Tag#LifestyleBusiness

Angebot gestohlen

A

Angenommen, du kommst drauf, dass ein Mitbewerber von dir plötzlich etwas ganz Ähnliches anbietet wie du.

Wahrscheinlich wirst du dich ärgern. Du sagst dir zwar: Eigentlich ist es ja ein Kompliment, dass meine Angebote anscheinen so gut sind, dass sie es wert sind, kopiert zu werden. Aber wahrscheinlich überwiegt die Sorge, dass dir der Mitbewerber jetzt Kund*innen und Umsatz abgraben wird.

Also willst du dich abgrenzen. Du willst dich (noch) deutlicher unterscheiden.

Der erste Impuls ist oft: Das Angebot erweitern. Das Angebot verändern. Die Unterschiede im Angebot noch deutlicher herauszuarbeiten.

Das kann schon sinnvoll sein, aber wahrscheinlich ist es Zeitverschwendung.

Denn die wirkliche Unterscheidung zu deinen Mitbewerbern passiert nicht auf der Ebene der Angebote. Angebote sind austauschbar. Der wahre Unterschied entsteht aus der Ebene der Beziehungen, die du zu deinen bestehenden und zukünftigen Kund*innen aufgebaut hast.

Dein Angebot kann dir jemand klauen, aber nicht das wahre Vermögen deines Unternehmen: die persönlichen Beziehungen, die Aufmerksamkeit und das Vertrauen.

Also investiere deine Zeit lieber darin.

Kurz vor dem Aufgeben

K

Ich versuche seit Monaten, einen Termin für einen Gesundheits-Check Junior für meinen Sohn auszumachen. Das ist ein Angebot der SVS, das die SVS auch heftig promotet, das aber, wie ich feststellen musste, nicht leicht zu bekommen ist.

Wie in einem Roman von Kafka werde ich von Pontius nach Pilatus geschickt. Keiner meint es böse, aber jeder kennt nur seinen kleinen Teilbereich und fühlt sich deswegen entweder nicht zuständig oder nicht legitimiert.

Ich habe mir schön öfter gedacht: Günter, lass es einfach bleiben. Es soll nicht sein. Du verschwendest damit nur deine Zeit.

Und tatsächlich ist es keine leichte Entscheidung: Soll ich dran bleiben, weil man nur dann zu was kommt, wenn man nicht aufgibt und hartnäckig bleibt? Oder wären meine Zeit und Energie sinnvoller in andere Projekte investiert?

So gesehen ist es mit dem Gesundheits-Check Junior auch nicht anders als bei jedes Lifestyle Business: Es kommt immer mal der Moment, wo sich die Sinnfrage stellt.

Von anderen abschauen

V

Von Josh Kaufman kenne ich das Konzept The hidden benefit of competition.

Es geht dabei darum, dass man seine Mitbewerber am Markt als einzigartige Lernressource sehen soll. Wer sich seine Mitbewerber aufmerksam anschaut, kann sich von ihnen abschauen, was gut funktioniert und was nicht. Wer seine Mitbewerber genau beobachtet, kann feststellen, welche Fehler sie gemacht haben und kann es sich ersparen, diese Fehler ebenfalls zu machen.

Oder, wie unlängst in meinem Fall: Die Websites der Mitbewerber können eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration sein. Der Aufbau. Das Design. Die Inhalte. Die Calls to Action. Im Prinzip brauche ich für meine eigene Website nur ein “Best Of” der Websites erstellen, die mir selber auch gefallen.

Dabei geht es nicht darum, anderen die Ideen zu klauen. Es geht darum, sich von der guten Arbeit anderer inspirieren zu lassen und dann sein eigenes einzigartiges Ding daraus zu machen.

So, wie es alle Künstler seit jeher machen.

Der Held der Geschichte

D

Eine fantastische Frage, die man sich selbst stellen kann, wenn man gerade nicht weiter weiß:

If you were a character in a book,
what would your readers be yelling at you to do?

