Tag#Alltagsgeschichten

Ungebetene Hilfe

U

Unlängst selbst erlebt:

Hilfe, um die man nicht gebeten hat, ist nicht erwünscht – auch, wenn sie aus besten Intentionen kommt. Im schlimmsten Fall ist sie beleidigend, entmündigend und übergriffig.

Es hat mir gut getan, das wieder mal selbst zu spüren – auch wenn es alles andere als angenehm war.

Ein guter Reminder für mich als Berater, das Mantra von Ernesto Sirolli nicht zu vergessen: If people don’t wish to be helped, leave them alone!

Klare Ansagen

K

Bei der Kinder-Olympiade des Judo-Vereins beobachtet:

Kinder lieben Betreuer*innen, die freundliche, aber klare Ansagen geben. Die gerade heraus sagen, was gerade wichtig und was zu tun ist. Die Grenzen aufzeigen und Überschreitungen nicht durchgehen lassen.

Diese Betreuer*innen werden von den Kindern respektiert und wirklich gern gemocht.

Die Betreuer*innen, die aus guter Intention heraus “nicht so streng” sein wollen, mit denen tun sich die Kinder hingegen schwer. Deren Ansagen sind wisch-waschi, sie sind unbeständig und inkonsequent – und damit auch die Kinder.

Gilt natürlich nicht nur für Kinder.

Schnecken ausweichen

S

Heute bin ich beim Laufen auf eine Schnecke getreten. 

Wenn es regnet, kommen entlang meiner Laufstrecke jede Menge Schnecken raus. Ich weiß das, und ich versuche ihnen so gut ich kann auszuweichen. Aber heute kam eine so schnell um die Ecke, dass ich nicht rechtzeitig bremsen konnte. 

Es tat mir natürlich furchtbar leid. Während meine Gedanken noch bei der armen Schnecke waren und meinen Selbstvorwürfen und Überlegungen, wie ich solche Unglücke in Zukunft vermeiden könnte, wäre ich beinahe auf drei weitere Schnecken getreten. 

Fehler passieren. Leider. Aber ihnen nachzuhängen vergrößert das Unglück meistens nur. 

Richte den Blick nach vorne. Den anderen Schnecken zuliebe. 

Lautstärke

L

Das ganze Semester habe ich mich schon gewundert, warum ich es nicht schaffe, im Seminarraum Musik über die dortigen Lautsprecher abzuspielen.

Heute bin ich drauf gekommen, was das Problem war. Ich habe alles richtig gemacht, bis auf eine Ausnahme: Die Lautstärke war viel zu leise eingestellt. Ich hätte also nur lauter drehen brauchen, und alles wäre paletti gewesen.

Merke: Du kannst alles richtig machen, aber wenn du nicht laut genug bist, wird es nicht funktionieren.

Abstieg

A

Mein Lieblings-Fußballverein, Admira Wacker, muss in die 2. Liga absteigen. Der Trainer, Andreas Herzog, fand nach dem entscheidenden letzten Spiel folgende selbstkritische Worte:

Wir waren in der ersten Halbzeit einfach nicht präsent genug und das ist eigentlich das Traurige an der ganzen Geschichte. Wenn du in so einem wichtigen Spiel nach 30 Minuten im Endeffekt keine entscheidenden Zweikämpfe gewonnen hast, da kannst vorher und nachher immer reden, dich hinstellen und auf schlau tun. Aber am Platz werden die richtigen Entscheidungen getroffen oder eben die falschen und die haben wir in den letzten fünf Wochen zu viel gemacht. Jetzt sind wir dafür bestraft worden.”

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, heißt eine alte Fußball-Weisheit.

Und das trifft auch für uns Lifestyle Entrepreneure zu: Wir können reden, was wir wollen. Entscheidend ist, was wir (nicht) entscheiden und was wir (nicht) tun.

Fade Gesichter

F

Mick Jagger und seine Kollegen von den Rolling Stones sind Millionäre. Und trotzdem verlangen sie horrende Preise für ihre Konzerttickets.

Da lässt sich mit einigem Recht die Frage stellen: Menschen, die so reich sind, die mit ihren Fans so viel verdient haben… Sollten die nicht inzwischen gratis spielen? Haben die nicht längst genug?

Ja, das haben sie wahrscheinlich. Aber: Mick Jagger will beim Konzert nicht in lauter fade Gesichter schauen. Deswegen spielt er nicht gratis. Er will, dass nur echte Fans kommen.

Der Enthusiasmus würde einfach fehlen, wenn die Tickets gratis wären. Was nichts kostet, ist nichts wert.

Wenn die Tickets teuer sind, ist die Stimmung einfach besser. 

Manpower

M

Ein Gedanke zum “Tag der Arbeit”:

Wo kriegen wir die Manpower her, um all die Probleme zu lösen auf dieser Welt?

Beispiel Energiewende und Solaranlagen: All die privaten Haushalte, die mit Solaranlagen ausgestattet werden könnten und das auch wollen… Wo sollen so kurzfristig die vielen Facharbeiter*innen herkommen, die diese Anlagen konstruieren und installieren?

