Tag#Lebensfragen

Dein letztes Geschäftsjahr

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Wir Solopreneure bauen unsere kleinen Imperien auf, als wären sie für die Ewigkeit. Optimieren die Conversion Rate, feilen am perfekten Funnel, diskutieren über Positionierung und Messaging. Als ob das alles bleiben würde. 

Die unbequeme Wahrheit: In dreißig, spätestens fünfzig Jahren interessiert sich niemand mehr für deinen LinkedIn-Content. Deine sorgfältig kuratierten Testimonials? Vergessen. Dein “zeitloser” Evergreen-Kurs? Ein digitales Fossil.

Was bleibt dann? Vielleicht die eine Idee, die du jemandem mitgegeben hast. Der eine Impuls, der tatsächlich etwas verändert hat. Aber dein Business-Konstrukt, dein Solo-Business mit all seinen Prozessen und Systemen?

Deine Ich-AG wird vergehen — und zwar schneller, als du glaubst.

Der Lotto-Sechser

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„If I won the lottery, I‘d be chronically offline“, sagt Maggie Patterson.

Und du?

Ist offline sein (zu können) der neue ultimative Luxus?

Die zweite Frage

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Wir leben in einer Zeit, in der die Frage Was bringt mir das? die wichtigste zu sein scheint.

Die zweite Frage – Was für ein Mensch möchte ich sein? – wird hingegen oft nicht gestellt. Und wenn, dann wird sie als naiv belächelt..

Aber: Menschen sind sehr wohl fähig, von sich aus das Richtige zu tun. Nicht weil es sich rechnet, sondern weil sie sich dafür entscheiden. Weil Menschen im Grunde gut sind.

Meine Hoffnung in der Weihnachtszeit ist, dass sich mehr Menschen diese zweite Frage stellen. Im Solo-Business und im Leben an sich.

Die stille Zeit

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Die Weihnachtszeit bringt das Bedürfnis nach Rückzug. Abstand gewinnen, nachdenken, sich sammeln.

Aber: Die gemütliche Couch im Wohnzimmer gibt dir keine Antworten über dein Leben. Sie gibt dir nur deine eigenen Gedanken zurück.

Die Welt da draußen – Menschen, Begegnungen, echte Gespräche – geben dir die Antworten, die du suchst.

Die innere Erlaubnis

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Unlängst hatte der wunderbare Bernhard Reingruber seinen ersten Buch-Launch. Großartiger Abend, über 100 Gäste, echte Resonanz.

Trotzdem, sagt er, brauchte er zwei Tage, bis er sich über diesen gelungenen Abend freuen konnte.

Der Grund: Seine innere Story, gelernt von seinem Vater: Den Kopf nicht rausstrecken, sich nicht exponieren, schon gar nicht mit eigenen Ideen.

Manche Kapazitätsgrenzen liegen nicht in unseren Fähigkeiten, sondern in dem, was wir uns erlauben.

[PS: Das Buch Von Bullshit zu Berührung kann ich als Weihnachtsgeschenk wärmstens empfehlen! Danke für’s Teilen deiner Storys, Bernhard!]

Die Ausstellung und das Business

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Unlängst war ich in der Michaelina Wautier-Ausstellung im KHM. Und dabei ist mir folgender Gedanke gekommen:

Man kann eine Ausstellung konsumieren, oder man kann sie genießen. Man kann durch die Räume zischen, oder man kann sich wirklich auf ein Bild einlassen.

Aber: Sich einlassen braucht Zeit. Genau wie ein stimmiges Solo-Business.

Du kannst Kund:innen abarbeiten, oder du kannst mit ihnen arbeiten. Du kannst Projekte durchziehen, oder du kannst sie verwirklichen. Du kannst Entscheidungen fällen, oder du kannst sie reifen lassen.

Das Problem: Wir haben uns an ein hohes Tempo gewöhnt. Newsletter überfliegen statt lesen. Social Media durchscrollen statt interagieren. Content mit KI raushauen statt überlegen: Was ist wirklich nützlich?

Die wirklichen wichtigen Dinge brauchen Zeit und Hingabe, um gut zu werden – im Business wie in der Kunst..

Deine USP

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Ich finde, die USP (unique selling proposition) ist bei einem Ein-Personen-Unternehmen ein völlig überschätztes Konzept.

Es wäre ein unglaublich hoher Anspruch, als einer von tausenden Unternehmensberater:innen, Fotograf:innen oder Psychotherapeut:innen eine echte USP zu haben – also wirklich unique zu sein..

Es gibt nichts Neues unter der Sonne, heißt es schon in der Bibel. Viele Gründer:innen quälen sich damit, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, und kommen drauf: Alles wurde schon irgendwann mal gedacht, gemacht, angeboten.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Deine USP als Solopreneur sind deine Kontakte. Punkt. Insbesondere die Resonanz-Beziehungen, die du im Laufe deines Lebens (in deiner Ausbildung, als Angestellte:r, im privaten Umfeld) hergestellt hast und noch herstellen wirst.