Eliezer Yudkowsky

Marketing, ganz einfach

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Unlängst habe ich im Admira-Stadion ein schönes Beispiel für effektives Marketing beobachtet:

Ein kleiner lokaler Bierbrauer hat beim Eingang Flyer für seine Biere ausgeteilt.

  • Er hat überlegt, wo seine Zielgruppe zusammenkommt.
  • Er hat ein effektives und gleichzeitig preiswertes Werbemittel gewählt.
  • Er hat sich selbst hingestellt (d.h. er hat die wichtige unternehmerische Aufgabe des Marketing nicht delegiert) und ist mit potenziellen Kund*innen in eine (kurze) Interaktion gegangen.
  • Dabei hat er freundlich gelächelt.

Alles richtig gemacht. Marketing kann ja so einfach sein.

Zögerliche Werbung

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Wir Solopreneure sind oft sehr zögerlich und vorsichtig, wenn es darum geht, anderen von unseren Angeboten zu erzählen.

Wir warten recht lange zu. Wir haben Angst davor, jemanden mit unserer Werbung vor den Kopf zu stoßen. Wir wollen keinen Fehler machen, der uns dann auf den Kopf fallen könnte. Und natürlich haben wir Angst vor der Ablehnung und der Stille, wenn auf unsere Botschaft nichts zurückkommt.

Besser wäre natürlich, den Kopf ein bisschen auszuschalten und einfach zu machen. Was soll schon Schlimmes passieren in Wirklichkeit?

In 99 % der Fälle: Gar nichts. Und für das eine Prozent wird uns sicher eine gute Lösung einfallen, wenn’s dann jemals soweit ist.

Gute vs. passende Musik

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Wenn man zu zehnt auf einem Segelboot unterwegs ist und man an die Reihe kommt, die Musik auszusuchen, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Man wählt seine Lieblingsmusik. Die Musik, die man für die beste hält.
  2. Man wählt die passende Musik. Die Musik, die am besten zur Stimmung von Urlaub und Meer und Sonne und Segeln passt.

Man weiß intuitiv, welche Musik im Urlaub auf einem Segelboot passend ist (und was nicht), wenn man halbwegs empathisch ist.

Und die Chancen stehen gut, dass das eben nicht die eigene Lieblingsmusik ist.

In diesem Spannungsfeld bewegen wir Lifestyle Entrepreneure uns ebenfalls jeden Tag. Für wen machen wir das Ganze eigentlich – für uns, oder für unsere Kunden?

Die Kunst ist, den sweet spot in der Mitte dieses Spannungsfeldes zu finden: Die passende Musik, die uns selbst auch gefällt.

[Danke Martin Schmidt für diesen Gedanken.]

Hart arbeiten verlernen

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Viele Lifestyle Entrepreneure arbeiten sehr hart an ihrer Geschäftsidee. Sie sind tüchtig und tun und machen – und haben trotzdem keinen (finanziellen) Erfolg.

Manche von ihnen werden dadurch verbittert. Weil sie meinen, dass sie für ihre Anstrengung auch belohnt werden sollten. Sie sind ja so fleißig, warum bleibt der Erfolg aus? Das ist doch ungerecht!

In der Schule haben wir gelernt: Wenn wir uns nur genug anstrengen, bekommen wir gute Noten. In der Schullogik führt Anstrengung direkt zu Erfolg. Mehr Anstrengung = mehr Lob.

Nur stimmt diese Logik in der Selbständigkeit halt nicht mehr. Belohnt wird im Unternehmertum, wer für andere Menschen Probleme löst. Ob er sich dabei anstrengt oder das aus dem Ärmel schüttelt, ist vollkommen egal. Was zählt, ist einzig, wie groß das Problem ist und wie kompetent die Lösung.

Schade, dass wir das in der Schule nicht lernen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als die Erfolgsstrategien unserer Schuljahre wieder zu verlernen und gegen nützlichere Strategien auszutauschen.

