Tag#Lehren&Lernen

Wie es gelernt ist

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Viele der Strategien, mit denen wir neue Herausforderungen angehen, verwenden wir schon seit unserer Kindheit. Unverändert.

Was wir in unserer Kindheit als erfolgreiche Strategie erfahren haben, das wenden wir auch als Erwachsene noch gerne an. Womit wir als Kind wiederholt gescheitert sind, davor scheuen wir auch als Erwachsene noch zurück.

Das Problem dabei: Wir sind keine Kinder mehr.

Zeit für ein Strategie-Update!

Wessen Idee

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Derek Sivers schreibt über einen Gedanken von Marshall Goldsmith, den ich hier auf die Gründungsberatung umlege:

Wenn ein Gründer zum Gründungsberater kommt und begeistert von seiner Gründungsidee erzählt, dann ist die Versuchung groß, dass der Berater sagt: “Das ist eine wunderbare Idee – und dazu fällt mir noch ein: Sie könnten noch das und das machen, und dann müssten Sie nur noch…” und so weiter. Der Berater gibt also, aus bester Absicht, seine eigene Meinung, seine Verbesserungsvorschläge und seine Ideen dazu – meist ungefragt.

Warum dieser Impuls zwar gut gemeint, aber nicht ungefährlich ist: In dem Moment, wo der Berater die Idee des Gründers “verbessert”, ist es nicht mehr nur die Idee des Gründers. Durch den Input des Beraters ist sie auch ein bisschen zur Idee des Beraters geworden – zu einer gemeinsamen Idee. Zu einem Shared Project.

Was nun passieren kann (kann, nicht muss!): Die ownership des Projekts durch den Gründer wird geschwächt. Durch die Ratschläge des Beraters verliert der Gründer einen Teil seiner Motivation, weil es nicht mehr uneingeschränkt seine Idee ist. Durch die Impulse des Beraters wird die Gründungsidee vielleicht objektiv verbessert, aber die emotionale Bindung des Gründers an seine Idee wird geschwächt.

Davor sollten wir Gründungsberater natürlich auf der Hut sein. Gar nicht so selten ist es wahrscheinlich besser, die objektiv guten Hinweise zurückzuhalten und dem Gründer seine Idee voll und ganz selbst zu überlassen – bis wir um Hilfe gefragt werden.

Ansonsten gilt der Rat von Ernesto Sirolli: If people don’t want to be helped, leave them alone!

Ein Buch lesen

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Es gibt zwei gute Gründe, ein Buch zu lesen:

  1. Um etwas Neues zu lernen.
  2. Um etwas bestätigt zu bekommen, das man schon länger vermutet hat.

Zeit zum Lernen

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In meinem Büro hängt ein kleines Plakat, wo drauf steht: „Was hast du heute gelernt?“

Das ist mein Reminder, dass ich nicht nur dahinberaten, sondern von Zeit zu Zeit auch innehalten soll. Damit ich nachdenke, was ich hier eigentlich tue – und warum.

Nur: Dafür muss ich mir auch die Zeit nehmen. Ein Tag, an dem das Lernen vor lauter Geschäftigkeit unter den Tisch fällt, ist eine verpasste Gelegenheit.

Schade drum.

Lehrer-Schüler-Beziehung

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Es ist kompliziert.

Früher dachte ich: Der Lehrer sagt, wo’s lang geht, die Schüler folgen – zumindest die schlauen. Den renitenten ist eh nicht zu helfen.

Mit jedem Jahr als Lehrer wird mir klarer: So einfach ist das nicht. Die Schüler beeinflussen den Lehrer mindestens so sehr wie umgekehrt. Oft ist in einer Lehr-Lern-Situation gar nicht eindeutig zu bestimmen, wer hier eigentlich Lehrer und wer Schüler ist.

Überall, wo Menschen zusammenarbeiten, gibt es Frustpotenzial. Lehrer und Schüler sind keine Ausnahme – im Gegenteil.

Wir wollen etwas bewirken

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Es gibt wohl kaum etwas Motivierenderes als das Gefühl, dass für das, was man denkt, sagt oder tut, bei anderen Menschen Interesse besteht.

Es ist nur bedingt erfüllend, Dinge für sich selbst zu tun. Selbst-Projekte sind schon okay, aber wirklich in die Kraft kommen wir oft erst, wenn durch unsere Projekte eine Beziehung zu anderen Menschen entsteht. Wenn wir im Anderen etwas bewirken.

