgetauscht, dir tausend Gedanken gemacht über den richtigen Preis.

Und dann kommt er tatsächlich, der langersehnte Moment, wo ein potenzieller Kunde dir eine Nachricht schreibt und Interessen an einer Zusammenarbeit mit dir ausdrückt.

Und was tust du? Du verkaufst nicht dein Angebot auf der Website, sondern du bastelst an einer Sonderlösung. Weil dieser Kunde so ein spezieller Kunde ist. Weil du ihn mit dem Standard-Preis nicht verschrecken willst. Weil du ihm einen Rabatt geben willst, um den er gar nicht gefragt hat.

Was ist da los? Warum stehst du nicht zu seinem Angebot, in das so viele Gedanken und so viel Herzblut geflossen sind?

Was braucht es (noch), damit du dein Angebot auch “stehen” kannst?

Invisible Marketing

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Man lernt ja nicht aus. Unlängst habe ich ein Konzept kennengelernt, wo ich mir gedacht habe, gibt’s ja gar nicht: invisible marketing.

Bisher dachte ich, dass Marketing gerade das Gegenteil von invisible ist: Auf sich aufmerksam machen, interessierte Menschen zu seinen Angeboten führen und zeigen, was man drauf hat.

Die Idee von invisible marketing ist, kurz gesagt, dass man Marketing macht, ohne dass es der potenzielle Kunde merkt. Es ist eine subtile Form des Marketing, wo die Marketing- bzw. Werbe-Botschaften “versteckt” und dadurch vermeintlich sympathischer daher kommen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass invisible marketing als Konzept besonders für jene Menschen interessant ist, die sich mit der Vorstellung von Selbstvermarktung generell schwer tun oder überhaupt meinen, Marketing und Verkauf wären Teufelszeug.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob ein neuer Begriff uns Solopreneuren tatsächlich dabei hilft, die Herausforderung Marketing für uns zu lösen. Vor allem dann nicht, wenn Konzepte wie invisible marketing zu dem (falschen) Eindruck führen, dass wir auch ohne Marketing (also quasi “unsichtbar”) erfolgreich sein können.

Denn Marketing ist es, und Marketing bleibt es – egal, welches Modewort wir davor stellen.

Wieder anfangen

W

Es ist relativ leicht, mit einer guten Gewohnheit aufzuhören.

Es ist viel schwerer, mit dieser guten Gewohnheit wieder anzufangen.

Note to self: Auch wenn die Laufrunde mühsam war wegen der langen Pause: Klopf dir auf die Schulter, denn heute bist du ein Held. Weil du wieder angefangen hast.

Hoffnung

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Die Hoffnung ist das Schlimmste.

Zumindest manchmal. Nämlich dann, wenn die Hoffnung immer und immer wieder enttäuscht wird. Es ist schwer, darüber nicht zu verzweifeln.

Mitunter wäre es besser, gar keine Hoffnung mehr zu haben. Dann könnte man das Thema abhaken und sich neu orientieren.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und manchmal gehen wir mit ihr und an ihr zugrunde.

Höhen und Tiefen

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Es ist im Solo-Business genau gleich wie im übrigen Leben: Es gibt Höhen und Tiefen.

Aber eines dürfen wir dabei nicht vergessen: Es gibt Hochs und Tiefs für alle Menschen.

Das Leben ist nicht ungerecht zu uns. Zumindest nicht ungerechter als zu allen anderen Menschen auch.

Der einzige Unterschied: Wenn andere Menschen leiden, sehen wir das halt meistens nicht. Und so bilden wir uns ein, dass nur wir leiden. Oder dass wir besonders oft leiden. Oder dass wir besonders tiefe Tiefs haben. Und die Anderen nicht.

Nichts könnte weiter weg sein von der Wahrheit.

[Danke Julia Mack-Amantidis für diesen Gedanken.]

Doch noch drei Schnaps-Metaphern

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Ein Zwanziger nützt dir nichts, wenn du ihn nicht ansagen kannst.

