Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Klassenpersönlichkeit

K

Jede Seminargruppe, jeder Fachhochschul-Jahrgang, jede Schulklasse hat eine eigene “Persönlichkeit”.

Diese Klassenpersönlichkeit wird einerseits bestimmt durch die Persönlichkeiten der einzelnen Mitglieder der Gruppe, und andererseits dadurch, wie die Mitglieder miteinander umgehen und was sie gemeinsam erschaffen.

Dein didaktisches Design, das in dem einen Jahrgang so wunderbar funktioniert hat, kann im nächsten Jahrgang komplett auseinanderfallen – eben wegen der unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Gruppen.

Das darfst du beachten, und das darfst du respektieren.

Schwindeln

S

Lügen machen das Leben kompliziert.

Immer und immer und immer wieder.

Pläne

P

Dein Plan wird niemals 1:1 so aufgehen wie gedacht.

Im besten Fall sind Pläne Sprungbretter für noch bessere Ideen.

Early Adopters

E

Man braucht Early Adopters nicht suchen. Sie suchen dich! Sie sind immer interessiert an Neuem, und wenn sie dich fragen „Was gibt’s Neues?“ und du hast was Neues – Bingo! Sie werden dir zuhören. 

Early Adopters braucht man auch nicht nachlaufen, weil sie sich nicht verstecken. Sie sind leicht zu finden – an Orten, wo es viel Neues zu entdecken gibt (z.B. auf Messen). 

Early Adopters wollen gefunden werden.

Aufwendig wird es erst mit der nächsten Gruppe, der Majority. Die zu finden und zu überzeugen, das ist aufwendige Arbeit. 

Daher: Suche die Early Adopters, die gefunden werden möchten und von sich aus Interesse an etwas Neuem haben. Und dann leiste großartige Arbeit und sorge so dafür, dass die Early Adopters anderen von dir erzählen. 

So schaffst du dir Schritt für Schritt, einen Menschen nach dem anderen, Zugang zur Majority. 

[Danke Seth Godin für diesen Gedanken.]

Zeit für Auszeit

Z

Ein sicheres Zeichen, dass du dringend eine Auszeit brauchst:

Du bekommst eine e-Mail von einem deiner größten Mentoren mit der Bitte um Hilfe. Doch anstatt, dass du dich freust, dass du auch mal was zurück geben kannst, denkst du dir nur: “Oh nein, noch mehr Arbeit. Wie soll ich denn das auch noch unterbringen?”

In dem Fall brauchst du dringend Abstand, weil sich deine Prioritäten komplett verschoben haben.

Es wird Zeit, dass du dich wieder mehr um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmerst.

Nicht wahnsinnig viel gelernt

N

Der Unternehmer, Investor und Business Angel Hansi Hausmann (weltberühmt in Österreich) sagt über sein BWL-Studium:

„Der Titel war irgendwie wichtig, weißt eh, wennst aus Österreich kommst ist es halt wichtig, dass du das Wirtschaftsstudium gemacht hast. Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass ich dort so wahnsinnig viel gelernt habe. Ich habe einfach im ersten halben, dreiviertel Jahr [nach dem Studium im Job] sicher mehr gelernt als in den paar Jahren auf der Wirtschaftsuni – nämlich on the go, im Markt draußen, bei den Kunden. Man lernt vielleicht, ein bisschen diszipliniert zu lernen und zu denken im Studium. Da ist es relativ egal, was man studiert. […] Aber ein Studium insgesamt zu machen ist wahrscheinlich nicht schlecht. Ob der Inhalt jetzt so wahnsinnig wichtig war für das, was ich später gemacht habe… Da würde ich sagen, wahrscheinlich eher gar nicht. Das hätte ich alles so auch gelernt.

Hansi Hansmann in “Frühstück bei mir”, 26. Juni 2022

BWL studiert und nichts Nützliches gelernt. Beileibe kein Einzelfall, und doch bleibt die Frage:

Wie kann das sein?