Geld wäre genug da, aber Geld allein wird dieses Problem nicht lösen.

Essensvorschriften

E

Was hältst du von folgender Idee?

Ein Verein veranstaltet ein jährliches Mitgliedertreffen, traditionell verbunden mit gutem Essen. Als Beitrag zur Klimarettung hat man sich für heuer etwas Besonderes überlegt: Statt wie üblich eine vegetarische Option anzubieten, gibt es heuer ausschließlich vegetarische Gerichte zur Auswahl. Die Fleischindustrie ist schließlich erwiesenermaßen einer der größten Klimasünder.

Kann man natürlich machen. Es lassen sich gute Argumente dafür finden.

Aber was sagt es über den Verein und sein Selbstverständnis, der meint, seine Mitglieder bei der Menügestaltung bevormunden und quasi zu ihrem Glück zwingen zu müssen?

Teppich

T

Wenn du dir einen neuen Teppich für dein Büro kaufen willst, dann hast du zwei Möglichkeiten:

  1. Du kaufst einen fix-fertigen Teppich, in Standardmaßen. Lagernd, abholbereit, sofort zum Mitnehmen. Geht schnell und ist günstig. Allerdings wird es wahrscheinlich so sein, dass der Teppich nicht hundertprozentig ins Büro passt. Da ein bisschen zu lang, dort ein bisschen zu kurz – und bei der Tür zu dick, sodass sie nicht mehr problemlos aufgeht.
  2. Du überlegst vorher ausführlich, misst alles genau aus und lässt dir einen Teppich nach Maß liefern. Der Maßteppich passt natürlich super ins Büro, alles ist am rechten Platz. Das verlangt mehr Nachdenken, mehr Planung, es dauert länger und ist wahrscheinlich auch teurer.

Beide Möglichkeiten haben was für sich. Pass halt nur auf, dass deine Lösung auch zu deinem Anspruch passt.

In memoriam Willi Resetarits

I

Einige der schönsten Erinnerungen meiner frühen Jugend verdanke ich dem Ostbahn-Kurti und später Dr. Kurt Ostbahn.

Mein erstes Konzert, Ostbahn-Kurti und die Chefpartie in Laa an der Thaya, irgendwann 1994. Eine meiner ersten CDs, “Trost und Rat”, mit dem wunderbaren “Ka Idee” – ein Erweckungserlebnis. Später dann die Radiosendung “Trost und Rat mit Dr. Kurt Ostbahn”, jeden Sonntag habe ich sie gehört und gelernt, wie man auf höchstem Niveau unterhalten kann.

Jahre später… Kurt Ostbahn und die Kombo am Golser Volksfest. In der Sommer-Arena. Im Orpheum. Am Voith-Platz. Auf der Hohen Warte. Auf der Kaiserwiese. Ich habe ihn wohl ein paar Dutzend mal live gesehen, und welche wunderbare Freude es jedes Mal war.

Diese Erinnerungen werde ich im Herzen behalten, auch wenn die Musik jetzt vorbei ist.

Danke, Willi Resetartis.

Spaziergang

S

Wie gut doch ein Spaziergang tut! Ist gut für Herz, Hirn und Seele.

Das stelle ich immer wieder überrascht fest und nehme mir dann vor, öfter spazieren zu gehen.

Und dann kommt alles wie immer.

Langsam tippen

L

Der IT-Trainer der heutigen Schulung wollte zu Demonstrationszwecken nur schnell mal irgendeinen Text eintippen. Dabei vertippte er sich mehrmals und äußerte anschließend eine große Wahrheit:

Manchmal ist langsam tippen doch schneller im Endeffekt.

Wenn du es eilig hast, dann gehe langsam. Bei den großen Dingen und bei den kleinen.

Fallschirmsprung

F

Die Angst ist da am größten, wo du aus dem Flugzeug raus springst und merkst, dass du überhaupt keine Kontrolle hast.

Die Angst raubt dir förmlich den Atem.

Die Angst nimmt aber in dem Moment ab, in dem du aufhörst, um Kontrolle zu kämpfen. Wenn du dich dem Fall hingibst, du dich entspannst und zu vertrauen beginnst… dann fällst du durch die Angst hindurch.

Und du wirst sehen: Auf der anderen Seite der Angst ist… nichts.

Den Nipf nehmen lassen

D

Das ist etwas, was mir meine Mutter als Kind oft gesagt hat. Dass ich mir leicht “den Nipf nehmen lasse”.

Was bedeutet, dass ich mich leicht entmutigen lasse. Dass ich anderen erlaube, mich in meiner Begeisterung auszubremsen und mich von guten Ideen abzubringen.

Erstaunlich, dass mir das heute, nach vielen Jahren, wieder eingefallen ist. Und da ich an Omen glaube, frage ich mich:

Wo lasse ich mir gerade heute den Nipf nehmen? Von wem? Und warum?

