Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Wie Schulen

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Unlängst meinte eine Gründerin zu mir: “Die meisten Unternehmen funktionieren wie Schulen.”

Das war nicht als Lob gemeint. Und sie hat recht: Was in Unternehmen gefragt ist, sind fleißige, ordentliche, nicht zu laute Mitarbeiter*innen, die zwar mitdenken, aber nicht alles in Frage stellen – und die sich auch mal was sagen lassen vom Chef.

Natürlich könnte man es auch so sehen, dass auch im Jahr 2022 viele Schulen noch wie Unternehmen funktionieren.

Insofern passt das ja gut zusammen: Man lernt in der Schule, wie man erfolgreich in einem Unternehmen agiert.

Die Frage ist nur, ob wir damit die erzieherischen und unternehmerischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts lösen werden. Meine Gründerin glaubt das nicht.

Ich auch nicht.

Regeln als Erfolgsrezept

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Man kann als Unternehmer furchtbar leiden unter den geltenden Regeln – unter den Steuern, unter der Sozialversicherung, unter dem Gewerberecht, unter was auch immer.

Oder man kann sich entscheiden und sagen: “Aha, das sind also die Regeln. Das ist eine Riesenchance! Ich mache die Regeln zu meinem Erfolgsrezept.”

Ich kann die geltenden Regeln als Feind sehen oder als Freund.

Ich kann mein Segel gegen den Wind setzen oder mit dem Wind.

Es ist meine unternehmerische Entscheidung.

Überhaupt nicht zugehört

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Ein Gründer klagte unlängst über seine Erfahrungen mit Finanzamt und Sozialversicherung. Er hatte ein etwas ungewöhnliches Anliegen und hoffte, dafür kompetente Auskunft zu bekommen. Aber, so seine Erfahrung, “die haben mir überhaupt nicht zugehört“.

Ich denke, es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass sich jemand nicht wirklich für uns interessiert. Dass wir Antworten, Ratschläge und Auskünfte bekommen, die überhaupt nicht für uns passen. Und dass wir es aber auch nicht schaffen, unsere Sache ausreichend zu erklären, weil nach kurzer Zeit die Ohren einfach zugeklappt werden.

Echtes Interesse ist eine USP. Echtes Zuhören ist ein Markt-Wert.

Wollen Sie wirklich mehr Umsatz?

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Eine häufige Frage meiner Gründer*innen: Wie komme ich zu mehr Kund*innen? Wie komme ich zu mehr Umsatz?

Hier wäre eine Lösung:

Erstens: Hören Sie auf, Ihr Business wie ein Hobby zu führen. Nehmen Sie Ihr Business ernst. Seien Sie professionell. Tun Sie das, was für den Erfolg notwendig ist.

Zweitens: Hören Sie auf, die fünfundzwanzigste Weiterbildung zu buchen. Schaffen Sie selbst mal etwas, das für andere von Wert ist.

Aber, und das frage ich dann auch immer: Wollen Sie das wirklich?

Selbsthilfegruppen

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Wir Lehrer*innen lehren oft, was wir selber lernen wollen.

Wir Berater*innen beraten oft, worin wir selbst Beratung gebraucht haben oder immer noch brauchen.

Wir lehren und beraten also “unsere Themen”, die uns ein Leben lang begleiten. Diese Themen kommen nicht zufällig zu uns, sondern sind ein integraler Bestandteil dessen, was uns als Person ausmacht.

In Wirklichkeit gründen wir Selbsthilfegruppen.

Werbung für Solopreneure

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Gestern hat ein Gründer wunderbar auf den Punkt gebracht, worum es bei der Neukund*innen-Akquise geht:

Es ist einfach nur raus gehen und viel reden.

In der Tat: Mehr ist es nicht. Aber diese Aufgabe immer und immer wieder, über Wochen, Monate und Jahre zu erfüllen…

Da trennt sich die unternehmerische Spreu vom Weizen.

Profit vs. Purpose

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Im 20. Jahrhundert war das Ziel der Unternehmen, Profit zu machen.