Ein Vierziger nützt dir nichts, wenn ihn dir der Gegner zerreißt.

Manchmal gewinnst du, und du weißt: Das war jetzt das reinste Glück.

Presseaussendung

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Eine spannende Fragen habe ich letztens mit meinem Freund und Profi-Texter Martin Schmidt besprochen:

Für wen schreibt man eigentlich eine Presseaussendung?

Ist es wirklich (nur) für die Journalisten im Presse-Verteiler, die Futter für ihre Artikel bekommen sollen?

Oder ist es nicht auch zu einem guten Teil für die internen Stakeholder? Für die Chefs, die Abteilungsleiter und die Projektmanager, denen es weniger um akkurate Information als um Status und Selbstdarstellung geht?

Meistens ist es beides. Das macht die Arbeit nicht gerade leichter.

Überfordert von der Fülle

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Einige (viele?) Menschen können mit der Fülle der Möglichkeiten nicht umgehen, die das 21. Jahrhundert bereithält. Sie können mit dem Überangebot an Angeboten und an materiellen Ressourcen nicht umgehen.

Sie haben nie gelernt, nein zu sagen. Sie wissen nicht, wann es genug ist. Sie machen sich keine Gedanken darüber, was es für negative Konsequenzen hat, wenn sie Ressourcen verschwenden.

Und daher treffen sie für sich schlechtere Entscheidungen, als wenn sie weniger Möglichkeiten gehabt hätten.

Experimente

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Jedes Experiment bietet die Chance auf eine Verbesserung.

Keine Garantie, aber die Möglichkeit.

Ohne Experimente gibt es sicher keine Verbesserung.

4. Geburtstag

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Heute feiert mein Blog seinen vierten Geburtstag.

Seit 13. März 2020 habe ich jeden Tag einen Blog-Artikel veröffentlicht und keinen einzigen Tag versäumt.

Dieser Blog, das kann ich nach vier Jahren voller Überzeugung sagen, war und ist eine der besten Ideen, die ich jemals hatte.

Nicht, weil ich damit ein Riesenpublikum erreiche. Sondern weil ich diesen Blog in Wirklichkeit für eine einzige Person schreibe: meinen größten Kritiker, meinen größten Widersacher, mein einziger regelmäßiger Leser:

Günter Schmatzberger

Quantensprünge

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Ein Quantensprung ist eine substanzielle Veränderung.

Einen Quantensprung erkennt man daran, dass danach nichts mehr so ist wie davor. Die Qualität der Sache hat sich verändert, und zwar entscheidend.

In der Gründungsberatung kann ich manchmal bei solchen Quantensprüngen behilflich sein, und es ist jedesmal ein beglückendes Erlebnis. Es entsteht plötzlich eine Klarheit, die vorher nicht da war. Mit einem Mal sind Lösungen möglich, die vorher nicht realisierbar gewesen wären. Auf einmal ist alles viel, viel einfacher.

Schade nur, dass die allermeiste Gründungsberatung da draußen nicht ausgerichtet ist darauf, Quantensprünge für Gründer*innen zu ermöglichen. Es gibt weder die Zeit noch den Rahmen dafür.

Ich trete an, um das zu ändern. In meiner Gründungsberatung sollen Quantensprünge nicht die Ausnahme, sondern der Anspruch sein.

Substanziell anders

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Menschen registrieren, wenn jemand etwas substanziell anders macht als sie es gewohnt sind.

Nicht ein bisschen anders. Nicht die kosmetischen Unterschiede. Wir Menschen tun uns schwer, kleine Veränderungen zu erkennen.

Aber die substanziellen Veränderungen, die fallen uns auf. Wir können sie nicht nicht sehen. So ignorant können wir gar nicht sein.

Frag-würdige Produkte

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Gar nicht so selten haben wir Lifestyle Entrepreneure Produkte und Angebote auf unseren Websites, wo die Kund*innen fragen: Hä? Was ist denn das?

Und dann tun wir gut daran, dass wir uns Zeit nehmen und erklären. Dass wir den Nutzen herausstreichen. Damit wir erklären, was unsere Kund*innen davon haben.

