Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Bluatschink (Freewriting III)

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Gestern war ich bei einem Konzert von Bluatschink. Einem Familienkonzert. Was zum Mitmachen, für Kinder und Erwachsene. Solche Sachen stehen immer in dem Verdacht, ein bisschen peinlich weil All-Inclusive-Animationsprogramm-mäßig zu sein, aber das war es nicht. Das Konzert hat uns allen vieren gefallen. Es war kurzweilig, lustig und im besten Sinn unterhaltsam.

Was mir aus meiner Gründungsberater-Brille aufgefallen ist: Toni Knittel, der Mastermind von Bluatschink, ist ein geschickter Marketer. Sehr charmant und gänzlich unaufdringlich, aber gleichzeitig auch sehr konsequent hat er immer wieder dazugesagt, wo Bluatschink demnächst wieder in der Nähe auftreten wird. Welche Musicals von ihnen gerade wo aufgeführt werden. Welche Goodies sie zum Kaufen mitgebracht haben.

Na klar. Wie soll denn das zufriedene Publikum wiederkommen, wenn es nicht weiß, wann es dazu die nächste Gelegenheit gibt? Wie sollen die Mamas und Papas wissen, wie sie ihren begeisterten Kindern eine Freude machen können, wenn sie niemals erfahren, dass es nach dem Konzert auch Bücher und CDs und DVDs zu kaufen gibt?

Derek Sivers hat mal gesagt, dass Marketing die letzte Ausformung eines Kunstwerks ist. Dass das gute Marketing zum Kunstwerk dazugehört, nicht ein Anhängsel ist.

Toni Knittel hat das verstanden.

Viel zu viel vor (Freewriting II)

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Heute war wieder (mal) so ein Tag, an dem ich viel mehr vor hatte, als ich geschafft habe.

Nicht, dass mich das überraschend treffen würde. Im Prinzip war mir schon heute Morgen klar, dass sich all die Dinge, die ich auf meine To-Do-Liste gesetzt habe, niemals ausgehen können. Völlig illusorisch. Und doch habe ich keine Aufgaben gestrichen, sondern bin nach dem Prinzip Hoffnung vorgegangen: Irgendwie könnte es ja doch sein, dass sich irgendwie doch irgendwie alles irgendwie ausgehen könnte. Wunder gescheh’n.

Natürlich ist kein Wunder eingetreten, wie soll es auch. Ich hätte zwei, ach, was sage ich… ich hätte drei bis vier Wunder gebraucht. Und so kam alles, wie es kommen musste: Am Ende des Tages stehe ich vor einer nahezu unerledigten Aufgabenliste.

Was ich mich jetzt frage: Wenn mir das ohnehin schon in der Früh klar war, dass dieses Ergebnis am Abend rauskommen würde… Wieso hatte ich dann nicht den Mut anzuerkennen, was Sache ist und gleich die richtigen Konsequenzen zu ziehen? Gleich von Anfang an Aufgaben zu verschieben oder (noch besser!) zu streichen? Warum überfrachte ich meinen Tag mit Aufgaben, obwohl ich weiß, dass diese Taktik noch nie zum Erfolg geführt hat. Noch nie!

Ist es wirklich mein unerschütterlicher Glaube an die kleinen Wunder des Lebens, oder lüge ich mich hier regelmäßig selbst an?

Zu zweit gründen (Freewriting I)

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Es hat viele Vorteile, als Solopreneur zu gründen. Sich also allein auf den Weg in die Selbständigkeit zu machen. Zuallererst, aus meiner Sicht, dass man keine Kompromisse eingehen braucht und wirklich seine Gründungsidee so umsetzten kann, wie man sie sich vorgestellt oder erträumt hat. Man muss sich nach niemandem richten, braucht sich kein Einverständnis abholen, braucht niemanden um Erlaubnis zu fragen.

Wahrscheinlich ist die Sehnsucht, sich mit der eigenen Selbständigkeit auch ein großes Stück Freiheit zu “erkaufen”, genau mit diesem Gedankengang verbunden: Alleine gründen = maximal mögliche Freiheit.

Allerdings komme ich in der letzten Zeit immer mehr drauf, dass diese Gleichung möglicherweise nicht stimmt. Mitunter ist eine Gründung zu zweit der bessere Weg in die Selbständigkeit und paradoxerweise auch zu mehr Freiheit.

Ja, eine Gründung mit einem Mitgründer oder einer Mitgründern braucht mehr Abstimmung, und da und dort wird es auch Kompromisse brauchen. Aber dafür eröffnen sich durch die Zusammenarbeit Freiheitsräume, die als Solo-Selbständiger einfach nicht da wären. Es ist eine andere Form der Freiheit, die durch eine Gründung zu zweit möglich wird. Nicht besser oder schlechter, nicht einfacher oder komplizierter, sondern schlicht anders.

