Tag#Gründungsberatung

Besucher

B

Am anstrengendsten fand ich immer Beratungen, in denen von den Kund*innen wenig kommt. Wo ich das Gefühl hatte, ich bin motivierter als mein*e Kund*in.

Bis ich kapiert habe: Mache Kund*innen sind einfach nur Besucher. Sie kommen vorbei, sagen hallo, plaudern ein bisschen und gehen dann wieder. Sie brauchen nichts, und ich brauche ihnen nichts bieten.

Besucher*innen wollen und brauchen nicht “bemüsserlt” werden.

Auch, wenn ich es vielleicht gerne anders hätte. Auch, wenn ich mir vielleicht denke: Schade um die Zeit.

Bis zum Ende zuhören

B

Eine Schwäche von mir: Ich urteile über Ideen und Meinungen, obwohl ich sie noch nicht als Ganzes und im Detail verstanden habe. Also viel zu früh.

Das ist unfair der Idee gegenüber, und das ist unfair dem Menschen gegenüber, die/der diese Idee mit mir teilt.

Ich will versuchen, mich auf Meinungen und Ideen besser einzulassen, besser zuzuhören und mir erst dann eine Meinung zu bilden.

Bis zum Ende zuzuhören heißt nicht, mit einer Meinung übereinzustimmen oder eine Idee gut zu finden.

Aber es drückt den Respekt aus, den sich die Idee verdient hat.

Leiwand

L

Unlängst meinte ein Gründer zu mir: “Mit Ihnen zu reden, erinnert mich dran, wie leiwand meine Geschäftsidee eigentlich ist!”

Passt!

Feiner Unterschied

F

Hinhören statt zuhören.

Hinschauen statt zuschauen.

Feiner Unterschied, enorme Wirkung.

Performen

P

Ein Berater-Kollege meine unlängst zu mir: „Berater zu sein ist ein ziemlich lässiger Job. Man kann den ganzen Tag darüber reden, wie die Dinge richtig gemach werden sollten. Aber man muss selber nicht performen.“

Er hat recht. Wenn man Berater daran messen würde, wie sehr sie ihren eigenen Ratschlägen folgen…

Die Performance wäre schlecht.

Gefährliches Halbwissen

G

Betriebswirtschaft ist nicht Rocket Science. Das ist gut, aber das ist auch ein Problem: Es führt dazu, dass man u.U. sehr bald sagt: Passt, habe ich verstanden, kann ich mir erklären, macht für mich Sinn.

Und so entsteht das „gefährliche Halbwissen“: Ich habe etwas verstanden, aber das, was ich verstanden habe, stimmt nicht.

Das kommt daher, dass ich das Konzept, das Problem nicht durchdrungen habe. Ich habe es nicht zu Ende gedacht. Ich bin bei der erstbesten Gelegenheit ausgestiegen und habe damit aufgehört, mich damit auseinanderzusetzen. Weil es anstrengend ist. Weil wir uns nicht mehr anstrengen wollen als unbedingt nötig. Weil das Weiterdenken unter Umständen auch zu kognitiven Dissonanzen führen würde. Weil wir es lieber einfacher haben.

Das ist, wie wenn man Gebrauchsanweisungen oder Rezepte nur oberflächlich und nicht zu Ende liest. Man glaubt, man weiß schon, was man tut, aber in Wirklichkeit reimt man sich etwas zusammen, das nur sehr oberflächlich etwas mit der ursprünglichen Idee zu tun hat.

Und so passiert es, dass wir Lifestyle Entrepreneure betriebswirtschaftliche Konzepte nicht richtig verstehen und dann jahrelang glauben, wir machen das richtige.

Als Berater beraten werden

A

Es ist immer wieder gewöhnungsbedürftig, wenn ich als Berater mich von einem anderen Berater beraten lasse. Allein schon deswegen, weil ich es nicht gewohnt bin, der Lernende und nicht der Lehrende zu sein.

Es lohnt allemal, sich öfter in diese ungewohnte Situation zu begeben und als Berater immer wieder zum Lernenden zu werden.

Diese Erfahrung ist im besten Sinn des Wortes demütigend.

Gelassenheit

G

Heute sagte ein Gründer zu mir, als wir die finanzielle Seite seiner Geschäftsidee diskutierten: “Es ist überhaupt keine Angst dabei!”

Kann man sich mehr wünschen?

Großzügig Fehler zulassen

G

Ich kann Gründer*innen nicht vor ihren Fehlern bewahren, wenn sie nicht verstehen (wollen oder können), was ich sage bzw. was ich von ihnen will.

