Tag#Lebensfragen

Ihr eigenes Vorbild

I

Ein Freund hat mir unlängst von einem achtjährigen Mädchen erzählt. Auf die Frage, wer ihr größtes Vorbild sei, hat sie geantwortet:

Ich bin mir selbst genug. Ich bin mein eigenes Vorbild.

Mit diesem Zugang hat sie die besten Voraussetzungen, später mal erfolgreich selbständig zu werden.

Längst vergessen

L

Scott Galloway sagt: In hundert Jahren werden alle Menschen, die mir heute lieb und teuer sind, tot sein, und niemand wird sich an meine Erfolge und meine Fehler erinnern.

Das ist traurig, und gleichzeitig ist es befreiend.

Ein großzügiges Angebot

E

Wenn wir Glück haben, begegnen uns auf unserem Abenteuer Selbständigkeit immer wieder Menschen, die uns helfen wollen. Und manchmal sind da auch Menschen dabei, die uns echt großzügige Angebote unterbreiten – einfach, weil sie gute Menschen sind und uns mögen.

Und dennoch ist bei jedem Geschenk, ob groß oder klein, Vorsicht geboten. Geschenke verpflichten, auch wenn das vom Schenkenden gar nicht intendiert ist. (Lewis Hyde hat mir zu diesem Thema viel beigebracht.)

Großzügige Angebote sind ein Geschenk des Himmels. Und trotzdem müssen wir uns auch bei solchen Angeboten fragen: Passt das für mich? Welche Kosten handle ich mir ein, wenn ich das Angebot annehme? Tue ich mir damit wirklich einen Gefallen?

Es kommt nicht darauf an, ob ein Geschenk groß oder klein ist. Entscheidend ist, ob es passt oder nicht. Und wenn es nicht passt, dann dürfen (ja müssen!) wir auch ein großzügiges Angebot ablehnen.

Verhalten > Labels

V

Ingeborg Kuca schreibt in ihrem schlauen Buch Stille Stärken – Introvertiert & beruflich erfolgreich:

Es geht nicht um ,ich bin’, sondern es geht darum, wie ich mich verhalte. Wir verhalten uns in verschiedenen Situationen ganz unterschiedlich

Ingeborg Kuca: Stille Stärken – Introvertiert & beruflich erfolgreich, S. 27

Wir versehen uns gerne mit Labels, und anhand dieser Labels erklären wir, warum wir so sind, wie wir sind und warum wir tun, was wir tun.

Wenn wir aber erkennen, dass wir mehr sind als die Labels, die wir uns selbst geben und erkennen, dass wir über ein breites Verhaltensrepertoire verfügen, dann eröffnen sich uns Handlungsspielräume. Und diese Handlungsspielräume geben uns die Macht, größer zu sein als die selbst auferlegten Labels.

Wir kaufen Potenziale

W

Sagt der Soziologe Hartmut Rosa.

Wir kaufen immer mehr Dinge, ohne sie zu konsumieren.

Beispiel: Ich kaufe ein Buch, lese es aber nicht. Ich kaufe das Potenzial des Buches ein, ohne das Potenzial tatsächlich zu nutzen. Der Konsum, also das Lesen des Buches, ist nämlich sehr zeitintensiv. Daher macht es mir viel mehr Spaß, ein neues Buch zu kaufen als ein bereits gekauftes zu konsumieren.

Und das betrifft ganz viele Dinge. Ich kaufe ganz viel Potenzial ein, “auf Vorrat”. Aber dieses Potenzial bleibt zum großen Teil ungenutzt.

Dieses Potenzial “auf Vorrat” empfinde ich aber nicht als ermächtigend, sondern im Gegenteil: Es blockiert mich. Das viele Potenzial, das ich mir nie erschließe, erdrückt mich, lähmt mich, macht meinen gedanklichen Rucksack schwerer.

Ungenutztes Potenzial ist nicht nur kein Gewinn, sondern ein Netto-Verlust.

Vertrauen – und wenn es fehlt

V

Vertrauen ist der Grundbaustein unseres Gesellschaft- und Wirtschaftssystems. Wir vertrauen darauf (ja, wir müssen darauf vertrauen), dass in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft jeder seine Arbeit macht. Und dass er sie gut macht.

Wir müssen darauf vertrauen, dass der Arzt, den wir aufsuchen, weiß, was er tut. Dass die Steuerberaterin, die wir konsultieren, sich tatsächlich länger als eine Minute Gedanken über unseren Fall gemacht hat. Dass die Marketing-Beraterin nicht nur unser Geld nimmt, sondern wir aus ihrer Beratung mehr herausbekommen, als wir bezahlen.