Origami

O

Ich habe heute versucht, einer Video-Anleitung zum Falten des perfekten Papierfliegers zu folgen.

Der Anfang ist ziemlich einfach. Man denkt sich: Kann ja jeder. Irgendwann passiert es dann aber, dass ein Schritt folgt, den man nicht beim ersten Hinsehen versteht. Auch beim zweiten Mal nicht. Und beim dritten. Man muss sich diesen Schritt immer wieder ansehen um zu kapieren, was da eigentlich läuft.

Und so kämpft man sich durch. Mit jedem Schritt wird der Papierflieger unperfekter. Man ist nie ganz sicher, ob man eigentlich noch auf dem richtigen Weg ist. Aber immerhin: Das eigene Faltkunstwerk ähnelt irgendwie der Vorlage.

Aber dann kommt der letzte Schritt (und es ist immer der letzte Schritt): Da passiert immer irgend etwas, das wie Zauberei aussieht. Da kommt was völlig Unerwartetes oder Unmögliches. Egal, was man tut, man kriegt das nicht so hin, wie man sollte. Am letzten Schritt scheitert der ganze Prozess.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Den Hut drauf hauen und sagen: Ach was, so ein Blödsinn. Das funktioniert einfach nicht.
  2. Ein neues Blatt hernehmen und es von vorne versuchen. Und wieder und wieder und wieder, bis es klappt.

Dein Business ist wie Origami.

Für welche Möglichkeit entscheidest du dich?

Warmes Brot

W

Brot, das ein bisschen aufgewärmt wurde, schmeckt viel besser. Unvergleichbar viel besser. Noch dazu, wenn das Brot an sich schon von sehr guter Qualität ist.

Kleiner Effekt, große Wirkung.

Wie so vieles im Leben. Und im Business.

Verloren

V

Ich habe meinen Ehering verloren.

Warum?

Weil er mir nicht mehr gepasst hat. Er war zu groß und ist mir irgendwie vom Finger gerutscht, ohne dass ich es gemerkt habe.

Wie lang ich das schon gewusst habe?

Dass er mir nicht mehr ideal passt? Naja, schon länger. Ein paar Jahre, ehrlich gesagt.

Warum ich nicht vorher etwas dagegen unternommen habe?

Tja… Das frage ich mich jetzt auch.

Überraschungserfolg

Ü

Vor fünf Monaten habe ich für meine Studierenden ein Erklärvideo zum Thema “Cash Flow Rechnung” aufgenommen. Pandemiebedingt war damals kein Präsenzunterricht möglich, also waren Erklärvideos das zweitbeste Mittel der Wahl für meine Studierenden.

Weil das Video sowieso schon aufgenommen war, dachte ich mir: Ist ja egal, stellst du es halt auf YouTube, vielleicht kann es ja auch sonst noch jemand brauchen.

Gestern wurde das Video zum tausendsten Mal aufgerufen. 1000 Views in fünf Monaten, das hätte ich mir nie gedacht. Ganz ohne Werbung, komplett ohne Promotion. Rein organisch.

Für mich wieder mal ein Beweis dafür, wie schlecht ich darin bin, den Erfolg oder Misserfolg meines Contents vorauszusagen. Meine besten Blog-Artikel verpuffen im Nichts, dafür werden vermeintlich unscheinbare Videos wie dieses zum Renner.

Als ob ich dafür noch einen Beweis gebraucht hätte.

Wenn’s uns angeht

W

Die Schwester meiner Oma hat mit zunehmendem Alter immer schlechter gehört. Im Stillen vertraute sie meiner Oma eines Tages an:

Ich höre nichts mehr von dem, was die alle reden.
Aber wenn es mich angeht, werden sie’s mir schon sagen.

Ich denke, das gilt auch für uns in der “always on”-Welt von Social Media, Livetickern und Breaking News. Wir brauchen nicht alles hören, was da draußen gesagt wird.

Und wenn es uns wirklich angeht, werden wir es auch auf anderem Weg erfahren.

Das Fiaker-Prinzip

D

Die Fiaker in Wien bestreiten es heftig, aber es geht folgendes Gerücht:

Die Fiaker hatten keine festen Preise für ihre Fahrgäste, sondern trafen die Preisentscheidung ganz spontan. Kam ein Fahrgast auf sie zu, der vornehm gekleidet war, so war der Fahrpreis entsprechend hoch. Ließ das Äußere den Fahrgast weniger vermögend erscheinen, wurde der Fahrtpreis entweder gesenkt (wenn gerade Flaute herrschte), oder der Preis wurde im Gegenteil noch viel höher festgesetzt, weil der Fiaker mit einem armen Schlucker seine Zeit nicht verschwenden und lieber auf einen reicheren Fahrgast warten wollte.

Fair ist dieses Prinzip natürlich nicht, aber man kann den Fiakern nicht absprechen, dass sie verstanden haben, dass jeder Preis auch einen Steuerungseffekt bei unseren Kunden hat.