Tag#Alltagsgeschichten

Das Schulfest (Freewriting XXIII)

D

Über Elternvereine und deren Schulfeste gäbe es sehr viel zu sagen. Wie immer, wenn sich Menschen zusammenfinden, um an einer gemeinsamen Sache (einem “Projekt”) zu arbeiten, passieren allerhand interessante Dinge. Es gibt Gschaftlhuber, fleißige Helfer und vollkommen Desinteressierte. Und es gibt mitunter sogar Saboteure und Wichtigmacher in eigener Sache.

Jedenfalls stehen und fallen solche Projekte mit Menschen, die die Richtung vorgeben. Die Führung übernehmen. Oder auch nicht. Das zeigt sich besonders, wenn das Projekt nicht wie geplant läuft. Denn Führung ist leicht, solange alles gut läuft. Wirklich gute “Leader” erkennt man aber erst in dem Momenten, wo es kriselt. Oder wo es überhaupt kracht.

Wenn so ein Projekt nur ein wenig aus dem Ruder läuft, kann man sagen, es ist halt schlecht organisiert. Ein bisschen Chaos, aber damit können wir meistens ganz gut umgehen. Man improvisiert ein bisschen, und mit etwas gutem Willen kriegt man’s schon irgendwie hin.

Wenn in so einem Projekt hingegen Leadership fehlt, dann lässt sich das praktisch nicht kompensieren. Dann ist das Projekt dem Untergang geweiht.

Versprochen ist versprochen (Freewriting XXII)

V

Mein Sohn war heute sehr verstört, weil ein Freund ihm ein “hoch und heiliges Versprechen” gegeben und es dann gebrochen hat.

Für ihn war das vollkommen unverständlich. Weil wir ihm seit sieben Jahren einbläuen, dass man seine Versprechen halten muss. Wenn man etwas zusagt, dann gilt das. Punkt.

Für mich ist das auch ein Kennzeichen von professionellen Selbständigen und Unternehmer*innen. Profis überlegen sich zweimal, was sie versprechen. Aber wenn sie etwas versprochen haben, dann gilt’s. Amateure hingegen nehmen es mit ihren Versprechen nicht so genau. Sie versprechen bald mal was, aber diese Versprechen sind nicht verbindlich, sondern bestenfalls Absichtserklärungen.

Böses Blut entsteht immer dann, wenn Profis (mein Sohn) und Amateure (sein Freund) aufeinandertreffen. Der eine versteht nicht, wie man ein Versprechen brechen kann, und der andere versteht nicht, wo überhaupt das Problem ist.

Solche Missverständnisse lassen sich nur schwer auflösen, weil sie die Werte-Ebene betreffen. Die lassen sich nicht ausdiskutieren, die lassen sich nur leben – oder eben nicht.

Mir ist es wichtig, meinem Sohn den Wert mitzugeben, dass Versprechen zählen. Aber ich kann ihm nicht den Frust ersparen, der entsteht, wenn andere Menschen das anders sehen.

Unerlaubte Abkürzung (Freewriting XXI)

U

Unlängst habe ich in einem Seminar eine sehr sympathische junge Frau kennengelernt, die Mathematik studiert hat. In der Schule hat mir Mathematik immer getaugt, weil sie immer sehr knifflige und herausfordernde Probleme bereitgestellt hat, mit denen man sein Hirn trainieren kann. Aber ein Mathematik-Studium hätte ich mir niemals zugetraut. Deswegen war ich sehr beeindruckt.

Wir sprachen im Seminar gerade über die Besteuerung von Unternehmensgewinnen und die verschiedenen Prozentsätze, da habe ich die junge Dame gefragt, ob sie das mal schnell ausrechnen kann – sie ist ja schließlich Mathematikerin. Ihre Antwort: “Tut mir leid, im Kopfrechnen bin ich ganz schlecht.”

Ich war einen Moment lang völlig von den Socken. Schlecht im Kopfrechnen? Als Mathematikerin? Und dann, einen Moment später, war mir meine Frage furchtbar peinlich. Wie selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass eine Mathematikerin auch schnell rechnen kann. Aber das ist total unfair. Weil Kopfrechnen und mathematisches Verständnis zwar was miteinander zu tun haben, aber zwei vollkommen verschiedene Fähigkeiten sind.

Ich habe ihr also was unterstellt, was ich mir in meinem Kopf als logischen Zusammenhang konstruiert habe. Das ist jedoch nicht das Besondere hier. Das Besondere ist, dass ich es gemerkt habe.

