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Mehr Substanz für mehr Vertrauen

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Die “Vertrauensrezession” – also die Tatsache, dass Menschen skeptischer kaufen und länger überlegen – führt gerade zu interessanten Phänomenen am Coaching- und Beratungsmarkt.

Viele Menschen haben in den letzten Jahren schlechte Erfahrungen gemacht mit Online-Kursen und -Programmen. Das führt dazu, dass diese Menschen vorsichtiger geworden sind. Sie kaufen nicht mehr irgendwas, sondern nur noch das, was wirklich funktioniert.

Das bedeutet: Ein durchdachtes Angebot schlägt zehn halbgare Schnellschüsse. “Weniger, aber besser” könnte der Weg sein, um auf dem Markt langfristig bestehen zu können. Also auf Qualität zu setzen, nicht auf Volumen.

Das ist aber keine leichte Aufgabe – gerade für jene halbgaren “Kolleg:innen” da draußen, die noch versuchen, mit Lautstärke zu kompensieren, was ihnen an Substanz fehlt.

Wir oder ich?

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Unlängst habe ich mit einem Gründer darüber diskutiert, woran Partnerschaften in die Brüche gehen, sowohl die beruflichen als auch die privaten.

Er meinte, dass es häufig daran liegt, dass eine:r plötzlich entscheidet, dass das Ich wichtiger ist als das Wir.

Ich sage: Das stimmt schon, aber die Voraussetzung dafür, dass das Wir wichtiger ist als das Ich, ist, dass wir ein gemeinsames Verständnis davon haben, was dieses Wir genau ist. Und dass es sich lohnt, für dieses Wir zu kämpfen.

Sonst bin ich als Ich nämlich wirklich besser dran. 

Mach mal schnell!

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“Dann stellen sie sich das immer so leicht vor”, sagt mein Freund Martin über seine Kund:innen. Die glauben, er könne auf Zuruf mal schnell was erledigen. Dauert ja nicht lang.

In Wirklichkeit bedeuten solche Zurufe für ihn viel Aufwand, durcheinander gebrachte Tagesplanung und (zumindest kurzfristigen) kognitiven Stress.

Die Kund:innen sehen nur ihre kleine Anfrage, nicht deine zehn anderen Baustellen. Sie wissen nicht, dass du gerade mitten in etwas anderem steckst. Dass Umschalten kostet.

Dass “schnell mal” gar nicht existiert.

Die Latte liegt am Boden

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Wenn man sich aktuell im Bildungs- und Beratungsmarkt umschaut, dann hört man immer wieder, wie gesättigt der Markt ist, wie viele bereits das Gleiche machen, wie schwierig es geworden ist, überhaupt noch aufzufallen. Der Markt sei brutal kompetitiv. Man müsse sich differenzieren, eine Nische finden, die Personal Brand aufbauen.

Das mag alles so sein. Aber: Wogegen genau willst du dich differenzieren?

Gegen die Freelancer, die nicht zurückschreiben? Gegen die Unternehmen, bei denen man drei Mal nachfragen muss, bevor überhaupt ein Angebot kommt? Gegen die Dienstleister:innen, die mitten im Projekt lieber ein neues Projekt anfangen, sobald es ein bisschen mühsam wird?

Ja, der Markt ist umkämpft. Aber die meisten Solopreneure schlagen sich selbst.

Der Raum dazwischen

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Zwischen dem Solopreneur, der du jetzt bist, und dem, der du werden willst, liegt kein gerader Plan, sondern ein “liminaler Raum” – ein Zwischenbereich, in dem du spielen kannst.

Spielen bedeutet hier nicht Spaß haben. Es bedeutet, die Welt so zu modellieren, wie sie dir und deinem Solo-Business entgegen kommt. Pretend play – ernsthaftes Vorspielen einer Zukunft, die noch nicht ganz da ist.

Wer diesen Spiel-Raum überspringt und direkt zum Ziel will, vergisst auf das Wichtigste. Das Spielen im liminalen Raum ist keine Zeitverschwendung, sondern der Ort, an dem echte Transformation passiert.

Was spielst du gerade?

[Danke John Vervaeke für diesen Gedanken]

Ein ganz normales Leben

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Alain de Botton sagt: Der Wunsch, bekannt und berühmt zu sein, ist eigentlich kein gutes Zeichen. 

Es ist für ihn ein Zeichen, dass man keine besonders gute Kindheit hatte. Eine glückliche Kindheit würde seiner Meinung nach nämlich dazu führen, dass man als Erwachsene:r nichts Besonderes mehr sein will, weil man die voll auf sich konzentrierte Aufmerksamkeit in seiner Kindheit (als Baby, als Kleinkind) „abgefrühstückt“ hat. 

Nichts Besonderes sein zu wollen, mit einem „ganz normalen Leben“ zufrieden zu sein — das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Und es ist definitiv nicht en vogue in unserer Aufmerksamkeitsökonomie.

Aber möglicherweise ist es genau das, was wir uns in der Tiefe unseres Herzens eigentlich wünschen.

