Tag#Lebensfragen

Die Einsamkeit der Erfolgreichen

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Ein junger Unternehmer erzählte mir unlängst von seiner schwierigen Schulzeit an der HAK. Vom Argwohn der Lehrer:innen, weil er aus einer erfolgreichen Unternehmerfamilie kam. Von den Unterstellungen, seine Projektarbeit würden eh die Sekretärinnen erledigen. Von Neid auf das Firmenauto.

Erfolg schafft Distanz. Nicht weil du dich distanzierst, sondern weil andere es tun. Sie erfinden Geschichten über dich. Sie projizieren ihre Frustrationen auf dich. Und irgendwann merkst du: Gespräche bringen nichts mehr.

Man kann dagegen ankämpfen, sich erklären, sich kleiner machen. Oder man lernt aufzustehen und zu gehen, wenn wieder mal wer blöd daher redet. Nicht aus Arroganz, sondern aus Selbstschutz. Weil solche Diskussionen nicht zu gewinnen sind.

Erfolg hat einen Preis – den Preis, dass du in manchen Räumen nicht mehr willkommen bist.

Verfaulte Schuhe

V

Basilius von Cäsarea hat im 4. Jahrhundert geschrieben: “Dem Barfüßigen gehört der Schuh, der bei dir verfault.” Er meinte damit echte Schuhe. Aber der Gedanke ist vielschichtiger.

Wir horten Wissen, das wir teilen könnten. Kontakte, die wir vermitteln könnten. Ideen, die wir weitergeben könnten. Zeit, die wir schenken könnten. Wir sammeln das alles – und dann? Verfault im Schrank. Nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Knappheits-Denken: “Ich könnte es ja noch brauchen.” “Vielleicht wird’s mal wichtig.” “Das ist doch mein Vorteil.”

Dabei sollten wir eigentlich wissen: Geteiltes Wissen wird mehr, nicht weniger. Vermittelte Kontakte kommen zurück. Geschenkte Zeit macht reich.

Dennoch gehen wir vielen Gelegenheiten aus dem Weg, denen der wir etwas teilen könnten. Und am Ende sitzen wir auf einem Haufen verfaulter Schuhe.

Ever so gently

E

Maria Popova spricht von der Kunst, „ever so gently” seinen persönlichen Möglichkeitsraum zu erweitern. Nicht mit Gewalt. Nicht mit Zehn-Jahres-Plänen. Behutsam.

Popovas Gedanke ist das Gegenteil der Wachstums-Erzählung, die uns permanent einredet, wir bräuchten in unserem Business immer mehr: Mehr Umsatz, mehr Reichweite, mehr Skalierung.

Behutsame Expansion bedeutet etwas anderes: Du nimmst wahr, was in dir schlummert – an Können, an Interesse, an Möglichkeiten. Und dann gehst du einen Schritt in diese Richtung. Nicht fünf. Einen.

Du entwickelst eine neue Dienstleistung, weil du merkst, dass deine Kund:innen danach fragen. Du schreibst öffentlich über ein Thema, das dich umtreibt. Du probierst ein Format aus, das dir seit Monaten im Kopf herumschwirrt.

Ever so gently. Das ist ein Plädoyer dafür, dem eigenen Tempo zu vertrauen – statt sich von externen Maßstäben antreiben zu lassen.

Kompliziert ist nicht klüger

K

Mir scheint, wir haben eine seltsame Aversion gegen das Leichte.

Unlängst diskutierte ich mit meiner Frau über Freizeitaktivitäten für die Kinder. Wir bemühten uns um eine komplizierte Lösung, obwohl eine einfachere und billigere Alternative direkt vor uns lag. Aber irgendwie wirkte das zu simpel für uns.

Das ist schon interessant. Als wäre da ein Generalverdacht gegenüber dem Einfachen. Als könnte es nicht gut genug sein, wenn man sich dafür nicht anstrengen muss. Als müsste eine Lösung kompliziert und teuer sein, um richtig zu sein.

