Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Berechnend (2)

B

Erhellend, was Holger Fröhlich in brand eins über Influencer schreibt:

Wer ihnen folgt, wird per Knopfdruck Teil der Gemeinschaft (Zugehörigkeit) und erhält Liebesbekundungen (Anerkennung), da Influencer nicht müde werden zu betonen, wie großartig jeder und jede ihrer Jünger ist. Auch wenn es in Ausnahmefällen erst gemeint sein mag, wirtschaftlich förderlich ist es allemal. Als Follower muss man sich nicht um die Liebe des Idols bemühen, man verdient sie sich allein durch Folgen. Privat kann man ein Ekel bleiben, die sozialen Annehmlichkeiten gibt’s gratis. Aber eben nicht kostenlos. Schließlich sind Influencer keine Altruisten, sondern Geschäftsleute. Sie kriegen Geld dafür, likeable zu sein.

Holger Fröhlich: Nein, ich will nicht schlauer werden.
brand eins 04/2023, S. 56

Was, Influencer meinen es am Ende gar nicht (alle) ernst mit uns?

Berechnend (1)

B

Eigentlich müsste es mir klar sein, und trotzdem hat mich überrascht, was ich unlängst in brand eins gelesen habe:

Das Möbelhaus duzt uns ja nicht, weil das so eine liebenswürdige Wallander-Schrulle ist, sondern weil es damit mehr Sperrholz verkauft.

Holger Fröhlich: Nein, ich will nicht schlauer werden.
brand eins 04/2023, S. 56

Manchmal denke ich mir: Du bist unglaublich naiv!

Unliebsame Aufgaben

U

Die Dinge, vor denen wir als Unternehmer*innen zurückscheuen…

Wir wünschen uns ein anderes System, eine andere Gesellschaft, wo es nicht mehr notwendig ist, diese Aufgaben zu erledigen.

Wir wünschen uns z.B. ein Bedingungsloses Grundeinkommen, weil wir hoffen, dass es dann nicht mehr notwendig ist zu lernen, selbst nützliche Produkte zu schaffen und zu verkaufen.

Wir wünschen uns damit im Grunde, dass wir unsere fundamentale Aufgabe als Unternehmer*innen an die Gesellschaft auslagern können.

Das ist naiv – und feig.

Cato

C

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass sich jeder Mensch wenigstens einmal im Leben selbständig gemacht haben sollte.

Begleitender Neid

B

Wenige Dinge sind so gewiss wie der Umstand, dass du dein Leben lang von Neid begleitet wirst.

Da ist einerseits der Neid der Anderen. Wenn dir etwas gelingt, wenn du dir was erlaubst oder wenn sich eine Investition für dich auszahlt, wirst du mit Gewissheit auf Menschen treffen, die auch wollen, was du hast. (Wohlgemerkt: nur das Ergebnis, nicht die ganze Arbeit dahinter.)

Andererseits (und viel interessanter) ist da der Neid, den du empfindest. Die Dinge, die du auch gerne hättest. Neid ist ein verlässlicher Indikator für die Dinge, die dir wichtig sind im Leben.

Das ist grundsätzlich auch okay so. Neid ist ein Teil des Lebens. Ungesund wird es nur, wenn:

  1. dein Neid in Missgunst umschlägt.
  2. du Menschen um Dinge beneidest, die eigentlich gar nicht deinen eigenen Werten entsprechen.

Neid ist ein guter Indikator, aber ein schlechter Reiseleiter.

Kein Influencer

K

Du bist Unternehmer, kein Influencer.

Deswegen brauchst du auch nicht ständig auf Social Media sein.

Auf Kante genäht

A

Über die Jahre sind in ganz vielen sozialen Systemen die Puffer weggefallen.

Das betrifft Familien ebenso wie Unternehmen, egal, wie groß oder klein sie sind. Wenn alles nach Plan läuft, geht sich alles gerade so aus. Aber wehe, es kommt etwas dazwischen. Wehe, Mama wird krank oder ein Lieferant kann nicht rechtzeitig liefern. Wenn mal etwas aus dem Ruder läuft, entgleist gleich der ganze Zug.

Das beste Mittel, um nachhaltig und gesund zu leben (als Unternehmer oder als Familienvater), wäre, nach und nach die Puffer aufzubauen: finanziell, zeitlich und energetisch.

Die Natur ist schließlich auch kein Effizienzkaiser.

Praktisch

P

Eine gute Daumenregel: Mach deine Arbeit so, dass es für dich praktisch ist.

Verschwende keine unnötige Energie.

Irgendwas

I

Wenn Menschen länger arbeitslos sind, dann kommen sie häufig irgendwann in die Situation, dass sie endlich wieder aktiv werden wollen. Endlich wieder was arbeiten wollen.

Irgendwas.

Und wenn sich Menschen aus der Arbeitslosigkeit selbständig machen möchten, dann merke ich: Sie wollen endlich was gründen.

Irgendwas.

Ein Grund zum Feiern

E

Ostern ist schwer zu begreifen, auch für Erwachsene. Ich glaube, kaum jemand begreift das Fest. Deswegen wird es auch so wenig gefeiert.

