Tag#Alltagsgeschichten

Nachhaltige Filmförderung

N

Meine Kollegin an der FH St. Pölten, Monika Kovarova-Simecek, hat mir erzählt, dass SDG-Ziele zunehmend auch Kriterien sind bei der Vergabe von Filmförderungen.

Einerseits ist das natürlich super, dass endlich auch Überlegungen zur Nachhaltigkeit einfließen in Entscheidungen für Finanzierungen und Förderungen. Ist eh höchst an der Zeit.

Andererseits denke ich mir: Das ist ja ein Wahnsinn für die Filmproduzent*innen, v.a. für die kleinen. Was das für ein Mehraufwand ist, nun auch noch einen Nachhaltigkeitsbericht zu schreiben und vor ab schon zu überlegen: Wie stellen wir sicher, dass wir CO2-neutral sind? Wie stellen wir Diversity sicher? etc.

Weil: Ich nehme an, dass dieser Aspekt zu allen anderen Förder-Anforderungen dazu kommt, und nicht ein anderes Kriterium wegfällt.

Es wird wohl ein Mehr-Aufwand sein, was dazu führen wird, dass er auch als solcher behandelt wird.

Die Kuh

D

Meine Nichte wird im Biologie-Unterricht ein Referat über die Kuh halten.

Eigentlich wollte sie über Dinosaurier reden, das hätte sie mehr interessiert. Weil aber die Referatsthemen in einer bestimmten Reihenfolge drankommen müssen und die Dinosaurier zu einem Zeitpunkt dran sind, wo meine Nichte viele andere Schularbeiten und Tests hat, hat sie sich eben für die Kuh entschieden. Nicht aus Interesse, sondern weil es einfacher ist.

Schon interessant, was man in der Schule alles lernt. 

Müllsammeln

M

Gestern haben meine Kinder und ich den Müll gesammelt, der in den Vorgärten und auf dem Spielplatz in unserer Nachbarschaft herumgelegen ist.

Niemand hat uns darum gebeten. Wir haben dafür kein Lob bekommen. Praktisch niemandem wird es überhaupt aufgefallen sein.

Und dennoch (oder gerade deswegen) ist es ein wunderbares Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, einfach um seiner selbst Willen.

Bad News

B

Unlängst bei mir selbst beobachtet:

Ich war gut drauf. Dann habe ich auf einem Nachrichtenportal eine schlechte, aber aufregende Nachricht gelesen. Dann hat mich meine Frau beim Lesen unterbrochen, weil sie mich um was gebeten hat, und ich war ganz mies drauf. 

Was, Günter, lernst du daraus?

Hotelzimmer

H

Von meinem Hotelzimmer aus höre ich, wie ein Mann am Gang ständig an eine Zimmertür klopft. Unablässig.

Der Mann lallt ein bisschen, er scheint betrunken zu sein. Hinter besagter Zimmertür dürfte sich seine Frau befinden, die aber kein Erbarmen mit ihm zu haben scheint. Er findet einfach keinen Einlass. Vielleicht hämmert er auch an die falsche Tür.

Ich habe natürlich keine Ahnung, was hier wirklich los ist. Was da gerade läuft.

In meinem Kopf ließe sich diese Geschichte in hundert Versionen erzählen, mit wechselnden Helden und Bösewichten, als Komödie genauso wie als Tragödie.

Welche dieser Versionen käme wohl am nächsten an „die Wahrheit“?

Und welche davon ginge mich überhaupt was an?

Verschlafen

V

Ein italienischer Bischof hat die Weihnachtsmesse verschlafen, die er eigentlich zelebrieren wollte. Nach dem Abendessen wollte er sich kurz ausruhen und hat versehentlich den Wecker auf 10:50 statt 22:50 gestellt.

Als er drauf kam, war es zu spät. Ein Kollege musste den Gottesdienst für ihn leiten.

Als er verspätet zur Messe erschien, entschuldigte er sich bei der versammelten Gemeinde und sagte: “Wir dürfen uns nicht vor unseren eigenen Schwächen erschrecken.”

Was für ein wunderbarer Satz!

Mögen alle Menschen, die gerade im Begriff sind, sich selbständig zu machen, vor ihren eigenen Schwächen nicht erschrecken, welche die Selbständigkeit gnadenlos aufdecken wird.

[Quelle: orf.at]

Drei Missverständnisse

D

Unlängst hat meine Frau versucht, mir ein Problem mit der Betreuung unserer Tochter im Kindergarten zu erklären.

Es hat drei Anläufe gebraucht, bis ich kapiert habe, was eigentlich Sache ist.

