Ein spannender Lackmustest, den Philipp Maderthaner vorschlägt, um die Qualität einer Geschäftsidee zu testen: Würdest du für deine Business-Idee einen Investor bekommen? (Und zwar völlig egal, ob du tatsächlich einen suchst oder nicht.)
Wäre jemand bereit, der eine gewisse Distanz zur deiner Idee hat und mit der Brille des “hard business”, des ROI auf die Sache drauf schaut, Geld in diese Idee zu investieren?
Wenn jeder Investor sagen würde: “Na, da investiere ich lieber ned”, dann solltest du dir wirklich gut überlegen, ob du dein eigenes Geld investieren willst.
Wir sind mit unseren Kindern dort und etwas unschlüssig, ob wir den angebotenen Kinder-Schnupper-Malkurs wirklich wahrnehmen sollen.
Da kommt die Atelier-Besitzerin schwungvoll raus und fragt uns: “Habt ihr Lust, ein bisschen zu malen? Dann kommt rein!”
Von dieser Einladung bestärkt, folgen wir der Künstlerin, bekommen eine kurze Führung durch ihr Atelier und setzen uns schließlich zum Maltisch.
Dort entsteht ein sehr süßer Pinguin, den es nie gegeben hätte, wenn wir nicht so ausdrücklich und so freundlich eingeladen worden wären.
Ich lerne daraus: Auch, wenn du denkst, es ist offensichtlich, wozu du in deinem Business “einlädst” und dass du “geöffnet” hast – es lohnt sich total, diese Einladung immer wieder persönlich und laut und deutlich und freundlich auszusprechen.
Unlängst habe ich gesagt, dass dich niemand dafür bezahlt, dass du Spaß hast in deinem Business – sondern nur dafür, dass du hilfreiche und nützliche Dinge tust.
Wenn du jedoch anderen Menschen wirklich hilfst und bei der Arbeit auch noch Spaß hast – dann bist du der Lifestyle-Business-Kaiser.
Ein provokanter Gedanke von Sarah Tschernigow zur Frage „Wie erreiche ich die richtigen Leute auf Instagram?“:
Du musst mit deinen Wunschkunden kommunizieren. Das ist no-na. Das sagt und weiß jeder, der sich ein bisschen mit Marketing beschäftigt. Aber in der Praxis machen es die wenigsten. Weil die meisten von uns people pleaser sind.
Wer traut sich, wirklich zielgerichtet zu kommunizieren? Wer traut sich wirklich, mal Kante zu zeigen? Wer traut sich, sich innerhalb der Branche abzugrenzen? Wer traut sich, auch mal anzuecken?
Sie rät: „Frag dich bei jedem Post, den du machst: Ist das wirklich für diese Person, oder ist das jetzt wieder so ein Allerwelts-Content? Verwässert du deine Botschaft?“
Wenn du das konsequent schaffst, dann ziehst du auch die richtigen Menschen an.
Sarahs Fazit: “Je klarer ich bei mir bin, desto coolere Kunden habe ich.“
Frank Probst gibt zu bedenken, dass „bezahlte Online-Werbung wahrscheinlich der etwas einfachere Weg am Anfang wäre, erste Kunden zu generieren“.
Aber das haben viele Gründer:innen nicht auf dem Schirm. Das Mindset ist eher, sich monatelang damit zu beschäftigen, wie man z.B. auf Instagram mit Content organische Reichweite bekommt.
Und am Ende steht man da mit 100 Followern, die aber nichts kaufen.
Es ist unglaublich viel Investment notwendig, um sich ein bisschen Reichweite aufzubauen.
Dagegen scheint Online-Werbung für viele Gründer weit weg: Weil sie es für unglaublich teuer und kompliziert halten. Aber: Meta, Google, TikTok etc. haben Interesse daran, dass sie mit dir Umsatz machen. Sie werden es dir daher so leicht wie möglich machen, dass du bei ihnen Geld ausgibst. Sie werden die Hürden so niedrig wie möglich halten.
Also: Ja, bau deine Social Media Reichweite langfristig auf. Das ist wie ein Marathon.
Aber wahrscheinlich ist es eine gute Idee, die erste Reichweite einzukaufen, die man sich über Social Media nur schwer selbst erarbeiten kann.
