Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Ungeduld

U

Ungeduld ist (meistens) unproduktiv. 

Die Meisterschaft liegt darin, Ungeduld produktiv zu machen. 

[Danke Timo Heinz für den Gedanken.]

Hineinwachsen

H

Man kennt das von Kindern:

Wenn sie etwas Neues angehen, dann klappt das natürlich am Anfang nicht ganz reibungslos. Es dauert eine Zeit, bis sie Sicherheit gewinnen. Und bis dahin kann man ihnen beim Hineinwachsen zusehen. Das ist mitunter lustig, manchmal schmerzhaft, aber jeder würde sagen: Gehört dazu!

Irgendwann auf dem Weg zum Erwachsenen scheinen sich aber die Regeln zu ändern. Auch Erwachsene wachsen immer noch in ihre Rollen und Aufgaben hinein, aber die Beobachter, die um sie herum stehen, sind wesentlich weniger verständnisvoll, wenn dabei Unsicherheiten auftreten und Fehler passieren.

Dabei müsste man auch als Erwachsener noch sagen können: Schau her, ich wachse! Was gibt’s da zu lachen? Was gibt’s da blöd zu reden?

Nicht zuletzt auch zum gnadenlosesten Kritiker überhaupt – dem eigenen, inneren.

Eisverkäufer

E

Es gibt bei uns einen Eisverkäufer, der hat sehr gutes Eis. Aber ich habe öfter den Eindruck, dass ihm seine Kund*innen ziemlich auf die Nerven gehen.

Spezialwünsche lehnt er zunächst ab, dann erfüllt er sie doch, aber so grantig und vorwurfsvoll, dass der Kunde sie am liebsten gar nicht geäußert hätte.

Wenn sich Kinder bei ihm ein Eis holen, dann ärgert er sich, wenn sie seine Sitzgelegenheiten anpatzeln (was bei Kindern ja durchaus mal vorkommen kann).

Beim Eis geht es nicht nur um den Geschmack, sondern auch um das Gefühl. Jede einzelne Eiskugel ist ein kleiner Urlaub.

Aber wer will schon Urlaub machen bei einem Grantscherm?

Das Gesetz der Straße

D

Wenn man auf der Straße Musik macht, gilt ein ganz einfaches Gesetz:

Der Hut lügt nicht.

[Danke Joey Kelly für diesen Gedanken.]

Was BWL braucht

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Betriebswirtschafts-Lehre braucht nicht nur Fachexpertise, sondern auch ein volles Herz. ♥️

DJ Bobo

D

Joey Kelly ist kein Fan von DJ Bobo. Er sagt:

DJ Bobo ist der Beweis, dass wir kein Talent brauchen.

Aber, was Joey Kelly gleichzeitig und voller Respekt sagt:

Auf der Bühne muss man echt sagen: Der Typ hat Leidenschaft. Er gibt 110%. Und er arbeitet 500 Tage im Jahr.

DJ Bobo ist nicht begnadet. Aber was er aus seinem Potenzial macht, das ist Weltklasse.

Schöne Dinge

S

Schönheit ist meistens mit Luxusartikeln verbunden.

Alltagsgegenstände sind meistens nicht schön, bestenfalls sind sie nicht schiach. 

Dabei wäre es oft gar nicht teuer, etwas schön zu machen.

Spaß im Business (2)

S

Noch ein Gedanke von Roman Kmenta:

Etwas gerne zu tun und Spaß dabei zu haben, reicht nicht. Man muss auch gut darin sein.

Manche Selbständige haben zwar viel Spaß an ihrer Arbeit, sind aber einfach nicht gut darin.

So wird das nix mit dem Erfolg.

Spaß im Business (1)

S

In seinem Business das zu tun, was einem Spaß macht, hat folgendes Problem:

Den meisten Menschen machen ähnliche Dinge Spaß: Grafiker, Fotograf, Webdesigner, Social Media Marketer, Coach, Trainer, Speaker, Berater…

All die schönen Dinge, wo man mit Menschen zu tun hat und wo man anderen weiterhelfen kann.

Darum ist es auf diesen Märkten auch so voll.

[Danke Roman Kmenta für diesen Hinweis.]

Kuscheltiersegnung

K

Die Religionslehrerin meines Sohnes hat sich etwas Nettes einfallen lassen: Zum Welttierschutztag durften alle Kinder ihre Lieblingsstofftiere mitnehmen, und die wurden dann gesegnet.

Mir gefällt die Idee deswegen so gut, weil sie uns an etwas Wichtiges erinnert: Wir alle, ob Groß oder Klein, haben unsere Talismane. Dinge, die uns wichtig sind. Dinge, die uns heilig sind.

Es tut uns gut, unsere ganz persönlichen Heiligtümer hin und wieder zu segnen, sprich: zu würdigen.

Richtige Einstellung

R

Ein sehr spannender Zugang zu jeder Form von Beratung, gelernt von Timo Heinz:

Lass jeden Menschen besser zurück, als du ihn vorgefunden hast.

Sympathisch in der Nähe

S

Eine Gründerin hat mir heute verraten, wie die meisten Menschen vorgehen, wenn sie eine Psychologin/einen Psychologen für sich suchen:

Sie googeln, was in der Nähe ist. Und dann gehen Sie auf die Website und schauen sich die Fotos an, wer ihnen am sympathischsten ist.

