Tag#Gründungsberatung

Großzügig Fehler zulassen

G

Ich kann Gründer*innen nicht vor ihren Fehlern bewahren, wenn sie nicht verstehen (wollen oder können), was ich sage bzw. was ich von ihnen will.

Ich kann aber der großzügige Lehrer sein, der auch schmerzhafte Fehler gütig zulässt.

Überfordernde Berater

Ü

Es passiert ganz leicht, dass wir Berater unsere Kund*innen mit unserem Input überfordern.

Nicht alles, was gesagt werden könnte, muss auch gesagt werden.

Nicht alles, was gesagt werden kann, muss sofort gesagt werden.

Timing matters.

Geschenk

G

Das größte Geschenk, das man einem Menschen geben kann:

Ich sehe dich.

Ich höre dich.

Ich nehme dich ernst.

Der neue Luxus

D

Der größte Luxus des 21. Jahrhunderts ist innere Ruhe.

Innere Ruhe entsteht durch Klarheit – Klarheit in Gedanken, Worten und Werken.

Daher ist die beste Unterstützung, die Berater*innen geben können, zu mehr Klarheit beizutragen.

[Danke Manfred Wiesinger für den Gedanken.]

Weniger bedeutet mehr

W

Einige der Dienstleister unter uns Lifestyle Entrepreneuren wünschen sich, nicht mehr Zeit als unbedingt notwendig mit dem Geldverdienen verbringen zu müssen. Warum nicht das ganze Geldverdienen in zwei Tagen der Woche erledigen und die restlichen fünf Tage für andere Personal Projects verwenden?

Das kann natürlich klappen. Allerdings müssten dafür mindestens eine der folgenden drei Voraussetzungen zutreffen:

  1. Der Stundensatz ist so hochpreisig, dass damit die “freien” Tage mit-verdient werden.
  2. Die “Arbeitstage” sind so dicht gebucht, dass es keine Lücken gibt.
  3. Die Kosten für Business und Leben sind so niedrig, dass der Umsatz von zwei Arbeitstagen dafür reicht.

Eine dieser drei Bedingungen muss erfüllt sein (mindestens), dann klappt’s.

Das ist machbar, braucht aber viel Nachdenken und eine klare Strategie. Von selbst wird’s nicht gehen.

Frustration

F

Wenn wir mit verärgerten Kund*innen zu tun haben, dürfen wir eines nie vergessen:

Jede Frustration kommt aus einer Passion. Die Kundin ist deswegen frustriert, weil ihr unser Produkt, unsere Dienstleistung eigentlich wichtig wäre.

Die gefährlichen Kund*innen sind nicht die verärgerten, sondern diejenigen, denen unser Angebot so komplett wurscht ist, dass sie sich nicht mal aufregen, wenn etwas nicht funktioniert.

Fachkolleg*innen

F

Der Austausch mit Fachkolleg*innen ist unglaublich bereichernd und wertvoll.

Sie teilen ähnliche Interessen, Erfahrungen und Probleme. Sie verstehen, was man meint, ohne lange Erklärungen. Sie können Tipps geben, Perspektiven aufzeigen, Relationen herstellen.

Sich Zeit für einen Austausch unter Kolleg*innen zu nehmen, auch wenn das auf den ersten Blick nicht “produktiv” scheint, ist ein Investment, das 10x-Return bringt.

Projektion

P

Ich kenne die Falle, und trotzdem tappe ich regelmäßig hinein:

Ich projiziere – viel öfter, als mir lieb ist – meine eigenen Erfahrungen auf die Gründer*innen, die ich berate.

Nicht nur die schlechten Erfahrungen, sondern auch die guten.

Das macht es allerdings nicht besser.

Helfen

H

Als Berater hilft man nicht nur, wenn man auf jede Frage die richtige Auskunft parat hat.

Manchmal ist die beste Hilfe zu sagen, dass man die Antwort nicht weiß – aber dass man jemanden kennt, der viel besser helfen kann.

Und dass man gerne bereit ist, den Kontakt herzustellen.

Wirklich um Rat fragen

W

Wenn du jemanden um Rat fragst, musst du alle Schwachstellen deiner Idee offen legen, damit der Rat tatsächlich Wert für dich haben kann.

Wenn du jemanden um Rat fragst, aber in Wirklichkeit keine Kritik hören willst, sondern nur dessen Zustimmung oder Schulterklopfen haben willst, hältst du nicht nur dich selbst zum Narren, sondern auch den Menschen, der dir wertvolles Feedback geben würde, wenn du es ihm/ihr erlauben würdest.

