Ich hatte einen Vortrag von Thomas Müller, dem Kriminalpsychologen gehört, der sehr leiwand war. Ich hatte gehofft, das Buch wäre es auch. Leider eher nicht.
(mehr …)Anständig
Unlängst bin ich (wieder) auf folgenden Hinweis von Stefanie Stahl gestoßen:
„Lege dir bei allen Überlegungen […] immer wieder die Frage vor, ob das, was du tust oder auch was du unterlässt, anständig ist.”
Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden, S. 171
Anstand… kein sehr moderner Begriff, und keine Kategorie, die man sofort mit “der Wirtschaft” in Verbindung bringen würde.
Und dennoch ist das, was “anständig” ist, ein verlässlicher Wegweiser in jedem Lifestyle Business.
Anstand führt nämlich zum Erfolg. Wenn nicht kurzfristig, dann langfristig.
Denn wer am Ende seines Lebens sagen kann: Ich habe stets so gehandelt, dass es anständig war, der wird nichts zu bereuen haben.
Und das ist der ultimative Erfolg.
Ich erlaube mich
Ich erlaube mir meine Träume, meine Fehler, meine Unsicherheiten, meine Liebenswürdigkeiten, meine Talente, meine Sehnsüchte, meine Unausstehlichkeiten, meine Verrücktheiten, meine Begeisterung, mein Desinteresse.
Es gibt wohl kein größeres Geschenk, das ich mir selbst machen könnte, als mir mich selbst zu erlauben.
Durch die Wolken fliegen
Durch die Wolken zu fliegen ist unangenehm.
Für jeden. Auch meine Sitznachbarin krallt sich an ihren Armlehnen fest. Das lässt sich nicht vermeiden. Man kann nur tief durchatmen, ruhig bleiben und darauf vertrauen, dass alles gut wird.
The only way out is through.
Kleiderkasten
Es gibt Sachen, die passen dir gut. Wie eine zweite Haut.
Es gibt Sachen, die stehen dir gut. Sehr schick.
Es gibt Sachen, die trägst du gerne. Dein Lieblings-T-Shirt, das dir eigentlich schon zu klein ist, das schon verwaschen ist und bei dem deine Freundin den Kopf schüttelt, weil du es immer noch nicht ausgemustert hast.
Vielleicht gibt es in deinem Kasten auch Sachen, die dir gut stehen und dir gut passen. Vielleicht auch Sachen, die du gerne trägst, aber die dir nicht (mehr) passen. Siehe Lieblings-T-Shirt.
Aber gibt es in deinem Kleiderkasten auch Sachen, die dir gut passen, dir gut stehen UND die du gerne trägst?
Warum hast du nicht nur solche Sachen?
David J. Schwartz: The Magic Of Thinking Big (1959/1997) 📙
Dieses Buch ist der prototypische Motivations-Ratgeber der “Du kannst alles erreichen, wenn du nur fest genug an dich glaubst”-Ideologie. Es ist nicht so, dass was grundsätzlich Falsches drinnen stehen würde. Aber ausgewogen ist das Bild halt auch nicht.
(mehr …)Bedeutungslos
Um weiterzukommen, muss man Entscheidungen treffen.
Entscheiden bedeutet immer auch, auf etwas zu verzichten.
Lass die Dinge los, gegen die du dich entschieden hast.
Sie bedeuten nichts mehr.
Lebendigkeit
Damit sich das Leben lebendig anfühlt, muss es auch ein bisschen gefährlich sein.
Man könnte sagen: Im Normalzustand lebt ein Mensch, in Gefahr aber wird er lebendig.
Gefahr bedeutet aber nicht lebensbedrohende Gefahr. Gefahr bedeutet eine gewisse Unruhe, eine Veränderungsbereitschaft, eine Neugier auf das Neue, die wir uns kultivieren sollten. Eine gewisse Spannung, die uns auf Trab hält. Diese Spannung bringt Lebendigkeit.
Ent-Spannung ist schön, aber nicht auf Dauer.
Michael Mary: Das Leben lässt fragen, wo du bleibst (2005) 📙
Die zentrale These dieses Buches: “Wer etwas ändern will, braucht ein Problem”. Viel Systemtheorie und dadurch einige wirklich spannende Blickwinkel auf die Themen Identität, Scheitern, Kommunikation, Beziehungen, Politik. Und: Der Buchtitel ist Weltklasse.
(mehr …)Phantomschmerzen
Die Angst vor dem Schmerz ist eigentlich schlimmer als der Schmerz selbst.
Weil er das Leiden verlängert – und zwar unnötig. Es würde ja reichen, wenn wir uns um den Schmerz kümmern, wenn er da ist. Und es ist überhaupt nicht produktiv, gespannt darauf zu warten, wann den jetzt endlich der Schmerz einsetzen wird. Jetzt? Jetzt? Jetzt?
Noch dazu wäre es ja möglich, dass der Schmerz, wenn er denn einsetzt, gar nicht so schlimm ist wie in unserer Vorstellung.
Dann haben wir uns umsonst gefürchtet. Und wozu soll das bitte gut sein?
Der Leidensweg
Wir haben zwei Möglichkeiten, mit einer Situation umzugehen: Akzeptieren oder verändern.
Wir wählen aber meistens die dritte Option: Wir leiden.
[Danke Marcel Clementi für diesen Gedanken.]
Das kaputte Keramik-Ei
Unlängst beobachtet in der Kindergarten-Gruppe meiner Tochter:
Die Kinder haben für Ostern Keramik-Eier gebastelt. Schön mit Glitzersand verziert, jede*r eines. Mit Holzstab zum Reinstecken in die Erde. Sehr schön eigentlich.
