Ö3 Frühstück bei mir, 12. Dezember 2021
(mehr …)7 Jahre
Die Zahl 7 ist eine besondere Zahl, seit biblischen Zeiten.
Auch für Lifestyle Businesses scheint sich folgende Daumenregel herauszukristallisieren:
Es dauert sieben Jahre, bis sich echter Erfolg einstellt. Sieben Jahre konsequentes Dranbleiben. Sieben Jahre voller Einsatz. Sieben Jahre Glaube und Hoffnung.
In diesen sieben Jahren entsteht etwas – unsichtbar, wie ein Myzel unter der Erde. Und dann, nach sieben Jahren, poppen auf einmal die Schwammerl auf – scheinbar aus dem Nichts, an unerwarteten Stellen.
Nach sieben mageren Jahren kommt die Zeit der Ernte.
Echte Expert*innen
Das großartige an Expert*innen ist, dass Sie Muster erkennen, die Laien einfach nicht sehen.
Unlängst habe ich mit einer echten Expertin gesprochen. Sie hatte keine anderen Informationen vorliegen als ich, aber sie hat es geschafft, aus diesen Informationen so viel mehr herauszulesen, als ich es jemals gekonnt hätte.
Nachdem sie mir die Muster erklärt hat, waren sie auch für mich offensichtlich. Eh klar. Aber gesehen hätte ich sie ohne ihre Hilfe trotzdem nie.
Echte Expert*innen tun nichts anderes, als das (für sie) Offensichtliche auszusprechen. Und genau darin liegt der Wert von Gesprächen mit echten Expert*innen.
Kein Fokus
Letztens meinte ein Gründer:
Mein Fokus ist B2B und B2C.
Dieser Fokus ist, natürlich, gar kein Fokus.
Wer alles bietet, bietet gar nichts.
Credibility-Learning-Tension
Als Berater*innen stecken wir stets in einem Spannungsfeld:
Einerseits vermarkten wir unsere Expertise. Wir werden von unseren Kund*innen engagiert, um mit unserem Wissen, unserer Erfahrung und unserem Blickwinkel Inputs zu geben, die den Kund*innen helfen, ein Problem zu lösen oder eine Situation zu meistern. (Credibilty)
Andererseits sollten Berater*innen immer auch Lernende sein. Gute Berater*innen versuchen, die Situation ihrer Kund*innen wirklich zu verstehen. Sie fragen viel, sie fühlen sich ein, sie halten sich mit Annahmen, Aussagen und Meinungen zurück. (Learning)
Wie gesagt: Es ist ein Spannungsfeld, das es auszubalancieren gilt. Berater*innen, die nur Lernende sind, werden nicht ernst genommen. Berater*innen, die nur ihr Wissen abkippen, werden als Besserwisser empfunden.
Gute Berater*innen erkennt man daran, wie gut sie sich in diesem Spannungsfeld bewegen und wie gut sie erkennen, wann es Zeit ist zuzuhören und wann es Zeit ist zu sprechen.
Dan Sullivan: How to Help Someone Gain A New Perspective 🎙
Strategic Coach Podcast, 4. November 2020
(mehr …)Formulare
Ich sehe es nicht als meine Aufgabe als Berater, meinen Kund*innen beim Ausfüllen von Formularen zu helfen.
Da ist meine Zeit und mein Know-How wirklich nicht gut eingesetzt.
Vertrauen vs. Glauben
Es ist unmöglich, als Neugründer*in Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Geschäftsidee zu haben. Vertrauen entstünde nämlich aus der Erfahrung, dass in der Vergangenheit diese Geschäftsidee funktioniert hat. Dass man in der Vergangenheit bereits die Herausforderung der Selbständigkeit bereits gemeistert hat.
Woher soll dieses Vertrauen kommen, wenn man es zum ersten Mal macht?
Was Neugründer*innen jedoch brauchen, ist den Glauben. Den Glauben an die eigene Geschäftsidee. Den Glauben daran, dass man diese Herausforderung bewältigen wird.
Zu glauben bedeutet, an etwas festzuhalten, weil man kein Vertrauen haben kann.
“No Bullshit”-Beratung
Die Idee: Ich berate dich offen und ehrlich, ohne versteckte Agenda. Ich sage, was ich mir denke, auch wenn es für dich vielleicht unbequem ist. Ich habe einzig dein Bestes im Blick und halte nicht zurück.
“No Bullshit”-Beratung ist nicht selbstverständlich, auch wenn sie es sein sollte.
Selbsternannte Experten
Selbsternannte “Experten” sind oft diejenigen, die noch am meisten zu lernen haben. Die Meinung mit Wissen verwechseln. Die sich ihrer Wissenslücken gar nicht bewusst sind.
Also keine Angst davor, diese selbsternannten Experten zu beraten oder zu unterrichten.
Sie werden von dir mehr lernen, als sie dachten.
Blinde Flecken
Auch sehr gute Unternehmensberater*innen können sich nicht selbst zu ihrem Business beraten.