Es braucht echten Mut, wahrhaftig um Rat zu fragen.

Job

J

Spannender Gedanke von Seth Godin:

Wie wäre es, wenn du nicht einfach nur deinen Job machen würdest, sondern es darauf anlegst, deinen Job ganz neu zu erfinden?

Therapiemotivation

T

In der Psychotherapie gibt es den Begriff der „Therapiemotivation“: Selbst wenn Klienten wissen, dass ihnen Therapie gut tut, heißt das noch lange nicht, dass sie auch die Motivation aufbringen, regelmäßig hinzugehen.

So was Ähnliches kennen auch wir Berater: Es gibt Kund*innen, die wollen sich lieber nicht beraten lassen. Oft sind das jedoch gerade die, die dringend Unterstützung brauchen würden.

Muss man so akzeptieren. Aber leicht fällt mir das nicht.

Macht das Sinn?

M

Als Berater wird man öfter mal gefragt: Wenn ich mich so oder so entscheide, macht das Sinn?

Natürlich weiß das ein*e Berater*in auch nicht mit Sicherheit.

Die beste Antwort in solchen Situationen ist vielleicht: So wie es klingt, ist es zumindest kein Unsinn.

Scham

S

Beratungen werden schwierig, wenn Scham im Spiel ist.

Wenn z.B. eine Gründerin anderthalb Jahre nach der Gründung in Schwierigkeiten steckt, weil sich ihr Unternehmen nicht so entwickelt hat, wie sie es sich gewünscht hatte, weil ihre Umsätze hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind, oder weil sie glaubt, dass in den Augen des Beraters ihr Unternehmen ein Misserfolg ist…

Dann wird es schwierig, weil es nicht mehr um “das Unternehmen” geht, sondern darum, das Gesicht zu wahren. Es geht darum, den Selbstwert aufrecht zu erhalten, den Status zu sichern und Schuldige für die Situation zu finden.

Solange Scham im Spiel ist, ist echter Fortschritt nicht möglich. Darum ist es die wichtigste (und schwierigste!) Aufgabe des Beraters, durch die Scham-Schutzmauer zu dringen und über das zu reden, was wirklich ist. Ohne Drama, ohne Wertung.

Es ist, wie es ist. Reden wir darüber, wie es von hier aus weitergehen könnte.

Worauf es ankommt

W

Ich habe unlängst einen Gründer gefragt, der vor einem halben Jahr gegründet hat, was er aus seiner heutigen Sicht Neugründern raten würde.

Seine Antwort:

  • Mut
  • Fokus
  • Keine zu hohen Erwartungen am Anfang
  • Optimismus
  • Und, am wichtigsten: Geduld

Berater entscheiden

B

Gute Berater*innen treffen mitunter für den Kunden auch die Entscheidung.

Das ist der Unterschied zum Coach: Ein Coach wird immer seinen Kund*innen die Entscheidung überlassen. Sie unterstützt den Prozess der Entscheidungsfindung, aber mischt sich nicht in die Entscheidung selbst ein.

Die Beraterin versteht ihre Verantwortung anders: Ihr Fokus ist der Output, also die richtige Entscheidung. Und, wenn der Kunde selbst die Entscheidung nicht treffen kann oder will, dann rät sie in eine bestimmte Richtung und entscheiden für den Kunden.

Wobei die Verantwortung für die Entscheidung immer beim Kunden bleibt. Denn die Verantwortung bleibt auch bei dem, der sich entscheidet, die Entscheidung zu delegieren.

Walk the talk

W

Nein, du musst kein Michael Jordan sein, um Basketball zu lehren. Nein, du musst kein Richard Branson sein, um zu erklären, was ein erfolgreiches Business ausmacht. Nein, du musst kein Milliardär sein, um kompetent über Geld zu sprechen.

Ja, du kannst etwas unterrichten, worin du selbst nicht großartig bist.

“Erfolgreich etwas machen” und “es unterrichten können” sind zwei komplett verschiedene Skills.

Kunstwerk

K

Das Schöne, aber gleichzeitig das Schwierige und Frustrierende ist, dass die Gründung eines Unternehmens mehr Kunst als Wissenschaft ist.

Es gibt kein eindeutiges Regelwerk für den unternehmerischen Erfolg. Es gibt keine Patentrezepte. Es gibt kaum unternehmerische Tatsachen, von denen nicht auch das Gegenteil wahr wäre.

Der Prozess der Unternehmensgründung ist mitunter verwordagelt, aber das Ergebnis ist in jedem Fall ein Kunstwerk.