Tag#LifestyleBusiness

Wachstum als Solopreneur:in

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Unternehmerisches Wachstum bedeutet, sich ständig neu zu erfinden.

Und das wiederum bedeutet: Immer näher zum Kern von sich selbst zu kommen (zur Essenz) — und gleichzeitig sich immer besser zu dem hinwenden, was am Markt (gerade) los ist.

[Danke Monika Birkner für diesen Gedanken.]

Nie ist Ruhe

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In unserem Wirtschaftssystem kann niemals Ruhe sein, weil der Kapitalismus so nicht funktioniert.

Kapitalismus bedeutet ständige Veränderung, lauter Vorläufigkeiten und immerwährende Instabilität. Was heute noch normal ist, wird morgen in Frage gestellt. Was sich heute keiner vorstellen kann, ist übermorgen nicht mehr wegzudenken. Kapitalismus, das ist auch die ständige Suche nach dem Neuen, nach dem Besseren.

Wer ein Unternehmen gründet, der baut ein Haus in einem Erdbebengebiet, wo jeden Tag die Wände wackeln.

Bereite dich besser darauf vor!

Wissen’s eh…

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Unlängst wurde mir folgende Geschichte zugetragen:

Schauplatz: Eine Außenstelle der Wiener Arbeiterkammer. Ein gepeinigter Arbeitnehmer hat dort ein Beratungsgespräch und bekommt zum Abschied einen Folder in die Hand gedrückt. Der Kunde wird gebeten, beim Info-Point einen Folgetermin auszumachen.

Also zum Info-Point. Dort wird ihm der Folder aus der Hand genommen. Der Info-Point-Mitarbeiter nimmt routiniert einen Tipp-Ex Roller zur Hand und korrigiert handschriftlich die Telefonnummer auf der Folder-Rückseite.

“Sie sind wohl gerade erst umgezogen?”, fragt der Kunde. “Nein, wir sind eh schon drei Jahre da. Aber wir können die Telefonnummer in der Druckvorlage selber nicht korrigieren, und der Grafiker, naja, der hat bis jetzt auch noch nicht…” – “Drei Jahre?”, fragt der Kunde. – “Ja”, seufzt der AK-Mitarbeiter. “Wissen’s eh, wie das ist…”

Ja, wir wissen‘s alle. Denn jeder von uns hat so skurrile Folder-Telefonnummer-Probleme – auch wenn sie bei jedem von uns ein bisschen anders aussehen.

Preis ist ein Gefühl

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Spannender Gedanke von Rory Sutherland:

Für Ökonomen ist der Preis eine Zahl. Aber für Konsumenten ist der Preis ein Gefühl.

Das würde bedeuten: Gib deinen Kund:innen nicht gute Argumente, sondern ein gutes Gefühl, wenn es um deinen Preis geht.

Menschen sind interessant

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Kai Diekmann sagt: Wir interessieren uns nicht in erster Linie für Themen, sondern wir interessieren uns für Menschen.

Deswegen sind ja z.B. auch Menschen auf den Wahlplakaten und keine Parteiprogramme.

“Warum? Weil wir analoge Wesen sind, weil wir uns für den Anderen interessieren, wir dem Anderen vertrauen oder nicht vertrauen.”

Als Selbständiger hast du natürlich jedes Recht, diesen Umstand in deinem Marketing zu ignorieren.

Wirst eh sehen, was du davon hast.

Gaunerei

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Chris Williamson sagt: Gaunerei ist, wenn du was verkaufst (oder promotest), das du selber nie nützen würdest oder woran du selber nicht glaubst.

Hand auf’s Herz: Bist du ein Gauner?

Wenn die Angst sich meldet

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Ich kenne eine Gründerin, die mit ihrem Solo-Business bisher wirklich gut verdient hat. Sie ist eine Spezialistin in ihrem Bereich, gefragt und gesucht, und sie hat Kunden, die nicht jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

Erstmals in ihrer Selbständigkeit erwartet sie 2025 sinkende Umsätze. Und das macht ihr Angst.