Aber ist das nicht ein ziemlicher Blödsinn? Schließlich funktioniert nur das Einfache wirklich. Die besten Geschäftsmodelle sind simpel. Die überzeugendsten Botschaften sind klar. Die elegantesten Lösungen sind meist die direktesten.

Vielleicht dürfen wir lernen, uns das Leben leichter zu machen.

Nicht weil wir faul sind, sondern weil das Einfache oft das Klügste ist.

Orientierungslos

O

Wir halten es ganz schwer aus, wenn wir keine Orientierung haben.

Wir spinnen uns ein Netz aus Bedeutungen und Erklärungen zusammen, und dieses Netz gibt uns Sicherheit. Es erklärt uns die Welt. Und es macht die Welt für uns vorhersehbar (oder wir bilden uns das zumindest ein).

Diese vermeintliche Sicherheit ist für uns überlebenswichtig – nicht nur, aber auch im Solo-Business. Deshalb haben wir Angst davor, dass unser Bedeutungsgewebe Risse bekommt.

Aus dieser Angst heraus reagieren wir oft extrem: Extrem ablehnend, extrem ignorant, extrem defensiv.

Eh verständlich. Aber ist dieses Verhalten auch günstig für uns und unser Business?

Argumente verkaufen

A

„Argumente soll man nie verkaufen“, sagt Matthias Horx.

Soll heißen (glaube ich): Wenn du ein gutes Argument hast, dann kann das für sich stehen.

Du musst nichts unternehmen, um es anderen Menschen “schmackhaft” zu machen. Meistens nimmst du dem Argument dadurch nämlich Schärfe, Stärke und Genauigkeit. 

Würdigenswert

W

Schöner Gedanke von Friedemann Schulz von Thun:

Bevor wir Ansprüche an andere stellen, sollten wir lernen, diese Menschen zu würdigen. Würdigen für das, was sie auf sich nehmen, was sie geschafft haben, was sie auf die Beine stellen.

Das gilt für den Politiker, den wir nicht mögen, die Lehrerin, von der wir uns unfair behandelt fühlen oder für den Fußballtrainer, dessen Taktik wir für Schwachsinn halten.  

Wir nehmen viel zu viele Dinge als selbstverständlich, die eigentlich “würdigenswert” sind.

Und das gilt ganz besonders für die Menschen, die uns nicht so recht zu Gesicht stehen.

Dankbarkeit (3)

D

Dankbar bist du nicht, wenn du sagst: “Ich bin ein dankbarer Mensch”.

Dankbar bist du auch nicht, wenn du zu jemandem “Danke” sagst.

Dankbar bist du erst dann, wenn du Dinge aus Dankbarkeit tust. Wenn du deine Dankbarkeit ausdrückst, indem du anderen Menschen gegenüber großzügig handelst.

Dankbarkeit ist kein Mindset, sondern ein handlungsleitendes Prinzip.

Ein großer Garten

E

Das Problem: Viele Menschen haben einen Garten, der nicht zu ihren Ressourcen passt.

Wir glauben, der Garten, den wir haben, „ist halt so“. Aber er muss nicht so sein.

Er ist irgendwann entstanden, aber wir können ihn jederzeit umgestalten.

Am Sonntag

A

Es ist (auch) dein Sonntag!

Mach damit, was du willst!

Bestärkung

B

Es ist total super, wenn du jemanden an deiner Seite hast, der deine neueste Geschäftsidee kritisch hinterfragt. Der die Lücken in deinen Überlegungen aufdecken kann und der sich nicht scheut, auch mal eine unangenehme Frage zu stellen.

Aber manchmal wünscht man sich einfach nur jemanden, der sagt: “Mach! Ich glaube an dich! Du schaffst das!”

Sich anbieten vs. etwas anbieten

S

Sich anbieten: Sag mir, was ich für dich tun kann. Ich helfe dir gerne und so gut ich kann. Du kannst von mir alles haben. Sag mir einfach, was du brauchst.