Hilflos (Freewriting XX)

H

Ich bin gerade in Salzburg, um ein Seminar zu halten. Und daheim ist ein Riesenbahö, weil jemand aus der Familie ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Und ich sitze da in meinem Hotelzimmer, vollkommen hilflos. Ich kann gar nichts beitragen um der Familie daheim zu helfen.

Ja, ich kann zuhören. Ich kann ermutigen. Aber ich kann nichts Aktives tun. Dabei ist es gerade die Aktivität, die mich (und die meisten anderen Menschen) beruhigen würde. Irgendetwas tun, das fühlt sich viel, viel besser an als herumzusitzen mit gebundenen Händen.

Dabei ist es gar nicht so entscheidend, ob meine Hilfe tatsächlich hilfreich wäre. Ob meine sogenannte Hilfe überhaupt irgendjemandem helfen würde. Hauptsache, ich bin mit meinen Gedanken nicht allein und habe irgendetwas, wo die überschüssige Energie kanalisiert wird und aus mir raus kann.

Es gibt aber gar nichts zu tun als zu warten. The waiting is the hardest part, sagt Tom Petty. Und recht hat er.

Ich würde so viel lieber was tun. Irgendwas. Wahrscheinlich auch, damit ich mir später nicht vorwerfen kann, nichts getan zu haben.

Ziemlich egoistisch, im Grunde. Aber sind wir das nicht alle?

Unproduktiv (Freewriting XVII)

U

Unlängst war ich in einem Meeting, das war vollkommen unproduktiv. Zwei Dutzend Menschen, mehrere Stunden, alles für A und F.

Die Tragik dabei: Das war ein Desaster mit Ansage. Es war abzusehen. Das Ziel des Meetings war nicht klar, und die Ergebnisse hatten von vorn herein keine Chance auf Umsetzung.

Noch trauriger: Das war eigentlich allen Beteiligten klar. Aber keiner hat‘s offen ausgesprochen. Ein reines Theater. Ein Popanz.

Ich habe in diesem Meeting gelitten, körperlich. Ich habe mir so viele Kommentare verbissen, weil‘s eh nichts gebracht hätte. Danach war ich vollkommen fertig, als hätte ich schwer körperlich gearbeitet.

An diesem Tag habe ich für mich beschlossen: Ich will und werde nie mehr in meinem Leben in so einem Meeting sein.

Systemfehler (Freewriting XVI)

S

Unlängst war ich in einer Kinderarzt-Praxis. Die kleinen Patientinnen und Patienten konnten nicht behandelt werden, weil die Software ausgefallen war. Weinende Kinder im Warteraum, angespannte Eltern und hilfloses Personal war die Folge. Vollkommene Machtlosigkeit.

Später, selber Tag: Lange Wartezeiten am Bahnhof Mödling, massig Zugausfälle. Niemand wusste, wann und mit welchem Zug es weitergehen würde. Ob heute überhaupt noch was weitergehen würde. Genervte Pendler, verspätete Verabredete, hilfloses Zugpersonal. Vollkommene Machtlosigkeit.

Systeme sind großartig — solange sie funktionieren. Tritt ein Fehler im System auf, sind wir sehr schnell sehr aufgeschmissen.

Einen schönen Tag (Freewriting XV)

E

Gestern war ich frühmorgens bei unserem BILLA einkaufen. Nach dem Zahlen habe ich der Dame an der Kassa einen schönen Tag gewünscht. Ihre Antwort: “Ja, hoffentlich vergeht er schnell.”

Ich war ganz perplex und habe gar nicht gewusst, was ich darauf sagen soll. Weil: Mir ist so ein Gedanke völlig fremd (geworden). Meine Tage können gar nicht lang genug dauern. Ich habe so vieles, auf das ich mich jeden Tag freue – und ja, auch auf meine Arbeit.

Mir tut diese Frau (und wahrscheinlich tausende Menschen in Österreich) echt leid. Was ist das denn für ein Leben, wenn man an jedem Tag hofft, dass er möglichst schnell vorbei geht? Am Ende so eines Lebens wird man zurückblicken auf sehr viele Tage, an denen man nicht wirklich gelebt hat.

Mir ist schon klar, dass das die Lebensrealität von ganz vielen Menschen ist. Aber es ist eine traurige Realität, die mir heute seit langem wieder mal deutlich geworden ist.

