Tag#Alltagsgeschichten

Drei Missverständnisse

D

Unlängst hat meine Frau versucht, mir ein Problem mit der Betreuung unserer Tochter im Kindergarten zu erklären.

Es hat drei Anläufe gebraucht, bis ich kapiert habe, was eigentlich Sache ist.

Das Ungewöhnliche daran ist nicht, dass ich meine Frau dreimal falsch verstanden habe.

Das Ungewöhnliche ist, dass ich es bemerkt habe.

Wenigstens

W

Was man zu dieser unsäglichen Nachtzug-Fahrt von Berlin an Wien allerdings auch sagen muss:

Das Personal im Zug war ausgesprochen professionell und bemüht, im Rahmen ihrer beschränkten Möglichkeiten für die Passagiere das Beste aus der Sache zu machen.

Und meine Reklamation bei den ÖBB wurde innerhalb von 24 Stunden bearbeitet und der Schaden anstandslos gutgeschrieben.

Hier haben es die ÖBB sogar geschafft, meine Erwartungen zu übertreffen.

Versprochen ist versprochen

V

Unlängst bin ich mit dem Nachtzug von Berlin nach Wien gefahren. Aus einen Grund, den ich bis heute nicht kenne, hatte dieser Zug aber den Schlafwagen, den ich eigentlich gebucht hatte, nicht. Einfach nicht da. Der Schlafwagen wurde durch einen Liegewagen ersetzt. Das bedeutete für mich: Statt des gemütlichen Einzelabteils im Schlafwagen, auf das ich mich gefreut hatte, ein Dreier-Abteil im Liegewagen mit zwei Mitreisenden, die das gleiche Schicksal ereilt hatte wie mich.

Die Stimmung unter den Fahrgästen war entsprechend schlecht. Eh klar: Die ÖBB hatten ihren Kund*innen ein Versprechen gegeben, und dieses Versprechen konnten die ÖBB nicht einlösen. Die Erwartungen der Kund*innen wurden nicht erfüllt. Das sorgt natürlich für Enttäuschung, für Ärger und schlechte Laune.

Wenn man etwas verspricht, muss man es halten. Das sage ich meinen Kindern und auch meinen Gründer*innen immer wieder. Das gilt für kleine Unternehmen genauso wie für die großen.

Unterschätzt

U

Ich habe unlängst Dame gespielt – zum ersten Mal seit ca. 30 Jahren.

Mein Gegner hat mir die Spielregeln kurz erklärt, ich konnte mich leidlich gut erinnern, und damit ging’s auch schon los. Und was soll ich sagen: Ich habe meinen Gegner vernichtet.

Also Revanche. Und was soll ich sagen: Ich war siegessicher, an der Grenze zur Überheblichkeit. Daher habe ich viele kleine Fehler gemacht, war unkonzentriert und … mein Gegner hat kurzen Prozess mit mir gemacht.

Mein Learning: Man soll seinen Gegner nie unterschätzen – auch wenn er erst sechs Jahre alt ist.

Trainerwechsel

T

Die Admira hat also (wieder) einen neuen Trainer. Rolf Landerl folgt auf Roberto Pätzold.

Im Juni 2022, als Pätzold als Nachfolger von Andreas Herzog vorgestellt wurde, hieß es von den Vereinsverantwortlichen noch:

Wir haben uns bei der Verpflichtung des neuen Cheftrainers die notwendige Zeit genommen, sorgsam abgewogen und letztlich eine Entscheidung getroffen, von der wir vollends überzeugt sind. Roberto Pätzold trägt unsere Ausrichtung und Ziele vollends mit und ist von seinem Profil her prädestiniert, den notwendigen Neuanfang voranzutreiben.

Philip Thonhauser, Präsident

Jetzt, kein halbes Jahr später, sieht die Sache anscheinend anders aus:

Nach der Analyse der letzten Wochen mit Blick auf die Entwicklung der Mannschaft sind die Vereinsführung und die sportliche Führung gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass wir eine personelle Veränderung vornehmen und Roberto Pätzold freistellen. 

Marcel Ketelaer, Sportvorstand

Irgendjemand hat sich da anscheinend gewaltig geirrt. Vielleicht der Trainer, vielleicht die Vereinsverantwortlichen, wahrscheinlich beide.

Aber die Frage bleibt: Wie kann etwas so falsch sein, das vor wenigen Monaten noch so richtig war?

PS: Ich wünsche dem neuen Trainer Rolf Landerl und der ganzen Mannschaft alles Gute für die Rückrunde.

Nulltbester

N

Als ich unlängst beim Spielen Letzter geworden bin, meinte meine vierjährige Tochter, ich sei damit “Nulltbester”.