Manchmal ärgern wir uns und sind frustriert, weil die Dinge beim Business-Aufbau so lange dauern.
Die Newsletter-Liste wächst langsam. Die Entwicklung eines neuen Produkts ist aufwendig. Die Anmeldungen für unsere Angebote tröpfeln nur langsam rein. Wir haben das Gefühl, jedem einzelnen Kunden nachlaufen zu müssen.
Wir wissen zwar, dass das so sein könnte, aber… Irgendwie hatten wir gehofft, dass es ausgerechnet bei uns schneller gehen könnte. Weil wir ja nicht so sind wie die anderen. Weil wir ja was Besonderes sind.
Aber wir sind überhaupt nichts Besonderes. Wir sind auch keine Wunderwuzzis. Wir haben nicht den magic touch, der uns die mühsame Aufbauarbeit ersparen würde.
Es mag zwar im Moment frustrierend sein, aber insgesamt tut es uns gut, daran immer wieder mal erinnert zu werden.
Ich habe schon öfter darüber geschrieben, dass es am Anfang der Selbständigkeit eine gute Idee sein kann, besonders genau auf die Kosten zu schauen. (Und damit meine ich weniger die Business-Kosten, sondern eher die privaten Lifestyle-Kosten.)
Wer auf seine Kosten schaut, der hat weniger Umsatz-Druck, und das ist besonders in der Startphase eines Lifestyle Business eine große Erleichterung.
Derek Sivers hat das unlängst in einem Blog-Post sehr gut auf den Punkt gebracht:
Making money depends on other people, so it’s harder. It’s not entirely under your control. It’s an outer game.
Reducing what you need is easier. It’s entirely under your control. It’s an inner game.
Am Anfang ist es sehr schlau, ein innen game zu spielen. Zum outer game wird dein Business eh von selbst – mit der Zeit, wenn du es Ernst meinst.
Es gibt Menschen, die machen aus allem einen Wettkampf.
Diese ständig kompetitive Art kann den Umgang mit ihnen mühsam machen. Aber am mühsamsten ist es, wenn sie ihre Kämpfe mithilfe Anderer austragen möchten.
Besonders schlimm wird’s, wenn die Kinder ins Spiel geworfen werden. Da wird jeder Elternabend im Hort und jedes Elternforum in der Volksschule zur Kampfarena. Der Papa oder die Mama muss durch das Kind, das gar nicht da ist und das hier instrumentalisiert wird, als “Sieger:in” hervorgehen.
So zu leben, stelle ich mir sehr anstrengend vor. Egal, ob in der Familie, in der Schule oder im Business.
Denn: Wenn dir die ganze Welt gegen dich gerichtet scheint, wofür lohnt es sich dann eigentlich noch zu kämpfen?
Im Buch Frei reden spricht Natalie Rogers davon, dass ein sicheres Auftreten auf der Bühne auch viel mit Selbstakzeptanz zu tun hat. Und mit dieser Selbstakzeptanz wird es nicht klappen, solange wir uns bei unseren öffentlichen Auftritten nicht folgende Rechte zugestehen:
Ich habe das Recht, mich selbst auszudrücken.
Ich habe das Recht auf meinen eigenen Standpunkt.
Ich habe das Recht, von anderen zu erwarten, dass sie mir zuhören.
Ich habe das Recht, andere zu informieren oder über etwas zu unterrichten.
Ich habe das Recht, etwas zu versuchen.
Ich habe das Recht, mich zu entwickeln.
Ich habe das Recht, dazuzulernen.
Ich habe das Recht, Fehler zu machen.
Ich habe das Recht, es zu versuchen und es falsch zu machen.
Ich habe das Recht, es erneut zu versuchen.
Ich habe das Recht, mich anfangs unwohl zu fühlen und Angst zu haben.
Ich habe das Recht, nicht “alles” zu wissen.
Ich habe das Recht, mich vor eine Gruppe von Leuten zu stellen.
Ich habe das Recht, ein Führer zu sein.
Ich habe das Recht auf meine Redezeit.
Andere haben das Recht auf ihren eigenen Standpunkt.