Ich hatte nämlich völlig vergessen, dass es nicht allen Menschen so gut geht wie mir. Oder, in aller Bescheidenheit und Demut anders ausgedrückt: Dass ich einige mutige Entscheidungen in meinem Leben getroffen habe und sich das jetzt auch auszahlt.

Polizeiautos (Freewriting XIII)

P

Heute habe ich im Kopierkammerl aus dem Fenster rausgeschaut und ein Polizeiauto vorbeifahren gesehen. Es war ein Skoda. Und da kam mir spontan der Gedanke: Das hätte sich vor 30 Jahren wohl niemand vorstellen können, dass die österreichische Polizei mal mit tschechischen Autos fahren würde.

Überhaupt sind die Dinge besonders spannend, die sich irgendwann mal niemand hätte vorstellen können und dann mit der Zeit ganz normal geworden sind. Nämlich so normal, dass man ganz vergisst, wie groß die Veränderung eigentlich ist, die zu dieser “neuen Normalität” geführt hat.

Es lohnt sich also – besonders für alle Unternehmer*innen –, heute an all die fantastischen Ideen zu glauben, die morgen völlig normal sein werden, aber sich heute noch niemand vorstellen kann.

2053, in 30 Jahren, wird es das Normalste der Welt sein.

Im Alter (Freewriting XI)

I

Mein Schwiegervater wird heuer 88 Jahre alt.

Er hört schon sehr schlecht, und sein Gedächtnis ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Und so kommt es vor, dass er immer wieder von den gleichen Dingen spricht. Seine Lieblingsthemen.

Heute habe ich mal genauer hingehört, was denn die Themen eigentlich sind, die ihm besonders wichtig sind:

  1. Die Arbeit. Dass man “einen Posten” hat, der möglichst sicher ist. Weil sich heutzutage, so meint er, viele Menschen schwer tun, einen guten Job zu bekommen und zu behalten.
  2. Die Familie. Er hat jedes Mal eine Riesenfreude, wenn seine Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder da sind. Es erfüllt ihn mit Stolz, seine Familie zu sehen, seine Nachkommen.
  3. Der Charakter von Menschen. Dass manche Menschen neidisch sind. Dass manche Menschen unehrlich sind. Dass er mit seinen Chefs immer gut ausgekommen ist. Dass er froh ist, unproblematische Nachbarn zu haben.
  4. Seine Frau. Wie froh er ist, dass er sie hat, und wie gut sie sich um ihn kümmert.
  5. Seine Tochter. Wie fleißig sie ist, und dass sie ein guter Mensch ist.

Gut möglich, dass ich in 45 Jahren über die vollkommen gleichen Dinge reden werde.

Siegesfeier (Freewriting V)

S

Gestern war ich live dabei, als meine Mannschaft, die Admira, den Worst Case abgewendet hat und im letzten Spiel gegen den direkten Konkurrenten den Klassenerhalt geschafft hat.

Das Spiel selbst war weitestgehend furchtbar, aber das Ergebnis hat gepasst. Ende gut, alles gut, könnte man sagen. Und entsprechend ausgelassen war auch die Siegesfeier nach Schlusspfiff.

Nun kann man natürlich sagen: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. An dem Tag wurde das gesteckte Ziel erreicht, und deshalb darf man auch feiern. Bei der Mannschaft, bei den Fans, im ganzen Verein war die Erleichterung riesengroß.

Andererseits denke ich mir: Was genau feiern wir denn da? Dass eine Saison nicht in der absoluten Katastrophe geendet hat, sondern nur in einer ziemlich großen? Dass es bis zum letzten Spieltag gedauert hat, den Klassenerhalt zu sichern? Dass die Mannschaft trotz wenig überzeugender Leistung immerhin gewonnen hat?

Setzen wir einen Haken unter diese Saison. Die Katastrophe ist nicht eingetreten, Schwamm drüber.

Aber in der nächsten Saison hätte ich gerne wieder echte Gründe zum Feiern.

Bluatschink (Freewriting III)

B

Gestern war ich bei einem Konzert von Bluatschink. Einem Familienkonzert. Was zum Mitmachen, für Kinder und Erwachsene. Solche Sachen stehen immer in dem Verdacht, ein bisschen peinlich weil All-Inclusive-Animationsprogramm-mäßig zu sein, aber das war es nicht. Das Konzert hat uns allen vieren gefallen. Es war kurzweilig, lustig und im besten Sinn unterhaltsam.