Im 21. Jahrhundert muss das Ziel jedes Unternehmens sein, einen Purpose zu haben.

Im 20. Jahrhundert entstanden Unternehmen mit Profit, aber ohne Purpose.

Im 21. Jahrhundert entstehen Unternehmen mit Purpose, aber ohne Profit.

Profit und Purpose müssen einander aber nicht ausschließen. Im Gegenteil: Die wirklich erfolgreichen Unternehmen des 21. Jahrhunderts werden Purpose und Profit haben.

Mach es besser

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Bryan Adams erzählt folgende Geschichte über den Beginn seiner Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten Mutt Lange:

Way back, just before I made the album “Waking Up The Neighbours”, I had written a whole album of songs. I started working with Mutt and I played Mutt the songs, thinking that Mutt was going to produce them.
And Mutt looked at me and said, “Well, you know… That’s nice.”
I said, “What do you mean?”
He goes: “Yeah, I think… I think you can do better.”
I say, “Okay… What do you want to do?”
“Start again.”

So we scrapped the entire record and took pieces of it and re-wrote the songs and made “Waking Up The Neighbours.” […] That’s when I learned to actually not be precious about little things you come up with or the songs you come up with.
You know what? It could be better. And so – make it better!

Bryan Adams im Rockonteurs Podcast, 29. Mai 2022 (ab 14:28)

Was ich daraus lerne: Sei nicht eingeschnappt, wenn dir jemand sagt, dass deine Idee nicht besonders gut ist. Nimm die Herausforderung an und mach es besser – und lass dir dabei helfen von Menschen, die nur dein Bestes im Sinn haben.

Selbstvergessen

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Viele Gründer*innen gehen von dem aus, was sie selbst gerne haben wollten, treffen Annahmen – und “vergessen” dabei völlig, ihre Kunden zu fragen, ob diese Annahmen überhaupt stimmen.

Manchmal (zugegeben: wesentlich seltener) passiert aber auch das Umgekehrte: Gründer*innen beschäftigen sich so viel mit ihren Kund*innen, dass sie darüber vergessen, was sie selbst eigentlich wollen: Wie muss dass Business, wie müssen die Produkte aussehen, damit es IHNEN gut tut?

Gezeichnet

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Es gibt auch unter Gründer*innen vom Leben schwer gezeichnete Menschen.

Da geht es bei einer Gründung auch viel um neues Selbstbewusstsein und darum, wieder das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu bekommen.

Es sich selbst und anderen noch einmal zu beweisen.

Schnecken ausweichen

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Heute bin ich beim Laufen auf eine Schnecke getreten. 

Wenn es regnet, kommen entlang meiner Laufstrecke jede Menge Schnecken raus. Ich weiß das, und ich versuche ihnen so gut ich kann auszuweichen. Aber heute kam eine so schnell um die Ecke, dass ich nicht rechtzeitig bremsen konnte. 

Es tat mir natürlich furchtbar leid. Während meine Gedanken noch bei der armen Schnecke waren und meinen Selbstvorwürfen und Überlegungen, wie ich solche Unglücke in Zukunft vermeiden könnte, wäre ich beinahe auf drei weitere Schnecken getreten. 

Fehler passieren. Leider. Aber ihnen nachzuhängen vergrößert das Unglück meistens nur. 

Richte den Blick nach vorne. Den anderen Schnecken zuliebe. 

Teure Ideen

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Als Gründungsberater weiß ich: Ideen sind nichts wert.

Ideen gibt es wie Sand am Meer, auch Geschäftsideen. Ich habe noch keine*n Gründer*in gesehen, die/der unter einem Mangel an Ideen gelitten hätte.

Ideen werden erst durch ihre Umsetzung wertvoll. Und durch’s Dranbleiben.

Aber es ist noch schlimmer mit unseren Ideen: Ideen sind teuer. Sie kosten uns was – und zwar ganz besonders jene Ideen, auf die wir stolz sind, die wir aber nie umsetzen.