Sie weiß zwar, ganz objektiv gesehen, dass sie ein ganzes Jahr ganz ohne neue Umsätze auskommen würde, so viel hat sie auf der hohen Kante. Aber das kann sie nicht beruhigen. Die Existenzängste melden sich trotzdem.

Ich habe das in meinen Gründungsberatungen schon so oft beobachtet: Egal, wie hoch dein Kontostand ist… Die Existenzangst geht nie weg. Geld beruhigt nicht.

Seth Godin sagt: Das Beste, was wir tun können, ist zu lernen, mit unserer Angst zu tanzen.

Der Simplicity Coach

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Em Stewart ist ein Simplicy Coach.

Ich denke mir: Simplicity Coaches machen eine enorm wichtige Arbeit. Wenn dir jemand dabei hilft, dein Leben zu vereinfachen, sodass alles wieder ein bisschen lockerer von der Hand geht… Gold wert!

Und viele Menschen haben ja auch eine große Sehnsucht danach, dass ihr Leben (wieder) ein bisschen einfacher und übersichtlicher wird. Kommt ja nicht von ungefähr, dass sich Bücher wie Magic Cleaning oder die Simplify-Reihe so gut verkauft haben (und immer noch verkaufen).

Gleichzeitig denke ich mir aber auch: Ja, diese Dienstleistung ist wichtig, aber sie ist nicht dringend – und damit ist sie gar nicht so leicht zu vermarkten. Du wirst niemanden finden, der sagt: Nein, Einfachheit ist nichts für mich. Ich habe es viel lieber, wenn es schwer ist! Wird niemand sagen. Und trotzdem ist der Weg zur Einfachheit nicht leicht. Weil man zuerst viele Dinge hinterfragen und auf den Kopf stellen muss, um sie anschließend zu vereinfachen.

Auch Vereinfachung ist ein Veränderungsprozess. Und niemand verändert sich gerne, selbst dann nicht, wenn am anderen Ende des Regenbogens ein einfacheres Leben wartet.

Belege sammeln

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Belege sammeln ist mühsam, aber es ist im Business unverzichtbar. Das eiserne Gesetz der Buchhaltung lautet: Keine Buchung ohne Beleg, kein Beleg ohne Buchung.

Belege sammeln ist aber auch sonst sehr nützlich. Es ist generell eine gute Idee, unsere strategischen Entscheidungen immer aufgrund von Belegen zu treffen.

Falsch abgebogen

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Unlängst bin ich mit in Sopron mit dem Auto in die Fußgängerzone geraten.

Das war mir extrem unangenehm. Zu wissen, dass ich hier falsch bin und dass meinetwegen jetzt die ganzen Fußgänger:innen ausweichen müssen… Total ungut.

Gleichzeitig gab es nur einen Weg raus – nämlich durch. Geradeaus fahren und bei der nächsten Möglichkeit die Fußgängerzone verlassen. Egal, wie das ausschaut. Egal, wie das auf andere wirkt.

Augen auf und durch!

Regierungsprogramm

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Ich habe mir das Regierungsprogramm der neuen Dreier-Koalition angeschaut. Ja, alle 211 Seiten.

Ich war nämlich neugierig, was darin geschrieben steht über Solopreneure (Ein-Personen-Unternehmen, EPU) und Gründer:innen. Welche Änderungen sind geplant? Gibt es Dinge, die sich verbessern könnten? Was wird sich verschlechtern?

Kurz gesagt: Viel steht nicht drin. Eigentlich fast gar nichts.

Was können Gründer:innen erwarten?