Was mir aus meiner Gründungsberater-Brille aufgefallen ist: Toni Knittel, der Mastermind von Bluatschink, ist ein geschickter Marketer. Sehr charmant und gänzlich unaufdringlich, aber gleichzeitig auch sehr konsequent hat er immer wieder dazugesagt, wo Bluatschink demnächst wieder in der Nähe auftreten wird. Welche Musicals von ihnen gerade wo aufgeführt werden. Welche Goodies sie zum Kaufen mitgebracht haben.

Na klar. Wie soll denn das zufriedene Publikum wiederkommen, wenn es nicht weiß, wann es dazu die nächste Gelegenheit gibt? Wie sollen die Mamas und Papas wissen, wie sie ihren begeisterten Kindern eine Freude machen können, wenn sie niemals erfahren, dass es nach dem Konzert auch Bücher und CDs und DVDs zu kaufen gibt?

Derek Sivers hat mal gesagt, dass Marketing die letzte Ausformung eines Kunstwerks ist. Dass das gute Marketing zum Kunstwerk dazugehört, nicht ein Anhängsel ist.

Toni Knittel hat das verstanden.

Merci

M

Ich habe von meinen Studierenden an der FH St. Pölten bei der letzten Einheit meiner Lehrveranstaltung “Media Cost Management and Finance” ein Packerl Merci zum Abschied bekommen.

Ich war total überrascht und gerührt.

Und gleichzeitig mag es ein Beweis sein für etwas, das seit 2000 Jahren in der Bibel steht: Gib, dann wird dir gegeben werden.

Alleine essen

A

Als bekennender Introvertierter habe ich so meine Schwierigkeiten mit größeren Gruppen. Ich mag Menschen, aber ich brauche auch immer wieder meine Ruhe.

Unlängst war ich auf einem Kongress. Ein ganzer Tag mit ganz vielen Leuten, von denen ich niemanden kannte. Dabei vorgesehen war auch ein gemeinsames Mittagessen. Kostenlos.

Aber davon habe ich mich freigekauft. Ich habe 14,90 in mein Wohlbefinden investiert und in einem veganen Burgerladen alleine zu Mitttag gegessen.

Darauf bin ich stolz. Früher hätte ich mir das nicht erlaubt.

Doch nicht der Richtige

D

Vor wenigen Monaten hat die Admira einen neuen Trainer installiert.

Der ist wieder weg vom Fenster. Es ist noch schlechter gelaufen als unter dem Trainer davor.

Nun gibt es dafür sicher viele Gründe, und ich als Fan weiß in Wirklichkeit gar nichts über die Interna des Vereins.

Aber ein Gedanke drängt sich mir schon auf: Kann es sein, dass der Verein von Menschen geführt wird, die nicht genau wissen, was (wen) sie eigentlich wollen?

Ein großer Aufwand

E

Wolfgang Ambros spielt im Sommer 2023 einige Konzerte gemeinsam mit Gert Steinbäcker, dem ersten S von STS.

Der Plan ist, dass jeder von den beiden eine Stunde plus Zugaben spielt. Und dann, eventuell, noch ein Lied gemeinsam, aber: “Wir müssen uns noch zusammensetzen und das genauer besprechen”, sagt Gert Steinbäcker.

Wolfgang Ambros sieht das hingegen viel pragmatischer: “Was sollen wir gemeinsam spielen? Das sagt sich so leicht und man stellt es sich einfach vor, aber in Wirklichkeit muss man sehr viel dafür proben. Das ist ein großer Aufwand für ein oder zwei gemeinsame Lieder.”

Und diesen Aufwand zu betreiben, das scheint Wolfgang Ambros nicht mehr zu wollen.

Zumindest ist er ehrlich.

Teilzeit-Diskussion

T

Bei uns in Österreich wird gerade eine Diskussion geführt, ob Menschen, die in Teilzeit arbeiten, nicht auch weniger Sozialleistungen bekommen sollte (z.B. hier). Nach dem Motto: Wer weniger leistet, soll auch weniger bekommen.

Mich verstört Diskussion, weil ich mich frage: Was ist die Agenda dahinter?

Warum kommt das Thema ausgerechnet jetzt auf? Wer will da was für wen erreichen? Welche Argumente sind echt, und welche sind nur vorgeschoben?