Hohe Erwartungen

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Du stellst ein Angebot auf die Website und wartest auf die Anmeldungen. Du sagst ein paar Leuten Bescheid und hoffst auf Weiterempfehlungen. Du suchst nach jemandem mit 20.000 Followern, der den Link zu deinem Angebot an seine Liste schicken soll – und erwartest dir davon ein Dutzend Kunden.

Aber so funktioniert es nicht.

Bei uns Solopreneuren ist die Erwartungshaltung oft viel zu hoch. Wir überschätzen systematisch, was einzelne Maßnahmen bringen.

Die Realität ist nüchterner: Je mehr du investierst, desto mehr bekommst du. Aber nicht sofort, sondern mit der Zeit. Es gibt keine Abkürzungen. Nur aktiven, kontinuierlichen Einsatz. Geduldiges Aufbauen. Wieder und wieder präsent sein.

Das ist für viele Solo-Selbständige ernüchternd. Es kann aber auch befreiend sein. Denn wenn du die Erwartungen runterschraubst, kannst du endlich anfangen, kontinuierlich und strukturiert zu arbeiten – statt auf den großen Durchbruch zu warten.

12 Jahre selbständig

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Dieser Tage ist mein Gewerbeschein 12 Jahre alt geworden. And what a ride it’s been!

Mein Solo-Business schaut inzwischen vollkommen anders aus als das, womit ich vor zwölf Jahren losgestartet bin. Ich würde sogar sagen: Es ist kaum wiederzuerkennen.

Und trotzdem: Mit jeder Veränderung ist meine Selbständigkeit ein bisschen leiwander geworden, weil es immer ein Stück besser mir entsprochen hat. Allerdings nicht immer sofort und nicht immer schmerzfrei, muss ich auch dazu sagen.

Zwölf Jahre Selbständigkeit bedeuten auch zwölf spannende Jahre auf dem Weg zu mir selbst – zu dem, was ich besonders gut kann und zu den Menschen, denen ich damit helfen kann.

Und ich bin noch längst nicht angekommen. Das Abenteuer geht weiter. Auf das nächste Dutzend Business-Jahre!

Das nahende Ende

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Mein Freund Martin hat mir unlängst eine spannende Frage gestellt: Was würdest du morgen machen, wenn du erfährst, dass du nur noch ein Jahr zu leben hast?

Zusatzfrage von mir: Würdest du dein Solo-Business weiterführen, oder würdest du deine Arbeit sofort einstellen?

Neue Rollen für Experten

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KI zwingt alle Solo-Selbständigen mit einem “Experten-Business” dazu, ihre bisherige Rolle (und in weiterer Folge ihr Angebot) zu hinterfragen.

In welche Richtung es gehen könnte, leuchten Ehrenfried und Brigitte Conta Gromberg in einem lesenswerten Artikel aus.

Ein Gedanke daraus: Fixiere dich nicht darauf, „ein Berater“ oder „ein Coach“ zu sein, sondern arbeite innerlich mit einer flexibleren Rolle: Ich bin Expertin / Experte für den offenen Bedarf meiner Kunden.

Unseren Kund:innen war es bisher schon ziemlich wurscht, als was wir uns bezeichnen, solange wir ihnen helfen können. Und mit KI lösen sich die antiquierten Kategorisierungen und Zuständigkeiten endgültig auf.

Denke über die Grenzen deines Gewerbescheins hinaus. Die KI tut es auch.

Die Macht des Benennens

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Seth Godin sagt: When you name an idea, you earn power over how you will engage with it. 

Wer seiner Idee einen Namen gibt, definiert den Diskurs darüber. Seth Godin hat mit “Permission Marketing” nicht einfach einen Begriff beschrieben. Er hat sich damit die Deutungshoheit über eine ganze Denkrichtung gesichert. Und jede:r, der oder die über diese Art des Marketings spricht, kommt an seinem Begriff nicht vorbei.

Unbenannte Ideen verschwimmen. Sie werden von anderen definiert, umgedeutet, mitunter sogar vereinnahmt. Benannte Ideen hingegen bleiben bei dir. Sie sind greifbar, zitierfähig, verteidigungsfähig. Du bestimmst, was sie bedeuten und was nicht. Du kontrollierst die Konversation darüber.

Viele Solopreneure denken, ihre Arbeit würde für sich sprechen. Aber: Wer seine Ideen nicht benennt, überlässt anderen die Definitionsmacht.

Das ist keine Bescheidenheit, das ist eine verpasste Chance.

Oona Horx-Strathern: Kindness Economy (2023) 📙

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Ein sehr spannendes Thema, aber das Buch kann dem Potenzial leider nicht gerecht werden. Oona Horx-Strathern ist keine Ökonomin, und wahrscheinlich deswegen bekam das Buch für mich nie richtig Tiefgang. Ein bisschen mehr Struktur hätte auch nicht geschadet. Kurz: Kann man lesen, muss man aber nicht. 

(mehr …)

Die Lehrer der Lehrer

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Es ist nicht wurscht, von wem man sich was sagen lässt.

Sag mir, wer deine Lehrer sind, und ich sage dir, in welche Richtung du dich entwickeln wirst. 