Andere haben das Recht, nicht mit mir einer Meinung zu sein.
Ich finde, das ist ein ausgesprochen brauchbarer Katalog. Nicht nur, wenn man Vorträge hält, sondern in jeder Situation, in der man lehren, überzeugen und/oder verkaufen möchte.
Einer der spannendsten Aspekte für mich in der Gründungsberatung ist es, gemeinsam mit meinen Gründer:innen ihren Platz am Markt zu finden.
Meine Erfahrung dabei ist, dass die einzigartige Positionierung am Markt eine Kombination der ganz individuellen Fähigkeiten, Wissen, Beziehungen, Erfahrungen, Netzwerke, Ressourcen… der jeweiligen Gründer:innen ist.
Wenn wir in diesen Prozess starten, dann ist alles, was wir für eine klare Positionierung brauchen, schon da. Wir müssen nichts hinzufügen, im Gegenteil:
Das Geheimnis ist, alles wegzulassen, was uns von der Einzigartigkeit der Gründerpersönlichkeit ablenkt. Es geht quasi darum, die Essenz eines Menschen freizulegen.
Aus der Einzigartigkeit eines Menschen ergibt sich dann quasi automatisch eine einzigartige Positionierung.
Bülent Ceylan hat unlängst in “Frühstück bei mir” davon erzählt, dass er zehn Jahre an seinem Durchbruch als Comedian gearbeitet hat.
Zehn Jahre!!! Nicht zehn Wochen, nicht zehn Monate… zehn JAHRE! Wer hätte dafür heute noch so lange die Geduld?
Zehn Jahre sind eine seeeehr lange Zeit. Sie können sich wie eine Ewigkeit anfühlen – besonders in den dunklen Momenten, wo man nicht weiß, ob der Durchbruch überhaupt irgendwann kommen wird und ob die ganze Mühe nicht vollkommen für die Fisch ist.
Aber diese lange Durststrecke hatte für Bülent Ceylan auch einen Vorteil: Als der Durchbruch dann endlich da war, hatte er einen riesigen Fundus an Material, aus dem er schöpfen konnte. Er hatte sich schließlich zehn Jahre auf seinen Erfolg vorbereitet.
Keine Anstrengung ist umsonst, solange du nicht das Vertrauen verlierst.
I don’t need your organization, I’ve shined your shoes
I’ve moved your mountains and marked your cards
But Eden is burning, either getting ready for elimination
Or else your hearts must have the courage for the changing of the guards
Bob Dylan: Changing Of The Guards (1978)
So wie Bob Dylan empfinden viele Gründer:innen, die vorher in einer Anstellung waren: Ich habe mich für euch abgestrudelt, aber ihr habt mir nie die Wertschätzung zukommen lassen, die ich verdient hätte. No more! Jetzt arbeite ich für mich, dann habe ich wenigstens etwas davon!
Viele Angestellte jedoch bleiben viele Jahre frustriert in ihren Jobs, obwohl sie schon lange wissen, dass er nicht mehr passt, dass er ihnen nicht gut tut, dass er ihnen Tag für Tag nur noch Frust bringt.
Sie bleiben trotzdem, weil ihnen eines fehlt: Die Erlaubnis zu gehen. Nämlich ihre eigene Erlaubnis.
Die eigene Erlaubnis, das ist die neue große Markteintrittsbarriere unserer Zeit. Nicht „Was ist dir möglich zu unternehmen?“, sondern „Was erlaubst du dir zu unternehmen?“.
Ernesto Sirolli ist ein großes Vorbild von mir. In seinem zweiten Buch beschäftigt er sich mit der Selbständigkeit, dem Gründen und dem Unternehmertum. Sehr einflussreich für mich.
Wenn du wieder mal da sitzt und jammerst, wie viel Zeit und Energie du in dein Lifestyle Business investierst, dann frag dich mal ehrlich:
Wie viel deiner Zeit und deine Energie werden wirklich in Ergebnissen sichtbar? Was davon kommt wirklich bei deinen Wunschkund:innen an? Was davon wird auf deiner Website, auf Instagram oder in deinem Podcast “sichtbar”?