[Daily-Blogging-Kollege Gabe The Bass Player hat unlängst einen ähnlichen Gedanken gebloggt.]

Große und kleine Fortschritte

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An manchen Tagen sind die Fortschritte in deinem Lifestyle Business beachtlich. Du bist euphorisch, weil dir der große Wurf gelungen ist. Endlich den Durchbruch erzielt. Endlich das Ziel erreicht. An solchen Tagen bist du meilenweit vorwärts gekommen, und das fühlt sich soooo gut an.

An anderen Tagen sind die Fortschritte klein, fast mikroskopisch. Jeden einzelnen Meter hast du dir und deinem Business abgerungen, im Schweiße deines Angesichts. Von Euphorie keine Spur. Eher macht sich Enttäuschung und Ermüdung breit. Muss es wirklich so anstrengend sein?

Ja, das muss es. Denn ohne die vielen kleinen Fortschritte kann es auch keine großen Durchbrüche geben. Eines bedingt das andere. Mit jedem kleinen Fortschritt erhöhst du die Wahrscheinlichkeit für den nächsten großen Durchbruch.

Was wären die großen Erfolge ohne die kleinen?

Der Wert liegt im Aufhören

D

Manchmal entsteht für deine Kunden der größte Wert dann, wenn du aufhörst, etwas zu tun.

Wie im Fall einer Bekannten. Sie hat gekündigt und sich in der gleichen Branche selbständig gemacht. Ihre (ehemaligen) Kunden waren heilfroh zu hören, dass sie nun direkt mit ihr zusammenarbeiten können und nicht mehr mit ihrem ehemaligen Chef, der recht ein Ungustl war.

Es lohnt sich also immer zu schauen, welchen Ballast wir abwerfen können und von welchen Hemmschuhen wir uns trennen können, damit wir noch nützlicher sind für unsere Kund*innen.

Antike Unternehmensberatung

A

Das Buch Kohélet ist ca. 2500 Jahre alt. Und doch gibt es eine Stelle darin, die viel besser als viele moderne Ratgeber zusammenfasst, worum’s in einem Lifestyle Business (oder im Leben überhaupt) geht:

Am Morgen beginne zu säen, auch gegen Abend lass deine Hand noch nicht ruhen; denn du kannst nicht im Voraus erkennen, was Erfolg haben wird, das eine oder das andere, oder ob sogar beide zugleich zu guten Ergebnissen führen.

Koh 11,6

Unerfüllbarer Traum

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Der Wunschtraum der allermeisten Gründer*innen:

Maximale Freiheit bei maximaler Sicherheit.

Das geht natürlich nicht. Für niemanden.

Aber den Traum lässt sich niemand gerne nehmen.

Mein Sohn sieht klar

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Mein Sohn fragte mich unlängst, ob ich beim nächsten Mal beim Eis-Greissler in Krumbach mit ihm mit dem Milchshaker fahre.

Ich sage: Das muss ich mir vor Ort anschauen. Und dann überlege ich es mir, ob ich damit fahre.

Er sagt: Nein, Papa! Zuerst fahren, dann überlegen!

Teure Fehler

T

Es kommt öfter vor, dass wir eine Situation falsch einschätzen.

Eine Variante davon (und die ist gar nicht so selten): Wir überschätzen unsere Fähigkeiten. Wir glauben, dass wir kompetenter sind, als wir glauben. Wir glauben, dass das ja nicht so schwer sein kann und wir das sicher auch selbst hinbekommen. Wir glauben, dass wir den Experten nicht brauchen. Ist ja nur unnötig teuer.

Voll Energie stürzen wir uns dann ins Projekt. Und dann passiert es, dass wir irgendwann (eher spät, oft einen Tick zu spät) drauf kommen: Moment mal, so leicht ist das ja doch nicht. Das ist viel anstrengender, als es aussieht.

Und dann holen wir uns doch noch den Profi. Weil wir das Projekt in den Graben gefahren haben. Und der Profi hat jetzt mehr Arbeit mit unserer “Vorarbeit”, als wenn er es gleich selbst gemacht hätte. Und für uns wird die geplante Kostenersparnis zu einem teuren Fehler.