Aufgeschoben

A

Es ist extrem umprofessionell, wenn ich etwas zusage und dann bis auf den letzten Drücker (und darüber hinaus) vor mich her schiebe.

Ich mag das nie mehr machen.

Spannung

S

Attention (Aufmerksamkeit) kommt von tension (Spannung).

Ohne eine gewisse Spannung, ohne etwas, das unser Gegenüber ein bisschen verstört oder irritiert oder überrascht, werden wir keine Aufmerksamkeit geschenkt bekommen.

Aber es ist ein schmaler Grad: Tension, die nicht aufgelöst wird, die nur Fragezeichen hinterlässt, ist kontraproduktiv. Wenn es nämlich zu anstrengend wird, verlieren wir unser Gegenüber nämlich ebenfalls.

Aufmerksamkeit entsteht durch das richtige Maß von Spannung und Entspannung.

Profi-Berater

P

Der Profi-Berater führt nicht nur ein spannendes Beratungsgespräch, sondern er sagt am Ende auch nochmal: „Ich fasse zusammen: Wir haben Folgendes besprochen: …“ Oder er fragt: “Was war in unserem Gespräch heute für Sie am wertvollsten?”

Das tut er für sich selbst, aber vor allem tut er es für seine Kund*innen.

Lernen lebt von der Wiederholung.

Online Coaching

O

Im Online-Coaching-Markt treiben sich viele Scharlatane herum – weltweit, und auch in Österreich.

Das Problem haben nicht nur die armen Menschen, die von diesen Coaches mit unhaltbaren Versprechen angelockt und anschließend abgezockt werden.

Das Problem hat der ganze Markt. Denn diese Scharlatane hinterlassen nur enttäuschte Kund*innen und verbrannte Erde. Sie ruinieren eine ganze Branche.

Und darunter leiden die vielen ehrlichen Coaches da draußen, die tatsächlich nur das Beste für ihre Kund*innen im Sinn hätten.

Probleme

P

Es heißt ja: Es gibt keine Probleme. Es gibt nur Herausforderungen.

Ich sage: Nein. Es gibt (gerade im Business) zuweilen waschechte Probleme.

Und diese darf man dann auch beim Namen nennen.

Was macht für mich “gute Lehre” aus?

W
  • Respekt vor der Institution (Fachhochschule) und dem Geist der Hochschullehre.
  • Respekt vor dem Fach und dessen Tradition bei gleichzeitiger Offenheit für das, was gerade jetzt in der Gesellschaft und dem Leben der Studierenden relevant ist. 
  • Respekt vor den Studierenden als Menschen mit ihren individuellen Persönlichkeiten, Zielen und Herausforderungen.
  • Respekt vor der eigenen Kompetenz als Lehrender, der Begeisterung für das Fach und dem Bestreben, stets sein Bestes zu geben.

Wirtschaftspädagogik

W

Ich bin Wirtschaftspädagoge.

Auch wenn ich nie Wirtschaftspädagogik studiert habe.

Worauf es wirklich ankommt

W

Gründerin Valentina Mörz hat in einem Blog-Artikel reflektiert, worauf es in der Gründungsphase wirklich ankommt

  1. Produkt
  2. Umsatz
  3. Leistungserbringung

Mach ein gutes Produkt oder Angebot. Schau, dass du bei deinen Kund*innen Top-Arbeit leistest. Und verlang einen angemessenen Preis für deine Arbeit.

Der ganze Rest lenkt dich eigentlich nur ab.

Gesetz der abnehmenden Wahrscheinlichkeiten

G

Wenn man etwas verloren hat, wo ist es dann am sinnvollsten, mit der Suche zu beginnen?

Natürlich dort, wo es am wahrscheinlichsten ist, dass das Ding liegt. Den Autoschlüssel wird man daher zunächst in der Nähe der Schlüsselablage suchen, in der Tasche oder im Auto selbst. Erst dann wird man den Suchkreis erweitern.