Weil sie ihre blinden Flecken nicht sehen. Sie sehen das wahre Problem gar nicht, deswegen können sie es auch nicht selbst lösen.
Jeder gute Berater braucht daher selbst gute Berater, um weiterhin gut zu bleiben.
Erfolgsfaktoren, im Plural
Es ist nie diese eine Sache, die ein Lifestyle Business erfolgreich macht.
Es ist immer ein Gesamtkonzept.
Ein Gesamtkunstwerk.
Wir trauen uns nicht
Weil das finanzielle Risiko zu groß ist.
Weil unsere Kinder unter der Selbständigkeit leiden würden.
Weil ein eigenes Unternehmen zu viel Stress bedeuten würde.
Weil ich noch so viel lernen muss.
Weil ich nicht weiß, ob ich in drei Monaten genügend Kunden haben werde.
Es ist okay. Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen für die Entscheidung, doch kein eigenes Unternehmen zu gründen.
Die Hauptsache ist, dass du eine Entscheidung triffst. Mit der Entscheidung ist dieses Kapitel für dich abgeschlossen, und es wird Platz für neue Möglichkeiten in deinem Leben.
Reden und Zuhören
Beides ist wichtig.
Beides ist wertvoll.
Beides hat seine Zeit.
Der Schmerz ist echt
Ich habe einige Künstler*innen unter meinen Kunden in der Gründungsberatung.
Besonders sie tun sich schwer mit Ablehnung und Misserfolgen. Weil in ihren Kunstwerken so viel von ihrer eigenen Persönlichkeit, von ihrem Herzblut und ihrer Weltsicht drinnen steckt, nehmen sie jede Form von Ablehnung sehr persönlich. Natürlich.
Es nützt wenig, ihnen zu versichern, dass nicht sie als Künstler*in per se oder gar sie als Mensch abgelehnt werden. Das wissen sie eh selber. Zumindest theoretisch, im Kopf.
Der Schmerz, den sie spüren, ist echt. Er lässt sich nicht wegargumentieren. Er bleibt „part of the game“, wenn man seine Kunst zum Business machen möchte.
Künstler*innen können vielleicht lernen, mit dem Schmerz der Ablehnung umzugehen. Ganz weggehen wird er jedoch nie.
Das schönste Logo
Ich beobachte immer wieder, wie viel Zeit Gründer*innen auf ein Logo für ihr Business verwenden. Ein Logo steht sehr häufig ganz oben auf der To-Do-List einer Gründung.
Es ist ja auch verständlich: Das Logo macht das neue Business zum ersten Mal sichtbar. Die Gründungsidee bekommt ein Gesicht, ein Bild, wird plastisch und farbig. Das ist für viele Gründer*innen ein erhebendes Gefühl.
Es ist aber auch klar, dass für die Kund*innen kaum etwas unwichtiger ist als ein Logo. Kein einziger Kunde kauft jemals wegen des Logos – und wenn es noch so schön ist.
Deshalb hat sich eine Gründer*in von mir, die demnächst einen Friseursalon eröffnet, entschieden, kein Logo zu haben. Sie hat das so ausgedrückt: “Das Logo ist die Kundin selbst.”
Ich finde das wunderbar. Weil: Es gibt wohl kein schöneres Logo auf der Welt als das Lächeln zufriedener Kund*innen.
Baustelle
In Wien eröffnet demnächst eine tolle neue Pizzeria. Der Gründer hat mir heute das Lokal gezeigt – mitten im Umbau, alles eine einzige Baustelle.
Der Unterschied zu anderen Gründungsprojekten ist allerdings nur, dass diese Baustelle sichtbar und handfest ist.
Alle Gründungen sind Baustellen. Manche sieht man halt nicht so deutlich.
Irritation
Ein bisschen Irritation bietet die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen.
Zu viel Irritation sorgt für Vermeidungsreaktionen.
Gar keine Irritation ist langweilig.
Persönliche Entwicklungen
Wenn man sich überlegt, warum Gründungen scheitern, dann fällt einem ein:
- Liquiditätsprobleme.
- Keine oder zu wenige Kunden.
- Das Produkt war nicht gut.
- Misslungenes Marketing.
- Schlechte Wirtschaftslage.
- Corona-Krise.
- Und so weiter.
Was aber unterschätzt wird: Viele Gründungen scheitern an den Menschen hinter der Gründung. Also an den Gründern selbst. Streit im Gründerteam. Unterschiedliche Zielsetzungen. Gründer verlieren das Interesse. Persönliche Krisen wie Scheidungen oder Krankheit.
Ja, oft sind es betriebswirtschaftliche Fehler, die Unternehmen scheitern lassen.
Aber genauso oft ist es auch einfach das Leben, das sich nicht immer so entwickelt, wie wir es uns wünschen.
Länger als gedacht
Als Faustregel gilt für alle Gründungsprojekte: Es dauert immer länger, als gedacht.
Das bestätigt sich immer und immer und immer wieder, sogar bei kleinen Gründungsprojekten, und bei großen sowieso.
Weh dem, der das ignoriert.