Spannender Gedanke von Seth Godin:
Wie wäre es, wenn du nicht einfach nur deinen Job machen würdest, sondern es darauf anlegst, deinen Job ganz neu zu erfinden?
Spannender Gedanke von Seth Godin:
Wie wäre es, wenn du nicht einfach nur deinen Job machen würdest, sondern es darauf anlegst, deinen Job ganz neu zu erfinden?
In der Psychotherapie gibt es den Begriff der „Therapiemotivation“: Selbst wenn Klienten wissen, dass ihnen Therapie gut tut, heißt das noch lange nicht, dass sie auch die Motivation aufbringen, regelmäßig hinzugehen.
So was Ähnliches kennen auch wir Berater: Es gibt Kund*innen, die wollen sich lieber nicht beraten lassen. Oft sind das jedoch gerade die, die dringend Unterstützung brauchen würden.
Muss man so akzeptieren. Aber leicht fällt mir das nicht.
Als Berater wird man öfter mal gefragt: Wenn ich mich so oder so entscheide, macht das Sinn?
Natürlich weiß das ein*e Berater*in auch nicht mit Sicherheit.
Die beste Antwort in solchen Situationen ist vielleicht: So wie es klingt, ist es zumindest kein Unsinn.
Beratungen werden schwierig, wenn Scham im Spiel ist.
Wenn z.B. eine Gründerin anderthalb Jahre nach der Gründung in Schwierigkeiten steckt, weil sich ihr Unternehmen nicht so entwickelt hat, wie sie es sich gewünscht hatte, weil ihre Umsätze hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind, oder weil sie glaubt, dass in den Augen des Beraters ihr Unternehmen ein Misserfolg ist…
Dann wird es schwierig, weil es nicht mehr um “das Unternehmen” geht, sondern darum, das Gesicht zu wahren. Es geht darum, den Selbstwert aufrecht zu erhalten, den Status zu sichern und Schuldige für die Situation zu finden.
Solange Scham im Spiel ist, ist echter Fortschritt nicht möglich. Darum ist es die wichtigste (und schwierigste!) Aufgabe des Beraters, durch die Scham-Schutzmauer zu dringen und über das zu reden, was wirklich ist. Ohne Drama, ohne Wertung.
Es ist, wie es ist. Reden wir darüber, wie es von hier aus weitergehen könnte.
Ich habe unlängst einen Gründer gefragt, der vor einem halben Jahr gegründet hat, was er aus seiner heutigen Sicht Neugründern raten würde.
Seine Antwort:
Gute Berater*innen treffen mitunter für den Kunden auch die Entscheidung.
Das ist der Unterschied zum Coach: Ein Coach wird immer seinen Kund*innen die Entscheidung überlassen. Sie unterstützt den Prozess der Entscheidungsfindung, aber mischt sich nicht in die Entscheidung selbst ein.
Die Beraterin versteht ihre Verantwortung anders: Ihr Fokus ist der Output, also die richtige Entscheidung. Und, wenn der Kunde selbst die Entscheidung nicht treffen kann oder will, dann rät sie in eine bestimmte Richtung und entscheiden für den Kunden.
Wobei die Verantwortung für die Entscheidung immer beim Kunden bleibt. Denn die Verantwortung bleibt auch bei dem, der sich entscheidet, die Entscheidung zu delegieren.
Nein, du musst kein Michael Jordan sein, um Basketball zu lehren. Nein, du musst kein Richard Branson sein, um zu erklären, was ein erfolgreiches Business ausmacht. Nein, du musst kein Milliardär sein, um kompetent über Geld zu sprechen.
Ja, du kannst etwas unterrichten, worin du selbst nicht großartig bist.
“Erfolgreich etwas machen” und “es unterrichten können” sind zwei komplett verschiedene Skills.
Das Schöne, aber gleichzeitig das Schwierige und Frustrierende ist, dass die Gründung eines Unternehmens mehr Kunst als Wissenschaft ist.
Es gibt kein eindeutiges Regelwerk für den unternehmerischen Erfolg. Es gibt keine Patentrezepte. Es gibt kaum unternehmerische Tatsachen, von denen nicht auch das Gegenteil wahr wäre.
Der Prozess der Unternehmensgründung ist mitunter verwordagelt, aber das Ergebnis ist in jedem Fall ein Kunstwerk.
Eine der Fragen, die ich als Gründungsberater bekomme: “Gibt es irgendwelche Förderungen für mein Unternehmen?”
Die Frage ist legitim, schließlich gibt es tatsächlich allerhand Förderungen und Unterstützungen für alles Mögliche. Es ist nur konsequent sich zu erkundigen, ob da was Passendes für das eigene Gründungsprojekt dabei ist.
Die Frage ist nur: Welche Priorität hat diese Frage? Ist sie eine Frage unter vielen, oder ist sie die erste und wichtigste?
Der Innere Kritiker hat eine gewichtige Stimme. Er ist ein ständiger Begleiter im Gründungsprozess.
Der Innere Kritiker hat eine wichtige Aufgabe, und er hat seine Zeit und seinen Raum.