Tolles Reframing. 😁

Schöne Dinge

S

Schönheit ist meistens mit Luxusartikeln verbunden.

Alltagsgegenstände sind meistens nicht schön, bestenfalls sind sie nicht schiach. 

Dabei wäre es oft gar nicht teuer, etwas schön zu machen.

Kuscheltiersegnung

K

Die Religionslehrerin meines Sohnes hat sich etwas Nettes einfallen lassen: Zum Welttierschutztag durften alle Kinder ihre Lieblingsstofftiere mitnehmen, und die wurden dann gesegnet.

Mir gefällt die Idee deswegen so gut, weil sie uns an etwas Wichtiges erinnert: Wir alle, ob Groß oder Klein, haben unsere Talismane. Dinge, die uns wichtig sind. Dinge, die uns heilig sind.

Es tut uns gut, unsere ganz persönlichen Heiligtümer hin und wieder zu segnen, sprich: zu würdigen.

Erste Klasse

E

Unlängst im Zug beobachtet:

Ein Papa fährt mit seinem kleinen Sohn im Railjet nach Wien, 1. Klasse. Der Kleine ist noch ein bisschen wackelig auf den Beinen. Als der Zug im Bahnhof einfährt und stehen bleibt, passiert das Unvermeidliche: Den Kleinen haut es um, er fällt auf seinen Popsch.

Der Papa sagt, nach einer Schrecksekunde: “Ah, nix passiert. Erste Klass’ fallt ma net so hart.”

Rein logisch gesehen stimmt das natürlich nicht. Man fällt auch in der zweiten Klasse nicht härter. Aber gefühlsmäßig macht es schon Sinn: In der ersten Klasse fühlt man sich ganz generell vielleicht eine Spur besser – einfach deswegen, weil es die erste Klasse ist.

Oder, wie es Marcel Reich-Ranicki ausgedrückt hat:

Geld allein macht nicht glücklich, aber wenn man unglücklich ist, ist es besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.

Erster Schultag

E

Mein Sohn hat heute seinen ersten Schultag.

Wir werden von nun an beide viel zu lernen haben.

Milchpreis

M

Das Phänomen, dass kleine Unternehmen oft kaum Ahnung vom Markt haben, auf dem sie agieren, ist ziemlich weit verbreitet.

Die Bio-Milchbäuerin, bei der wir geurlaubt haben, hatte keine Ahnung, was der Liter Bio-Milch im Supermarkt kostet.

31 Jahre gibt’s das schon

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Noch eine Beobachtung aus dem Urlaub:

Die Kinder lieben die Minidampfbahn im Waldviertel. Und jedes Mal, wenn wir dort sind, denke ich mir: Gewaltig, was hier praktisch im Nirgendwo dasteht. Respekt vor diesem Unternehmergeist!

Heuer ist mir durch einen Nebensatz des Betreibers bewusst geworden, dass es dieses Unternehmen bereits seit mehr als dreißig Jahren gibt. Was hier zu sehen ist, ist nicht von heute auf morgen entstanden, sondern hat sich Stück für Stück über drei Jahrzehnte aufgebaut. 

Wir sehen meist nur das Ergebnis und vergessen darüber, wie jedes noch so große Unternehmen entsteht: drip by drip, wie Seth Godin sagt. 

Am Anfang haben sie sich noch bemüht

A

Wir haben Urlaub gemacht bei einem Bio-Bauernhof im Waldviertel. Freundliche Leute, saubere Zimmer, tadelloses Frühstück.

Und dennoch fällt mit freiem Auge auf, dass mit den Jahren ist ein bisschen der Schlendrian eingerissen sein dürfte. Nichts Schlimmes, aber dort und da ist zu sehen, dass den Gastgebern der Anfangselan ausgegangen ist und auf Kleinigkeiten nicht mehr so viel Wert gelegt wird. Es wird getan, was zu tun ist, aber auch nicht viel mehr. 

Wie gesagt: Es gibt nicht wirklich was zu beanstanden, der Betrieb klappt reibungslos. 

Und trotzdem: Mit der Alltagsroutine ist der Zauber verloren gegangen, der aus einem Urlaubsort etwas Besonderes macht. 

Hinauf, hinunter

H

Mein Onkel Florian hat eine interessante Beobachtung gemacht:

Durch das E-Bike fällt es auch ungeübten Radfahrern recht leicht, selbst sehr hohe Berge zu erklimmen. Das Problem ist aber, dass sie sich dafür beim Runterfahren komplett verausgaben – weil auch das Runterfahren sehr anstrengend ist und ihnen das E-Bike dabei nicht mehr hilft. 