Womöglich lohnt es sich also, sich zumindest den Gedanken zu erlauben, ob eine Partnerschaft auf dem Weg zur maximalen individuellen Freiheit nicht sogar der bessere Zugang ist.

Freewriting-Experiment

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Ein Experiment, das ich im Juni 2023 hier im Blog versuchen möchte und zu dem mich Alison Jones’ Buch Exploratory Writing inspiriert hat:

Ich werde einen Monat lang, also im Juni 2023, jeden Tag eine 6-Minuten-Freewriting-Session machen – und das Ergebnis ungekürzt, unbearbeitet und ungefiltert als Blogpost veröffentlichen. Ungekünstelt aufschreiben, was mir gerade durch den Kopf geht – zu einem bestimmten Thema, oder zu meinen täglichen Erfahrungen. Quasi wie ein Working Out Loud: Jede*r kann mir beim Denken zusehen. The good, the bad and the ugly.

Das ist insofern ein aufregender Gedanke, als es mich aus meiner Komfortzone herausholt, die ich mir in vier Jahren Daily Blogging geschaffen habe. Ich habe nämlich keine Ahnung, ob beim Freewriting irgendetwas auch nur halbwegs Interessantes herauskommt. Aber das zu erfahren, ist ja Sinn der Übung.

Mal sehen, wo uns dieses Experiment bis zum 30. Juni hinführen wird…

Im Namen des Kindes

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Ich hatte einmal einen Gründer, der wollte seine Firma nach seinem Sohn benennen. In der Hoffnung, dass sein Sohn eines Tages dieses Unternehmen übernehmen und weiterführen wird.

Es ist mir schon klar, dass das ein Ausdruck von großer Liebe eines Vaters für seinen Sohn ist.

Aber ob sein Sohn das dereinst genauso sehen wird?

Ich habe da meine Zweifel…

Boost

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Unlängst sagte eine Gründerin in einem Beratungsgespräch (auf Englisch) zu mir:

Things are advancing but very slowly. Hopefully we have a boost.

Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber erfahrungsgemäß kommt so ein Boost nicht einfach daher.

Wobei… Manchmal schon. Dann heißt es, das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist. (Seth Godin hat dazu unlängst einen lesenswerten Beitrag geschrieben.)

Aber zu allen anderen Zeiten müssen wir uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Und das geht nur Schritt für Schritt. Eines nach dem anderen. No hurry, no pause.

Eine Lokomotive rollt auch ganz langsam an, aber wenn sie dann mal unterwegs ist…

Zufall

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Gott verbirgt sich hinter dem Zufall.

ChatGPT in der Lehre

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Das ist ein Thema, das gerade viele Hochschulen umtreibt. So auch die FH St. Pölten, an der ich unterrichte.

Die FH hat zum Umgang mit ChatGPT “Leitlinien” für Lehrende und Studierende verfasst. An sich eine gute Sache, weil etwas Orientierung immer hilft, Neuigkeiten und Veränderungen besser zu managen.

So gut die Absicht ist, so wenig hilfreich ist eine Umsetzung, in der sich Formulierungen wie diese finden:

Die Nutzung von ChatGPT und vergleichbaren Tools braucht ein Konto, für das persönliche Daten inkl. Telefonnummer eingegeben werden müssen. Hier ist abzuklären, inwiefern eine Kontoerstellung für den Kompetenzerwerb in einer Lehrveranstaltung notwendig ist.

Der Sprachwissenschaftler in mir fragt sich: Hä? Abzuklären mit wem? Inwiefern besteht eine Verbindung zwischen Kontoerstellung und Kompetenzerwerb? Von welchen Kompetenzen reden wir hier überhaupt? Was, liebe Autorin, willst du mir damit zu verstehen geben? Was möchtest du mir damit eigentlich sagen?

Und warum sagst du es mir nicht klar und deutlich – in Worten, die mich nicht interpretieren und raten lassen müssen?

Tunnelblick

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Woran ich merke, dass ich gerade überlastet bin?

Wenn ich eine eigentlich sehr gute Idee am liebsten nicht hören möchte, weil ich keine Lust, keine Kraft und keine Energie habe, mich mit der Idee auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken.

Dringend Zeit für eine Pause.

Schlechte Evaluierung

S

Unlängst habe ich eine ganz schlechte Evaluierung für eine meiner Lehrveranstaltung bekommen. Eine Einzelmeinung, aber trotzdem.

Eine Studentin oder ein Student hat mich und meine LV in allen Kategorien mit der schlechtesten Note bewertet. Da war wohl jemand sehr unzufrieden.

Natürlich ist es nicht sehr hilfreich, ein Semester lang nichts zu sagen und dann am Ende sein Missfallen mit schlechten Bewertungen auszudrücken. Aber da sage ich das Offensichtliche, so geht es auch ganz vielen Unternehmer*innen, z.B. auf Google My Business oder Amazon.