Das Ungewöhnliche daran ist nicht, dass ich meine Frau dreimal falsch verstanden habe.

Das Ungewöhnliche ist, dass ich es bemerkt habe.

Wenigstens

W

Was man zu dieser unsäglichen Nachtzug-Fahrt von Berlin an Wien allerdings auch sagen muss:

Das Personal im Zug war ausgesprochen professionell und bemüht, im Rahmen ihrer beschränkten Möglichkeiten für die Passagiere das Beste aus der Sache zu machen.

Und meine Reklamation bei den ÖBB wurde innerhalb von 24 Stunden bearbeitet und der Schaden anstandslos gutgeschrieben.

Hier haben es die ÖBB sogar geschafft, meine Erwartungen zu übertreffen.

Versprochen ist versprochen

V

Unlängst bin ich mit dem Nachtzug von Berlin nach Wien gefahren. Aus einen Grund, den ich bis heute nicht kenne, hatte dieser Zug aber den Schlafwagen, den ich eigentlich gebucht hatte, nicht. Einfach nicht da. Der Schlafwagen wurde durch einen Liegewagen ersetzt. Das bedeutete für mich: Statt des gemütlichen Einzelabteils im Schlafwagen, auf das ich mich gefreut hatte, ein Dreier-Abteil im Liegewagen mit zwei Mitreisenden, die das gleiche Schicksal ereilt hatte wie mich.

Die Stimmung unter den Fahrgästen war entsprechend schlecht. Eh klar: Die ÖBB hatten ihren Kund*innen ein Versprechen gegeben, und dieses Versprechen konnten die ÖBB nicht einlösen. Die Erwartungen der Kund*innen wurden nicht erfüllt. Das sorgt natürlich für Enttäuschung, für Ärger und schlechte Laune.

Wenn man etwas verspricht, muss man es halten. Das sage ich meinen Kindern und auch meinen Gründer*innen immer wieder. Das gilt für kleine Unternehmen genauso wie für die großen.

Unterschätzt

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Ich habe unlängst Dame gespielt – zum ersten Mal seit ca. 30 Jahren.

Mein Gegner hat mir die Spielregeln kurz erklärt, ich konnte mich leidlich gut erinnern, und damit ging’s auch schon los. Und was soll ich sagen: Ich habe meinen Gegner vernichtet.

Also Revanche. Und was soll ich sagen: Ich war siegessicher, an der Grenze zur Überheblichkeit. Daher habe ich viele kleine Fehler gemacht, war unkonzentriert und … mein Gegner hat kurzen Prozess mit mir gemacht.

Mein Learning: Man soll seinen Gegner nie unterschätzen – auch wenn er erst sechs Jahre alt ist.

Trainerwechsel

T

Die Admira hat also (wieder) einen neuen Trainer. Rolf Landerl folgt auf Roberto Pätzold.

Im Juni 2022, als Pätzold als Nachfolger von Andreas Herzog vorgestellt wurde, hieß es von den Vereinsverantwortlichen noch:

Wir haben uns bei der Verpflichtung des neuen Cheftrainers die notwendige Zeit genommen, sorgsam abgewogen und letztlich eine Entscheidung getroffen, von der wir vollends überzeugt sind. Roberto Pätzold trägt unsere Ausrichtung und Ziele vollends mit und ist von seinem Profil her prädestiniert, den notwendigen Neuanfang voranzutreiben.

Philip Thonhauser, Präsident

Jetzt, kein halbes Jahr später, sieht die Sache anscheinend anders aus:

Nach der Analyse der letzten Wochen mit Blick auf die Entwicklung der Mannschaft sind die Vereinsführung und die sportliche Führung gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass wir eine personelle Veränderung vornehmen und Roberto Pätzold freistellen. 

Marcel Ketelaer, Sportvorstand

Irgendjemand hat sich da anscheinend gewaltig geirrt. Vielleicht der Trainer, vielleicht die Vereinsverantwortlichen, wahrscheinlich beide.

Aber die Frage bleibt: Wie kann etwas so falsch sein, das vor wenigen Monaten noch so richtig war?

PS: Ich wünsche dem neuen Trainer Rolf Landerl und der ganzen Mannschaft alles Gute für die Rückrunde.

Nulltbester

N

Als ich unlängst beim Spielen Letzter geworden bin, meinte meine vierjährige Tochter, ich sei damit “Nulltbester”.

Tolles Reframing. 😁

Schöne Dinge

S

Schönheit ist meistens mit Luxusartikeln verbunden.

Alltagsgegenstände sind meistens nicht schön, bestenfalls sind sie nicht schiach. 