Ich glaube, wir feiern zu Ostern, dass wir “vom Tod auferstehen” (= unsterblich) werden, wenn wir unser Leben zur Gänze annehmen und ohne Furcht leben. Dann kann uns nichts einmal der Tod etwas anhaben. 

Wäre das nicht eine wundervolle, befreiende, „rettende“ Nachricht? Wäre das nicht der allergrößte Grund zu feiern?

KI und Kapitalismus

K

Kevin Kelly sagt: Wenn Menschen KI kritisieren, dann kritisieren Sie in Wirklichkeit den Kapitalismus. Ich würde sagen, das gilt auch für Social Media.

Nicht KI oder Social Media an sich sind das Problem, sondern das Geschäftsmodell dahinter.

Die Art und Weise, wie diese Tools verwendet werden, um Geld zu machen, muss sich in der Tat viel Kritik gefallen lassen.

Ohne Motivation weitergehen

O

Die spielentscheidenden Momente im Unternehmerleben kommen dann, wenn du keine Motivation hast.

Echte Profis haben gelernt, auch ohne Motivation zu performen. Und die Allerbesten unter uns schaffen es, selbst dann ihr bestes Selbst zu sein, wenn sie am wenigsten motiviert sind.

Wenn du dich auf deine Motivation verlässt, wirst du nicht dort hinkommen, wo du hin willst.

Social Media Content Strategie

S

Isabella Ošaben empfiehlt folgende Daumenregel für Social Media Content:

60% zu deiner Zielgruppe sprechen.

  • Welche Probleme hat deine Zielgruppe?
  • Und: Welche Fehler macht die Zielgruppe, um zu diesen Problemen zu kommen?

20% über deine Arbeit sprechen.

20% über dich sprechen.

Unbehagen

U

Der Grund, warum wir nicht vom Denken ins Handeln kommen, ist meistens die Angst.

Und unter Gründer*innen ganz besonders die Angst vor ehemaligen Lehrer*innen und Kolleg*innen.

Was die wohl sagen werden, wenn wir auf einmal hergehen und sagen: So, jetzt bin ich Experte für…

Größer

G

Sich selbständig zu machen ist eine große Herausforderung. 

Aber die Freude daran ist noch größer.

Das Spiel

D

Wer auf Social Media erfolgreich sein will (soll heißen: wer dort Aufmerksamkeit bekommen möchte), muss bereit sein, deren Spiel zu spielen.

Bei diesem Spiel braucht man nicht nur guten Content, den sich ein paar Leute anschauen. Es braucht viel, viel mehr. Man muss sich mit den Eigenheiten der Plattform auseinandersetzen, muss viel über dessen Vorlieben und Abneigungen lernen und seinen Content konsequent darauf abstimmen.

Was bedeutet: Das Spiel zu spielen ist viel, viel Arbeit.

(K)eine Ahnung

(

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich sage “Keine Ahnung!”, wenn ich etwas nicht weiß.

Ich tue das, weil ich mich immer wieder daran erinnern möchte, dass ich nicht der Arroganz vieler Berater*innen verfalle, die glauben, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

Aber ich glaube, ich gehe damit ein bisschen zu weit. Es stimmt schon, dass ich vieles nicht weiß. Aber eine Ahnung habe ich schon. Ein Gefühl, eine Tendenz, eine Meinung.

Und das ist meistens auch das, was meine Kund*innen von mir erwarten, wenn sie mir eine Frage stellen.

Klein halten

K

Andere Menschen haben dich nicht gerne groß. Den meisten Menschen geht es besser, wenn du klein bist: nicht zu auffällig, nicht zu erfolgreich und schon gar nicht zu glücklich. Zumindest nicht glücklicher als sie.

Das geht bis in den Freundeskreis und sogar in die engste Familie hinein. Weil jede Form von Glück und Erfolg immer auch eine Provokation ist: Warum geht es dem so gut und mir nicht?

Im Anderen sehen wir, welches Potenzial wir selbst auch hätten, aber (noch) nicht ausschöpfen. Und anstatt davon motiviert zu werden, reagieren viele Menschen mit Neid und Missgunst und machen andere nieder.

Das muss allen bewusst sein, die sich selbständig machen und ganz besonders allen Lifestyle Entrepreneuren. Glaub ja nicht, dass sich jede*r in deinem Umfeld mit dir freut, wenn du mit deinem Lifestyle Business erfolgreich und glücklich bist.

Haptisch

H

Ich habe es unlängst wieder ganz stark gemerkt:

Ein großer Nachteil eines digitalen Business wie der Gründungsberatung ist, dass es digital ist. Sprich: Dass es kein sichtbares Produkt gibt. Es gibt nichts, das man angreifen könnte und an dem man den Fortschritt klar vor Augen hätte.

Mir tut es sehr gut, mir dieses haptische Erlebnis trotzdem irgendwie herzustellen. Indem ich mit Moderationskarten arbeite oder den Projektfortschritt mit Kanban-Boards visualisiere. Oder indem ich mir Symbole und Figuren im Raum aufstelle, die digitale Artefakte meines Business repräsentieren.

Wir Menschen haben jahrtausendelang unsere Arbeit mit unseren Händen vollbracht. Das können (und sollen) wir auch im 21. Jahrhundert nicht einfach so ablegen.