Ohne Vertrauen geht nichts, und gleichzeitig ist es ziemlich leicht, Vertrauen zu verspielen. Das ist ein Grundproblem in der Online-Business-Consulting-Welt. Schlecht qualifizierte Akteure spielen mit dem Vertrauen ihrer Kund*innen, enttäuschen es und machen damit den Markt kaputt. Denn ein gebranntes Kind wird sich zweimal überlegen, nochmals die. Dienste eines Online-Coaches in Anspruch zu nehmen, und wenn der noch so gut und ehrlich und hilfreich ist.

Wenn wir kein Vertrauen haben, dann werden wir nicht um Hilfe fragen. Warum sollte ich mir von jemandem helfen lassen wollen, dessen Kompetenz und/oder dessen Intention ich anzweifle?

Die Krux für uns Selbständige: Vertrauen beginnt zuerst mal bei uns selbst. Wie viel Vertrauen haben wir in unsere eigene Kompetenz? Wie viel Vertrauen haben wir in unsere Produkte und Angebote? Wie viel Vertrauen haben wir in unsere potenziellen Kund*innen und Partner*innen? Empfangen wir sie mit offenen Armen, oder sind wir selbst gebrannte Kinder?

Wenn das Grundvertrauen fehlt, wird alles schwierig, mühsam und anstrengend. Ein guter erster Schritt: Geh raus aus deinem Kopf. Sprich mit anderen Menschen. Hol dir das Vertrauen zurück, dass die meisten Menschen auf der Welt es grundsätzlich gut meinen.

Und mit dieser Brille schau dann wieder auf dein eigenes Angebot drauf. Gut möglich, dass du dann (wieder) spürst, dass du sehr wohl weißt, was du tust und dass deine Intention gut ist.

Und damit hast du den Samen gesetzt, um Vertrauen wachsen zu lassen.

Ruhe geben

R

Ich kann’s nicht.

Selbst, wenn mein Körper die Patschen streckt, will mein Kopf immer noch durch die Wand.

Ruhe geben. Meine Frau meint, ich muss es lernen.

Wahrscheinlich wäre es sogar das wichtigste Lernziel für 2024.

So unfair

S

Niemand hat endlos Kraft. Niemand kann pausenlos arbeiten. Niemand ist unbesiegbar.

Außer natürlich ich.

Das ist die Hybris, der wir Solopreneure immer wieder zum Opfer fallen: Wir glauben, wir sind unsterblich.

Und wenn ich dann plötzlich mit meiner Menschlichkeit konfrontiert werde und drauf komme: Hey, ich habe doch nicht endlos Kraft! Ich glaube, ich brauche eine Pause…

Dann bin ich völlig von den Socken und jammere: Das ist sooo unfair! Ich habe gerade sooo viel vor! Das passt mir grad überhaupt nicht rein!

Dem Leben sind meine Pläne natürlich vollkommen wurscht. Und je mehr ich mich wehre, desto schlimmer wird es für mich.

Es ist nicht unfair, sondern die ultimative Fairness: Wir sind alle nur Menschen.

Die wahre Kunst

D

Für alle, die sich gerade Ziele für 2024 zurechtlegen:

Dinge haben zu wollen, ist keine Kunst. 

Die wahre Kunst ist es, die Arbeit und die Konsequenz reinzulegen, die es braucht, um diese Dinge zu erreichen.

Das Spiel entscheidet sich daher nicht im Jänner beim Ziele-Setzen, sondern irgendwann im Juni oder so, wo man merkt: Jössas, das ist ja viel mühsamer als gedacht.

Also überleg dir jetzt, im Jänner, schon mal: Was wirst du in der Situation tun? Welche Geschichte wirst du dir dann erzählen? Und: Ist dein Ziel stark genug, um die Mühen der Ebene zu überstehen?

Wir alle spielen Theater

W

Unlängst war ich mit dem Zug unterwegs. Ich habe mir ein Erste-Klasse-Ticket gekauft, weil das hat den Vorteil, dass ich vor der Fahrt noch in die ÖBB Lounge am Bahnhof durfte.

Um in die Lounge zu kommen, muss man sein Erste-Klasse-Ticket beim Eingang herzeigen. Ich zeige also pflichtschuldig und keine Sekunde länger als notwendig mein Handy-Ticket her, die Frau am ÖBB-Schalter schaut pflichtschuldig (und halbherzig) drauf.