Aber: Diese Aufklärungsarbeit generiert noch keinen Mehrwert.

Besser wäre, wenn diese Aufklärungsarbeit gar nicht notwendig wäre.

Besser informiert

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Wer besser informiert ist, kann nicht nur besser mitreden.

Wer besser informiert ist, hat auch mehr Selbstsicherheit, Fragen (und Nachfragen) zu stellen.

Und: Wer besser informiert ist, traut sich auch eher, nach besseren Alternativen, Preisen und Konditionen zu fragen.

[Danke Bettina Fuhrmann für diesen Gedanken.]

Brunch-Aktion

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Mein Lieblings-Fußballverein Admira Wacker hat sich unlängst etwas einfallen lassen für seine Fans:

Wer zum Match am Sonntagvormittag kommt und einen Spritzer kauft, bekommt ein Brezel gratis dazu.

Abgesehen davon, dass mit knapp zehn Grad plus nicht gerade ein Spritzer-Wetter war: Schon klar… Da hat man einen neuen Sponsor, einen Winzer-Verbund, und man will dessen Produkte promoten.

Und dennoch sage ich: Nein, das war keine gute Idee. Das Timing passt nicht. Die Botschaft fühlt sich falsch an. Die Zielgruppe ist ziemlich eingeschränkt.

Da wäre mehr gegangen, wenn man wirklich eine leiwande Brunch-Aktion hätte machen wollen.

Professional noticing

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Profis unterscheiden sich von Anfängern in ihrer höheren Fähigkeit, in ihrem Fachgebiet Dinge wahrzunehmen: Probleme, Widersprüche, Auffälligkeiten, Abweichungen, Wichtiges, Unwichtiges, Ablenkungen, Ungesagtes und so weiter. Professional noticing wird diese Fähigkeit genannt.

Das bedeutet: Allein die Fähigkeiten, die ich durch meine Erfahrungen als Gründungsberater über die Jahre ausgebildet habe, macht eine Gründungsberatung wertvoll. Weil ich nach 2.500 Beratungsstunden viel Übung in professional noticing habe. Ich sehe einfach mehr als ihre Gründer*innen, und das macht meine Gründungsberatung wertvoll.

Aber: Professional noticing kann man nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln, auch ich nicht. Es gibt vier Voraussetzungen für professional noticing:

  1. Fachwissen
  2. Aufmerksamkeit, Wachsamkeit
  3. Übung
  4. Willingness to see

Gerade der vierte Punkt scheint mir entscheidend. Professional noticing funktioniert nur, wenn ich konsequent meine Augen aufmache.

Keine Fragen

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Die Gründerin sagt: Ich habe keine Fragen.

Was sie wirklich meint: Ich habe keine Fragen an dich. Die Fragen, die ich derzeit beschäftigen, möchte ich mit dir nicht besprechen.

Sie sagt es nur nicht so, weil sie nett zu dir sein will.

Organisierte Dummheit

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Immer, wenn du dich fragst: Wie kann es sein, dass eigentlich sehr gescheite Leute in Organisationen vollkommen hirnrissige Dinge tun?, ist das die wahrscheinlichste Antwort:

Aus Egoismus und/oder Narzissmus.

Eine zweite Chance

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Wenn du von einem Kunden eine Absage bekommst: Bleib professionell. Bleib freundlich. Und sag dazu: Wenn Sie es sich doch noch mal überlegen sollten – Sie wissen, wo Sie mich erreichen können.

Machmal kommt der Zweitplatzierte später noch zum Zug. Man weiß nie, was passiert.

Deshalb: Halte die Tür immer offen.

Noch drei Schnaps-Metaphern

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Es nützt dir nichts, wenn du vier Asse auf der Hand hast und du sie nicht ausspielen kannst.

Manchmal musst du einen Zwanziger zerreißen, auch wenn’s weh tut.

Ob deine Karten gut oder schlecht sind, hängt zu einem guten Teil auch von deinem Gegenüber ab.