Was mich eher wurmt, ist, dass ich aus dieser Bewertung nichts lernen kann. Ich vermute, sie beruht auf einem grundlegenden Missverständnis zu meinem didaktischen Konzept, aber ich bin mir nicht sicher. Weil ich keine konkreten Hinweise bekommen habe, ist diese Evaluierung für mich praktisch wertlos.

Schade um die vertane Chance.

Zukunft gestalten

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Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat unlängst etwas sehr Spannendes gesagt:

Die Zukunft ist eine Frage des Selbstbewusstseins.
Es ist eine Frage, wie hart du dich in den Wind stellst.

Matthias Horx

Wir stehen unserer Zukunft nicht machtlos gegenüber. Wir können sie zwar nicht bis ins Detail planen und vorherbestimmen, aber wir können uns entscheiden, mit welcher Haltung wir ihr entgegentreten.

Und die Haltung, die wir wählen, wird unsere Zukunft formen.

Plausibel

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Es kann ja sein, dass etwas plausibel klingt.

Aber das heißt noch lange nicht, dass es auch valide ist!

Kühn

K

Wirklich gewagte Ideen und Handlungen zahlen sich meistens aus.

Weil sie kaum jemand tut.

Aufsichtsrat

A

In einer Aktiengesellschaft gibt es den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat wird von den Eigentümern (= den Aktionären) bestimmt und hat die Aufgabe, der Geschäftsleitung (= dem Vorstand) auf die Finger zu schauen, ob er eh alles richtig macht.

Einzelunternehmer haben keinen Aufsichtsrat. Sie verfügen nicht über so ein Kontrollorgan – und braucht auch keines. Das unternehmerische Risiko, die Gefahr, dass ihm das Geld ausgeht… das sollte eigentlich schon Kontrolle genug sein, damit sie keine Dummheiten machen.

Hinkend und tanzend

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Unlängst habe ich eine alte Unternehmer-Weisheit kennengelernt:

Das Geld kommt hinkend rein und geht tanzend raus.

Ich interpretiere das so: Es ist sehr mühsam, Geld zu verdienen (= Umsatz zu machen), aber ausgeben tut sich das sauer verdiente Geld quasi wie von selbst.

Die unternehmerische Kunst wäre jetzt, das umzudrehen.

Verkaufen und Vertrauen

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Verkaufen braucht Vertrauen.

Nämlich zu allererst mal unser eigenes Vertrauen in unser eigenes Angebot.

Wer kein bedingungsloses Vertrauen in sein Angebot hat, wird auch nicht fähig sein, es überzeugend zu präsentieren und zu verkaufen.

Richtig und falsch

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Auch Expert*innen und Berater*innen können im Grunde nicht beurteilen, ob etwas richtig oder falsch ist. Niemand kann in die Zukunft schauen.

Wir können bestenfalls voraussagen, ob etwas in Schmerz oder Leid enden wird. Aber selbst dann: Wenn wir jemanden vor dem Schmerz bewahren möchten, tragen wir möglicherweise nur dazu bei, seinen Schmerz langfristig zu vergrößern. 

Da wäre es besser gewesen, wir hätten den kurzfristigen Schmerz zugelassen, um ihn von langfristigem Leid zu erlösen. 

Kunde oder Teilnehmer

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Es macht einen Unterschied, ob Gründungsberater*innen des UGP die Gründer*innen als Kunden oder als Teilnehmer bezeichnen.

Ich weiß nur noch nicht genau, welchen.

Taube Ohren

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Ich glaube, fast alle Lehrer*innen da draußen haben Schüler*innen, an denen sie sich die Zähne ausbeißen.

Als Gründungsberater habe ich erst heute wieder mit so jemandem telefoniert. Egal, was ich sage, es scheint einfach nicht anzukommen. Die berühmten tauben Ohren.

Fast Eddie Felson (Paul Newman) bringt im Film Die Farbe des Geldes wunderbar auf den Punkt, woran es liegen kann:

Entweder unterrichte ich dich nicht richtig, oder du hörst mir nicht zu.
Oder du hörst zu, aber du verstehst nicht.

Fast Eddie Felson in “Die Farbe des Geldes

Eines von den dreien also. Wenn ich jetzt nur wüsste, was…

Vertrauen ist nützlich

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Als Content Creator steht man vor der Herausforderung, mit seinem Content nützlich zu sein. Etwas zu produzieren, das für das Publikum relevant und im besten Fall actionable ist.

Man kann Nützlichkeit aber auch anders denken. Nützlich kann auch etwas sein, was meinem Publikum Vertrauen zu mir gibt.

Wenn ich eine neue Buchnotiz auf meine Website lade, dann ist es gut möglich, dass diese Notiz von niemandem jemals gelesen wird.

Aber das ist vielleicht gar nicht der Punkt, denn: Mein Publikum weiß nun, dass ich das Buch gelesen habe.