Ja, es gab auch schon Autoschlüssel, die im Kühlschrank gefunden wurden. Aber das bedeutet nicht, dass wir deshalb anfangen sollen, im Kühlschrank zu suchen.

Beginnen wir mit unserer Arbeit lieber dort, wo es am wahrscheinlichsten ist, dass wir Erfolg haben.

Ungebetene Hilfe

U

Unlängst selbst erlebt:

Hilfe, um die man nicht gebeten hat, ist nicht erwünscht – auch, wenn sie aus besten Intentionen kommt. Im schlimmsten Fall ist sie beleidigend, entmündigend und übergriffig.

Es hat mir gut getan, das wieder mal selbst zu spüren – auch wenn es alles andere als angenehm war.

Ein guter Reminder für mich als Berater, das Mantra von Ernesto Sirolli nicht zu vergessen: If people don’t wish to be helped, leave them alone!

Klare Ansagen

K

Bei der Kinder-Olympiade des Judo-Vereins beobachtet:

Kinder lieben Betreuer*innen, die freundliche, aber klare Ansagen geben. Die gerade heraus sagen, was gerade wichtig und was zu tun ist. Die Grenzen aufzeigen und Überschreitungen nicht durchgehen lassen.

Diese Betreuer*innen werden von den Kindern respektiert und wirklich gern gemocht.

Die Betreuer*innen, die aus guter Intention heraus “nicht so streng” sein wollen, mit denen tun sich die Kinder hingegen schwer. Deren Ansagen sind wisch-waschi, sie sind unbeständig und inkonsequent – und damit auch die Kinder.

Gilt natürlich nicht nur für Kinder.

Es geht nicht um die Fotos

E

Einer meiner Kunden in der Gründungsberatung macht sich als Fotograf selbständig. Das ist nicht ungewöhnlich, es gibt wirklich sehr viele selbständige Fotografen in Wien.

Was ihn jedoch besonders macht, ist, dass er verstanden hat, dass es bei einem Fotografen nicht um die Fotos geht.

Klingt paradox, aber es ist so: Gute Fotos zu machen, ist nichts Besonderes. Das können mittlerweile viele Menschen, nicht nur Berufsfotografen. Dass ein Fotograf gute oder sogar sehr gute Fotos macht, ist daher eine Selbstverständlichkeit. Darüber brauchen wir nicht diskutieren.

Was einen Fotografen also besonders macht, ist nicht sein Handwerk. Was besondere Fotografen ausmacht, ist, dass sie ihren Kunden zuhören können. Dass sich ihre Kunden bei ihnen “gesehen” fühlen – im wahrsten Sinn des Wortes. Dass eine vertrauensvolle, fast intime Beziehung entsteht.

Im besten Fall sind die Kunden zu Fans eines Fotografen geworden, noch bevor sie das erste Foto der Session gesehen haben.

The spirit of play

T

Ein schönes Date, ein erfolgreiches Business-Meeting, eine gelungene Beziehung…

Alles, was wir in unserem Leben gut machen, ist der Geist des Spielens inne – the spirit of play.

Meine besten Beratungsgespräche sind “spielerisch” – ein Austausch auf Augenhöhe, in dem beide Seiten herausgefordert sind und Freude an der Interaktion empfinden.

Meine besten Lehrveranstaltungen sind wie ein Spiel. Ernsthaft, aber mit einer gewissen Leichtigkeit, mit Humor und mit Raum für spontane Ideen.

Der Grad an “playfulness” ist ein sehr verlässlicher Indikator dafür, ob etwas “passt” oder nicht.

If it’s not fun, you’re playing it wrong.

[Danke Jordan Peterson für diesen wunderbaren Gedanken.]

Wanderung

W

Die Länge der Wanderung hängt immer davon ab, wo man weg geht.