Wir sind schon ziemlich einfach gestrickt.

Dialekt

D

Als studierter Sprachwissenschaftler weiß ich, dass ein Dialekt, eine Umgangssprache oder eine Mundart nicht “minderwertig” sind gegenüber der Standardvariation (z.B. “Hochdeutsch”). Sie sind vollwertige Sprachen, und deren Sprecher sprechen genauso “schön” wie die Sprecher der Standardvariation.

Weil ich das weiß, versuche ich meinen Kindern von Anfang an meine Weinviertler Mundart beizubringen. Sie sollen “zweisprachig” aufwachsen: Hochdeutsch von der Mama, Mundart vom Papa. So hatte ich das zumindest geplant. In der Realität sprechen sie fast ausschließlich ihre (im wahrsten Sinn des Wortes) Muttersprache – aber das ist eine andere Geschichte.

Wie dem auch sei: Ich bleibe bei meinem Dialekt, und ich stelle immer wieder freudig und stolz fest, dass mich meine Kinder gut verstehen und manchmal sogar Freude daran haben, mit Dialektausdrücken zu spielen.

Und dennoch: Wenn ich an der FH unterrichte, gerate ich hin und wieder ins Zweifeln. Ich spreche dort eine “gehobene Umgangssprache”, die sich für mich sehr authentisch anfühlt und mit der ich mich leicht und flüssig ausdrücken kann. Aber wenn ich wie unlängst einen lehrenden Kollegen höre, der in schönstem Hochdeutsch zu den Studierenden spricht, dann denke ich mir: Heast, das klingt viel professioneller, kompetenter und gescheiter als das, was ich rede.

Als studierter Sprachwissenschaftler weiß ich nämlich auch, dass Menschen, die Dialekte, Mundarten und Umgangssprachen des Deutschen sprechen, als weniger intelligent und weniger gebildet wahrgenommen werden als Sprecher der Standardvariation (siehe z.B. hier).

Dieses Vorurteil ist natürlich Blödsinn, und ich kämpfe so gut ich kann dagegen an. Aber manchmal habe ich das Gefühl, ich kann ihm selbst kaum entkommen.

Warum erzählt uns das niemand?

W

Wir reden den ganzen Tag über alles Mögliche.

Aber über die wirklich wichtigen Dinge im Leben sprechen wir nicht.

Was macht mich eigentlich aus?

W

Eine Gründer*in sagte unlängst zu mir:

Ich biete so viele Sachen an – aber was macht mich denn eigentlich aus?

Und damit stellt sie die wahrscheinlich schwierigste und gleichzeitig grundlegendste Frage, die man im Zeitalter des Individualismus stellen kann: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich besonders?

Auf diese Frage lässt sich halt leider keine endgültige Antwort finden.

Jede Antwort ist eine Momentaufnahme.

Einsamkeit und Wettbewerb

E

Ein-Personen-Unternehmen sind oft sehr einsam.

Sie haben wenige Menschen in ihrem Umfeld, mit denen sie sich austauschen können zu ihren Sorgen, aber auch zu den schönen Dingen, die mit der Selbständigkeit verbunden sind. Wenn wir aber zu lange alleine mit uns und unseren Gedanken sind, werden wir ein bisschen wunderlich. Einsamkeit tut uns nicht gut.

Eine Lösung wäre, sich eine Gruppe mit anderen Selbständigen zu suchen und sich regelmäßig zu treffen und auszutauschen.

Doch da lauert schon die nächste Falle: Statt den Austausch, die Inspiration und die Kooperation zu suchen, beginnen viele Selbständige, sich mit den anderen Gruppenmitgliedern zu vergleichen: Warum macht die mehr Umsatz als ich? Warum ist der schon so viel weiter? Wäre seine Geschäftsidee nicht viel besser als meine? Im Vergleich zu der habe ich ja ein Mickey-Mouse-Business! Und so weiter, und so fort.

Statt die Chancen der Gemeinschaft zu nützen, stehen wir uns wieder mal selbst im Weg.

Berater-Faustregel

B

„Berate so, wie du selbst beraten werden willst.“

Das konsequent umgesetzt, ist schon sehr viel.

Mehr ist wahrscheinlich gar nicht möglich.

Schwer umsetzbar

S

Lang hat’s nicht gedauert, bis meine Vorhersage eingetroffen ist:

„Schwer umsetzbar“ erscheint den Pädagoginnen und Pädagogen auch die Implementierung von 13 fächerübergreifenden Themen in den Unterricht. Diese reichen von „Entrepreneurship Education“, „informatische“ und „interkulturelle Bildung“ über „reflexive Geschlechterpädagogik“ und „Gleichstellung“ bzw. „Sexualpädagogik“ bis zu „Verkehrsbildung“ und „Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung“.

Lehrerkritik an neuen Lehrplänen, orf.at Artikel vom 20. September 2022

Da wird wohl nix Gscheits raus kommen. Schade.

Die Arbeit ist Marketing

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Ein wesentlicher Unterschied zwischen Solopreneuren und klassischen Selbständigen (Freelancer):

Solopreneure haben viel mehr Marketing zu machen (für ihre Produkte) als klassische Selbständige (die oft „weitergereicht“ werden).

Die tägliche Arbeit der Solopreneure ist Marketing.

[Danke Ehrenfried Conta Gromberg für diesen Gedanken.]