  • Die elektronische Gründung soll für möglichst viele Unternehmensformen ermöglicht werden. Insgesamt sollen (digitale) Gründungen rascher gehen und weniger bürokratisch werden. (S. 32, S. 35, S. 181)
  • Die Höhe der Geringfügigkeitsgrenze soll eingefroren werden. (S. 96)
  • Das Zugangsinstrument “individuelle Befähigung” soll gestärkt werden, und das Verfahren zur Feststellung soll beschleunigt werden. (S. 31)
  • Entrepreneurship Education an Schulen soll ausgebaut werden. (S. 189)
  • Österreich soll im Bereich “Female Entrepreneurship” ins Spitzenfeld aufsteigen. (S. 35)

Was können Ein-Personen-Unternehmen erwarten?

  • Die Basispauschalierung (inkl. Vorsteuerpauschale) soll erhöht werden: 2025 zunächst auf 320.000 Euro sowie 13,5 % und ab 2026 dann auf 420.000 Euro sowie 15 %.
  • Selbständige Frauen und Unternehmerinnen sollen gestärkt werden durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – vor allem im ländlichen Raum. (S. 134)
  • Die Leistungen des Künstler-Sozialversicherungsfonds sollen gesichert werden. (S. 203)
  • Investitionen in KI und Digitalisierung sollen gefördert werden. (S. 181)
  • Karenz und Kinderbetreuungsgeld für EPU sollen vereinfacht werden. (S. 104)
  • Die Gewerbeordnung soll bundesweit einheitlich(er) vollzogen werden. (S. 32)

Der eine oder andere Punkt mag zwar im Detail ganz nett sein, aber der große Wurf ist das alles nicht. Vor allem berührt das Regierungsprogramm keines der Anliegen, die ich für EPUs am dringendsten empfinde.

Wir Solopreneure sind die längste Zeit schon das Stiefkind der österreichischen (Wirtschafts-) Politik, und ich fürchte, daran wird sich auch in den nächsten fünf Jahren nichts ändern.

Mehr Bälle

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Du lebst in der Illusion, dass insgesamt mehr weitergeht, wenn du mehr Dinge anfängst.

Du bringst mehr Bälle ins Spiel, das Spiel wird dadurch bunter – aber in Wirklichkeit verteilst du dadurch deine Energie nur.

Mehr wird sie dadurch nicht. 

Würde und Wert

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Es ist wichtig, dass du in deinem Lifestyle Business unterscheidest zwischen Würde und Wert:

Deine Würde ist unantastbar und bedingungslos. Du bist würdig als Mensch an und für sich, und jeder einzelne deiner Mitmenschen sollte deine Würde anerkennen und achten.

Aber Wert ist etwas anderes. Wert wird dir verliehen, wenn du für andere Menschen nützlich bist. Und auf der Dimension des Wertes gibt es zwischen den Menschen Unterschiede.

Als Lifestyle Entrepreneur hast du keinen Anspruch auf Erfolg, auf Reichweite, auf Aufmerksamkeit, auf Kunden nur aufgrund deiner Würde. Im Business brauchst du Wert – und davon nicht zu wenig.

Genau wie die Konkurrenz

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Seth Godin fragt: What are you willing to do that your competitors aren‘t?

Wenn die Antwort darauf „nichts“ ist, dann wird es schwierig, Menschen davon zu überzeugen, warum ausgerechnet du der Richtige für sie bist.

Mach einen Unterschied, der einen Unterschied macht!

Wicked Problems

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Die einfachen Probleme sind bereits gelöst.

Was übrig bleibt, sind die wicked problems: Probleme, die viele Ursachen haben. Probleme, die keine eindeutigen Lösungen haben. Probleme, wo man gar nicht weiß, wo man ansetzen soll, weil alles miteinander verwoben ist – wie ein Haufen Mikado-Stäbchen.

Wicked problems brauchen Menschen, welche die Zeit und Mühe auf sich nehmen, ein Problem wirklich zu verstehen. Die es aushalten, verschiedene Perspektiven gleichzeitig einzunehmen. Und die die nötige Geduld haben, den Mikado-Haufen Stäbchen für Stäbchen abzutragen.

Mit einem Wort: Wicked problems sind eine Riesenchance für uns Solopreneure!