“Learnings sind super, aber die Kostenseite nervt”, meinte unlängst ein Kollege von mir dazu.

Eine super Zusammenfassung. Wenn wir halt auch wirklich was lernen würden aus unseren teuren Fehlern…

Reife

R

Unlängst habe ich mit einer Gründerin über die Reife gesprochen, die man nach ein paar Jahren in der Selbständigkeit bekommt.

Es ist eine unternehmerische Reife, weil man lernt, wie man mit den Herausforderungen umgeht. Mit unterschiedlichen Auslastungsgraden. Mit unregelmäßigem Cash-Flow. Mit anstrengenden Kunden. Mit ersten Mitarbeiterinnen, die nicht das bringen, was man erhofft hatte.

Mit dieser unternehmerischen Reife geht im besten Fall auch eine persönliche emotionale Reifung einher.

Wer als Unternehmer*in wächst, wächst auch als Mensch.

Sauhaufen

S

“Es ist halt ein Sauhaufen”, meine unlängst ein Gründer zu mir auf die Frage, wie’s ihm denn so geht mit der Vorbereitung seines Launches.

Ich denke, auf viel mehr können wir in einem Lifestyle Business auch nicht hoffen. Die totale Ordnung, die vollkommene Klarheit, alles wohlig aufgeräumt und an seinem Platz… das wird nie eintreten.

Wir haben jeden Tag viel zu viele Ideen. Wir haben viel zu viele Gedanken, die wir nicht zu Ende denken und im besten Fall irgendwann wieder aufnehmen. Oder auch nicht. Ein Schritt vor und zwei zurück.

Und doch kommen wir voran. Nicht so schnell und nicht so geradlinig, wie wir gerne hätten. Aber auf unsere ganz eigene Art machen wir Fortschritt.

Darauf können wir uns verlassen, und darin dürfen wir Mut und Zuversicht finden.

Noch ein Kind

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Scott Galloway sagt, ein eigenes Business ist wie (noch) ein Kind zu haben:

It disappoints you, it delights you.

Gegen die Wurstigkeit!

G

Es macht schon einen Riesenunterschied, wenn dir als Unternehmer*in deine Kund*innen nicht wurst sind.

Wenn du dich ein bisschen für sie interessierst, wenn du ihnen mit echtem Interesse begegnest, wenn du ein bisschen freundlich zu ihnen bist… dann bist du eh schon der Kaiser!

Das scheinbar Selbstverständliche ist alles andere als selbstverständlich.

Schade, aber auch eine Riesenchance für Unternehmer*innen mit einem guten Herz.

Nicht schnell genug

N

Den allermeisten Gründer*innen geht es viel zu langsam – mit dem geschäftlichen Erfolg, mit dem Umsatzwachstum, mit den Followern und so weiter.

Aber: Geschäftserfolg ist keine Bestellung bei Lieferando. Das dürfen wir nicht vergessen.

Verschiedene Müllsammlungen

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Wenn ich den Müll aus unserer Wohnung raus bringe, dann sammle ich die Säcke und Kübel im Vorraum. In unserer Wohnung.

Wenn unsere Nachbarn den Müll aus ihrer Wohnung rausbringen, dann sammeln sie die Säcke im Stiegenhaus. Außerhalb ihrer Wohnung.

Ich stelle den Müll herinnen zusammen, weil ich mir denke, dass mein Müll meine Nachbarn nichts angeht.

Meine Nachbarn stellen ihren Müll draußen zusammen, weil sie sich denken (glaube ich): Hauptsache, der Müll ist mal draußen aus unserer Wohnung.

Im Prinzip ist es ja egal, ob man es so macht oder so. Gibt ja kein Richtig oder Falsch.

Aber man sieht: Selbst solche scheinbar banalen Dinge des täglichen Lebens sind Werte-getrieben.

Unsere Werte schlagen überall durch.