Diese Resonanzbeziehungen sind dein wahres Asset. Die kann dir niemand wegnehmen.

Es sind die anderen Menschen, die dich einzigartig machen – nicht du selbst.

Lebenswert

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Ein Gedanke von vorgestern beim Aufwachen:

Im besten Fall wäre mein Leben eine Sammlung lebens-werter Dinge.

Was der Job kostet

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Die meisten Angestellten wissen, was sie verdienen. Aber nicht, was ihr Job kostet.

Der Kaffee am Weg, das Mittagessen in der Kantine, die Fahrtzeit, die Anzüge, die Wohnung in Büronähe. Manche Jobs verlangen noch mehr: die richtige Tasche, die stylische Frisur, ein Auto, das passt.

Würde man das zusammenrechnen, dann würde auch sichtbar, wie wenig eigentlich vom Gehalt übrig bleibt.

Die besten Lehrer arbeiten gratis

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Wer seine Fehler vor Publikum macht, bekommt kostenlose Lehrer.

Das ist keine Metapher. Wenn du etwas falsch machst und andere können zusehen, steigt die Wahrscheinlichkeit exponentiell, dass dir jemand sagt, wie es richtig geht. Du erstellst einen LinkedIn-Post mit einem Denkfehler? Drei Leute werden dich korrigieren. Du baust dein Produkt öffentlich und übersieht etwas Grundlegendes? Die Community zeigt dir den besseren Weg. Du schreibst einen Newsletter mit einer schiefen Analogie? Jemand wird dir präzisere Sprache anbieten.

Das funktioniert nur, wenn du bereit bist, dich zu exponieren. Viele Solopreneure warten jedoch, bis alles sitzt. Bis die Website perfekt ist, das Konzept wasserdicht, die Strategie ausgereift. Nur: In der Zwischenzeit lernen sie nichts.

Öffentliches Scheitern ist also kein Risiko, sondern ein Vorteil gegenüber denen, die erst dann starten, wenn nichts mehr schiefgehen kann.

Was natürlich niemals der Fall sein wird.

Alles nicht gewollt

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Ich kenne da diesen Mann, Mitte vierzig. Er ist verheiratet mit einer feschen Frau, hat drei liebe Kinder und ein Haus.

Nur: Das alles wollte er nicht. Er hat ein vermeintlich gelungenes Leben, nur ist es überhaupt nicht das, was er sich von seinem Leben erträumt hatte.

Und so steht er quasi mit leeren Händen da, obwohl ihm viele gute Dinge passiert sind.

Vertrau deinem zukünftigen Ich

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Laura Vanderkam sagt: “Your Future Self will not be incompetent.”

Stimmt. Dein zukünftiges Ich wird nicht dümmer sein als heute, sondern klüger – mehr Erfahrung, mehr Kontext, bessere Entscheidungsgrundlagen. Trotzdem machen wir uns jetzt schon verrückt, grübeln über Szenarien, die vielleicht nie eintreten, und zweifeln daran, ob wir das dann irgendwie schaffen werden.

Dabei könnten wir uns darauf verlassen: Unser zukünftiges Ich wird die Situation schon meistern.

Turbulenter Herbst

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Unlängst habe ich mit einer Gründerin gesprochen und gemeint, dass bei mir im Business gerade Hochsaison und viel los ist.

Darauf sie: “Schön! In intensiven Zeiten kann man so richtig schön zeigen, was man kann.”

Ich war von ihrer Antwort total geflasht, weil sie so unerwartet kam. Nämlich so unerwartet positiv und bestärkend. Kein Mitleid, kein Mitjammern, einfach die Botschaft: Günter, du wirst das hinkriegen. Du bist noch längst nicht am Limit.

Ein unglaublich wertvoller Gedanke.

Kleine Menschlichkeiten

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Man kann leicht den Endruck gewinnen, dass wir in einer schlechten Welt leben. Dass alles vor die Hunde geht.

Wenn’s dir gerade so geht, dann rate ich dir: Mach deine Augen auf für die vielen kleinen Menschlichkeiten, die jeden Tag passieren: Ein Lächeln, ein freundliches Wort, eine kleine witzige Situation.

Es sind diese kleinen Momente, die uns spüren lassen: Wir sind alle Menschen, und wir sind uns alle viel ähnlicher, als wir denken.

Wir wollen alle nur glücklich sein, und wir geben alle unser Bestes.

Das Paradoxon der Zufriedenheit

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Viele Solopreneure horten.

Sie sammeln Wissen, perfektionieren ihre Angebote, warten auf den idealen Moment. Sie optimieren ihre Website, feilen an ihrer Positionierung, konsumieren noch einen Kurs.

Der Weg des Unternehmers ist jedoch, das weiterzugeben, was du hast. Nicht irgendwann, wenn’s (vielleicht) perfekt ist. Heute, mit dem, was schon da ist. Der umperfekte Blogpost, der aber jemandem hilft. Das Gespräch ohne ausgearbeiteten Gesprächsleitfaden, das aber einen wichtigen Gedanken klärt. Deine anekdotischen Erfahrungen, die du teilst, statt sie zu horten.