So geht es mitunter auch uns Lifestyle Entrepreneuren: Wir wünschen uns, dass wir eine Abkürzung zum Erfolg hätten. Aber wenn wir den Erfolg dann haben, ist längst nicht gesagt, dass wir ihn auch derschnaufen. 

Schachfiguren

S

Mein Sohn (6) hatte heute die Idee, sich selbst Schachfiguren aus Papier zu basteln.

Etwas, das ich ihm beim besten Willen nicht vorschlagen hätte können. Nur er konnte diese Idee haben, und nur er konnte diese Idee auf seine einzigartige Weise umsetzen. Meine Aufgabe war es lediglich, ihm das Papier zu geben, das er zum Basteln brauchte.

Das ist ein wunderbarer Reminder für mich, wenn ich in der Rolle des Beraters bin: Meine Aufgabe ist es nicht, Ideen und Lösungen für meine Kund*innen zu finden. Meine Aufgabe ist es, den Rahmen zu schaffen, damit gute Ideen entstehen und umgesetzt werden können.

5000 Folder

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Unlängst hat mir eine Gründerin folgende Geschichte erzählt:

Ein Kollege hat ihr dringend geraten, nicht zu billig zu starten und von Anfang an einen angemessenen Preis für ihre Leistung zu verlangen.

Er selbst sei nämlich viel zu billig. Seinen Preis könne er aber leider nicht erhöhen, weil er vor Jahren 5000 Folder hat drucken lassen und in denen sein billiger Preis steht. Die muss er erst verbrauchen, bevor er einen neuen Folder mit neuen Preisen drucken lassen kann.

Ein besseres Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt wird man kaum finden.

Rolling Stones (2)

R

Unlängst waren die Rolling Stones im Happel-Stadion in Wien zu Gast. Keith Richards wird heuer 79 Jahre alt, Mick Jagger ebenfalls. Der Jüngste, Ronnie Wood, ist 75 geworden.

Da kommt schon mal die Frage auf, warum sich die Herren nicht schon längst zur Ruhe gesetzt haben und sich das Touren immer noch antun.

Keith Richards gab darauf beim Konzert die Antwort: “That’s what we do.”

Damit ist alles gesagt.

Wo ist der Call to Action?

W

Unlängst spiele die junge britische Band The Lathums im Vorprogramm von The Killers in der Wiener Stadthalle.

Vorgruppen sind nicht immer das Gelbe vom Ei, aber The Lathums waren wirklich erfrischend und hatten das Publikum rasch auf ihrer Seite. Sie haben es geschafft, die Konzertbesucher eine Dreiviertelstunde lang gut zu unterhalten und wurden mit viel Applaus verabschiedet.

Ein paar tausend Menschen haben ihnen also ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Aber wie haben sie diese Aufmerksamkeit genutzt? Schlecht, sage ich als Unternehmensberater. Am Ende der Show, als das Publikum dafür absolut bereit gewesen wäre, kam kein Call to Action. Kein “Bitte liked uns auf Instagram” oder “Bitte kauft unser neues Album” oder “Bitte erzählt euren Freunden von dem Konzert” oder was auch immer. Es kam einfach… nichts.

Ja, sicher werden einige Besucher auch von selbst aktiv werden. Ich habe einige Songs der Band auf meine aktuelle Playlist geladen. Aber es wäre viel mehr möglich gewesen.

Insgesamt eine riesige vergebene Chance.

Gesetz der abnehmenden Wahrscheinlichkeiten

G

Wenn man etwas verloren hat, wo ist es dann am sinnvollsten, mit der Suche zu beginnen?

Natürlich dort, wo es am wahrscheinlichsten ist, dass das Ding liegt. Den Autoschlüssel wird man daher zunächst in der Nähe der Schlüsselablage suchen, in der Tasche oder im Auto selbst. Erst dann wird man den Suchkreis erweitern.

Ja, es gab auch schon Autoschlüssel, die im Kühlschrank gefunden wurden. Aber das bedeutet nicht, dass wir deshalb anfangen sollen, im Kühlschrank zu suchen.

Beginnen wir mit unserer Arbeit lieber dort, wo es am wahrscheinlichsten ist, dass wir Erfolg haben.

Ungebetene Hilfe

U

Unlängst selbst erlebt:

Hilfe, um die man nicht gebeten hat, ist nicht erwünscht – auch, wenn sie aus besten Intentionen kommt. Im schlimmsten Fall ist sie beleidigend, entmündigend und übergriffig.

Es hat mir gut getan, das wieder mal selbst zu spüren – auch wenn es alles andere als angenehm war.

Ein guter Reminder für mich als Berater, das Mantra von Ernesto Sirolli nicht zu vergessen: If people don’t wish to be helped, leave them alone!