Wem nützt es, eine Neiddiskussion auszulösen und Vollzeitmitarbeiter gegen Teilzeitmitarbeiter auszuspielen?

Existieren diese unterstellten “faulen Schweine”, die nur Teilzeit arbeiten und dann den Rest des Tages nur Netflix schauen, überhaupt? Und wenn ja, wie viel Prozent der Teilzeitkräfte sind das wirklich? Wer kann diese Zahlen liefern, und warum werden sie nicht geliefert?

Oder ist das womöglich überhaupt eine reine Phantomdiskussion, die hier inszeniert wird?

(Und ganz abgesehen davon: Die reine Arbeitszeit als Maßstab dafür herzunehmen, wer wie viel Sozialleistung “verdient”, ist höchst fragwürdig. Teilzeitkräfte sind oft produktiver als Vollzeitkräfte, das weiß man schon sehr lange. Die Produktivität wäre der viel geeignetere Indikator, wenn schon über Leistung diskutiert wird. Aber damit würden wir eine viel tiefgreifendere und substanziellere Diskussion führen müssen. Und wer würde das wollen?)

Waschmaschine

W

Unlängst war unsere Waschmaschine kaputt.

Ich war entschlossen, sie selbst zu reparieren. Ich bin ja ein geschickter Bursche, es gibt genügend Youtube-Videos, und so schwer kann das ja nicht sein.

Drei Reparaturstunden später musste ich mir eingestehen, dass das alles doch nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint und dass ich wohl doch lieber einen Profi ran lassen sollte, der weiß, was er tut.

Der Profi war dann zwei Tage später im Haus. Im Endeffekt hat es ihn mehr Zeit gekostet, meine Reparaturversuche wieder zu korrigieren, als wenn ich ihn gleich gerufen hätte.

What do we learn, Palmer? What do we learn?

Gründerinnen müssen Haie sein

G

Meint die New Yorker Unternehmerin Sophia Sunwoo in brand eins.

Obwohl ich nachvollziehen kann, wo der Gedanke herkommt (zumal es Frauen in allen Bereichen schwerer haben als Männer, immer noch), fürchte ich, dass er in die Irre führt.

Man verändert ein Problem nicht dadurch, dass man mehr von dem macht, was das Problem eigentlich verursacht hat.

Mogelpackungen

M

Shrinkflation nennt sich der Trend, dass die Füllmenge von Packungen abnimmt, aber der Preis gleich bleibt.

Ein Beispiel: Das Packerl Haribo Goldbeeren kostet noch gleich viel wie vor einem Jahr, allerdings waren früher 200g Gummibäri drinnen und jetzt sind es nur noch 175g. Die Abnahme der Füllmenge entspricht eigentlich einer Preissteigerung um 12,5%.

Konsument*innen und deren Schützer sind darüber empört, und das kann ich nachvollziehen.

Und doch frage ich mich: Wenn im Packerl Chips früher 300g drinnen waren und jetzt sind es nur noch 200g… Ist das wirklich ein Nachteil? Meine (zugegebenermaßen subjektive) Erfahrung ist, dass ich immer ein ganzes Packerl Chips aufesse – egal, wie viel drinnen ist. Aber nicht zwei Packerl. Wenn ich jetzt nur noch 200g von diesem wohlschmeckenden, aber ungesunden Zeug esse statt früher 300g, dann müsste ich den Chips-Herstellern eigentlich sehr dankbar sein. Weil sie für mich etwas bewerkstelligen, was ich selber nicht hinkriege: Weniger Chips zu essen.

Shrinkflation könnte, so gesehen, also auch ein Tool sein, das wir zu unserem Vorteil einsetzen können – gerade weil wir weniger für unser Geld bekommen als zuvor.

Es mag zwar eigenartig klingen, aber nicht immer ist es schlecht für uns, wenn uns etwas gegen unseren Willen weggenommen wird.

Immer noch dort

I

Vor zwanzig Jahren habe ich als Student für ein paar Jahre im Kunsthistorischen Museum gearbeitet. Ich war im Aufsichtsdienst und habe aufgepasst, dass den weltberühmten Bildern in der Gemäldegalerie nichts passiert.

Unlängst war ich wieder in der Gemäldegalerie, und da ist mir aufgefallen, dass ich den einen oder anderen Aufseher wiedererkannt habe, von damals.

Während ich mit meinem Studium auch diesen Studentenjob beendet habe, sind die immer noch dort.

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.