Drum prüfe auch bei den Lehrer:innen und Berater:innen, auf die du hörst, wer deren Lehrer:innen eigentlich sind.

Findest du die Vorbilder deiner Lehrer:innen auch leiwand? Dann bist du richtig. Wenn nicht, dann…

Denk-Arbeit

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„Denken fühlt sich an wie Nichtstun”, sagt Gabriele Fischer in einem spannenden Gespräch mit Wolf Lotter.

Und weiter: „Ich glaube, wir sind es einfach nicht gewohnt, dass Denken als vollwertige Arbeit anerkannt wird. Wenn du zu Hause auf dem Sofa sitzt und an die Decke starrst, sieht das für deine Familie, für deinen Partner und vor allem für dich selbst nicht nach Arbeit aus.“

Und so meldet sich „das schlechte Gewissen des Freiberuflers“ (Wolf Lotter): Man könnte nachdenken (oder einfach nichts tun), aber man „traut“ sich nicht.

Wie gut ich das kenne…

Umkehren

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Unlängst habe ich in brand eins ein Interview mit einem Experten für Rettungsaktionen gelesen.

Robert Koester kennt sich aus mit Leuten, die sich verlaufen. Seine wichtigste Erkenntnis: Die meisten hassen das Umkehren. Aber es ist die beste Methode – einfach so lange denselben Weg zurückgehen, bis man an eine Stelle kommt, an der man sich wieder zurechtfindet. Selbst wenn das der Startpunkt sein sollte. Das ist besser, als in der Wildnis verloren zu gehen.

Das gilt auch fürs Business. Du bist drei Jahre unterwegs, hast X ausprobiert, dann Y, dann eine Kombination aus beidem. Irgendwann merkst du: Ich weiß nicht mehr, wo ich bin. Die Zahlen passen nicht, die Kund:innen verstehen nicht, was du machst, du selbst verstehst es auch nicht mehr so genau. Aber zurück? Zurück auf null, nach drei Jahren?

Die Vorstellung ist unerträglich. Also gehst du weiter. Noch ein Angebot, noch eine Nische, noch ein Versuchsballon. Tiefer hinein in die Wildnis.

Aber: Umkehren ist keine Niederlage. Umkehren ist der sicherste Weg zur Neu-Orientierung.

Lieber zurück zum Start als verloren in der Wildnis – auch nach drei Jahren.

Feuer am Dach

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Alles, was du vernachlässigst, wird irgendwann dringend. Die Buchhaltung, die Beziehung, der Zahnarztbesuch – das Muster ist immer dasselbe.

Was auf deiner Liste steht noch im Status “kann warten”?

Am Meer

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Unlängst, im Museo de Málaga, ist mir folgender Gedanke gekommen:

Menschen, die am Meer leben, malen das Meer. Weil sie das Meer beschäftigt. 

Was sonst sollten sie malen?

Ein Käfig ohne Gitter

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Maggie Patterson beschreibt ein Phänomen, das vermutlich die meisten Solopreneure kennen: Wir bauen uns unser Business, weil wir Zeit und Freiheit wollen. Für Familie, Hobbys, Freunde – oder einfach nur Ruhe.

Und wenn wir dann die Gelegenheit hätten, diese Freiheit zu genießen? We freeze.

Da ist plötzlich der freie Nachmittag. Die Woche ohne Kundentermine. Und was machen wir? Wir öffnen den Laptop, werkeln an der Website herum oder brainstormen unser nächstes Produkt. Irgendwas “Produktives” halt.

Wir kämpfen also für eine Freiheit, die wir dann nicht leben können. Weil wir uns selbst ein schlechtes Gewissen machen.

Besser ist immer super

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Das klingt banal, ist aber das Gegenteil vom Perfektionismus, der uns Solopreneuren oft im Weg steht.

Wer sich optimal vornimmt, blockiert sich selbst — wer sich besser vornimmt, kommt jeden Tag einen Schritt weiter.

Eine der nützlichsten Fragen beim Aufbau eines Solo-Businesses ist: “Wie mache ich es heute ein bisschen besser als gestern?”

Das Anti-Angeber-Programm

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Mir kommt manchmal vor, wir Solopreneure haben eine Art “Anti-Angeber-Programm” installiert.

“Keiner mag einen Angeber”, steckt in unserem Hinterkopf. Und wenn wir dann die Chance haben, uns und unsere Arbeit zu präsentieren, dann machen wir uns selbst klein – um nur ja nicht wie ein Angeber zu wirken. Wir setzen auf Understatement, weil wir denken, das hätte Klasse.

Eine vernünftige Selbstpräsentation hat überhaupt nichts mit Angeben zu tun. Es ist schlicht das Nennen von Fakten. Du hast etwas geleistet? Haben deine Kund:innen durch dich Erfolg? Hast du einen großen Auftrag bekommen? Dann sag es. Ohne “eigentlich” und “ein bisschen” und “naja, ist ja nichts Besonderes”.

Die anderen können nur mit den Informationen arbeiten, die du ihnen gibst.

[Danke Katharina Lewald für diesen Gedanken.]