Das gilt natürlich für Lehrer*innen und Berater*innen ganz besonders. Ihnen ist dieser Moment, wo sie dieses Interesse ihrer Schüler*innen bzw. Kund*innen spüren, oft mehr wert als das Geld, das sie mit ihrer Tätigkeit verdienen. (Was übrigens auch ein Grund ist, warum viele Lehrer*innen und Berater*innen schlecht bezahlt sind.)

Echte Experten

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Ein Gedanke vom Entrepreneurship Summit 2020 in Berlin. Wolf Lotter sagt: Man muss nicht nur was wissen, sondern man muss dieses Wissen auch teilen können.

Wissen ist die einzige Ressource, die sich vermehrt, wenn man sie teilt. Die Zeiten, wo Expertenwissen wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde, sind in unserer Netzwerkgesellschaft vorbei. Wissen hat nur dann Wert, wenn es auch zugänglich gemacht wird.

Experten sind nur dann echte Experten, wenn sie sich nicht nur “Experte” nennen, sondern ihr Expertenwissen auch meisterhaft vermitteln können.

Lehren und unterhalten

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Ein*e wirklich gute*r Lehrer*in kann beides: Wissen vermitteln und seine Lerner*innen unterhalten – idealerweise sogar beides zur gleichen Zeit.

Was aber, wenn eines fehlt? Was ist dann besser: Der Lehrer, der inhaltlich profund, aber langweilig lehrt, oder die Lehrerin, welche die Aufmerksamkeit fesselt, aber inhaltlich nicht aufregend viel vermittelt?

Ich tendiere zu zweitem, aber ich bin mir nicht sicher.

Keine Meinung

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Es ist okay, zu einigen Dingen keine Meinung zu haben.

Nämlich dann, wenn wir nicht einmal einen Rahmen haben, der uns ermöglichen würde, uns eine Meinung zu bilden. “Keine Ahnung, keine Meinung, kein Konzept”, wie Marius Müller-Westernhagen singt.

In diesen Fällen ist es besser, ehrlich zu sagen, dass man keine Ahnung hat, als so zu tun, als wüsste man, wovon man spricht.

Berater reden gerne

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Wir Berater reden gerne. Das ist auch gut so, denn schließlich ist es unsere Aufgabe, unseren Kund*innen mit unserem Wissen neue Blickwinkel zu eröffnen.

Es ist allerdings heilsam, sich ab und zu zu vergegenwärtigen, dass es auch Kund*innen gibt, die uns einfach reden lassen, sich ihren Teil denken und den Herrgott einen guten Mann sein lassen.

Nicht alles, was wir sagen, wird auch Gehör finden.

Weiterlernen

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Es ist ein Drama: Sobald sie die Schule verlassen haben, hören die meisten Menschen auf zu lernen.

Jetzt, wo sie nicht mehr müssen, entscheiden sie sich dafür, sich lieber nichts mehr Neues anzueignen. Schließlich haben sie lange genug gelernt.

Das ist wirklich schade, denn gerade als Erwachsene hätten wir noch so viel Spannendes zu entdecken.

Konzeptbatzen

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Ich finde, schlaue Konzepte gehören zu den nützlichsten Dingen auf dieser Welt. Ein gutes Konzept hilft uns, Dinge über die Welt, in der wir leben, zu sehen und zu verstehen, die uns sonst verborgen geblieben wären.

Wir sollten dabei aber niemals vergessen, dass ein Konzept nicht die Wirklichkeit ist. Ein Konzept ist eine bestimmte Sichtweise auf die Wirklichkeit, eine Vereinfachung, die auch viel weglässt. So wie auch eine Landkarte nicht die echte Welt da draußen darstellt.

Gefährlich werden Konzepte dann, wenn wir uns nicht die Mühe machen, sie wirklich zu durchschauen und wenn wir sie daraufhin mit der Wirklichkeit verwechseln. Dann werden Konzepte zu unförmigen Konzeptbatzen, die nur unser Gehirn verpicken.

Gescheiter werden

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In Zeiten des Internet ist nichts leichter, als Wissen zur Verfügung zu stellen. Es war auch noch nie so einfach wie heute, an Wissen zu gelangen.

In Zeiten des Internet ist es aber so schwer wie eh und je zu lernen. Denn lernen ist anstrengend. Lernen ist Arbeit – und oft mögen wir uns lieber nicht anstrengen.

Nur, weil wir einen schier endlosen Zugang zu Wissen haben, bedeutet das noch lange nicht, dass wir gescheiter geworden sind.

Was das Leben von dir will (2)

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Das Leben will, dass du deine Gaben, deine Talente annimmst, sie mehrst und sie zum Wohle deiner Nächsten gibst.

Dir wurde geschenkt, damit du geben kannst.