Es ist völlig egal, ob du dir bei deiner Arbeit leicht tust oder schwer, ob du gut drauf bist oder nicht. Was im Business zählt, sind die Ergebnisse. Du kannst den ganzen Tag g’schaftig sein – wenn du nichts Zählbares rausbringst, hast du nichts erreicht.
Es genügt nicht, guten Willens zu sein. Erfolg hast du nur, wenn du kontinuierlich Ergebnisse lieferst.
“An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen”, heißt es dazu in der Bibel.
Die SVS bietet echt coole Gesundheitswochen an. Für einen ganz kleinen Kostenbeitrag kann man sich 10 bis 14 Tage intensiv an seiner Gesundheit widmen.
Und genau hier liegt das Problem: Die Gesundheitscamps sind nicht teuer, aber viele Selbständige können es sich leisten, sich so lange aus seinem Business rauszunehmen. Oder glauben das zumindest.
Es ist ein Jammer, welchen geringen Stellenwert viele Selbständige ihrer Gesundheit einräumen.
Gerade wir Lifestyle Entrepreneure stehen in der Verantwortung, es besser machen.
Wir Lifestyle Entrepreneure haben die Tendenz, gleich die ultimative Lösung liefern zu wollen. Dabei kommen Prozesse heraus, die sehr lange dauern und sehr teuer sind.
Wir bräuchten aber tatsächlich Lösungen, die am Anfang nicht viel Geld kosten und sich relativ schnell umsetzen lassen.
Unlängst wieder hat mich eine Gründerin in einem Erstgespräch gefragt, welcher Marketing-Kanal der beste für sie wäre.
Meine Antwort auf diese Frage ist immer die gleiche: Alles funktioniert! Jeder Marketing-Kanal wird einen Effekt haben. Du kannst dich nicht falsch entscheiden. Du musst nur einen auswählen (der gut zu dir passt und der dir im besten Fall auch ein bisserl Spaß macht) – und dann dran bleiben.
Ich glaube, meine Gründer:innen denken sich dann manchmal: Das ist zu schön, um wahr zu sein.Das kann ich nicht recht glauben.
Aber lass es mich anhand einer Grafik erklären, die ich bei Lauftrainer Wilhelm Lilge kennengelernt habe:
Die Grafik zeigt Folgendes: Wenn man ein Anfänger beim Lauftraining ist, dann ist der Bereich, der “trainingswirksam” ist, sehr breit. Mit anderen Worten: Egal, auf welche Art du dich am Anfang bewegst, es wird ein Fortschritt sein. Weil praktisch jede Form von Bewegung besser ist als keine Bewegung.
Erst, wenn du mit deinem Lauftraining weiter fortgeschritten bist, wenn sich dein Körper an die Bewegung gewöhnt hat, wird es notwendig, dass du die Trainingsreize gezielter setzt. Dann wird es notwendig, dass du ganz strategisch und mit Plan vorgehst, damit du dich nicht unter- und nicht überforderst.
Und genauso ist es auch beim Marketing: Am Anfang ist jedes Marketing besser als kein Marketing. Du kannst bei deinem Marketing gar nicht so viel falsch machen, dass es nicht irgendeinen Effekt hätte.
Erst später, mit mehr Erfahrung und mehr Wissen über dich, dein Business und deine Kund:innen, macht es Sinn, Schritt für Schritt planvoller und strategischer zu werden.
Aber am Anfang gilt beim Laufen und beim Marketing gleichermaßen: Fang einfach mal irgendwo an – und hör nicht gleich beim ersten Gegenwind wieder auf!
Manchmal unternehmen wir in unserem Lifestyle Business etwas, das nicht profitabel ist. Und egal, wie wir versuchen, das Projekt zu optimieren… es rechnet sich einfach nicht.
Das kann daran liegen, dass die Kosten höher sind als gedacht. Oder es kann daran liegen, dass die Kunden weniger zahlungsbereit sind als gedacht. Oft ist es beides zugleich.
Manchmal ist es dann eine gute Idee, den Druck rauszunehmen und von diesem Projekt nicht länger zu verlangen, dass es profitabel wird.
Das Gesamtmodell in deinem Lifestyle Business muss profitabel sein, aber nicht jedes einzelne Projekt.