Für nicht umgesetzte Ideen, die wir aber auch nicht los lassen, zahlen wir jeden Tag einen Preis.

Türen öffnen

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Jordan Peterson drück wunderbar aus, warum ich so gerne Lehrer und Gründungsberater bin:

One of the reasons why good professors – and good businessmen – love to be in the position they’re in is because they can identify young people who are promising and open up doors of opportunity to them. It’s really intrinsically motivating. 

Jordan Peterson

Love my job! ❤️

Finanzielle Ziele

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Viele Selbständige haben keine finanziellen Ziele für ihr Business.

Eine Erklärung dafür: Finanzielle Ziele würden für viele Selbständige demotivierend wirken, weil sie Angst davor haben, diese Ziele nicht zu erreichen. 

Niedrige Erwartungen oder überhaupt keine finanziellen Ziele zu haben nimmt den Druck raus und schützt vor Versagen.

Sonst müssten sie sich am Ende noch genauer mit ihrem Geschäftsmodell, dem Markt oder ihrer Strategie beschäftigen.

Dann doch lieber den Kopf in den Sand stecken.

Generalprobe

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Die Generalprobe war wichtig.

Nicht gut oder schlecht, sondern wichtig. 

Tagesstimmung

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Selbst Top-Performer sind von ihrer Tagesstimmung abhängig.

Ja, Top-Performer sind echte Profis, die immer ein bestimmtes Level an Performance bringen können, egal wie sie gerade in Stimmung sind.

Aber damit sie über dieses (hohe) Grundlevel an Qualität hinaus gehen können, brauchen auch sie einen “guten Tag”.

Bruce Springsteen wäre dafür ein Beispiel: Seine Konzerte sind nie schlecht und meistens wirklich gut. Und trotzdem spielt auch er Konzerte, die besser sind als alle anderen, die herausstechen – weil er einfach einen “guten Tag” hatte. 

Drei gute Tipps

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Ein sehr erfolgreicher Gründer von mir ist gerade erst 22 Jahre alt. Ich habe ihn gefragt, was für ihn die wichtigsten Erfolgsfaktoren gerade für junge Gründer*innen sind:

  1. Verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, etwas versuchen und dann aus den Fehlern lernen.
  2. Sich nicht überarbeiten. Rechtzeitig ins Bett gehen, damit man ausgeschlafen ist und gute Entscheidungen treffen kann.
  3. Nicht obergescheit sein und alles anders machen wollen. Lieber schauen, was die Anderen bereits gut machen und von da aus die Dinge nach und nach verbessern.

Freiheit vs. Unabhängigkeit

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Viele Gründer*innen wählen deshalb den Weg in die Selbständigkeit, weil Freiheit ein wichtiger Wert für sie ist. Manche sagen auch, dass sie endlich unabhängig sein möchten.

Freiheit und Unabhängigkeit… ist das das Gleiche? Wo liegt der Unterschied?

Ich glaube, es ist so: Freiheit bedeutet, dass man sich seine Abhängigkeiten aussuchen kann.

Die Quelle

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C. Otto Scharmer spricht in seiner Theory U von der Quelle (“source”) als Ausgangspunkt all unseres kreativen Schaffens.

Es ist essenziell wichtig, sich immer wieder mit seiner Quelle zu verbinden, um Kraft und Klarheit und Inspiration zu schöpfen. Nur, was in Verbindung mit der Quelle entsteht, ist wirklich kraftvoll und echt.

Im Alltag ist es aber total leicht, die Verbindung zur Quelle zu verlieren. Kraft und Klarheit versickern, und wir werkeln an Dingen, die keine Verbindung zu unserer Quelle haben und deshalb keine schöpferische Kraft entfalten – weder für uns, noch für unsere Kund*innen.

Wenn wir das spüren, dann heißt es, uns möglichst rasch wieder mit unserer Quelle zu verbinden. Aufzuhören, beschäftigt zu sein und dafür Stille einkehren zu lassen, damit wir wieder wahrnehmen können, was uns unsere Quelle sagen will.