Wir beide haben gerade Theater gespielt. Ich habe so getan, als wäre ich motiviert, mein Ticket herzuzeigen, und die Angestellte hat so getan als wäre ihr wichtig, mein Ticket zu kontrollieren. Eine reine Farce, und doch ist dieses Theater genau das, was die gesellschaftliche Norm von uns beiden erwartet hat.

Und das Paradoxe daran: Ich denke, wir beide wussten in dem Moment, dass wir hier gerade Theater spielen. Aber das war nicht entscheidend. Entscheidend war nur, dass keiner von uns aus der Rolle fällt. Wir haben beide getan, was von uns erwartet wurde, und dann hatten wir wieder unsere Ruhe.

Und jetzt überleg dir mal, wie viele Interaktionen jeden Tag genau so ein Theater sind, wo wir nur so tun, als ob sie uns wichtig wären. Ich glaube, es sind viele.

Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, bei der einen oder anderen dieser Theaterstücke mal den Vorhang zu lüften und zu fragen: Was tun wir hier eigentlich?

Pfeif drauf!

P

Manchmal ist die beste Lösung eines Problems, das Problem nicht zu lösen.

Einfach zu sagen: Geh, pfeif doch drauf!

Wir müssen sehr genau aufpassen, ob ein Drauf-Pfeifen das Problem auch tatsächlich löst. Ob ein Drauf-Pfeifen eine legitime Lösung für das Problem ist. Denn: Längst nicht jedes Problem ist für’s Drauf-Pfeifen geeignet.

Aber mehr, als wir mitunter denken.

Gründe fürs Nicht-Tun

G

Unlängst habe ich meine Studierenden gefragt, was sie glauben, warum manche Menschen etwas nicht tun, obwohl es eigentlich gut für sie wäre.

Hier die Antworten:

  • Vergesslichkeit, keine Routine
  • Faulheit
  • Kein Interesse
  • Verstehen den Sinn dahinter nicht
  • Sie wissen nicht, was sie tun sollen
  • Man möchte nichts Persönliches preisgeben
  • Es ist unangenehm
  • Zu zeitaufwendig
  • Zu viel Mühe
  • Schlechtes Selbstmanagement
  • Sie sind eingeschüchtert
  • Sie wollen nicht nachdenken
  • Angst
  • Sie wissen nicht, was sie sagen sollen
  • Es zahlt sich nicht aus
  • Schlechtes Gewissen
  • Gefällt ihnen nicht
  • Empfinden es nicht als gut, sondern als eine Qual

Schon spannend, diese Antworten.

Das ist übrigens auch eine wunderbare Checklist, wenn wir nach Gründen suchen, warum unsere Kund*innen nicht (oder nur zögerlich) bei uns kaufen.

Das Unfertige

D
Wir werden damit leben müssen, das Unfertige in unserem Leben auszuhalten.

Wir sind oft mit Ratlosigkeit konfrontiert. Viele Menschen ringen mit dem Leben. Viele Andere sind genauso auf der Suche wie wir.

Einige von ihnen sind auf ihrer Suche aber auch erfolgreich!

Das darf uns Mut machen.

Unsicherheit

U

Das Gefühl, das die Entwicklung deines neuen Podcasts oder den Launch deines Newsletters begleitet. Das Gefühl, wenn du dir wieder mal überlegst, ob dein neues Angebot wirklich eine gute Idee ist. Das Gefühl, wenn du lieber in den Untiefen des Internet abtauchst, statt den Text für die neue Website zu erstellen.

Dieses Gefühl, das du da erlebst und das dir Schmerzen bereitet, ist wahrscheinlich einfach Unsicherheit.

Un-Sicherheit. Weil das Ergebnis nicht sicher ist, nicht sicher sein kann. Niemand kann die Zukunft voraussagen.

Es kann daher nicht darum gehen, die Unsicherheit wegzukriegen. Das Ziel muss sein: Handlungsfähig bleiben trotz Unsicherheit.

Oder, anders formuliert: Unsicherheit spüren, aushalten – und trotzdem weitermachen.

Black Friday

B

Bevor du den “Jetzt kaufen”-Button drückst, vergiss nicht:

Wir kaufen, was wir sein wollen.

Fehlendes Problemverständnis

F

Oft tun wir die falschen Dinge, weil wir das Problem gar nicht richtig verstanden haben. 

Wir tun, ohne nachzudenken. Wir nehmen die nächstbeste Scheinlösung. Wir wollen das Problem so schnell wie möglich aus der Welt haben.

Dabei gilt: Je besser du das Problem verstanden hast, desto wahrscheinlicher ist es, dass deine Lösung das Problem tatsächlich löst.