Aber wenn es darum geht, von der Unternehmensvision zu träumen, von den Potenzialen und Möglichkeiten, die das eigene Lifestyle Business eröffnen können… Da hat der Innere Kritiker Pause, so schwer ihm das wahrscheinlich fällt.
Berater und Verkäufer haben eines gemeinsam: Sie bringen sich oft um den Erfolg ihrer Arbeit, weil sie nicht aufhören zu reden.
Auch wenn der Kunde längst überzeugt ist, hören sie nicht auf, ihn überzeugen zu wollen – und machen die Sache dadurch nur schlimmer.
Es ist immer besser aufzuhören, bevor man den Erfolg wieder zerredet.
Dieser Satz eines Kunden ist wahrscheinlich die der größte Herausforderung für Berater*innen und Lehrer*innen.
Solange das Neue, das Andere, das Bessere nicht vorstellbar ist, kann sich auch nichts in diese Richtung bewegen.
Den Blick für das Unvorstellbare zu öffnen, ist daher schon eine große Leistung.
Viele Unternehmer*innen geben sich mit ihrer erstbesten Idee zufrieden: Sie haben einen Einfall und setzen diesen um.
Dabei ist die erste Idee gerade mal der Startpunkt für das weitere Nachdenken. Auf die erste Idee folgt die zweite Idee, auf die zweite dann die dritte, darauf die vierte, die fünfte… und die achte ist dann vielleicht die Idee, die wirklich spannend ist, die wirklich nützlich ist, die wirklich merkbar anders ist als das, was die Mitberwerber*innen zigfach schon machen.
Es lohnt sich, zwei- oder dreimal um die Ecke zu denken, um nicht das Naheliegende mit dem Nonplusultra zu verwechseln.
Landläufig besteht die Meinung, als Unternehmer müsse man großen Mut zum Risiko haben.
Meiner Beobachtung nach ist das Gegenteil der Fall: Erfolgreiche Unternehmer*innen sind sehr risikoscheu. Sie versuchen, durch sorgfältiges Nachdenken, umsichtige Planung und frühzeitiges Testen jedes unnötige Risiko zu vermeiden.
Risiko ist für Amateure.
Eines wird mir mit jeder Beratung klarer:
Es kommt gar nicht so sehr darauf an, was ich meinen Kund*innen sage.
Es geht immer zuerst darum, wie sehr sich meine Kund*innen von mir gehört und gesehen fühlen.
Derek Sivers schreibt über einen Gedanken von Marshall Goldsmith, den ich hier auf die Gründungsberatung umlege:
Wenn ein Gründer zum Gründungsberater kommt und begeistert von seiner Gründungsidee erzählt, dann ist die Versuchung groß, dass der Berater sagt: “Das ist eine wunderbare Idee – und dazu fällt mir noch ein: Sie könnten noch das und das machen, und dann müssten Sie nur noch…” und so weiter. Der Berater gibt also, aus bester Absicht, seine eigene Meinung, seine Verbesserungsvorschläge und seine Ideen dazu – meist ungefragt.
Warum dieser Impuls zwar gut gemeint, aber nicht ungefährlich ist: In dem Moment, wo der Berater die Idee des Gründers “verbessert”, ist es nicht mehr nur die Idee des Gründers. Durch den Input des Beraters ist sie auch ein bisschen zur Idee des Beraters geworden – zu einer gemeinsamen Idee. Zu einem Shared Project.
Was nun passieren kann (kann, nicht muss!): Die ownership des Projekts durch den Gründer wird geschwächt. Durch die Ratschläge des Beraters verliert der Gründer einen Teil seiner Motivation, weil es nicht mehr uneingeschränkt seine Idee ist. Durch die Impulse des Beraters wird die Gründungsidee vielleicht objektiv verbessert, aber die emotionale Bindung des Gründers an seine Idee wird geschwächt.
Davor sollten wir Gründungsberater natürlich auf der Hut sein. Gar nicht so selten ist es wahrscheinlich besser, die objektiv guten Hinweise zurückzuhalten und dem Gründer seine Idee voll und ganz selbst zu überlassen – bis wir um Hilfe gefragt werden.
Ansonsten gilt der Rat von Ernesto Sirolli: If people don’t want to be helped, leave them alone!
Was sagt es über mich, meinen Beratungsstil und die Beratungssituation insgesamt aus, wenn ich Dinge in der persönlichen Beratung sage, die ich lieber nicht verschriftlicht in einem e-Mail festgehalten haben würde?
ÖSB Expert Talk, 18. November 2020, 14:00 – 15:30
(mehr …)Vortrag am Entrepreneurship Summit Berlin, 10. Oktober 2020
(mehr …)Mir fällt auf: Es gibt gerade sehr viele Gründungen im Bereich “Mentaltraining”, “Resilienztraining” etc. Das Angebot sprießt gerade wie die Schwammerl aus dem Boden.
Meine Beobachtung ist auch, dass viele dieser Gründungen von Frauen um die 30 kommen.
Ich frage mich:
Die Antworten fehlen noch, aber die Fragen sind längst auf dem Tapet.