Wer wartet, bis er fertig ist, wird nie zufrieden sein. Wer gibt, was er hat, merkt plötzlich, dass er von Anfang an genug hatte.

Akzepiere, dass es nicht perfekt ist

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Nichts in der Welt ist perfekt. 

“Perfekt” ist keine Kategorie der Natur. “Perfekt” ist etwas, das sich unsere Egos ausgedacht haben. 

Die Einsamkeit der Erfolgreichen

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Ein junger Unternehmer erzählte mir unlängst von seiner schwierigen Schulzeit an der HAK. Vom Argwohn der Lehrer:innen, weil er aus einer erfolgreichen Unternehmerfamilie kam. Von den Unterstellungen, seine Projektarbeit würden eh die Sekretärinnen erledigen. Von Neid auf das Firmenauto.

Erfolg schafft Distanz. Nicht weil du dich distanzierst, sondern weil andere es tun. Sie erfinden Geschichten über dich. Sie projizieren ihre Frustrationen auf dich. Und irgendwann merkst du: Gespräche bringen nichts mehr.

Man kann dagegen ankämpfen, sich erklären, sich kleiner machen. Oder man lernt aufzustehen und zu gehen, wenn wieder mal wer blöd daher redet. Nicht aus Arroganz, sondern aus Selbstschutz. Weil solche Diskussionen nicht zu gewinnen sind.

Erfolg hat einen Preis – den Preis, dass du in manchen Räumen nicht mehr willkommen bist.

Verfaulte Schuhe

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Basilius von Cäsarea hat im 4. Jahrhundert geschrieben: “Dem Barfüßigen gehört der Schuh, der bei dir verfault.” Er meinte damit echte Schuhe. Aber der Gedanke ist vielschichtiger.

Wir horten Wissen, das wir teilen könnten. Kontakte, die wir vermitteln könnten. Ideen, die wir weitergeben könnten. Zeit, die wir schenken könnten. Wir sammeln das alles – und dann? Verfault im Schrank. Nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Knappheits-Denken: “Ich könnte es ja noch brauchen.” “Vielleicht wird’s mal wichtig.” “Das ist doch mein Vorteil.”

Dabei sollten wir eigentlich wissen: Geteiltes Wissen wird mehr, nicht weniger. Vermittelte Kontakte kommen zurück. Geschenkte Zeit macht reich.

Dennoch gehen wir vielen Gelegenheiten aus dem Weg, denen der wir etwas teilen könnten. Und am Ende sitzen wir auf einem Haufen verfaulter Schuhe.

Ever so gently

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Maria Popova spricht von der Kunst, „ever so gently” seinen persönlichen Möglichkeitsraum zu erweitern. Nicht mit Gewalt. Nicht mit Zehn-Jahres-Plänen. Behutsam.

Popovas Gedanke ist das Gegenteil der Wachstums-Erzählung, die uns permanent einredet, wir bräuchten in unserem Business immer mehr: Mehr Umsatz, mehr Reichweite, mehr Skalierung.

Behutsame Expansion bedeutet etwas anderes: Du nimmst wahr, was in dir schlummert – an Können, an Interesse, an Möglichkeiten. Und dann gehst du einen Schritt in diese Richtung. Nicht fünf. Einen.

Du entwickelst eine neue Dienstleistung, weil du merkst, dass deine Kund:innen danach fragen. Du schreibst öffentlich über ein Thema, das dich umtreibt. Du probierst ein Format aus, das dir seit Monaten im Kopf herumschwirrt.

Ever so gently. Das ist ein Plädoyer dafür, dem eigenen Tempo zu vertrauen – statt sich von externen Maßstäben antreiben zu lassen.

Kompliziert ist nicht klüger

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Mir scheint, wir haben eine seltsame Aversion gegen das Leichte.

Unlängst diskutierte ich mit meiner Frau über Freizeitaktivitäten für die Kinder. Wir bemühten uns um eine komplizierte Lösung, obwohl eine einfachere und billigere Alternative direkt vor uns lag. Aber irgendwie wirkte das zu simpel für uns.

Das ist schon interessant. Als wäre da ein Generalverdacht gegenüber dem Einfachen. Als könnte es nicht gut genug sein, wenn man sich dafür nicht anstrengen muss. Als müsste eine Lösung kompliziert und teuer sein, um richtig zu sein.

Aber ist das nicht ein ziemlicher Blödsinn? Schließlich funktioniert nur das Einfache wirklich. Die besten Geschäftsmodelle sind simpel. Die überzeugendsten Botschaften sind klar. Die elegantesten Lösungen sind meist die direktesten.

Vielleicht dürfen wir lernen, uns das Leben leichter zu machen.

Nicht weil wir faul sind, sondern weil das Einfache oft das Klügste ist.