Selbstgefällige Unternehmen

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Unlängst habe ich bei einem Webinar Folgendes gehört: Achtzig Prozent der Unternehmen sind davon überzeugt, dass sie ein “überdurchschnittliches Kundenerlebnis” liefern.

Da passt natürlich was nicht zusammen. Es ist statistisch unmöglich, dass die Mehrheit der Unternehmen ein überdurchschnittliches Kundenerlebnis bieten. Maximal 49 Prozent der Unternehmen können über dem Durchschnitt liegen, aber sicher nicht achtzig. (Experten nennen diese Form der Selbstüberschätzung den Dunning-Kruger-Effekt.)

Aber das Problem hat noch eine zweite Facette: Nur acht Prozent der Kund:innen stimmen zu, dass sie tatsächlich ein überdurchschnittliches Kundenerlebnis erfahren haben!

Anders formuliert: Praktisch alle Unternehmen glauben, dass sie besser sind, als sie tatsächlich von ihren Kund:innen wahrgenommen werden.

Ich denke, für Solopreneur:innen ergibt sich daraus eine einfache Daumenregel: Geh davon aus, dass du für deine Kund:innen nichts Besonderes bist. Und wenn du was Besonderes sein willst, dann musst ganz schön hart dafür arbeiten – weil deine Mitbewerber:innen am Markt auch nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen sind.

Nur, wenn du diese demütige Haltung angenommen hast, kannst du ohne Selbstüberschätzung fleißig daran arbeiten, für deine Kund:innen einen echten Unterschied zu machen.

Der schmale Korridor

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Ein-Personen-Unternehmer kämpfen im schmalen Korridor zwischen “kein Auftrag” und dem “Erreichen der Maximalkapazität“. Der Grat zwischen Unterauslastung und Überlastung ist dünn.

Dieser schmale Korridor ist ein Spannungsfeld, das dem System “Ein-Personen-Unternehmen” innewohnt. Er ist part of the game. Er ist ein Resultat der systematisch beschränkten Möglichkeiten von Ein-Personen-Unternehmen, Ressourcen zu beschaffen und Betriebsmittel einzusetzen.

Er ist kein persönliches Versagen.

Über die Angst

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Im Buch “The Life of Pi” gibt es in Kapitel 56 eine sehr treffende Beschreibung der menschlichen Angst:

Angst ist der einzige echte Feind des Lebens. Nur Angst kann das Leben bezwingen. Angst ist ein kluger, raffinierter Gegner, das weiß ich aus Erfahrung. Sie kennt keine Moral, akzeptiert kein Gesetz und keine Konvention, sie ist unerbittlich. Sie sucht sich bei jedem den schwächsten Punkt und findet ihn ohne Mühe.

Als Gründungsberater weiß ich: Wo die Angst ist, da liegt auch das größte Potenzial, in einem Lifestyle Business wirklich was zu verändern.

Bevor wir uns um die Kunden kümmern

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Es ist ganz wichtig, dass wir uns intensiv mit unseren Kund:innen beschäftigen. Der Zielkunde steht im Zentrum jedes Geschäftsmodells. Ohne zu wissen, was unsere Kund:innen bewegt, was sie brauchen und was sie wollen, werden wir mit unserem Lifestyle Business nicht weit hüpfen.

Aber (und es ist ein großes Aber): Um unseren Kund:innen wirklich zuhören zu können, um wirklich sensibel zu sein für die Subtilitäten ihres Lebens, müssen wir zuerst mit uns selbst im Reinen sein.

Nur, wenn im Inneren genug Ruhe herrscht, können wir im Außen aufmerksam sein.

Durchhalten vs. dranbleiben

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Durchhalten = eine Situation aussitzen. Passiv. Warten, bis es vorüber ist in dem Wissen: Irgendwann wird es vorbei sein.

Dranbleiben = weitermachen. Aktiv sein. Einen Schritt vor den anderen setzen. Nicht zu wissen, wann man angekommen sein wird, aber trotzdem beharrlich weitergehen.