Etwas anbieten: Schau her, das mache ich. Das biete ich dir sehr gerne an. Willst du es haben?

Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, und beide Ansätze haben ihren Wert.

Im Business gilt allerdings: Wer sich anbietet, überlässt dem Kunden die Definitionsmacht. Mitunter ist der Kunde mit der Aufgabe zu definieren, was er eigentlich braucht, überfordert.

Und: Wer sich anbietet, der wird entmutigt, wenn die Kunden nur verhalten reagieren und (gerade) nichts brauchen.

Neue Ideen

N

Es ist praktisch unmöglich, die Zukunft unvoreingenommen zu denken.

Alle unsere “zukünftigen” Ideen beruhen auf unseren bisherigen Erfahrungen.

Wir können nur denken, was wir kennen.

Wir können uns nur vorstellen, was wir schon mal irgendwie gesehen haben. 

Leiwand sein kostet nichts

L

Alles wird einfacher, wenn du ein bisschen leiwand bist – für deine Familie, für deine Kund:innen und nicht zuletzt für dich selbst.

Leiwand zu sein ist optional, und viele entscheiden sich dagegen. Tag für Tag.

Aber stell dir ein Leben (oder ein Business!) vor, wo du leiwand bist und die Menschen um dich sind auch leiwand.

Unbezahlbar!

[Danke Martin Schmidt für diesen Gedanken!]

Reisen ins Unbekannte

R

Unlängst teilte der Reiserechts-Experte Ansgar Staudinger in brand eins seine Beobachtung, dass viele Reisende in Gebiete reisen, “deren Namen sie nicht einmal richtig buchstabieren können”.

Und so kommt es, dass diese Reisenden dort böse Überraschungen erleben. Dass nicht das eintritt, was sie sich ausgemalt hatten. Und dass sie dann unzufrieden sind.

Mit ein bisschen Vorab-Recherche wäre das vermeidbar gewesen.

#notetoself

Herumeiern

H

Manfred Winterheller sagt: Du darfst Herumeiern nicht mit Aktivität verwechseln.

“Herumeiern” sind Tätigkeiten, die keine Konsequenz haben. Die nicht geradlinig sind. Ein Herumlavieren, dessen eigentliches Ziel es ist, negative Emotionen und Konflikte zu vermeiden.

Herumeiern bedeutet, nicht das zu tun, was zu tun ist. Keine Verantwortung zu übernehmen. Nur dein Eindruck zu erwecken, als würde man sich kümmern.

Der bessere Zugang wäre: Ich übernehme Verantwortung für den Erfolg – in meinem Business, in meiner Familie und in meinem Leben generell.

Peinlichkeiten

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Peinlich ist nur, was du wählst, peinlich zu finden. 

Nichts ist „objektiv“ peinlich. Und wenn du anderen Menschen die Entscheidung überlässt, was bei dir (oder in deinem Business) peinlich ist und was nicht, dann überlässt du diesen Menschen die Definitionsmacht über dein Leben.

Wenn du willst, kannst du entscheiden, ab heute NICHTS mehr in deinem Leben peinlich zu finden. 

Es liegt nur an dir.

Elke Heidenreich: Altern (2024) 📙

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Die achtzigjährige Elke Heidenreich schreibt darüber, wie es ist, alt zu werden, alt zu sein und als Alte gesehen zu werden. Mit vielen Literaturbezügen, sehr quirky und heiter. Und: Es macht nachdenklich.

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Gegenseitigkeit

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Wenn du bei einem Menschen Resonanz spürst, dann kannst du dir ziemlich sicher sein, dass dieser Mensch auch Resonanz spürt bei dir.

Man schwingt sich aufeinander ein.

„Man stellt nicht Tiefe einseitig her in der Regel“, sagt Johanna Degen.

Nach den eigenen Regeln

N

Philipp Hochmair sagt, sein Leben hat eigentlich erst begonnen, als er sich erlaubt hat, nicht mehr brav zu sein.