Dabei wäre es oft gar nicht teuer, etwas schön zu machen.

Kuscheltiersegnung

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Die Religionslehrerin meines Sohnes hat sich etwas Nettes einfallen lassen: Zum Welttierschutztag durften alle Kinder ihre Lieblingsstofftiere mitnehmen, und die wurden dann gesegnet.

Mir gefällt die Idee deswegen so gut, weil sie uns an etwas Wichtiges erinnert: Wir alle, ob Groß oder Klein, haben unsere Talismane. Dinge, die uns wichtig sind. Dinge, die uns heilig sind.

Es tut uns gut, unsere ganz persönlichen Heiligtümer hin und wieder zu segnen, sprich: zu würdigen.

Erste Klasse

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Unlängst im Zug beobachtet:

Ein Papa fährt mit seinem kleinen Sohn im Railjet nach Wien, 1. Klasse. Der Kleine ist noch ein bisschen wackelig auf den Beinen. Als der Zug im Bahnhof einfährt und stehen bleibt, passiert das Unvermeidliche: Den Kleinen haut es um, er fällt auf seinen Popsch.

Der Papa sagt, nach einer Schrecksekunde: “Ah, nix passiert. Erste Klass’ fallt ma net so hart.”

Rein logisch gesehen stimmt das natürlich nicht. Man fällt auch in der zweiten Klasse nicht härter. Aber gefühlsmäßig macht es schon Sinn: In der ersten Klasse fühlt man sich ganz generell vielleicht eine Spur besser – einfach deswegen, weil es die erste Klasse ist.

Oder, wie es Marcel Reich-Ranicki ausgedrückt hat:

Geld allein macht nicht glücklich, aber wenn man unglücklich ist, ist es besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.

Erster Schultag

E

Mein Sohn hat heute seinen ersten Schultag.

Wir werden von nun an beide viel zu lernen haben.

Milchpreis

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Das Phänomen, dass kleine Unternehmen oft kaum Ahnung vom Markt haben, auf dem sie agieren, ist ziemlich weit verbreitet.

Die Bio-Milchbäuerin, bei der wir geurlaubt haben, hatte keine Ahnung, was der Liter Bio-Milch im Supermarkt kostet.

31 Jahre gibt’s das schon

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Noch eine Beobachtung aus dem Urlaub:

Die Kinder lieben die Minidampfbahn im Waldviertel. Und jedes Mal, wenn wir dort sind, denke ich mir: Gewaltig, was hier praktisch im Nirgendwo dasteht. Respekt vor diesem Unternehmergeist!

Heuer ist mir durch einen Nebensatz des Betreibers bewusst geworden, dass es dieses Unternehmen bereits seit mehr als dreißig Jahren gibt. Was hier zu sehen ist, ist nicht von heute auf morgen entstanden, sondern hat sich Stück für Stück über drei Jahrzehnte aufgebaut. 

Wir sehen meist nur das Ergebnis und vergessen darüber, wie jedes noch so große Unternehmen entsteht: drip by drip, wie Seth Godin sagt. 

Am Anfang haben sie sich noch bemüht

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Wir haben Urlaub gemacht bei einem Bio-Bauernhof im Waldviertel. Freundliche Leute, saubere Zimmer, tadelloses Frühstück.

Und dennoch fällt mit freiem Auge auf, dass mit den Jahren ist ein bisschen der Schlendrian eingerissen sein dürfte. Nichts Schlimmes, aber dort und da ist zu sehen, dass den Gastgebern der Anfangselan ausgegangen ist und auf Kleinigkeiten nicht mehr so viel Wert gelegt wird. Es wird getan, was zu tun ist, aber auch nicht viel mehr. 

Wie gesagt: Es gibt nicht wirklich was zu beanstanden, der Betrieb klappt reibungslos. 

Und trotzdem: Mit der Alltagsroutine ist der Zauber verloren gegangen, der aus einem Urlaubsort etwas Besonderes macht. 

Hinauf, hinunter

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Mein Onkel Florian hat eine interessante Beobachtung gemacht:

Durch das E-Bike fällt es auch ungeübten Radfahrern recht leicht, selbst sehr hohe Berge zu erklimmen. Das Problem ist aber, dass sie sich dafür beim Runterfahren komplett verausgaben – weil auch das Runterfahren sehr anstrengend ist und ihnen das E-Bike dabei nicht mehr hilft. 

So geht es mitunter auch uns Lifestyle Entrepreneuren: Wir wünschen uns, dass wir eine Abkürzung zum Erfolg hätten. Aber wenn wir den Erfolg dann haben, ist längst nicht gesagt, dass wir ihn auch derschnaufen.