Das Problem mit Keramik ist halt, dass sie zerbrechlich ist. Und so geschah es, dass einem Kind beim Anziehen das Keramik-Ei runtergefallen ist. Es war natürlich kaputt – beyond repair, wie man so schön sagt.
Der Bub war sichtlich unglücklich darüber, aber er hat kein Wort gesagt. Und wie war die Reaktion des Erwachsenen? Vorwürfe. Ich hab ja gesagt, du sollst darauf aufpassen. Ich kann jetzt auch nicht zaubern. Das kommt davon…
Ich will dem Vorwerfenden jetzt keine Vorwürfe machen. Ich werfe sicher nicht den ersten Stein. Wahrscheinlich war er auch traurig über das Missgeschick und hat seine Trauer eben nur mit Vorwürfen ausdrücken können. Wir sind alle nur Menschen, und wir können eben auch nicht raus aus unserer Haut.
Aber eines war offensichtlich: Geholfen haben die Vorwürfe dem Buben nicht. Und dem zerbrochenen Ei klarerweise auch nicht.
Kann ich nur hoffen, dass sie wenigstens dem Erwachsenen geholfen haben.
Hoffnung
Die Hoffnung ist das Schlimmste.
Zumindest manchmal. Nämlich dann, wenn die Hoffnung immer und immer wieder enttäuscht wird. Es ist schwer, darüber nicht zu verzweifeln.
Mitunter wäre es besser, gar keine Hoffnung mehr zu haben. Dann könnte man das Thema abhaken und sich neu orientieren.
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und manchmal gehen wir mit ihr und an ihr zugrunde.
Höhen und Tiefen
Es ist im Solo-Business genau gleich wie im übrigen Leben: Es gibt Höhen und Tiefen.
Aber eines dürfen wir dabei nicht vergessen: Es gibt Hochs und Tiefs für alle Menschen.
Das Leben ist nicht ungerecht zu uns. Zumindest nicht ungerechter als zu allen anderen Menschen auch.
Der einzige Unterschied: Wenn andere Menschen leiden, sehen wir das halt meistens nicht. Und so bilden wir uns ein, dass nur wir leiden. Oder dass wir besonders oft leiden. Oder dass wir besonders tiefe Tiefs haben. Und die Anderen nicht.
Nichts könnte weiter weg sein von der Wahrheit.
[Danke Julia Mack-Amantidis für diesen Gedanken.]
Überfordert von der Fülle
Einige (viele?) Menschen können mit der Fülle der Möglichkeiten nicht umgehen, die das 21. Jahrhundert bereithält. Sie können mit dem Überangebot an Angeboten und an materiellen Ressourcen nicht umgehen.
Sie haben nie gelernt, nein zu sagen. Sie wissen nicht, wann es genug ist. Sie machen sich keine Gedanken darüber, was es für negative Konsequenzen hat, wenn sie Ressourcen verschwenden.
Und daher treffen sie für sich schlechtere Entscheidungen, als wenn sie weniger Möglichkeiten gehabt hätten.
Dale Carnegie: Sorge dich nicht — lebe! (1984) 📙
Ein Klassiker der amerikanischen Selbsthilfe-Literatur. Kann man lesen. Allerdings wird man nicht mehr viel finden, das man inzwischen nicht schon hundertmal gehört hat.
(mehr …)Das Eigene
Herauszufinden, was das Eigene ist (der eigene Weg, die eigene Strategie, die eigenen Produktivitäts-Hacks), ist anstrengend.
Da wäre es doch viel leichter, einfach Stephen Kings Bleistift zu verwenden.
Nur: Stephen King führt dich in die Irre. Das Eigene führt dich zum Erfolg.
Hässliches Entlein
Wenn man eine kleine Ente erwartet, ist ein Schwan-Küken sehr schiach.
Aber an sich ist ein Schwanenbaby ein sehr schönes Tier.
Josef Kirschner: Die Kunst, ohne Überfluss glücklich zu leben (1980) 📙
Es ist schon erstaunlich, dass Josef Kirschner 1980 zu diesem Thema geschrieben hat und damit die Minimalismus-Bewegung vorweg genommen hat. Er muss damals als ein ziemlicher Spinner gesehen worden sein.
(mehr …)Der große Bogen
Wenn du am Ende deines Lebens Bilanz ziehst und zurückschaust, dann wird es völlig egal sein, ob du dieses Todo heute erledigt hast oder morgen oder gar nicht. Es wird wurscht sein, ob du dieses Projekt angegangen bist oder jenes oder keines davon. Es wird dich nicht interessieren, wie gut oder schlecht dein Umsatz im Februar 2024 war.
Was an diesem Tag für dich zählen wird, ist nicht was du getan hast, sondern wie du es getan hast. Mit welcher Intention du an die Dinge herangegangen bist, die du gemacht hast. Aus welchen Gründen du deine Entscheidungen getroffen hast. Wie du mit den Menschen, die dich auf deinem Lebensweg begleitet haben, umgegangen bist.
Es wird zählen, wie du deine Ideale, deine Werte und deine Fähigkeiten in deinem Leben zum Ausdruck gebracht hast. Nicht im Detail, denn Details sind irrelevant. Sondern im großen Bogen, der sich von deinem ersten Atemzug bis zu deinem letzten spannt.
Auf diesen Bogen wirst du zurückschauen. Und dieser Bogen wird aus Wie-Bausteinen, nicht aus Was-Bausteinen gebaut.
Vergiss das nicht, Günter.