Ich kann aber der großzügige Lehrer sein, der auch schmerzhafte Fehler gütig zulässt.

Überfordernde Berater

Ü

Es passiert ganz leicht, dass wir Berater unsere Kund*innen mit unserem Input überfordern.

Nicht alles, was gesagt werden könnte, muss auch gesagt werden.

Nicht alles, was gesagt werden kann, muss sofort gesagt werden.

Timing matters.

Geschenk

G

Das größte Geschenk, das man einem Menschen geben kann:

Ich sehe dich.

Ich höre dich.

Ich nehme dich ernst.

Der neue Luxus

D

Der größte Luxus des 21. Jahrhunderts ist innere Ruhe.

Innere Ruhe entsteht durch Klarheit – Klarheit in Gedanken, Worten und Werken.

Daher ist die beste Unterstützung, die Berater*innen geben können, zu mehr Klarheit beizutragen.

[Danke Manfred Wiesinger für den Gedanken.]

Weniger bedeutet mehr

W

Einige der Dienstleister unter uns Lifestyle Entrepreneuren wünschen sich, nicht mehr Zeit als unbedingt notwendig mit dem Geldverdienen verbringen zu müssen. Warum nicht das ganze Geldverdienen in zwei Tagen der Woche erledigen und die restlichen fünf Tage für andere Personal Projects verwenden?

Das kann natürlich klappen. Allerdings müssten dafür mindestens eine der folgenden drei Voraussetzungen zutreffen:

  1. Der Stundensatz ist so hochpreisig, dass damit die “freien” Tage mit-verdient werden.
  2. Die “Arbeitstage” sind so dicht gebucht, dass es keine Lücken gibt.
  3. Die Kosten für Business und Leben sind so niedrig, dass der Umsatz von zwei Arbeitstagen dafür reicht.

Eine dieser drei Bedingungen muss erfüllt sein (mindestens), dann klappt’s.

Das ist machbar, braucht aber viel Nachdenken und eine klare Strategie. Von selbst wird’s nicht gehen.

Frustration

F

Wenn wir mit verärgerten Kund*innen zu tun haben, dürfen wir eines nie vergessen:

Jede Frustration kommt aus einer Passion. Die Kundin ist deswegen frustriert, weil ihr unser Produkt, unsere Dienstleistung eigentlich wichtig wäre.

Die gefährlichen Kund*innen sind nicht die verärgerten, sondern diejenigen, denen unser Angebot so komplett wurscht ist, dass sie sich nicht mal aufregen, wenn etwas nicht funktioniert.

Fachkolleg*innen

F

Der Austausch mit Fachkolleg*innen ist unglaublich bereichernd und wertvoll.

Sie teilen ähnliche Interessen, Erfahrungen und Probleme. Sie verstehen, was man meint, ohne lange Erklärungen. Sie können Tipps geben, Perspektiven aufzeigen, Relationen herstellen.

Sich Zeit für einen Austausch unter Kolleg*innen zu nehmen, auch wenn das auf den ersten Blick nicht “produktiv” scheint, ist ein Investment, das 10x-Return bringt.

Projektion

P

Ich kenne die Falle, und trotzdem tappe ich regelmäßig hinein:

Ich projiziere – viel öfter, als mir lieb ist – meine eigenen Erfahrungen auf die Gründer*innen, die ich berate.

Nicht nur die schlechten Erfahrungen, sondern auch die guten.

Das macht es allerdings nicht besser.

Helfen

H

Als Berater hilft man nicht nur, wenn man auf jede Frage die richtige Auskunft parat hat.

Manchmal ist die beste Hilfe zu sagen, dass man die Antwort nicht weiß – aber dass man jemanden kennt, der viel besser helfen kann.

Und dass man gerne bereit ist, den Kontakt herzustellen.

Wirklich um Rat fragen

W

Wenn du jemanden um Rat fragst, musst du alle Schwachstellen deiner Idee offen legen, damit der Rat tatsächlich Wert für dich haben kann.

Wenn du jemanden um Rat fragst, aber in Wirklichkeit keine Kritik hören willst, sondern nur dessen Zustimmung oder Schulterklopfen haben willst, hältst du nicht nur dich selbst zum Narren, sondern auch den Menschen, der dir wertvolles Feedback geben würde, wenn du es ihm/ihr erlauben würdest.

Es braucht echten Mut, wahrhaftig um Rat zu fragen.